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Die Albtalbahn ist eine Eisenbahnstrecke von Karlsruhe über Ettlingen nach Bad Herrenalb mit einer Zweigstrecke nach Ittersbach, die ursprünglich bis Pforzheim weiterführte. Seit ihrer Verknüpfung mit dem Karlsruher Straßenbahnnetz bildet sie den Grundstein für das Karlsruher Stadtbahnnetz und war Vorbild für die Verknüpfung regionaler Eisenbahnstrecken mit städtischen Straßenbahnsystemen in anderen europäischen Städten.
Ettlingen leistete zunächst Widerstand, da es befürchtete, dass der Bau einer direkten Eisenbahnverbindung nach Karlsruhe eine Eingemeindung der Stadt nach sich ziehen könnte. Mit dem Vorschlag, die Bahnstrecke als meterspurige Schmalspurbahn auszuführen, konnten die Einwände entkräftet werden. Nach Erteilung der Konzession durch die badischen (1896) und württembergischen (1897) Behörden konnte mit dem Bahnbau begonnen werden. Bei Herrenalb und Birkenfeld durchquerte die Albtalbahn württembergisches Gebiet, was aber - im Gegensatz zur benachbarten Murgtalbahn - zu keinen weiteren Schwierigkeiten beim Bau oder Betrieb der Bahn führte.
Albtalbahn_Frauenalb_Bahnhof.jpg Der erste Streckenabschnitt zwischen Karlsruhe und Ettlingen konnte am 1. Dezember 1897 eröffnet werden, ihm folgten die Teilstrecken Ettlingen - Frauenalb am 14. Mai 1898, Frauenalb - Herrenalb am 2. Juli 1898, Busenbach - Ittersbach am 10. April 1899, Ittersbach - Brötzingen am 2. Januar 1900 und schließlich Brötzingen - Pforzheim Leopoldplatz am 2. Juli 1901. Die Beweggründe zum Bau des Teilstücks zwischen Ittersbach und Pforzheim waren vor allem der starke Berufsverkehr zwischen Pforzheim und seinen westlichen Vororten.
Die Strecke Ettlingen West - Ettlingen Stadt wurde mit einem Dreischienengleis ausgestattet und in die Albtalbahn integriert. Gebaut wurde die Albtalbahn von der Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (W.E.G.), die sie 1898 in ihre neu gegründete Tochtergesellschaft Badische Lokal-Eisenbahnen Aktien-Gesellschaft (B.L.E.A.G.) einbrachte.
Albtalbahn_Albtalbahnhof.jpg Im Zuge der Verlegung des Karlsruher Hauptbahnhofs wurde der nördliche Endpunkt der Albtalbahn zwischen 1910 und 1915 insgesamt dreimal innerhalb Karlsruhes verlegt. Bereits 1911 wurde der Streckenabschnitt zwischen Brötzingen und Pforzheim Leopoldplatz an die Stadt Pforzheim verkauft, die darauf einen Straßenbahnbetrieb einrichtete. 1917 musste die Fahrleitung auf der Zweigstrecke Busenbach - Brötzingen abgebaut und zum Betrieb mit Dampflokomotiven zurückgekehrt werden.
Entwickelte sich der Verkehr auf der Albtalbahn in den ersten Betriebsjahren sehr positiv, geriet die Bahn nach dem ersten Weltkrieg zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Der Betrieb konnte nur mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Karlsruhe aufrechterhalten werden, eine Reduzierung des Fahrplanangebots war die Folge. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise musste die B.L.E.A.G. 1931 Konkurs anmelden, auch die Stilllegung der Strecke Busenbach - Ittersbach Anfang 1931 sowie der Verkauf der Strecke Ittersbach - Brötzingen an die Stadt Pforzheim hatten den Konkurs nicht verhindern können. Die Stadt Pforzheim richtete 1931 auf dem übernommenen Abschnitt einen Kleinbahnbetrieb ein, der unter der Bezeichnung Kleinbahn Pforzheim-Ittersbach bis 1968 fortgeführt wurde.
