Alexander von Zemlinsky (* 14. Oktober 1871 in Wien; † 15. März 1942 in Larchmont, New York) war ein österreichischer Komponist und Dirigent.
Biografie
Zemlinsky wuchs als Sohn einer jüdisch-muslimisch-katholischen Familie in der
jüdisch geprägten
Leopoldstadt von Wien auf. Seine musikalische Begabung trat früh zutage. Mit zwölf Jahren wurde er im Konservatorium angemeldet. Hier studierte er bis
1892 und schrieb seine ersten Werke.
Sein Vorbild und Förderer war Johannes Brahms, sein Schüler war Arnold Schönberg, der nach der Heirat seiner Schwester Mathilde sein Schwager wurde. Er war Musiklehrer von Alma Schindler, der späteren Alma Mahler-Werfel, und war mit deren späterem Mann, dem Komponisten Gustav Mahler befreundet.
Die weitreichende musikalische Entwicklung Zemlinskys kann man gut an seinen Streichquartetten aufzeigen: Das erste ist in der Klangsprache und kompositionstechnisch stark von Brahms beeinflusst, das letzte ist nah beim expressionistischen Schönberg (im Gegensatz zum späteren zwölftönigen Schönberg-Stil).
Von 1911 bis 1927 war Zemlinsky in Prag als musikalischer Direktor des Deutschen Landestheaters tätig. Weitere Stationen in seinem Leben waren die Kroll-Oper in Berlin und noch einmal Wien, bevor er 1938 in die USA emigrierte.
Besonders Alban Berg war ein großer Bewunderer des Komponisten Zemlinsky, vom Dirigenten zeigten sich Igor Strawinsky und Kurt Weill beeindruckt. Wohl kaum ein österreichischer Komponist außer dem ungleich populäreren Gustav Mahler hat es so trefflich verstanden, den Wiener Jugendstil in schillernden spätromantisch-impressionistischen Klangeffekten auszudrücken.
Werke
Orchesterwerke
- Symphonie e-Moll 1 (1891) *
- Symphonie d-Moll 2 (1892/92; UA Wien 1893)
- Suite für Orchester: Legende, Reigen, Humoreske (ca. 1895; UA Wien 1885)
- Lustspielouvertüre (zu Warteneggs Der Ring des Ofterdingen) (1894/95)
- Symphonie B-Dur 3 (1897; UA Wien 1899)
- Drei Ballettstücke (Suite aus dem Ballett Der Triumph der Zeit) (1902; UA Wien 1903)
- Die Seejungfrau. Fantasie für Orchester (1902/03; UA Wien 1905)
- Lyrische Symphonie in sieben Gesängen für Sopran, Bariton und Orchester nach Gedichten von Rabindranath Tagore op. 18 (1922/23; UA Prag 1924)
- Sinfonietta op. 23 (1934; UA Prag 1935)
Opern
- 1. Wiener Urfassung: Komische Oper in einem Vorspiel und drei Akten (1907–09; Kl.-A. 1910)
- 2. Revidierte Wiener Fassung: Musikalische Komödie in einem Vorspiel und drei Akten (Überarbeitung: 1910; Kl.-A. 1910 *; UA Volksoper Wien 1910)
- 3. Prager Fassung: Musikalische Komödie in einem Vorspiel und zwei Akten (Überarbeitung: 1922; UA Prag 1922)
- Eine florentinische Tragödie. Oper in einem Akt op. 16, Libretto von Oscar Wilde in der Übertragung von Max Meyerfeld (1915/16; UA Stuttgart 1917)
Der Zwerg. Ein tragisches Märchen für Musik in einem Akt 17, Libretto von Georg C. Klaren frei nach Oscar Wildes Kunstmärchen Der Geburtstag der Infantin (1919–21, UA Köln 1922)
Der Kreidekreis. Oper in drei Akten 21, Libretto vom Komponisten nach Klabund (1930–32; UA Zürich 1933)
Der König Kandaules. Oper in drei Akten 22, Libretto vom Komponisten nach André Gide in der deutschen Übertragung von Franz Blei (1935/36, Instrumentierung vollendet von Antony Beaumont 1992–96; UA Hamburgische Staatsoper 1996)
Sonstige Bühnenwerke
Chorwerke
- Minnelied (Heinrich Heine) für Männerchor, zwei Flöten, zwei Hörner und Harfe (ca. 1895)
- Hochzeitsgesang („Baruch aba“; „Mi adir“). Motette für Kantor, gemischten Chor und Orgel (1896)
- Frühlingsbegräbnis (Paul Heyse) für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (1896/97, rev. ca. 1903; UA Originalfassung: Wien 1900, rev. Fassung: Köln 1997)
- Frühlingsglaube (Ludwig Uhland) für gemischten Chor und Streichorchester (1896; UA Köln 1988)
- Geheimnis (Dichter unbekannt) für gemischten Chor und Streichorchester (1896, instrumentiert von Antony Beaumont; UA Wien 1995)
