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Die alemannischen Dialekte gehören zum deutschen Dialektkontinuum. In der germanistischen Linguistik bezeichnet man mit Alemannisch eine Gruppe von Dialekten, die neben dem Bairischen zum Oberdeutschen gehören. Das Alemannische geht auf den Volksstamm der Alemannen zurück, und teilt sich in vier Dialektgruppen und in zahlreiche Dialekte sowie Subdialekte auf. Es wird heute von etwa 10 Millionen Menschen in sechs verschiedenen Ländern im Südwesten des deutschen Sprachraums gesprochen.

Die in der Schweiz gesprochenen alemannischen Dialekte werden auch Schweizerdeutsch genannt. Die Bezeichnung „Alemannisch” ist in der Schweiz ebenso wenig geläufig wie im Elsass und im Schwabenland. In rein linguistischer Hinsicht bildet das Schweizerdeutsche zwar keine spezielle Gruppe des Alemannischen, wohl aber in pragmatischer, denn für die Verwendung des Dialekts gelten in der Schweiz andere Bedingungen als in den Nachbarländern.

Varietät des Deutschen oder eigenständige Sprache?


Eine Verständlichkeit des Alemannischen für Sprecher der deutschen Standardsprache ist je nach alemannischem Dialekt teilweise mittelmäßig, vor allem im südlichen Raum aber nur in sehr geringem Maße gegeben. Daher sprechen einige Linguisten, die Sprachen und Dialekte hauptsächlich nach dem Kriterium der gegenseitigen Verständlichkeit differenzieren, vom Alemannischen als einer eigenen Sprache. Beispiele hierfür sind das Institut SIL International und die Organisation UNESCO.

Das Kriterium der gegenseitigen Verständlichkeit ist jedoch stark mit Vorsicht anzuwenden, da das Alemannische als Teil des deutschen Dialektkontinuums nahtlos in die anderen deutschen Varietäten übergeht und Verständlichkeit ein stark subjektiver Faktor ist, der je nach Alter, Wohnort, Bildungstand und persönlicher Prägung der befragten Personen stark variieren kann und zugleich auch davon abhängt, wie gegenseitige Verständlichkeit überhaupt definiert wird. Zudem müsste man konsequenterweise auch gleich von mehreren eigenen alemannischen Sprachen sprechen, da die gegenseitige Verständlichkeit auch nicht unter allen alemannischen Dialekten gewährleistet ist. In dieser Hinsicht wird dann meist das Schwäbische vom südlicheren Alemannisch getrennt. Allgemein lässt sich aber sagen, dass praktisch bei jedem Dialekt des Deutschen die Verständlichkeit für Menschen anderer Dialektregionen nicht gewährleistet ist.

In der Sprachwissenschaft des deutschsprachigen Raumes, wo unter sprachlich verwandten Varietäten meist nur diejenigen als eigenständige Sprachen gelten, die das Kriterium der Ausbausprache (Hochsprache) erfüllen, wird das Alemannische deshalb überwiegend als eine regionale Varietät der deutschen Sprache angesehen. Da die Sprecher des Alemannischen hauptsächlich die deutsche Hochsprache als ihre Dachsprache (Schriftsprache) nutzen, gibt es nur geringe Tendenzen hin zur Ausbausprache. Zumindest innerhalb der Schweiz geht die Entwicklung aber, wenn auch nur allmählich, bereits in Richtung eines Kulturdialektes.

Einteilung


Alemannischer Sprachraum.png

Das Alemannische wird in vier Ebenen eingeteilt. Dabei nähern sich die sprachlichen Eigenschaften des Alemannischen vom alpinen Süden zum eher flachen Norden hin immer mehr den Merkmalen der hochdeutschen Sprache an. Von Süd nach Nord werden so die Dialektgruppen Höchstalemannisch, Hochalemannisch, Niederalemannisch und Schwäbisch unterschieden.

Höchstalemannisch

Merkmal: Keine Diphthongierung im Hiatus, also und nicht [ (schneien, bauen) wie in den anderen alemannischen Dialekten.

Hochalemannisch

Merkmal: Anlautendes // ist wie im Höchstalemannischen zum Frikativ geworden, und nicht zu * wie im Niederalemannischen oder Schwäbischen. Hochalemannisch wird manchmal auch als Südalemannisch bezeichnet.

Niederalemannisch

Merkmal: Anlautendes // ist zu oder Frikativ [" target="_blank" >* wie im Hochalemannischen. Innerhalb des niederalemannischen Sprachraumes kommt es zum Übergang von hochalemannischen zu schwäbischen Merkmalen.

