Die Aktionsart eines Verbs ist ein Begriff aus der Grammatik, respektive Semantik einer Sprache.
Unter der Aktionsart eines Verbs versteht man die Verlaufsweise und Abstufung des Geschehens, das vom Verb bezeichnet wird. Dabei wird die Geschehensweise, die Verlaufsweise und die Handlungsart berücksichtigt. Die Aktionsart sagt etwas aus über die Art und Weise, wie sich das durch das Verb ausgedrückte Sein oder Geschehen vollzieht.
Die Differenzierung des Geschehens erfolgt nach dem zeitlichen Verlauf – Ablauf, Vollendung, Anfang, Übergang, Ende – und nach dem inhaltlichen Verlauf – Intensität, Wiederholung, Verkleinerung.
Einteilung
Die Einteilung der Verben nach Aktionsarten ist eine
semantische Klassifizierung in die Hauptklassen
- Imperfektivität und
- Perfektivität.
Demnach sind imperfektive Verben solche, die einen reinen Verlauf oder Ablauf des Geschehens ohne Hinweis auf Begrenzung, Abstufung, Anfang oder Ende bezeichnen, d.h. sie sind zeitlich nicht begrenzt. Im Gegenteil zu den perfektiven Verben, die den Ablauf oder Verlauf des Geschehens zeitlich eingrenzen.
In die imperfektive Hauptklasse gehören
- iterative (z. B. flattern, streicheln),
- intensive (z. B. brüllen, saufen) und
- diminutive (z. B. tänzeln, lächeln) Verben.
In die perfektive Hauptklasse gehören
- ingressive Verben, die den Anfang eines Geschehens ausdrücken (z. B. einschlafen, aufblühen);
- egressive Verben, die den Abschluss bzw. Endphase eines Geschehens ausdrücken (z. B. verblühen, zerschneiden);
- mutative Verben drücken den Übergang von einem Zustand in einen anderen aus (z. B. reifen, rosten).
Historie
Die Klassifikation in imperfektive und perfektive Verben beruht auf der Klassifizierung von Handlungen, die von Aristoteles ausging. Er unterschied zwischen
"Kinesis" und
"Energeia". Die erste Klasse bezeichnet Handlungen, die über eine Grenze verfügen, auf ein Ziel gerichtet, aber unvollendet sind, die zweite bezeichnet Handlungen, in denen das Ziel vorhanden ist wie beim
sehen oder
überlegen.
Unterschiedliche Aktionsart durch unterschiedliche Argumente
Es muss noch erwähnt werden, dass dasselbe Verb abhängig von seinen Argumenten imperfektiv und perfektiv gebraucht werden kann. Beispielsweise das Verb
essen ohne Objekt eine imperfektive (auch atelische) Bedeutung ausdrückt:
"Er isst (gerade)." oder mit einem direkten Objekt:
"Er isst einen Apfel." der Satz drückt durch die Verwendung des Objekts eine perfektive (auch telische) Bedeutung aus. Demnach kann festgestellt werden, dass die Zuordnung der Eigenschaften telisch oder atelisch zum Verb ist nicht möglich, aber eine eindeutige Zuordnung der Eigenschaft zur Situation, die durch das beschrieben wird, ist zulässig. Die Situation wird nicht allein durch das Verb, sondern in Zusammenhang mit seinen Argumenten beschrieben. Man denke an die Sätze wie: "Paul fälscht einen Ausweis" und "Paul fälscht Ausweise" die zwei verschiedenen Sachverhalte ausdrücken.
Quellen
- Helbig/Buscha (1999). Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 19.Auflage. Langenscheidt Verlag.
- Thieroff, Rolf (1992). Das finite Verb im Deutschen. Tübingen.
- Duden 4, Die Grammatik, 1973
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