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Alexander Sergejewitsch Puschkin (russisch Алекс́андр Серг ́еевич П́ушкин, wiss. Transliteration Aleksandr Sergeevič Puškin; * 26. Mai/6. Juni 1799 in Moskau; † 29. Januar/10. Februar 1837, Sankt Petersburg) gilt als der bedeutendste russische Dichter und der Begründer der modernen russischen Literatur.

Leben


Puschkin wird in Moskau geboren und verbringt die Sommer von 1805 bis 1810 üblicherweise bei seiner Großmutter, Maria Alexejewna (einer Enkelin des äthiopischen Sklaven Ibrahim Petrowitsch Gannibal, der später Patenkind Peters des Großen wurde), im Dorf Sacharow bei Svenigorod nahe Moskau. Diese frühen Kindheitseindrücke spiegeln sich in seinen ersten Versuchen als Dichter wieder, z.B. in den bald darauf entstandenen Gedichten Mönch, (Монах, 1813), Bowa, (Бова, 1814), sowie in seinen im Lyzeum entstandenen Poslanije k Judinu (Послание к Юдину 1815) und Traum (Сон, 1816).

Sechs Jahre verbringt Puschkin im Lyzeum Zarskoje Selo (das heute seinen Namen trägt), einer Elite-Lehranstalt, die am 19. Oktober 1811 eröffnet worden ist. Von dort aus erlebt der Junge auch die Ereignisse des "Vaterländischen Krieges" gegen Napoleon (1812).

Anfang 1815 schreibt Puschkin im Beisein G. R. Derschawins sein patriotisches Gedicht "Erinnerungen an Zarskoje Selo", (Воспоминание о Царском Селе) das in der Zeitschrift Russisches Museum (Русский Музей) gedruckt wurde.

Noch als Schüler wird Puschkin in Abwesenheit in die Petersburger literarische Gesellschaft Arsamas des W. A. Schukowski aufgenommen, die sich gegen tradierte, verkrustete Sprachvorstellungen der etablierten Literatur wendet und sich für eine Weiterentwicklung der russischen Hoch-/Schriftsprache einsetzte. Die frühe Poesie des Dichters strahlt seine unstillbare Lebenslust aus.

1816 erfährt Puschkins Lyrik eine entscheidende Wendung, als die Elegie zu seiner Haupt-Dichtform wird.

Als Puschkin 1817 das Lyzeum abschließt, nimmt er mit dem Titel eines "Kollegiensekretärs" eine Stellung im Petersburger "Kollegium für Auswärtige Angelegenheiten" an. Er wird zum ständigen Theaterbesucher, nimmt an den Sitzungen der Arsamas-Gesellschaft teil und wird Mitglied der Literatur- und Theatergemeinschaft Grüne Lampe (Зеленая лампа), die von den Anfängen der Dekabristenbewegung beeinflusst ist. Obwohl Puschkin am frühen, geheimen Wirken der Dekabristen nicht teilnimmt, ist er doch mit vielen der aktiven Mitglieder in Freundschaft verbunden und schreibt politische Epigramme und Gedichte wie "К Чаадаеву" (Liebe, Hoffnung, stiller Ruhm...), Вольность, Н. Я. Плюсковой, (alle 1818), Деревня (1819). In diesen Jahren ist er beschäftigt mit der dem märchenhaften Versepos Ruslan und Ljudmila (Руслан и Людмила), das er schon im Lyzeum begonnen hat und mit der er ganz auf der Linie von Arsamas bezüglich der Notwendigkeit der Schaffung nationaler Heldenepen liegt. Das Gedicht wird im Mai 1820 abgeschlossen und ruft ein erbittertes Echo in der Kritik hervor, die sich über den Niedergang des "Hohen Kanons" empört.

