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Alexander VI - Pinturicchio detail.jpg in den Appartamenti Borgia, 1492 - 1495]]

Alexander VI. (eigentlich Rodrigo de Borja, italienisch Borgia, * 1. Januar 1430 in Játiva bei Valencia; † 18. August 1503 in Rom) war Papst von 1492 bis 1503. Sein katholischer Gedenktag ist der 18. August. Er war nicht nur einer der schillerndsten Päpste seiner Zeit, sondern auch ein Renaissance-Fürst und ein skrupelloser Machtpolitiker. Er müsste eigentlich Alexander V. heißen, weil der andere Papst mit diesem Namen ein Gegenpapst war.

Kirchliche Karriere


Sein Onkel Alfonso Borgia, der als Kalixt III. von 1455 bis 1458 als Papst regierte, ermöglichte ihm den Aufstieg in der kirchlichen Hierarchie. Rodrigo Borgia war zwar kein Priester – das wurde er erst Jahre später – dennoch ernannte ihn sein päpstlicher Onkel zum Kardinal. Später hatte er das Amt des Vizekanzlers inne, das ihn zu einem der reichsten Männer Europas machte.

Der Liebe war er trotz seiner Kirchenwürden zugetan und bemühte sich - typisch für die Renaissance - nicht, dies vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Mit Vanozza de’ Cattanei, der Mutter seiner Kinder Juan (später Herzog von Gandia), Cesare (später Herzog der Romagna), Lucrezia (später Herzogin von Ferrara) und Jofré lebte er in seiner Zeit als Kardinal etwa 20 Jahre lang zusammen. Es sind legendäre Schilderungen über Orgien an seinem Hof überliefert.

Pontifikat


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Am 10. August 1492 wurde er zum Papst Alexander VI. gewählt, wobei es sich zeittypisch um Simonie (Ämterkauf) gehandelt hat. Übelgenommen wurde ihm später sein Nepotismus: Seinen Sohn Cesare ernannte er gegen dessen Willen zum Bischof; auch andere, von ihm ins Land geholte Spanier wurden begünstigt. Es kursierte das nie bewiesene Gerücht, dass er mit seiner Tochter Lucrezia geschlafen und lästige Rivalen mit dem berüchtigten „Borgia-Gift“ aus dem Weg geräumt habe. Seinen Sohn Johann ernannte er zum Herzog des von Neapel für den Kirchenstaat zurückerworbenen Benevent.

Nachdem Rodrigo Borgia zum Papst gewählt worden war, nutzte die Familie Farnese den Einfluss der langjährigen Mätresse Giulia Farnese auf den Papst, um insbesondere deren Bruder Alessandro Farnese in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen zu lassen. Im Alter von 25 Jahren wurde dieser tatsächlich zum Kardinal ernannt und der beim römischen Volk mit dem Ausdruck „Cardinal Gonella“ („Röckchen“) verhöhnte junge Mann sollte mehr als 30 Jahre später zum mächtigen Papst Paul III. der Gegenreformation werden. Diesen Aufstieg verdankte Alessandro Farnese nicht zuletzt seiner Schwester Giulia und ihren von Rodrigo Borgia schon zu seiner Zeit als Kardinal sehr geschätzten Liebeskünsten, mit denen sie ihn schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren zu erfreuen wusste.

Die Vielzahl der dem neuen Papst nachgesagten Exzesse rief Kritiker auf den Plan. Ihr prominentester Vertreter wurde schließlich der Dominikanermönch Girolamo Savonarola in Florenz, der sich anfangs noch um ein gutes Einvernehmen mit Alexander bemühte und keine Bedenken hatte, ihm offiziell zur Hochzeit seiner Tochter Lucrezia zu gratulieren. Er forderte jedoch später sowohl die Absetzung des Papstes wie auch kirchliche Reformen und predigte: „Ihr Kirchenführer, ... nachts geht ihr zu euren Konkubinen und morgens zu euren Sakramenten.“ Bei einer späteren Gelegenheit meinte er: „Diese Kirchenführer haben das Gesicht einer Hure, ihr Ruhm schadet der Kirche sehr. Ich sage euch, diese halten nichts vom christlichen Glauben.“

Um Savonarolas Schweigen zu erkaufen, bot ihm Alexander VI. die Kardinalswürde an. Savonarola lehnte ab, woraufhin er exkommuniziert und in der von ihm abgefallenen Stadt Florenz verhaftet, erhängt und verbrannt wurde.

Tod


Am 18. August 1503 starb Alexander VI. an Symptomen, die denen einer Arsenvergiftung ähnelten und zur damaligen Zeit als Malariainfektion diagnostiziert wurde. Nach dem heutigen Forschungsstand wird davon ausgegangen, dass Alexander und sein Sohn Cesare von Kardinal Adriano Castellesi vergiftet wurden. Während Alexander starb, überlebte Cesare den Anschlag.

Alexander war der bislang letzte Spanier, der Papst wurde.

Bewertung


Verdienste

Alexanders Verdienste um eine geordnete Verwaltung der Kirche und des Kirchenstaates sind genauso unbestritten wie sein Verdienst um die Mission Südamerikas, für die er gegen den heftigen Protest der spanischen Krone spanisches Kirchenvermögen besteuerte. Er hatte diese Besteuerung wohl veranlasst, um diese Mission nicht völlig auf Kosten der Indianer gehen zu lassen. 1494 teilte er durch den Vertrag von Tordesillas die Welt zwischen den beiden konkurrierenden Seemächten Portugal und Spanien auf, um eine friedliche Abgrenzung der Interessenssphären dieser beiden christlichen Mächte herbeizuführen.

