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Berthold Konrad Hermann Albert Speer (* 19. März 1905 in Mannheim; † 1. September 1981 in London) war Architekt, Rüstungsminister und schließlich oberster Wirtschaftsführer in der Zeit des Nationalsozialismus. Er wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher verurteilt. Er ist auch der Vater des bekannten Städteplaners Albert Speer (junior).

Speers Ausnahmestellung gründete vor allem auf seiner engen Beziehung zu Adolf Hitler. Speer hatte (im Gegensatz etwa zu Martin Bormann oder Heinrich Himmler) keine Hausmacht in der Partei (NSDAP), so dass er ganz allein von Hitlers Gnaden abhängig war. Hitlers Wahl auf Speer als Rüstungsminister fiel daher auch aus Gründen des Machtkalküls. Aber auch Speer hatte seine eigenen Interessen und Ziele, die er als Architekt von Hitlers Bauideen noch am ehesten verfolgen konnte, so etwa die gigantomane Umgestaltung von Berlin in „Germania“ als ein Über-Rom und Über-Paris.

Als Hitlers Rüstungsminister ab Februar 1942 hatte er zunehmend mehr Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten. In steigendem Maße forderte er Zwangsarbeiter an, die ihm Heinrich Himmler und Fritz Sauckel verschafften. Die Arbeitsbedingungen dieser Sklaven interessierten Speer nicht. In einem Fernseh-Interview nach seiner Freilassung 1966 behauptete Speer, nichts von der massenhaften Ermordung der Juden und anderer Minderheiten während der deutschen Besatzung gewusst zu haben. Wie sich erst später herausstellte, war dies eine Lüge neben vielen anderen. Neue Dokumente legen nun den Schluss nahe, dass Speer den Ausbau des Zwangsarbeits- und Vernichtungslagers Auschwitz nicht nur kannte, sondern auch aktiv vorantrieb (siehe „Sonderprogramm Prof. Speer“: *). Die Selektion in arbeitsfähige Deportierte für die Rüstungsindustrie und in für die Vernichtung bestimmte Alte, Kranke und Kinder kam seinen Interessen entgegen. Als Rüstungsminister brauchte er Zwangsarbeiter und als Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt hatte er für die Neugestaltung Berlins die Massendeportation der Berliner Juden betrieben. Die Recherchen und ihre Bewertung durch die Historiker sind insoweit noch nicht abgeschlossen. Die öffentliche Diskussion um die wirkliche Verantwortung Speers wurde durch Heinrich Breloers Doku-Drama „Speer und Er“ neu belebt.

Leben


Werdegang vor 1933

Albert Speer entstammte einem großbürgerlichen Elternhaus, bereits Vater und Großvater waren Architekten.

Speer studierte zunächst „aus finanziellen Gründen“ in Karlsruhe und von Frühjahr 1924 bis Sommer 1925 an der Technischen Hochschule München. Im Herbst 1925 wechselte er nach Berlin und bemühte sich vergeblich darum, an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg in das Seminar von Hans Poelzig aufgenommen zu werden. 1926 erhält Heinrich Tessenow einen Lehrauftrag in Berlin und Speer wird sein Schüler. Nach dem Diplom 1927 blieb er zunächst für mehrere Jahre als Tessenows Assistent an der Hochschule. 1928 heiratete Speer Margarete "Margret" Weber, die im Lauf der nächsten Jahre sechs Kinder zur Welt brachte (Albert, Hilde, Margarete, Arnold, Fritz und Ernst).

1932 verließ Albert Speer Berlin und ging zurück nach Mannheim. Er ließ sich dort als Architekt nieder, erhielt jedoch keine Aufträge.

Architekt Hitlers ab 1933

Nach eigenem Bekunden erwachte sein Interesse am Nationalsozialismus im Dezember 1930 nach dem Besuch einer politischen Kundgebung in der Berliner Hasenheide bei der Hitler als Redner auftrat. Bereits am 1. März 1931 trat er in die NSDAP ein. Seine ersten Bauaufgaben überhaupt waren kleinere Umbauten von Parteigebäuden ab 1932. Nach der Machtergreifung 1933 lernte er Hitler persönlich kennen und der architekturbegeisterte „Führer“ nahm den jungen Speer in den engsten Kreis seiner Günstlinge auf. 1934 starb Hitlers bisheriger „Hofarchitekt“, der Münchner Paul Ludwig Troost, und Speer übernahm dessen Aufgaben.

