Die Alamannen oder Alemannen sind ein westgermanischer Stammesverband. Ihr Siedlungs- und Herrschaftsgebiet wurde im Frühmittelalter als Alamannien bezeichnet. Heute sind sie in den bundesdeutschen Ländern Baden-Württemberg (nördlich von Stuttgart bis etwa Höhe Ludwigsburg) und Bayern (im Regierungsbezirk Schwaben), in den deutschen Sprachregionen der Schweiz, in Liechtenstein, im Elsass (Departments Unterelsass und Oberelsass) und in den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol (Bezirk Reutte) ansässig.
Der historische Stammesverband der Alamannen ging über in den altdeutschen Stamm der Schwaben. Heute bezeichnen sich ein Teil der Bewohner im süddeutschen Sprachraum als «Alemannen». Sie sprechen Dialekte, welche in der Linguistik als alemannische Dialekte bezeichnet werden und pflegen «alemannisches» Brauchtum wie die alemannische Fasnacht. In Baden-Württemberg grenzen sich die Bewohner des alten Baden oft als «Alemannen» gegen die «Schwaben» aus Württemberg ab.
Die (ugs.) Abgrenzung zwischen «Alamannen» und «Alemannen» ist gegenwärtig nicht einheitlich. Während für den historischen Volksstamm bundesdeutsche Archäologen, Denkmalschutzämter und Museen überwiegend die Bezeichnung «Alamannen» gebrauchen, sprechen bundesdeutsche Historiker sowie Schweizer Archäologen und Museen überwiegend von «Alemannen».
Der Name Alamannen wird (pars pro toto - ein Teil (steht) für das Ganze) in verschiedenen europäischen Sprachen als Bezeichnung für die Deutschen verwendet. (Beispielsweise: les Allemands im Französischen; los alemanes im Spanischen und os alemães im Portugiesischen; aber auch in außereuropäischen Sprachen, wie Almanlar im Türkischen und Elman oder Alman im Kurdischen. Siehe auch: Liste der germanischen Stämme, Schwaben
Vom ehemaligen Dekumatland aus unternahmen die Alamannen wiederholt Raubzüge in die angrenzenden Provinzen des römischen Reiches Raetia und Maxima Sequanorum, aber auch bis weit nach Gallien hinein. Sie erlitten dabei wiederholt Niederlagen gegen römische Heere, so durch Kaiser Constantius 298 bei Langres und bei Vindonissa (Windisch). Nach der verlustreichen Schlacht bei Mursa 351 zwischen dem gallischen Usurpator Magnentius und Kaiser Constantius II. brachen die Franken und Alamannen gemeinsam über die Rheingrenze. Die Alamannen besetzten die Pfalz, das Elsass und die Nordostschweiz. Erst der Sieg des Caesar (Unterkaiser) Julian in der Schlacht von Argentoratum (Straßburg) 357 gegen die vereinigten Alamannen unter Chnodomar sicherte die Rheingrenze erneut. Während der Regierungszeit Kaiser Valentinians I. gelang es den Alamannen zweimal, 365 und 368, ins Reichsgebiet einzudringen und unter anderem Mogontiacum (Mainz) zu plündern. Nach einem Vergeltungsfeldzug, der 369 Valentinian I. den Beinamen Alamannicus einbrachte, ließ er die Rheingrenze durch eine neue Reihe von Kastellen sichern, so in Altrip, Breisach am Rhein und gegenüber von Basel (Robur). Die Grenze am Hochrhein wurde mit einer Kette von Wachtürmen (burgi) verstärkt. 374 schlossen die Alamannen unter ihrem König Makrian einen dauerhaften Frieden mit Valentinian I. Dennoch musste sein Nachfolger, Kaiser Gratian 378 wiederum einen Feldzug gegen die Alamannen führen, der als letzter Vorstoß römischer Truppen über die Rheingrenze gilt. Danach standen die Alamannen in einem Foederaten-Verhältnis zum römischen Reich.
Die Usurpation durch Magnus Maximus in Britannien und der Krieg mit den Franken erlaubte 383 einen Einbruch der Alamannen in Rätien, das Kaiser Valentinian II. nur mit Unterstützung der Alanen und der Hunnen wieder sichern konnte. Weitere interne römische Machtkämpfe unter Kaiser Theodosius I. schwächten die römische Position am Rhein. Dem Heermeister Stilicho gelang es zwar 396/398, die Verträge mit den Alamannen zu erneuern, dennoch musste er zum Schutz Italiens vor den Goten ab 401 die römischen Truppen von der Reichsgrenze abziehen. Es scheint nach neuesten Erkenntnissen danach jedoch nicht zu einem sofortigen «Alamannensturm» in die ehemals römischen Gebiete gekommen zu sein. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die föderierten Alamannen zumindest eine Zeit lang noch die Grenze schützten. Insbesondere Rätien wurde als «Schutzschild Italiens» noch bis Mitte des 5. Jahrhunderts verteidigt: Römische Truppen wehrten 430 unter Flavius Aetius und 457 unter Kaiser Majorian alamannische Einfälle nach Rätien und Italien ab. Gallien war den Plünderungszügen der Alamannen hingegen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert und wurde gemäß dem Chronisten Fredegar nach 406 wiederholt verwüstet.