Aus der Konkursmasse der B.L.E.A.G. übernahm die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft AG (DEBG) im Jahr 1932 die Albtalbahn. Der Verkehr zwischen Busenbach und Ittersbach wurde wieder aufgenommen und die Strecke bis 1936 erneut elektrifiziert. Durch Modernisierungsmaßnahmen wie der Aufnahme des Rollwagenverkehrs gelang es der DEBG, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bahn wieder zu verbessern.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Albtalbahn mehrfach angegriffen, die Schäden blieben jedoch vergleichsweise gering. Lediglich die Sprengung der Brücke über den Karlsruher Rangierbahnhof führte zu einer mehrmonatigen Betriebsunterbrechung.
Mit Hilfe des Landes Baden-Württemberg gründete sie 1957 die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), die am 1. April 1957 die Albtalbahn von der DEBG übernahm und unverzüglich mit den Umbauarbeiten begann. Bereits am 18. April 1958 konnte der erste umgespurte Abschnitt vom Albtalbahnhof bis Rüppurr in Betrieb genommen werden. Von nun an verkehrten die Triebwagen der Albtalbahn vom Albtalbahnhof aus weiter bis in die Karlsruher Innenstadt, so dass die meisten Fahrgäste nicht mehr umsteigen mussten.
Die nächsten umgespurten Abschnitte wurden am 15. Mai 1959 bis Ettlingen, am 15. April 1960 bis Busenbach, am 12. Mai 1960 bis Etzenrot, am 12. Dezember 1960 bis Marxzell und am 1. September 1961 bis Herrenalb in Betrieb genommen. Der Meterspurbetrieb auf der Zweigstrecke nach Ittersbach konnte sich noch bis zum 14. November 1964 halten, dann erfolgte die Stilllegung. Zwei Jahre später, am 30. Juni 1966 war die Teilstrecke bis Langensteinbach umgespurt, der Restabschnitt bis Ittersbach blieb wegen geringer Nachfrage weiterhin stillgelegt. Erst mit Gründung der Gemeinde Karlsbad im Jahr 1971 wurde der Wiederaufbau der Strecke Langensteinbach - Ittersbach beschlossen. Am 16. Oktober 1975 konnte dieser Abschnitt eröffnet werden. Er hatte gegenüber der Meterspurzeit eine andere Streckenführung erhalten, um Spielberg besser anzubinden.
Auch nach der Umspurung der Strecke in den Jahren 1957-1975 wurden die Anlagen weiter modernisiert, z.B. durch den Bau eines Zentralstellwerks in Ettlingen (1967), die Neutrassierung der Abschnitte Albtalbahnhof - Dammerstock (1977), Busenbach - Reichenbach (1979) und Rüppurr - Ettlingen Neuwiesenreben (1988), die Ertüchtigung der Strecke für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h (bis 1983) sowie den zweigleisigen Ausbau zwischen Ettlingen und Busenbach (1989-1990).
Durch die Ausbaumaßnahmen konnte das Angebot für die Fahrgäste laufend verbessert werden. Benötigten die Züge der Albtalbahn zur Meterspurzeit für die Strecke zwischen Karlsruhe und Herrenalb noch ca. 70 Minuten, waren es 1979 noch 46 Minuten und heute nur noch 35. Gleichzeitig wurde der Fahrplan verdichtet.
Obwohl eine Eisenbahnstrecke, wird der Teilabschnitt zwischen Karlsruhe Albtalbahnhof und Rüppurr nach der Betriebsordnung für Straßenbahnen betrieben, um eine Mitbenutzung durch die Fahrzeuge der Karlsruher Straßenbahn zu ermöglichen. Südlich von Rüppurr ist die Strecke mit Lichtsignalen ausgestattet, die vom Zentralstellwerk in Ettlingen gesteuert werden. Ebenfalls in Ettlingen befindet sich die Werkstatt der Bahn. Fahrzeug-Abstellhallen sind in Ettlingen, Bad Herrenalb und Ittersbach zu finden.
An Sonn- und Feiertagen im Sommer verkehren historische Dampfzüge der Ulmer Eisenbahnfreunde (UEF) zwischen Ettlingen Stadt und Bad Herrenalb. In der Vergangenheit wurde die Albtalbahn auch schon als Teststrecke für neue Stadtbahnfahrzeuge genutzt. So verkehrten 1982 die Prototypen der Stuttgarter Stadtbahnwagen DT8 auf der Strecke, 1997 die neuen Fahrzeuge der Saarbahn.