In den Jahren nach 1933 entwarf Speer monumentale Bauten für die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg, die jedoch kriegsbedingt nur zum Teil realisiert wurden. Später ernannte Hitler Speer zum Generalbauinspekteur für die Reichshauptstadt Berlin. Diese Behörde wurde 1938 neu geschaffen, um den Widerstand der demokratisch gesonnenen Beamtenschaft in den Bauämtern zu umgehen und auszuhebeln. In Berlin trieb er 1938/39 in Rekordzeit mittels Tag- und Nachtschichten den Bau der Neuen Reichskanzlei voran. Ein weiterer Teil seiner Aufgaben war der Umbau Berlins in die Welthauptstadt Germania. In diesem Rahmen sollte im Spreebogen mit der Großen Halle die größte Kuppelhalle der Welt entstehen. Teil der Planungen war die Zusammenfassung des Eisenbahnverkehrs in einem neuen Nord- und Südbahnhof sowie die Errichtung von Breitspurstrecken. Mit Himmler vereinbarte Speer, dass die benötigten Steine von KZ-Häftlingen zu liefern seien. Das Kapital für die von der SS gegründete Firma „Deutsche Erd- und Stein-Werke GmbH“ wurde aus dem Haushalt Speers finanziert. Das Geld floss direkt in den Aufbau des KZ-Systems. Der zinslose Kredit war für die SS-Totenkopfverbände rückzahlbar in Form von Steinen. Zu diesem Zweck wurden fast alle KZs zwischen 1937 und 1942 in der Nähe von Tongruben oder Steinbrüchen gebaut. Für die Lager in Groß-Rosen in Schlesien und Natzweiler-Struthof im Elsass hat Speer 1940 die Standorte wegen der Granitvorkommen selbst festgelegt. Aufgrund der Aktenlage lässt sich heute beweisen, dass die Deportationslisten zwischen Oktober 1941 und März 1943 von Speers Mitarbeitern zusammen mit der Gestapo erstellt wurden. Speer hat die Kenntnis davon bis zu seinem Tode bestritten. Gleichwohl schreibt er in einem Brief vom 13. Dezember 1941 an Bormann, dass die „Aktion in vollem Gange“ sei und beschwert sich darüber, dass Bormann „Judenwohnungen“ ausgebombten Berlinern bereitstellen wolle, obwohl doch diese ihm (Speer) zustünden.

Speers Biograf und „vernehmender Redakteur“ (Zitat Siedler), der Publizist und frühere FAZ-Herausgeber Joachim Fest, äußerte sich über diese Vorwürfe in der Sendung „Literatur im Foyer“ am 15. April 2005, sie seien typisch deutsch und „kleinkariert“. Wer täglich mehrere hundert Unterschriften zu leisten habe, der könne nicht über alles im Detail Bescheid wissen. „Daher ist die Mitwisserschaft Speers nicht erwiesen, doch er wusste sicher mehr, als er zugegeben hatte.“ Diese großmütige und generöse Geste Fests steht im Widerspruch zu einer nicht mehr abreißenden Kette von Enttäuschungen über Speer. Denn schon seit 1982 sah sich Fest von Speer getäuscht aufgrund seiner Lektüre der Speer-Dissertation von Matthias Schmidt.

Minister ab 1942

Nach dem tödlichen Flugzeugabsturz von Fritz Todt 1942 machte Hitler unverzüglich Speer zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition und zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Festungsbau, Wasser und Energie. Speer gehörte seitdem endgültig zum engsten Kreis der Machthaber um den "Führer". Er war in seiner neuen Position auch verantwortlich für die Zuteilung von Baumaterial an die Konzentrationslager. In diesem Zusammenhang erlangte er über zwei Angestellte auch Kenntnis von der Funktion Auschwitz' als künftiger „Lösung der Judenfrage“, also der „Endlösung“. Auch diese Tatsache hat Speer bis zuletzt bestritten.

