Fürst Alexander Michailowitsch Gortschakow (russisch Александр Михайлович Горчаков) (* 15. Juli 1798 in Haapsalu - † 11. März 1883 in Baden-Baden) war russischer Diplomat, Außenminister und Kanzler.
Während den Revolutionen von 1848 soll er eine Rolle bei der Abdankung des Kaisers Ferdinand I. zugunsten von Franz Josef I. gespielt haben.
1850 lernte er als Botschafter beim Deutschen Bund in Frankfurt den jungen Otto von Bismarck kennen, der dort in gleicher Funktion Preußen vertrat. Die beiden wurden Freunde - Bismarck war 1859 bis 1862 Gesandter in Sankt Petersburg - galten aber ab den 1870er Jahren als außenpolitische Rivalen.
Dann ernannte ihn Zar Nikolaus I. - unzufrieden mit dem bisherigen Botschafter Baron Meyendorff - zum Botschafter in Wien. Im Vorfeld des Krimkrieges warnte er, dass sich Großbritannien und Frankreich den russischen Ambitionen entgegenstellen würden. Die Haltung der Österreicher während des Krimkrieges gilt als Ursache dafür, dass er und der Zar Österreich-Ungarn später oft ablehnend gegenüberstanden. Er nahm an den Verhandlungen zum Pariser Frieden vom 20. März 1856 über die Beendigung des Krimkrieges teil, lehnte es aber ab, an der Unterzeichnung des Vertrages teilzunehmen.
In den Deutschen Einigungskriegen verhielt Russland sich unter seiner Führung neutral.
Während des Dreikaisertreffens zwischen dem deutschen Kaiser Wilhelm I., Kaiser Franz-Josef I. von Österreich-Ungarn und dem Zaren Alexander II. in Berlin vom 9. September bis 11. September 1872 verhandelte Gotschakow mit Bismarck und Gyula Andrassy über eine engere Zusammenarbeit zwischen den drei Kaiserreichen. Die Verhandlungen führten zum Dreikaiserabkommen von 1873.
1875 schaltete sich Gortschakow in die sog. "Krieg in Sicht-Krise" zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich ein.
Der erneute Russisch-Türkische Krieg (Balkankrise) endete für Gotschakow enttäuschend. Durch den Berliner Kongress 1878 konnte ein Krieg zwischen den Grossmächten verhindert werden. Russland musste seine Ansprüche auf Landgewinne und Einfluss auf dem Balkan und in Anatolien aber reduzieren. Insbesondere konnte Gotschakow das im Frieden von San Stefano vorgesehene Grossbulgarien nicht durchsetzen.
Er bezeichnete den Kongress später als die grösste Niederlage seiner Laufbahn.
In Zentralasien führt das stetige Vordringen Russlands in Richtung Indien zu Spannungen mit Großbritannien, dass seine Interessen in Britisch-Indien bedroht sah. Dieser Teil russischer Aussenpolitik entzog sich aber weitgegend Gotschakows Kontrolle, da für Zentral- und Ostasien ein eigenes Asienministerium bzw. die russische Armee zuständig waren. Er erklärte aber die Notwendigkeit, Russlands Südgrenze mit Gewalt zu befrieden.
Ein Treffen des Kaisers mit dem Zaren im September 1879 entspannte die Situation, der Zar soll den fordernden Ton seines Briefes bedauert haben.
Wie der Krimkrieg zur Zeit seines Vorgängers Nesselrode das enge Einvernehmen mit Österreich-Ungarn beendete führte der auf den Berliner Kongress folgende Ohrfeigenbrief zu einer deutlichen Abkühlung der Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Russland. Sowohl Nesselrode als auch Gotschakow hatten von ihren Verbündeten als Dank für in der Vergangenheit geleistete Gefälligkeiten vergeblich Rückendeckung - zumindest wohlwollende Neutralität - in Hinblick auf Russlands Ambitionen gegenüber dem osmanischen Reich erwartet. In der Folge betrieb Gortschakow eine Annäherung zwischen Russland und Frankreich die unter seinen Nachfolgern zu einem Bündnis führte.
Mann | Russe | Geboren 1798 | Gestorben 1883
Александър Горчаков | Alexander Mikhailovich Gorchakov | Горчаков, Александр Михайлович
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