Alexander_Sergejewitsch_Puschkin.jpg]] Im Frühjahr 1820 muss sich Puschkin für einige seiner Spottgedichte verantworten, in denen er Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie den Kriegsminister oder den Bildungsminister lächerlich macht. Einer Verbannung nach Sibirien entgeht er aufgrund der Protektion einflussreicher Freunde, muss Petersburg jedoch im Frühsommer des Jahres verlassen und wird auf die Krim versetzt. Er lebt einige Zeit bei seinem noch aus Petersburg stammenden Freund General Rajewskij und lernt dessen Tochter Maria kennen. Hier schreibt er das romantische Gedicht „Der Brunnen von Bachtschissaraj“. Bis 1824 lebt Puschkin an verschiedenen Orten im Süden Russlands, u.a. Odessa und Chişinău. 1823 beginnt er sein bedeutendstes Werk, das Versepos Eugen Onegin, das er erst 1830 abschließt. 1824 bis 1825 lebt Puschkin bei seinen Eltern auf dem Gut in Michajlowskoje, eine Zeit, die durch Konflikte mit dem Vater und einem intensiven literatischen Briefwechsel mit seinen Freunden geprägt ist. Seine Tragödie Boris Godunow, mit der er die eingefahrenen Wege der russischen Dichtung weit verlässt, erlebt in dieser Zeit ihre Anfänge.

Nach einer Audienz bei Zar Nikolaus I. darf Puschkin von 1826 bis 1831 zwar wieder in Moskau und Petersburg leben, seine Werke werden vom Zaren persönlich zensiert und sein Werk und Leben stark kontrolliert (auch aufgrund seiner Verbindungen zu den Aktivisten des Dekabristenaufstands). Dies prägt auch die Weiterarbeit von Eugen Onegin. Puschkin ist unzufrieden, da er weder seine dichterischen noch seine privaten Vorstellungen leben kann.

Einen Wechsel in Puschkins Lebensumständen bewirkt seine Heirat mit Natalja Gontscharowa 1831. Das Paar zieht nach Petersburg, wo sie mit Unterstützung von Gontscharowas wohlhabender Verwandtschaft am mondänen Leben des Zarenhofes teilnehmen können - was Puschkin, der sich nach Unabhängigkeit sehnt, frustriert. Er duelliert sich häufig und oft aus trivialen Gründen; seine Werke in dieser Zeit entstehen unter großem psychischen Druck.

Erst 1836 darf er die Literaturzeitschrift Sowremennik (Der Zeitgenosse) herausgeben, ein Fortschritt in seiner stark zensierten Tätigkeit. Im Winter des Jahres 1836/1837 duelliert er sich in Folge einer Intrige mit dem französischen Gardeoffizier Georges-Charles d'Anthès und wird dabei durch einen Bauchschuss schwer verletzt. Am 29. Januar 1837, zwei Tage später, stirbt er. D'Anthès, den die Kugel an Brust und Arm streifte, erleidet dagegen nur leichte Verletzungen. Aus Angst vor Sympathiekundgebungen überführt man Puschkin in das Swjatogorski-Kloster bei Pskow und beerdigt ihn dort.

Bedeutung


Puschkin ist für alle seine Landsleute der russische Nationaldichter (mit weitem Abstand vor im Ausland wohl bekannteren Schriftstellern wie Tolstoi, Dostojewski, Gogol oder Pasternak; im Deutschen vergleichbar nur einer Kombination aus Schiller und Goethe) schlechthin. Er bereitete in seinen Gedichten, Dramen und Erzählungen der Verwendung der Umgangssprache den Weg; er schuf einen erzählerischen Stil, der Drama, Romantik und Satire mischte - ein Stil, der seitdem untrennbar mit der russischen Literatur verbunden ist und der zahlreiche russische Dichter massiv beeinflusste. Seine romantischen Zeitgenossen waren Byron und Goethe; er wurde beeinflusst von Voltaire und den Shakespeare'schen Tragödien.

Werke


Gedichte und Verserzählungen

Dramen

  • Der geizige Ritter (1830)
  • Der steinerne Gast (1830)
  • Mozart und Salieri (1832): Puschkin vertritt die These, Salieri habe Mozart vergiftet, da er in Mozart ein von Gott gegebene Genialität erkannte. Salieri stellt die Frage: Warum wurde Mozart, warum wurde nicht ich mit Genialität ausgestattet. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Rimsky-Korsakow schrieb dazu die Oper.
  • Boris Godunov (1828)
  • Die Meerjungfrau

Romane

  • Die Hauptmannstochter (1836)
  • Der Mohr Peters des Großen / Der Mohr des Zaren (unvollendet, begonnen 1827)
  • Dubrovsky (unvollendet, begonnen 1823/33)

Erzählungen

  • Die Geschichten des verstorbenen Iwan Petrowitsch Belkin/Erzählungen Belkins (1831)
    • Der Sargmacher
    • Der Postmeister
    • Der Schneesturm
    • Der Schuss
    • Das Fräulein als Bäuerin
  • Pique Dame (1834)
  • Der Sargtischler
  • Roslavlev
  • Kirdžali
  • Ägyptische Nächte (Fragment, 1835)