Zusätzlich berief ihn Hitler 1943 zum Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Albert Speer schaffte eine massive Erhöhung der Produktion, vor allem durch die Neuordnung der Produktion (Ringe / Ausschüsse) und die Delegierung der Verantwortung direkt in die Betriebe (Selbstverantwortung der Industrie) - aber auch durch den Einsatz von Millionen von Zwangsarbeitern, die u.a. von Fritz Sauckel und SS-Gruppenführer Dr.-Ing. Hans Kammler beschafft wurden.

1945 widersetzte sich Speer nach eigenen Angaben Hitlers „Politik der verbrannten Erde“ (Nerobefehl). Er sabotierte Anweisungen, die auf die Zerstörung der Infrastruktur in Deutschland und den teilweise noch besetzten westeuropäischen Ländern zielten. Speer wird vorgeworfen, dass er die Verhinderung des so genannten Nerobefehls nur mit einer vollständigen Totalisierung des Krieges von Hitler „erkauft“ habe. Jene Totalisierung und die von den Alliierten erhobene Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation, die eine politische Lösung unmöglich machte, kostete trotz einem absehbaren Kriegsende noch Millionen Menschen das Leben. Diese Totalmobilisierung führte auch dazu, dass noch zahlreiche deutsche Städte von alliierten Bombern in Schutt und Asche gelegt wurden. Weiterhin soll Speer befohlen haben, die Fabriken bis kurz vor der Eroberung Rüstungsgüter weiterproduzieren zu lassen und erst im allerletzten Moment „zu lähmen“. Angesichts der Katastrophe hat er allerdings auch Rüstungsbetriebe wieder auf die Produktion von Landmaschinen und Nahrungsgütern umgestellt und die "Transportflotte Speer" dazu eingesetzt, Saatgut zu transportieren.

Nach 1945

Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen 1946 wurde Speer wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er im Kriegsverbrechergefängnis Spandau verbrachte. Seine langjährige Sekretärin Annemarie Kempf hatte als Zeugin durch positive Aussagen und Zusammensuchen von Entlastungsmaterial versucht, das Urteil zu mildern. Während seiner Gefangenschaft unterstützen ehemalige Mitarbeiter auf Initiative von Rudolf Wolters seine Ehefrau Margret Speer und die Kinder finanziell. Erst nach der vollständigen Verbüßung dieser Haftstrafe wurde er 1966 entlassen, denn die sowjetische Seite lehnte seine vorzeitige Begnadigung ab. Nach seiner Entlassung trat Speer der SPD bei. 1981 starb er während einer Interviewreise in London an den Folgen eines Schlaganfalls. Speer wurde auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt, an seinem letzten Wohnort.

Einige von Albert Speers Kindern sind heute bekannte Persönlichkeiten. Sein Sohn Albert Speer (junior) ist ein bekannter Architekt. Seine Tochter Hilde Schramm ist Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Abgeordnete der Alternativen Liste im Berliner Abgeordnetenhaus. In den Neunziger Jahren war sie Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses. 2004 erhielt sie für ihr Engagement in der Stiftung „Zurückgeben“ zugunsten künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeiten noch unbekannter jüdischer Frauen den Moses-Mendelssohn-Preis.

Speers Beziehung zu Hitler

Speer selbst war schon bei der ersten Teilnahme an einer Kundgebung mit Hitler von diesem und seinen Visionen, Idealen, seiner intuitiven Anpassungsfähigkeit und seinem österreichischen Charme beeindruckt. Er sagte später über sich und Hitler: „Wenn Hitler Freunde gehabt hätte, wäre ich bestimmt einer seiner engen Freunde gewesen“.