Alexander gewährte vielen nach der Reconquista Andalusiens von dort vertriebenen Juden in Rom Asyl. Den Protest der „allerkatholischsten“ spanischen Könige („Los Reyes Católicos") Isabella I. und Ferdinand II. beantwortete der damit, dass er den Juden seinen Schutz versprochen habe, und blieb bei seinem Entschluss.

Hartmann Schedel bietet in seiner Weltchronik von 1493 eine positive Bewertung von Alexanders Wahl. Großmut und Klugheit seien dem neuen Papst zu eigen.

Lebenswandel

Alexanders Lebenswandel unterschied sich nicht signifikant negativ von demjenigen anderer (Kirchen-)Fürsten seiner Zeit. Ein Urteil über seine Frömmigkeit erscheint nicht möglich. Gemessen am Anspruch des Papsttums ist er jedoch kritisch zu sehen. So war er bekannt dafür, Kardinäle gegen Gebühr zu ernennen, um sie dann umbringen zu lassen. Verurteilte Mörder begnadigte er gegen eine entsprechende Spende. Überliefert ist sein Sinnspruch: „Der Herr will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebt und zahlt.“ Ungewohnt und beim Adel Italiens, insbesondere Roms, Anstoß erregend war jedoch sein unverhohlenes Bekenntnis zu seinen Kindern und vor allem zu der mit ihrer Hilfe betriebenen Machtpolitik, mit der eine spanische Adelsfamilie im Herzen Italiens Fuß fasste. Giovani de Medici sagte über ihn: „Jetzt sind wir in den Fängen des vielleicht wildesten Wolfes, den die Welt je gesehen hat.“

Alexander war zweifellos lebenslustig, sinnlich und machtbewusst. Dass er sich noch als Siebzigjähriger eine sehr junge Mätresse hielt, hat selbst zur damaligen Zeit doch Anstoß erregt. Andererseits spricht seine offene Kritik an der ausschweifenden Lebensweise seines Sohnes Cesare und die eigene Arbeitsdisziplin des regelmäßig schon frühmorgens am Schreibtisch sitzenden Papstes gegen einen mit Trinkgelagen und Orgien ausgefüllten Lebenswandel.

Dazu gehört auch, dass seine Einladungen zum Essen gefürchtet waren und nach Möglichkeit gemieden wurden. Dies geschah nicht etwa, weil man argwöhnte, vergiftet zu werden, sondern weil stets nur ein einziger Gang serviert wurde, was selbst in vielen Klöstern als Zumutung empfunden worden wäre.

Zwingli über Alexander VI.

Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli attackierte Alexander scharf. Er warf ihm vor, gegen das grundlegende 1. Gebot („Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“, Exodus 20,3), das es dem Menschen unter anderem untersagt, sich selbst zu einem Gott zu erheben, verstoßen zu haben. Damit zeige sich, so Zwingli, die Widerchristlichkeit der römischen Kirche. Hintergrund ist ein Text, der in Rom bei der Krönung Alexander VI. zum Papst zu lesen war:
„Rom hat groß einen Cäsar gemacht. Nun hebt Alexander kühn es zum Gipfel empor, Mensch jener, dieser ein Gott!“
Nach Fritz Blanke, Hauptschriften von Ulrich Zwingli, Bd. IX: Zwingli, der Theologe. Teil 1: Kommentar Huldrych Zwinglis über die wahre und falsche Religion, übersetzt und erläutert von Fritz Blanke, 1941, S.4; siehe auch: Klabund: Borgia''

Dazu merkt Zwingli in der Vorrede zum Commentarius de vera et falsa religione von 1525 an:

„Wir können es nicht leugnen: ‚Gott auf Erden‘ haben wir ihn genannt“
(a.a.O., S.3f).
Weil Alexander sich „Gott“ nennen ließ, sei dieser damit vom christlichen Glauben abgefallen.

Literatur


  • Geiger, Ludwig (Hg.): Alexander VI. und sein Hof. Nach dem Tagebuch seins Zeremonienmeisters Burcardus; Stuttgart: Lutz, 19121 (=19123, 192014)
  • Orestes Ferrara: El papa Borgia; deutsche Übersetzung „Alexander VI. Borgia“, Zürich 1957
  • Herrmann, Horst: Die Heiligen Väter. Päpste und ihre Kinder; Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verlag, 2004; ISBN 3746681103 (neue Sicht)
  • Reinhardt, Volker: Der unheimliche Papst. Alexander VI. Borgia; 1431 - 1503; München: Beck, 2005; ISBN 3-406-44817-8
  • Reichenberger, Kurt; Reichenberger, Theo: Der Borgiapapst Alexander VI - Monster oder Märthyrer?; Kassel: Edition Reichenberger, 2003; ISBN 3-935004-68-0
  • Schedel, Hartmann: Weltchronik; hg. von Stephan Füssel; Nachdruck der kolorierten Gesamtausgabe von 1493;
    Braunschweig: Archiv-Verlag, 2005 (?) (Neuauflage bei: Augusburg: Weltbild)
    Augsburg: Weltbild, 2004; ISBN 3-8289-0803-9
    Köln u.a.: Taschen, 2001; ISBN 3-8228-5725-4
    Ostfildern: Quantum Books, 2001 (?); ISBN 3-935293-04-6 (Registrum huius operis libri cronicarum cum figuris et ymagibus ab initio mundi)
  • Hans Kühner: Lexikon der Päpste ISBN 3-925037-59-4

Weblinks


Mann | Papst | Römisch-katholischer Bischof (15. Jh.) | Spanier | Geboren 1430 | Gestorben 1503

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