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Aldo Leopold (* 11. Januar 1887 in Burlington am Mississippi in Iowa; † 21. April 1948) war ein US-amerikanischer Forstwissenschaftler und Ökologe.

Leben und Wirkung


Aldo Leopold beginnt 1905 an der kurz zuvor gegründeten Forstfakultät der Yale Universität zu studieren. Hier kommen ihm seine deutschen Vorfahren zugute, denn für das Forststudium sind Deutschkenntnisse obligatorisch. Dies ist damit begründet, dass hier das deutsche (mitteleuropäische) Nachhaltigkeitskonzept der Forstwirtschaft gelehrt wird. Als er das Studium abschließt, gehört er zur ersten Generation amerikanischer Förster.

Sein erstes großes Betätigungsfeld ist der Aufbau einer Forstverwaltung für das Gebiet zwischen Rio Grande, Colorado River und mexikanischer Grenze. Eine wilde Landschaft mit Waldgebieten, die erstmals vermessen und kartiert werden. Hier findet er auch seine künftige Frau, die junge Lehrerin Estella Bergere, die er, obwohl Lutheraner, in der katholischen Kathedrale von Santa Fe heiratet.

1915 erhält er aus Washington den Auftrag, die Gründe für den Rückgang der Wildtierbestände in seinem Gebiet zu erforschen. Damit wendet sich seine Aufmerksamkeit der Wildtierbiologie zu. So untersucht er die Zusammenhänge von Überweidung, Bodenerosion, Störungen des Wasserhaushalts und dem Verhalten der Fauna, woraus er ein Konzept ableitet, das vorsieht, ein Netz von Wildtierreservaten zu errichten und den Grand Canyon umfassend unter Landschaftsschutz zu stellen. Beide Konzepte werden umgesetzt.

Danach setzt er sich mit der Biologie, die das Leben von Tieren und Pflanzen im Zusammenhang mit ihrem Habitat untersucht, der Ökologie, auseinander. Zur gleichen Zeit inspiriert ihn ein 1922 auf Englisch erschienenes Buch des russischen Schriftstellers und Esoterikers Pjotr D. Uspenskij (1878-1947), der die These vertritt: „Die Erde ist ein koordiniertes Ganzes, ein sich selbst regulierender Organismus, ein Lebewesen“ (frühe Version der "Gaia-Theorie").

Bereits 1923 formuliert er aufgrund seiner Erfahrungen eine Ethik der Nachhaltigkeit. Er beginnt mit diesem Wissen an einem Forschungsinstitut der Universität von Wisconsin im Mittleren Westen zu arbeiten. Hier entwickelt er sich zu einem anerkannten Wildtierbiologen. Durch die Freundschaft mit dem britischen Naturforscher Charles Elton (1900-1991) ergeben sich Synergien, die den Begriff der Ökosysteme tiefgreifend prägen.

In den Great Plains tritt die größte Dürre in der Klimageschichte der USA auf. Als Gegenmaßnahmen werden Aufforstungen im großen Stil vorgenommen, aber ein Wandel der Denkmuster (Paradigmen), die in die Krise geführt haben, vollzieht sich nicht. Im Sommer 1935 bricht er zu einer Studienreise nach Deutschland auf, um dort Anregungen für eine nachhaltige Forstwirtschaft in Amerika zu sammeln. In der Forstfakultät der Technischen Hochschule Dresden wird die Delegation empfangen. Aldo Leopold erkennt im Land der Vorfahren mit klarem Blick die Anstrengungen für den Naturschutz mit dem Dauerwald, doch die rigide aufgeteilten und geometrisch angelegten Schläge (Flächenfachwerk) zeigen eine Nutzung der Wälder als "Holzfabriken". Es war auch ein Besuch auf Gut Neschwitz in der Oberlausitz angesetzt. Der Gutsherr Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch (1895-1962), ein Vertreter der Dauerwaldidee, betreibt seine Forstwirtschaft mit Einzelbaumentnahme und Naturverjüngung. Aldo Leopold ist begeistert.

Nach der Rückkehr in die USA probiert er seine gesammelten Ideen aus. Eine verlassene Farm am Wisconsin River, deren Boden nichts mehr hergab, wird sein Versuchsgelände. Er beginnt erfolgreich mit der Renaturierung des gesamten Geländes. Heute sind dort vielfältige Waldbilder zu sehen. Diese Naturbeobachtungen bei der Arbeit schreibt Leopold nieder und ergänzt sie mit seinen umfassenden Erfahrungen. Aus dieser Niederschrift entsteht der Sand County Almanac, der ein Jahr nach dem Tod des Autors 1949 erscheint (deutsch, gekürzt 1992: Am Anfang war die Erde).

Heute wird Aldo Leopold weltweit als Pionier des ökologischen Denkens anerkannt.

Sein Sohn Aldo Starker Leopold (1913 - 1983) war ebenfalls ein bekannter Wildtier-Ökologe.

Werke (Auswahl)


  • Report on a game survey of the north central states. Made by Aldo Leopold for the Sporting arms and ammunition manufacturers′ institute under direction of its Committee on restoration and protection of game etc., Madison 1931
  • Game management, New York 1933
  • Thinking like a mountain, 1944 (dt. Denken wie ein Berg) – Essay

Ein Großteil seiner Schriften wurde postum in Sammelbänden in Buchform veröffentlicht:

  • A Sand County almanac, and Sketches here and there, New York 1949 (dt. Am Anfang war die Erde. Plädoyer zur Umwelt-Ethik, München 1992, ISBN 3-926901-54-3)
  • Round River. From the Journals of Aldo Leopold, New York 1953 – herausgegeben von Luna B. Leopold
  • A Sand County almanac. With other essays on conservation from Round River, New York 1966
  • ''Aldo Leopold’s wilderness. Selected early writings by the author of „A sand county almanac“, Harrisburg 1990, ISBN 0811718646 – herausgegeben von David E. Brown und Neil B. Carmony.
  • The river of the mother of God and other essays, Madison 1991, ISBN 0299127605 – herausgegeben von Susan L. Flader und J. Baird Callicott
  • Aldo Leopold′s Southwest, Albuquerque 1995, ISBN 0826315801 – herausgegeben von David E. Brown und Neil B. Carmony
  • For the health of the land. Previously unpublished essays and other writings, Washington, D.C. 1999, ISBN 1559637633 – herausgegeben von J. Baird Callicott und Eric T. Freyfogle

Literatur


  • Curt Meine: Aldo Leopold. His life and work. University of Wisconsin Press, Madison 1988, ISBN 0299114902
  • Hannes Bergthaller: Ökologie zwischen Wissenschaft und Weltanschauung. Untersuchungen zur Literatur der modernen amerikanischen Umweltbewegung: Aldo Leopold, Rachel Carson, Gary Snyder und Edward Abbey. Dissertation. Universität Bonn, Bonn 2004 (als pdf-Version)
  • Thomas Tanner (Hrsg.): Aldo Leopold. The man and his legacy. Soil Conservation Society of America, Ankeny 1987, ISBN 0935734139
  • Peter Anderson: Aldo Leopold. American ecologist. Watts, New York 1995, ISBN 0531202038
  • Julie Dunlap: Aldo Leopold. Living with the land. Twenty-First Century Books, New York 1993, ISBN 0805025014
  • Robert A. McCabe: Aldo Leopold, the professor. Rusty Rock Press, Madison 1987, ISBN 0910122989
  • Anthony Wolff (Hrsg.): The Sand country of Aldo Leopold. A photographic interpretation by Charles Steinhacker. Sierra Club, San Francisco 1973, ISBN 0871560755

Weblinks


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