Hitler wiederum fand in Speer den Architekten, der ihm in kürzester Zeit mit einem unglaublichen organisatorischen Talent Großbauwerke erstellen und mit dem er über Kunst philosophieren konnte. Vor allem aber wusste er Speers Loyalität zu schätzen. Hitler war an der Kunst im Allgemeinen, vor allem aber an Architektur interessiert* und gewährte Speer alle möglichen Mittel für seine Bauten, was wohl der Traum vieler Architekten ist (Zitat Speer: „Für einen großen Bau hätte ich wie Faust meine Seele verkauft. Nun hatte ich meinen Mephisto gefunden.“). Speer verkörperte das, was Hitler immer so gern gewesen wäre: Künstler und Visionär. Er schätzte bei Speer auch Ehrlichkeit, Fleiß, Arbeitseifer, Pflichtbewusstsein („preußische Tugenden“).

Damit bot sich Speer den Tätern und Mitläufern des „Dritten Reichs“ als Identifikationsfigur an: Speer, der verführte Künstler. Die neueren Erkenntnisse lassen ihn dagegen eher als "Verführer des Verführers" erscheinen. Historisch gesehen ist die persönliche Beziehung zu Hitler weniger entscheidend. Speer ist vor allem ein hervorragendes Beispiel für die Unterstützung des Bürgertums für den Nationalsozialismus. Die NS-Diktatur konnte nur deshalb so effektiv werden, weil Akademiker, Großbürgertum und Industrielle sich offensiv für das Regime einsetzten. Die Selbstdarstellung Speers als verführten Intellektuellen und reumütigen Opportunisten glich der Rechtfertigung vieler NS-Funktionsträger, mit der diese nach Kriegsende freigesprochen wurden und in der Bundesrepublik neue Ämter übernehmen konnten. Diese Rechtfertigung hat zwar Speer das Leben gerettet; dennoch steht Speer aufgrund seiner Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus in einer Reihe neben den weniger weltläufigen Nazi-Größen.

Blendet man den zeitgeschichtlichen Hintergrund aus und betrachtet allein die persönliche Beziehung, so ist folgende Aussage von Speer sehr aufschlussreich:

* Zitat: Dann kam er [Hitler gern auf die alte Klage zurück, dass er wider Willen Politiker geworden, im Grunde ein verhinderter Architekt und nur deshalb als Baumeister nicht zum Zuge gekommen sei, weil er nur als staatlicher Bauherr diejenigen Aufgaben stellen konnte, die ihm selber angemessen gewesen seien.“

Raumentwürfe für das Dritte Reich

Albert Speer ordnete sich als führender NS-Architekt ganz den Vorstellungen Hitlers unter. Sein Bauherr und Stichwortgeber Hitler plante sämtliche städtebaulichen Veränderungen, so etwa Hamburg als „Welthandelszentrum“, München als „Hauptstadt der Bewegung“, Nürnberg als „Stadt der Reichsparteitage“ und Linz, hier wollte Hitler begraben werden. 1937 gab Hitler Speer den größten Auftrag, Berlin in die „Welthauptstadt“ Germania umzubauen. Er meinte zu Speer: „Berlin ist eine Großstadt, aber keine Weltstadt. Sehen sie Paris an, die schönste Stadt in der Welt! Oder selbst Wien! Das sind Städte mit einem großen Wurf. Berlin aber ist nichts als eine ungeregelte Anhäufung von Bauten. Wir müssen Paris und Wien übertrumpfen.“

Siehe auch: Architektur im Nationalsozialismus

Literatur zur NS-Architektur
  • Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus 1991
  • Neue Gesellschaft für Bildende Kunst: Inszenierung der Macht. Ästhetische Faszination im Faschismus 1987
  • Wunder, Thomas: Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Entstehung - Kennzeichen - Wirkung 1984
  • Reif, Adelbert: Albert Speer. Kontroversen um ein deutsches Phänomen 1978
  • Larsson, Lars Olof: Die Neugestaltung der Reichshauptstadt. Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin 1965

Speers Selbstdarstellung als „anständiger Nazi“


Speer betrieb in Freiheit jahrelange Recherchen u.a. im Bundesarchiv in Koblenz für den Nachweis, bei Himmlers berüchtigter Rede über das Genozid-Programm am 4. Oktober 1943 vor den Gauleitern nicht mehr in Posen anwesend gewesen zu sein. Daher wäre die Ansprache an Speer in Himmlers Rede nur eine rhetorische Figur gewesen, die durchaus auch gegenüber Nichtanwesenden üblich sei.