Ab 455 setzte eine West- und Ostexpansion der Alamannen nach Gallien und Noricum ein, über die nur ungesicherte Informationen vorliegen. Ein Konflikt mit den benachbarten Franken führte nach Gregor von Tours zwischen 496 und 507 zur entscheidenden Niederlage der Alamannen bei Zülpich gegen den fränkischen König Chlodwig I.. Chlodwig habe danach in Zusammenhang mit diesem Sieg den christlichen Glauben angenommen. Die Alamannen fielen danach unter die Hoheit der Franken und der Ostgoten. 536/537 überließ der Ostgotenkönig Witigis dem Frankenkönig Theudebert I. unter anderem Churrätien und das Protektorat über «die Alamannen und andere benachbarte Stämme». Damit befanden sich alle Alamannen unter fränkischer Herrschaft.
Siehe auch: Römisches Reich, Spätantike, Fränkisches Reich, Heiliges Römisches Reich, Geschichte der Schweiz
Bis 496/497 herrschte ein König (rex) oder ein Herzog (dux) über die Alamannen, manchmal auch mehrere gleichzeitig über verschiedene Teile des Stammes. Die Titel wurden ihnen von römischen Chronisten zugeordnet. Mit der Unterwerfung der Alamannen durch die Franken endete deren Souveränität und es wurden unregelmäßig durch den fränkischen König Herzöge für das alamannische Gebiet eingesetzt. Eine lückenlose lineare Liste zu erstellen ist aufgrund der Quellenlage jedoch nicht möglich.
Alamannien wurde durch seinen autonomen Status im Frankenreich als Herzogtum in einem Gebiet gefestigt, das wohl größtenteils mit dem späteren Herzogtum Schwaben übereinstimmt. Das Elsass wurde jedoch meist als eigenes Herzogtum geführt und gehörte eigentlich nicht zu Alamannien. Die Herzöge stammten verschiedentlich noch aus vornehmen alamannischen Familien und standen nicht immer in Konkurrenz zu fränkischen Adligen. So gründete z.B. ein alamannischer Herzog zusammen mit dem fränkischen Hausmeier das Kloster Reichenau. Der Schwerpunkt des fränkischen Herzogtums lag im Gebiet südlich des Hochrheins und im Bodenseegebiet. Die Franken mussten wiederholt gegen aufständische alamannische Herzöge ins Feld ziehen. Im so genannten Blutsgerichtstag zu Cannstatt 746 wurde der Widerstand endgültig gebrochen: Das Herzogtum Alamannien wurde aufgehoben und direkt von den Franken beherrscht. Damit verschwand der alamannische Herzogstitel längere Zeit. Allerdings versuchte Kaiser Ludwig der Fromme, seinem Sohn Karl zwischen 829 und 838 ein Königreich Alamannia zu schaffen. Im 10. Jahrhundert wurde das ostfränkisch/deutsche Herzogtum Schwaben gegründet, für das die lateinischen Bezeichnungen Suevia und Alamannia bis weit ins Hochmittelalter gleichbedeutend verwendet wurden. Dieses Herzogtum lässt sich einigermaßen eingrenzen. Auch ist seine fränkische Gaueinteilung einigermaßen gesichert. Umstrittene Gebiete waren nach wie vor das Elsass und der Aargau, die vom benachbarten Herzogtum Lothringen bzw. vom Königreich Burgund beansprucht wurden. Nach dem Schwabenkrieg 1499 wurde Alamannien nur noch für den südlich des Rheins gelegenen, eidgenössischen Teil des alten Herzogtums verwendet.
Siehe weiter: Herzogtum Schwaben, Geschichte der Schweiz, Liste der Gaue von Alamannien/Schwaben, dem Elsass und von Hochburgund
Siehe weiter: Germanische Mythologie
Beim Siedlungsgebiet der Alamannen gilt es klar zu unterscheiden zwischen denjenigen Gebieten, in denen archäologische Funde und Flurnamen auf eine mindestens zeitweise Ansiedlung von alamannischen Sippen deuten, und denjenigen Gebieten, die von den Sprechern der modernen alemannischen Dialekte bewohnt werden. Die Flurnamen und Funde liegen zwischen Mainz, Würzburg, Alpennordkamm, Vogesen und jenseits der Burgundischen Pforte in der Franche-Comté bis Dijon. In der Schweiz bildet der Raum zwischen Bern und Freiburg im Westen und dem Walen- und Bodensee die Grenze. Die Linguistik bezeichnet eine Reihe von heutigen oberdeutschen Sprachen bzw. Großdialekten, die auf den Volksstamm der Alamannen zurückgehen als «Alemannisch». Diese werden in Baden (land) südlich von Baden-Baden, am Bodensee, im Oberallgäu, in Vorarlberg, im Elsass und in der deutschsprachigen Schweiz gesprochen. Die Alamannen vermischten sich in den von ihnen besiedelten Gebieten mit der bereits ansässigen romanisierten keltischen Bevölkerung, wobei sich meist das Alemannische als Umgangssprache durchsetzte. Vor allem das Rätoromanische wurde und wird bis heute von den alemannischen Dialekten im Alpenraum stark zurückgedrängt. Manche Gebiete wie das Wallis wurden erst im Mittelalter von alemannisch sprechenden Siedlern erschlossen. Gegenüber dem Französischen ist eher ein umgekehrter Trend festzustellen, insbesondere im Elsass und in der Westschweiz zwischen Freiburg im Üechtland (Fribourg) und Neuenburg wird das Alemannische zunehmend vom Französischen verdrängt. Siehe weiter: Alemannische Dialekte, Schwäbisch-alemannische Fastnacht, Alemannischer Separatismus
Alamannen | Schweizerische Geschichte | Germanischer Stamm | Historisches Territorium | Europäische Ethnie | Schwaben
Alamannen | Alemanned | Alaman | Alamanni | Alamanes | Alemannit | Alamans | Alamanni | Alamanni | Alemannen | Alamanowie | Alamanos | Алеманны | Alemani | Алемани | Alemanner | Алемани
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Alamannen".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world