- Der 83. Psalm, für Soli, Chor und Orchester (1900; UA Wien 1987)
- Der 23. Psalm op. 14, für Chor und Orchester (1910; UA Wien 1910)
- Aurikelchen (Richard Dehmel) für Frauenchor (ca. 1920)
- Der 13. Psalm op. 24, für Chor und Orchester (1935; UA Wien 1971)
Orchesterlieder
- Waldgespräch (Joseph von Eichendorff) für Sopran, zwei Hörner, Harfe und Streicher (1896; UA Wien 1896)
- Zwei Gesänge für eine Männerstimme und Orchester (1900/01, instrumentiert von Antony Beaumont; UA Köln 1999)
- Maiblumen blühten überall (Richard Dehmel) für Sopran und Streichsextett (ca. 1902/03)
- Sechs Gesänge nach Gedichten von Maurice Maeterlinck op. 13 (komp. 1913, instr. 1913/21; UA Nr. 1–3 u. 5: Wien 1913, Nr. 4 u. 6: Prag 1921)
- Symphonische Gesänge für eine Bariton- oder Altstimme und Orchester op. 20. Texte aus Afrika singt. Eine Auslese neuer afro-amerikanischer Lyrik (1929; UA Brünn 1935)
- siehe auch Orchesterwerke: Lyrische Symphonie op. 18
Lieder mit Klavierbegleitung
- Lieder aus dem Nachlass
- Lieder op. 2 (1895/96)
- Gesänge op. 5 (1896/97)
- Walzer-Gesänge nach toskanischen Liedern von Ferdinand Gregorovius op. 6 (1898)
- Irmelin Rose und andere Gesänge op. 7 (1898/99)
- Turmwächterlied und andere Gesänge op. 8 (1898/99)
- Ehetanzlied und andere Gesänge op. 10 (1899–1901)
- Sechs Gesänge nach Gedichten von Maurice Maeterlinck op. 13 (1913)
- Sechs Lieder op. 22 (1934; UA Prag 1934)
- Zwölf Lieder op. 27 (1937)
- Three Songs (Irma Stein-Firner) (1939; UA Hamburg 1996)
Kammermusik
- Drei Stücke für Violoncello und Klavier (1891; UA Wien 2006)
- Streichquartett e-Moll (1893; UA Berlin 1998)
- Sonate in a-Moll für Violoncello und Klavier (1894; UA Wien 1894)
- Zwei Sätze für Streichquintett d-Moll (1894, 1896)
- Serenade (Suite) A-Dur für Violine und Klavier (1895; UA Wien 1896)
- Trio d-Moll op. 3 für Klarinette (oder Violine), Violoncello und Klavier (1896; UA Wien 1896)
- Streichquartett Nr. 1 A-Dur op. 4 (1896; UA Wien 1896)
- Streichquartett Nr. 2 op. 15 (1913–15; UA Wien 1918)
- Streichquartett Nr. 3 op. 19 (1924; UA Leipzig 1924)
- Zwei Sätze für Streichquartett (1927; UA Toblach 1994)
- Streichquartett Nr. 4 (Suite) op. 25 (1936; UA Wien 1967)
- Quartett (Zwei Fragmente) für Klarinette, Violine, Bratsche und Violoncello (1938/39; UA Hamburg 1996)
- Jagdstück für zwei Hörner und Klavier (1939)
- Humoreske (Rondo). Schulstück für Bläserquintett (1939)
Klavierwerke
- Ländliche Tänze op. 1 (ca. 1891; UA 1892)
- Vier Balladen: 1. Archibald Douglas, 2. Der König von Thule, 3. Der Wassermann, 4. Intermezzo (1892/93)
- Albumblatt (Erinnerung aus Wien) (1895)
- Skizze (1896)
- Fantasien über Gedichte von Richard Dehmel op. 9 (1898)
- Menuett (aus Das gläserne Herz) (1901)
Literatur
- Antony Beaumont: Zemlinsky. Faber and Faber, London 2000 (englisch), ISBN 0-571-16983-X (Die deutsche Übersetzung ist im September 2005 bei Zsolnay, Wien, erschienen, ISBN 3-552-05353-0)
- Alexander Zemlinsky: Briefwechsel mit Arnold Schönberg, Anton Webern, Alban Berg und Franz Schreker, hrsg. von Horst Weber (= Briefwechsel der Wiener Schule, Bd. 1). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-12508-8
- Christoph Becher: Die Variantentechnik am Beispiel Alexander Zemlinskys (= Wiener Schriften zur Musikgeschichte, Bd. 2). Böhlau, Wien, Köln und Weimar 1999, ISBN 3-205-98931-7
- Pamela Tancsik: Die Prager Oper heißt Zemlinsky. Theatergeschichte des Neuen Deutschen Theaters Prag in der Ära Zemlinsky von 1911–1927. Böhlau, Wien, Köln und Weimar 2000, ISBN 3-205-99068-4
- Horst Weber: Alexander Zemlinsky. Eine Studie (= Österreichische Komponisten des XX. Jahrhunderts, Bd. 23). Elisabeth Lafite / Österreichischer Bundesverlag, Wien 1977, ISBN 3-85151-060-7
Weblinks
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