Fests Verständnis und Breloers Verurteilung von Speers Selbstdarstellung wird besonders deutlich an der Phrase von seiner „Verstrickung“ in die Verbrechen der Nationalsozialisten. Hans Mommsen trat mit einem Zwischenruf auf dem Historikertag 1999 dieser Schutzbehauptung vehement entgegen: „Das ist keine Verstrickung in den Nationalsozialismus, das ist der Nationalsozialismus.“ (SZ, 12. Mai 2005, S. 4)

In einem Leitartikel von Franziska Augstein heißt es: „Wer war schon ein Nazi? Spätestens seit Heinrich Breloers Film-Trilogie „Speer und Er“ sind zwei Dinge endgültig klar. Erstens: Es gab keine guten Nazis. Zweitens: Was Verstrickung genannt wird, war in Wahrheit Mord. Es war verbrecherische Überzeugung und Opportunismus aus Habgier, es war Verrat aller Sittlichkeit aus Eigensucht, Bereicherung an fremden Eigentum, kein Tanz auf dem Vulkan, sondern ein Gang über Leichen.“ (SZ, 12. Mai 2005, S. 4)

Im gleichen Tenor kommentiert Peter Siebenmorgen: „Das Speer-Bild, das einst in Stein zu hauen er Fest tatkräftig half, passte perfekt zum Entlastungsbedürfnis der NS-kontaminierten Nachkriegsdeutschen: Im Kern sind sie, trotz aller Sünden, Gute geblieben, so wie er, Speer, der gute Nazi war. Nach Breloer kann dies im Ernst niemand mehr sagen.“ Tagesspiegel, 11. Mai 2005 *

Ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung Speers werfen auch die sog. "Kransberg-Protokolle", die die Niederschrift der ersten Vernehmungen Speers nach dem Krieg durch Briten und Amerikaner dokumentieren. Speer wurde zwischen dem 22.Juni und dem 7.September 1945 auf Schloss Kransberg im Rahmen der Operation "Dustbin" befragt. Die Süddeutsche Zeitung schreibt über den Tenor der Gespräche: "Auf die egomanische Selbststilisierung verstand sich der Taktiker Speer bestens und allem Anschein nach schon, bevor ihn die Alliierten vor das Militärtribunal stellten. Kransberg, so ließe sich zugespitzt sagen, bot Speer die Gelegenheit zu üben." Süddeutsche Zeitung, 25.November 2003.

In seinen Erinnerungen erwähnt Speer nichts über seinen engen Mitarbeiter Rudolf Wolters, der zeitlebens ein Nationalist und Hitleranhänger geblieben war. Er führte seit 1941 die „Chronik der Speerdienststellen“, welche die Beteiligung des „Generalbauinspekteurs“ an der Entmietung von „Judenwohnungen"“ durch die Speer unterstellte „Hauptabteilung Umsiedlung“ aktenkundig festhielt. Ihr Abteilungsleiter war der spätere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Karl Maria Hettlage. Der Historiker Matthias Schmidt hatte dieses Schlüsseldokument Ende der sechziger Jahre recherchiert. Speer verhinderte 1970, dass Wolters die ungereinigte Fassung dieser Chronik an das Bundesarchiv in Koblenz übergab. Speers Angehörige wurden u.a. über ein „Schulgeldfonds“ via Wolters unterstützt, in den ein Freundeskreis von Architekten und führenden Beamten wie Walter Rohland, Ernst Wolf Mommsen, Friedrich Tamms einzahlte. Nach Speers Haftentlassung 1966 kam es zu Differenzen zwischen den Freunden und 1971 schließlich zum Bruch. Wolters warf Speer vor, seine Parteifreunde beim Nürnberger Prozeß symbolisch getreten und damit verraten zu haben. Den endgültigen Bruch in tiefer Verachtung löste ein 1971 geführtes Interview Speers aus, das er mit dem Journalisten Eric Norden in der US-Zeitschrift Playboy geführt hatte und das dann in der deutschen Zeitschrift Quick in Auszügen übersetzt wurde.

