Alexander VI - Pinturicchio detail.jpg in den Appartamenti Borgia, 1492 - 1495]]
Alexander VI. (eigentlich Rodrigo de Borja, italienisch Borgia, * 1. Januar 1430 in Játiva bei Valencia; † 18. August 1503 in Rom) war Papst von 1492 bis 1503. Sein katholischer Gedenktag ist der 18. August. Er war nicht nur einer der schillerndsten Päpste seiner Zeit, sondern auch ein Renaissance-Fürst und ein skrupelloser Machtpolitiker. Er müsste eigentlich Alexander V. heißen, weil der andere Papst mit diesem Namen ein Gegenpapst war.
Der Liebe war er trotz seiner Kirchenwürden zugetan und bemühte sich - typisch für die Renaissance - nicht, dies vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Mit Vanozza de’ Cattanei, der Mutter seiner Kinder Juan (später Herzog von Gandia), Cesare (später Herzog der Romagna), Lucrezia (später Herzogin von Ferrara) und Jofré lebte er in seiner Zeit als Kardinal etwa 20 Jahre lang zusammen. Es sind legendäre Schilderungen über Orgien an seinem Hof überliefert.
Am 10. August 1492 wurde er zum Papst Alexander VI. gewählt, wobei es sich zeittypisch um Simonie (Ämterkauf) gehandelt hat. Übelgenommen wurde ihm später sein Nepotismus: Seinen Sohn Cesare ernannte er gegen dessen Willen zum Bischof; auch andere, von ihm ins Land geholte Spanier wurden begünstigt. Es kursierte das nie bewiesene Gerücht, dass er mit seiner Tochter Lucrezia geschlafen und lästige Rivalen mit dem berüchtigten „Borgia-Gift“ aus dem Weg geräumt habe. Seinen Sohn Johann ernannte er zum Herzog des von Neapel für den Kirchenstaat zurückerworbenen Benevent.
Nachdem Rodrigo Borgia zum Papst gewählt worden war, nutzte die Familie Farnese den Einfluss der langjährigen Mätresse Giulia Farnese auf den Papst, um insbesondere deren Bruder Alessandro Farnese in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen zu lassen. Im Alter von 25 Jahren wurde dieser tatsächlich zum Kardinal ernannt und der beim römischen Volk mit dem Ausdruck „Cardinal Gonella“ („Röckchen“) verhöhnte junge Mann sollte mehr als 30 Jahre später zum mächtigen Papst Paul III. der Gegenreformation werden. Diesen Aufstieg verdankte Alessandro Farnese nicht zuletzt seiner Schwester Giulia und ihren von Rodrigo Borgia schon zu seiner Zeit als Kardinal sehr geschätzten Liebeskünsten, mit denen sie ihn schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren zu erfreuen wusste.
Die Vielzahl der dem neuen Papst nachgesagten Exzesse rief Kritiker auf den Plan. Ihr prominentester Vertreter wurde schließlich der Dominikanermönch Girolamo Savonarola in Florenz, der sich anfangs noch um ein gutes Einvernehmen mit Alexander bemühte und keine Bedenken hatte, ihm offiziell zur Hochzeit seiner Tochter Lucrezia zu gratulieren. Er forderte jedoch später sowohl die Absetzung des Papstes wie auch kirchliche Reformen und predigte: „Ihr Kirchenführer, ... nachts geht ihr zu euren Konkubinen und morgens zu euren Sakramenten.“ Bei einer späteren Gelegenheit meinte er: „Diese Kirchenführer haben das Gesicht einer Hure, ihr Ruhm schadet der Kirche sehr. Ich sage euch, diese halten nichts vom christlichen Glauben.“
Um Savonarolas Schweigen zu erkaufen, bot ihm Alexander VI. die Kardinalswürde an. Savonarola lehnte ab, woraufhin er exkommuniziert und in der von ihm abgefallenen Stadt Florenz verhaftet, erhängt und verbrannt wurde.
Alexander war der bislang letzte Spanier, der Papst wurde.
Alexander gewährte vielen nach der Reconquista Andalusiens von dort vertriebenen Juden in Rom Asyl. Den Protest der „allerkatholischsten“ spanischen Könige („Los Reyes Católicos") Isabella I. und Ferdinand II. beantwortete der damit, dass er den Juden seinen Schutz versprochen habe, und blieb bei seinem Entschluss.
Hartmann Schedel bietet in seiner Weltchronik von 1493 eine positive Bewertung von Alexanders Wahl. Großmut und Klugheit seien dem neuen Papst zu eigen.
Alexander war zweifellos lebenslustig, sinnlich und machtbewusst. Dass er sich noch als Siebzigjähriger eine sehr junge Mätresse hielt, hat selbst zur damaligen Zeit doch Anstoß erregt. Andererseits spricht seine offene Kritik an der ausschweifenden Lebensweise seines Sohnes Cesare und die eigene Arbeitsdisziplin des regelmäßig schon frühmorgens am Schreibtisch sitzenden Papstes gegen einen mit Trinkgelagen und Orgien ausgefüllten Lebenswandel.
Dazu gehört auch, dass seine Einladungen zum Essen gefürchtet waren und nach Möglichkeit gemieden wurden. Dies geschah nicht etwa, weil man argwöhnte, vergiftet zu werden, sondern weil stets nur ein einziger Gang serviert wurde, was selbst in vielen Klöstern als Zumutung empfunden worden wäre.
Dazu merkt Zwingli in der Vorrede zum Commentarius de vera et falsa religione von 1525 an:
Mann | Papst | Römisch-katholischer Bischof (15. Jh.) | Spanier | Geboren 1430 | Gestorben 1503
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