Bodenseealemannisch

Oberrheinalemannisch

Schwäbisch

Merkmal: Mittelhochdeutsch hûs, îs → hous, eis (*), und nicht → huus/hüüs, iis wie in den anderen alemannischen Dialekten. Das Schwäbische dringt seit dem letzten Jahrhundert in Württemberg und Bayerisch-Schwaben immer weiter in Richtung Süden vor.

Grammatik


Siehe alemannische Grammatik.

Sprachbesonderheiten


  • Diminutiv: Der Diminutiv (Verkleinerungsform) wird in allen alemannischen Großdialekten viel verwendet. In den nördlichen und östlichen Dialekten wird er durch das Suffix -le, in den südlichen Dialekten durch das Suffix -li ausgedrückt (z.B. Häusle - Hüüsle - Hüüsli - Hiisli für Häuschen, Kendle - Chindli für Kindlein)

  • Konjugation von "sein"
    • Niederschwäbisch: I ben - Du bisch - Er isch - Mir send - Ihr send - Dui send - Partizip Perfekt: I ben gwä
    • Allgäuerisch: I bi - Du bisch - Är isch - Mir send / sönd - Ihr send - Dui send - Partizip Perfekt: I bi gsi
    • hanauerisch: ich binn - du bisch - är isch - mir sinn - ihr sinn - sie sinn - Partizip Perfekt: ich binn gsinn
    • Unteres Markgräflerland: Ich bi, Du bisch, Är isch, Mir sin, Ihr sin, Si sin - Partizip Perfekt: Ich bi gsi
    • Voralpenland: I bee - Dou bisch - Är isch - Mr send - Ihr send - Dia send - Partizip Perfekt: I bee gsei
    • Östliches Schweizerdeutsch:I bi - Du bisch - Är isch - M(i)r send / sönd /sinn - I(i)r sönd /sind - Di sönd - Partizip Perfekt: I bi gsi. Imperativ: Seg / Sig!
    • Westliches Schweizerdeutsch: I(g) bi, Du bisch, Är isch, Mir sy, Dihr syt, Si sy. Partizip Perfekt: I(g) bi gsi/gsy. Imperativ: Bis!
    • Senslerdeutsch: I bǜ, Dù bǜsch, Är isch, Mi(er) sy, (D)ier syt, Si sy. Partizip Perfekt: I bǜ gsyy. Imperativ: Syg!

  • Höflichkeitsformen
    • Im alten Baseldeutsch wird oft die 3. Person Singular für die Höflichkeitsform verwendet: „Steigen Sie auch aus?“ „Stygt dr Herr au us? (Steigt der Herr auch aus?)“
    • Im Hoch- und Höchstalemannischen wird oft die 2. Person Plural „Ihr“ verwendet, insbesondere im Berndeutschen und im Walliserdeutschen. So würde man „Möchten Sie noch ein Stück?“ übersetzen mit „Weit'er no nes Stuck?“ \ „Welltider no as Stuck?“. Außerhalb des Berndeutschen und Walliserdeutschen ist diese Höflichkeitsform durch den Einfluss der Schriftsprache selten geworden und gilt heute oft als unanständig, da sie nicht direkt auf eine Person eingeht.

Der signifikanteste Unterschied zwischen nieder- und hochalemannisch ist die Aussprache des Lautes -ch- nach den Buchstaben -e-, -i-, -ä-, -ö-, -ü-, und Konsonanten: Im niederalemannischen wird dieser Laut wie im Standarddeutschen ausgesprochen ("Becher"), im hochalemannischen wie -ch- in "Bach".

Die einzelnen Dialekte unterscheiden sich manchmal weitgehend voneinander. So wird z.B. in der Stadt Bern nicht der gleiche Dialekt gesprochen wie im Simmental oder im Emmental. Es gibt allerdings auch Übergangsdialekte wie das Schwarzbubendeutsche, welches eine Mischung aus Baslerdialekt, französischen Wörtern und solothurner Dialekt darstellt.

Beispielsatz


Hochdeutsch
  • Mutter: Warst du auf dem Markt einkaufen?
  • Fritzchen: Ja, ich habe drei Kilogramm Kartoffeln, 250 Gramm Butter, ein Glas Johannisbeer-Marmelade und eine Packung Spaghetti gekauft.

Südbadisch, Weil am Rhein
  • D`Müder: Bisch uff'm Märt go iigchaufe gsi?
  • S`Fritzle: Joo, ich ha drei Kilo Grumbiire, ä halbs Pfund Angge, ä Glaas Zanderle-Guezäle un ä Päckli Schbageddi gchauft.

Mehr Übersetzungen: Alemannischer Beispielsatz

Alemannische Dialektdichtung


Alemannische Literatur


  • Wikipedia: In der Houptsyte werden enzyklopädische Artikel in alemannischer Sprache gesammelt.

Weblinks


Alemannisch

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