Monografien


  • Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1969, 610 S. ISBN 3-549-07184-1
    1969 erscheint Speers Autobiografie, deren Schwerpunkt die Jahre 1933 bis 1945 bilden, und in der er ausführlich sein Verhältnis zu Hitler darstellt. Speer setzt sich mit seiner Rolle in der NS-Zeit kritisch auseinander und bestreitet auch nicht seine Mitverantwortung, verschweigt aber nach Heinrich Schwendemann Wesentliches An der Autobiografie hat im Auftrag von Wolf Jobst Siedler, dem Geschäftsführer des Ullstein Verlags, Joachim C. Fest als Ghostwriter mitgewirkt. [http://www.zeit.de/2005/19/Speer_Verleger Dieses Buch zementierte über lange Zeit die "Speer-Legende" vom Gentleman-Nazi.
  • Spandauer Tagebücher, Propyläen 2002 (1975), ISBN 3-54907-158-2
  • Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzung mit der SS, Ullstein 1981, ISBN 3-42106-059-2

Literatur


  • Joachim Petsch: Baukunst und Städteplanung im Dritten Reich. München: Hanser 1976 ISBN 3-44612-279-6
  • Matthias Schmidt: Albert Speer. Das Ende eines Mythos. Bern, München: Scherz 1982 ISBN 3-502-16668-4 (Neuauflage siehe unten)
  • Matthias Schmidt: Albert Speer. Das Ende eines Mythos. München: Goldmann 1983 ISBN 3-44211-354-7
  • Gitta Sereny: Albert Speer - Das Ringen mit der Wahrheit und das deutsche Trauma. München: Kindler 1995 ISBN 3-46340-258-0
  • Joachim Fest: Speer. Eine Biographie. Frankfurt a.M.: Fischer 2001 ISBN 3-59615-093-0
  • Susanne Willems: Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau. Berlin: Edition Hentrich 2002 ISBN 3894682590
  • Heinrich Schwendemann: "Drastic Measures to Defend the Reich at the Oder and the Rhine..." A forgotten Memorandum of Albert Speer of 18 March 1945, in: Journal of Contemporary History, 38. Jg., 2003, 597 - 614.
  • Heinrich Schwendemann: Albert Speer. Architekt des Todes. "Im Herbst 1944 stand NS-Rüstungschef Albert Speer auf dem Höhepunkt seiner Macht. Auch heute noch gern zum »verführten Bürger« umgelogen, gehörte Speer tatsächlich zu den brutalsten Führern des Regimes." Die Zeit, 28. Oktober 2004 *
  • Margret Nissen unter Mitarbeit von Margit Knapp und Sabine Seifert: „Sind Sie die Tochter Speer?“, DVA, 2005, 250 S. ISBN 3-42105-844-X
    - Rezension von Schwendemann *
  • Joachim Fest: Die unbeantwortbaren Fragen. Notizen über Gespräche mit Albert Speer zwischen Ende 1966 und 1981. Reinbek: Rowohlt, 268 S., zahlr. Abb, 2005 ISBN 3-498-02114-1
  • Heinrich Breloer: Unterwegs zur Familie Speer. Begegnungen, Gespräche, Interviews. Berlin: Propyläen, 608 S., 2005 ISBN 3-549-07249-X
  • Neuauflage 2005: Albert Speer: Das Ende eines Mythos - Speers wahre Rolle im Dritten Reich - 2. Auflage, Netzeitung, Berlin 2005, ISBN 3-938941-00-6 (Informations- und Bestellseite zur Neuauflage))

Film


Weblinks


Biografien

Bauten und Stadtplanung

Mann Deutscher Architekt | Architekt im III. Reich | NSDAP-Mitglied | SPD-Mitglied | Tagebuch | Kriegsverbrecher | Reichsminister (Deutschland) | Politiker (3. Reich) | Geboren 1905 | Gestorben 1981

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