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Mit Aktion Ritterbusch werden zwei wissenschaftliche Großprojekte des Nationalsozialismus bezeichnet. Unter der Leitung von Paul Ritterbusch diente die Aktion dem „Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“.

In der „Arbeitsgemeinschaft für den Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“ des „Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung“ und der „Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung“, die planend und beratend der nationalsozialistischen Raum- und Bevölkerungspolitik diente, beteiligten sich freiwillig über 500 Wissenschaftler – zu meist Professoren –, um Fach- und Universitäten übergreifend, eine "neue geistige Ordnung Europas" entsprechend den deutschen Kriegszielen wissenschaftlich zu unterlegen. Wissenschaft wurde als "Wesensäußerungen" des deutschen Volkes in Abgrenzung zum internationalen Wissenschaftsverständnis definieren. Durchgehend waren und wurden Altertumswissenschaft, Anglistik, Geographie, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte, Orientalistik, Philosophie, Romanistik, Staatsrecht, Völkerrecht und Zivilrecht und andere Wissenschaften auf die Durchsetzung eines völkisch hierarchisierten Europamodells nutzbar gemacht. Das Motto lautete "Neben dem besten Soldaten der Welt muß der beste Wissenschaftler der Welt stehen." Unter dem Titel "Deutsche Wissenschaft im Kampf um Reich und Lebensraum" fand 1941 ein großangelegte Propagandaausstellung zu dieser Wissenschaftsaktion statt.

Die unter Ritterbuschs Leitung stehenden Großprojekte bekamen 1944 Konkurrenz von dem Leiter des Germanischen Wissenschaftseinsatzes des SS-Ahnenerbes, der Hauptsturmführer Hans Ernst Schneider forderte einen "Totalen Kriegseinsatzes der Geisteswissenschaften".

Dreh- und Angelpunkt der als „Gemeinschaftswerk“ verstandenen Aktion war die völkisch ausgerichtete Geographie. Von ihr aus ging man zur praktischen Raumplanung über. Mit völkisch-geographischer Kategorien wie Kulturraum, Volk, Boden, Reich und Rasse sollte durch ein Zusammenführung geographischer, rassenbiologischer, sprachlicher, kultureller, wirtschaftlicher und politischer Faktoren das "Wesen" der jeweiligen Bewohner eines Landes definieren werden und Argumente für die kulturelle Höherstellung des Deutschtums geliefert werden.

Eine erste wissenschaftliche Aufarbeitung von Frank-Rutger Hausmann in den 1990er-Jahren ergab, dass insbesondere 1941 in allen beteiligten Wissenschaftsbereichen große Begeisterung bestanden habe, bei der Aktion dieser beiden wissenschaftspolitischen Großprojekte mitzuwirken. Galt der Kriegseinsatz zunächst wesentlich der Westforschung, so wurde im Laufe des Krieges die Ostforschung in die NS-Ostpolitik verstärkt mit eingebunden und das Einwirkung der SS verstärkt. Der Einsatz wurde für die Beteiligten nach dem Krieg als berufsqualifizierende Belege anerkannt und bis in die späten 1990er-Jahre wurden die an dem Raub von Archiven, Bibliotheken und Museen beteiligten Wissenschaftler in Festschriften für den völkischen Wissenschaftseinsatz gefeiert. Viele Werke wurden bis in die 1960er-Jahre neuaufgelegt oder gar fertiggestellt. Hausmann stellte anhand der Quellen fest, dass die Wissenschaftler über den Zweck des Kriegseinsatzes ausreichend Bescheid wussten und ihnen die Verbrechen des Nationalsozialismus bewusst waren. In Interviews hingegen wurde durchgehend ein Mitwissen und in der Regel sogar das Mitwirken bestritten.

Literatur


  • Frank-Rutger Hausmann: "Deutsche Geisteswissenschaft" im Zweiten Weltkrieg. "Die Aktion Ritterbusch (1940-1945)". Dresden University Press, Dresden 1998 ISBN 3933168104
  • Frank-Rutger Hausmann: Auf dem Weg zum Politischen: Carl Schmitt und der Kriegseinsatz der deutschen Geisteswissenschaft", in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Bilder und Zeiten), Samstag, 13. März 1999, Nr. 61, II

Siehe auch


Nationalsozialismus | Wissenschaft

 

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