Tagebücher

  • Die Reise nach Arzrum während des Feldzug im Jahre 1829

Literatur


  • Menno Aden: Puschkin. Russland und sein erster Dichter. Tübingen: Attempto. 2000. ISBN 3-89308-324-3
  • Ulrich Busch: Puschkin. Leben und Werk. München: Wewel. 1989. (= Quellen und Studien zur russischen Geistesgeschichte; 7) ISBN 3-87904-105-9
  • Andreas Ebbinghaus: Puskin und Russland. Zur künstlerischen Biographie des Dichters. Wiesbaden: Harrassowitz. 2004. (= Opera Slavica; N.F., 46) ISBN 3-447-04999-5
  • Robin Edmonds: Puschkin. Biographie. Zürich u.a.: Benziger. 1996. ISBN 3-545-34139-9
  • Natalia Hergett: "Ehre" in der russischen Literatur. Analyse des Begriffs in ausgewählten Werken von Aleksandr S. Puskin. Hamburg: Kovac. 2003. (= Studien zur Slavistik; 6) ISBN 3-8300-1053-2
  • Rolf-Dietrich Keil: Puschkin. Ein Dichterleben. Biographie. Frankfurt am Main u.a.: Insel. 2001. (= Insel Taschenbuch; 2782) ISBN 3-458-34482-9
  • Wolfgang Kissel: Der Kult des toten Dichters und die russische Moderne. Puskin - Blok - Majakovskij. Köln u.a.: Böhlau. 2004. (= Bausteine zur slavischen Philologie und Kulturgeschichte: Reihe A, Slavistische Forschungen; N.F., 45) ISBN 3-412-16503-4
  • Ute Lange-Brachmann (Hrsg.): Alexander Puschkin. Baden-Baden: Nomos. 1998. (= Baden-Badener Beiträge zur russischen Literatur; 4) ISBN 3-7890-5605-7
  • Reinhard Lauer u. Alexander Graf (Hrsg.): A. S. Puskins Werk und Wirkung. Beiträge zu einer Göttinger Ringvorlesung. Wiesbaden: Harrassowitz. 2000. (= Opera Slavica; N.F., 38) ISBN 3-447-04364-4
  • Jurij M. Lotman: Alexander Puschkin. Leipzig: Reclam. 1989. (= RUB; 1317: Biografien) ISBN 3-379-00487-1
  • Jurij N. Tynjanov: Puschkin. Diogenes-Taschenbuch. 1987. ISBN 3-257-21535-5
  • Gerhard Ressel (Hsrg.): A. S. Puskin und die kulturelle Identität Russlands. Beiträge des deutsch-russischen Symposiums "A.S. Puskin und die kulturelle Identität Russlands". Oktober 1999. Universität Trier. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang. 2001. (= Heidelberger Publikationen zur Slavistik: A, Linguistische Reihe; 13) ISBN 3-631-36704-X
  • Nyota Thun: Puschkinbilder. Bulgakow, Tynjanow, Platonow, Soschtschenko, Zwetajewa. Berlin u.a.: Aufbau. 1984.
  • Elisabeth Vyslonzil (Hsrg.): Alexander S. Puschkin und das europäische Geistes- und Kulturleben. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang. 2003. ISBN 3-631-38170-0
  • Erwin Wedel (Hrsg.): A. S. Puschkin (1799-1837). Beiträge zum 200. Geburtstag des russischen Nationaldichters. Regensburg: Laßleben. 2003. (= Schriftenreihe des Osteuropainstituts Regensburg-Passau; 17) ISBN 3-7847-3167-8
  • Markus Wolf: Freimaurertum bei Puskin. Einführung in die russische Freimaurerei und ihre Bedeutung für Puskins literarisches Werk. München: Sagner. 1998. (=Slavistische Beiträge; 355) ISBN 3-87690-692-X
  • Gudrun Ziegler: Alexander S. Puschkin. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. 1979. (= Rowohlts Monographien; 279) ISBN 3-499-50279-8

Weblinks


Autor | Literatur (19. Jh.) | Literatur (Russisch) | Drama | Erzählung | Lyrik | Roman, Epik | Mann | Russe | Freimaurer (19. Jh.) | Geboren 1799 | Gestorben 1837

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