1898 wurden für die Albtalbahn sechs zweiachsige meterspurige elektrische Triebwagen mit einer Leistung von 2×27 kW und sechs dazu passende Beiwagen für den Gleichstrombetrieb beschafft. Die Fahrzeuge blieben bis 1910 im Einsatz und wurden anschließend an andere Bahnen abgegeben oder verschrottet. Zusätzlich beschaffte die B.L.E.A.G. 1901 zwei vierachsige Elektrolokomotiven mit einer Leistung von 4×50 kW für die Bespannung der Züge nach Herrenalb und Pforzheim im Abschnitt Karlsruhe - Ettlingen. Die beiden Elloks wurden 1911 an die Pforzheimer Straßenbahn abgegeben, wo sie bis 1916 im Einsatz standen.
Für den Wechselstrombetrieb wurden acht vierachsige Triebwagen mit 2×60 kW Leistung sowie vier vierachsige Elloks mit 4×59 kW Leistung beschafft. Die Lokomotiven waren mit Mittelführerstand und symmetrischen Vorbauten ausgeführt, was ihnen im Volksmund den Spitznamen Bügeleisen einbrachte. Alle zwölf Fahrzeuge waren bis zum Ende des Meterspurbetriebs im Einsatz.
Eine technische Rarität war die von 1924 bis 1954 im Bestand befindliche Motorlok mit Benzolmotorantrieb, gebaut von der Firma Windhoff. Der Motor leistete nur 38 kW, so dass die Lokomotive nicht vor Regelzügen eingesetzt werden konnte. Sie diente in erster Linie der Oberleitungsinstandhaltung.
Für den Personenverkehr besaß die Albtalbahn bis zu 77 zwei- und vierachsigen Personenwagen, die zusammen mit den Elektro- und Dampflokomotiven, aber auch in Kombination mit den vierachsigen Triebwagen eingesetzt wurden. Eine Zuggarnitur wurde Anfang der 1950er Jahre sogar für den Einsatz als Wendezug hergerichtet. Für den Güterverkehr stand eine Vielzahl offener und geschlossener Güterwagen in zumeist zweiachsiger Ausführung zur Verfügung. Der Bestand erreichte mehr als 170 Wagen. Mit der Aufnahme des Rollwagenverkehrs sank die Anzahl Güterwagen auf ca. 40 Exemplare, zuzüglich ca. 10 Rollwagen.
Für den Güterverkehr im Raum Ettlingen waren stets zwei normalspurige Dampflokomotiven auf der Albtalbahn im Einsatz, wobei die Lokomotiven zuweilen mit anderen B.L.E.A.G.- bzw. DEBG-Bahnen getauscht wurden. Es handelte sich bis auf eine Ausnahme um zwei- oder dreigekuppelte Tenderlokomotiven unterschiedlicher Bauart.
1975 wurde der Fahrzeugpark um vier Wagen mit einem moderneren, kantigeren Aussehen ergänzt, die jedoch mit den bestehenden technisch kompatibel waren. Die Wagen blieben bis ca. 1987 auf der Albtalbahn im Einsatz und verkehren seitdem im Karlsruher Straßenbahnnetz.
In den Jahren 1983 - 1992 wurde der Fahrzeugpark der Albtalbahn komplett durch insgesamt 60 sechs- und achtachsige Stadtbahnwagen ersetzt, von denen ca. 40 für den Einsatz auf den Linien S1 und S11 benötigt werden. Die Wagen stellen eine Variante des Stadtbahnwagens Typ B in Einrichtungsbauart dar und bieten insgesamt 93 Sitzpläte in der sechsachsigen und 117 in der achtachsigen Ausführung.
Im Güterverkehr setzt die AVG seit 1959 Diesellokomotiven ein. Zunächst stand nur eine Lokomotive zur Verfügung, seit 1974 zwei. Durch die Ausweitung des Güterverkehrs auf andere Strecken hat sich der Bestand an Diesellokomotiven seit 1990 weiter erhöht.
Von den AVG-Gelenktriebwagen werden zwei Fahrzeuge betriebsfähig in Karlsruhe aufbewahrt und in ihren historischen Zustand zurückversetzt.
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