Aktin (engl. actin) ist ein Strukturprotein, das in allen eukaryotischen Zellen vorkommt. Es ist Bestandteil des Zytoskeletts und gleichzeitig eines der fünf häufigsten Proteine in Eukaryoten: In Muskelzellen ist jedes zehnte Proteinmolekül ein Aktinmolekül, in anderen Zellen beträgt der Anteil 1–5 %. In der Zelle bildet Aktin dynamische Filamente (die sogenannte Aktinfilamente). Diese Filamente dienen als Bestandteil des Zytoskeletts der Stabilisierung der äußeren Zellform, intrazellulären Transporten und sind zentraler Bestandteil des Kontraktionsapparats der Muskeln.
Aktin wird von einer Genfamilie kodiert. Der Mensch hat sechs Isoformen, die sich nur in wenigen Aminosäuren unterscheiden: Alpha-, Beta- und Gamma-Aktin (unterteilt nach Ladung). Es existieren ein Alpha-Skelettmuskel, ein Alpha-Herzmuskel-, ein Alpha- und ein Gamma-Glattmuskulatur-, sowie ein Beta- und ein Gamma-Nichtmuskelaktin.
Das Protein hat eine globuläre Form und ist ca. 42 kDa groß (375 Aminosäuren). In der Regel bindet Aktin auch ein Nukleotid, nämlich ein ATP-Molekül, das während der physiologischen Aktivität zu ADP gespalten (hydrolysiert) wird. Aktin ist mit nicht mehr als 15% Unterschied von Algen bis hin zum Menschen eines der konserviertesten Proteine.
Liegt Aktin einzeln vor, wird es als G-Aktin bezeichnet. Dieses Monomer kann sich mit weiteren Aktinmolekülen verbinden - polymerisieren (wobei es sich nicht um die Bildung kovalenter Bindungen handelt, sondern hauptsächlich elektromagnetische Kräfte an der Bindung beteiligter geladener Aminosäuren). Eine Kette von Aktinmonomeren bildet so die filamentöse Form der Aktinfilamente, auch F-Aktin genannt. Das Filament besteht aus zwei Ketten aus polymerisierten G-Aktin-Monomeren, die sich helixartig umeinanderwinden. Der Durchmesser beträgt 7 nm. In der Zelle überwiegen Aktinfilamente; Monomere existieren nur in Komplex mit anderen regulatorischen Proteinen, die die Polymerisierung verhindern.
Der Polymerisationsvorgang, aber auch der Abbau des Filaments zu G-Aktin kann sehr dynamisch je nach den aktuellen Erfordernissen erfolgen.
Jedes Aktinfilament besitzt ein (+)-Ende und ein (-)-Ende. ATP-Aktin bindet bevorzugt am (+)-Ende und das Filament wächst an diesem Ende. Das ATP wird in der Folge zu ADP hydrolysiert, wodurch die Bindungsstärke zu den benachbarten Aktinen nachlässt. Das ADP-Aktin dissoziiert am (-)-Ende, so dass das Filament von dieser Seite verkürzt wird. Aktinmonomere binden aber ATP stärker als ADP, tauschen damit das Nukleotid aus und können wieder am (+)-Ende eingefügt werden. Dieser schnelle Kreislauf ist für die Zellbewegungen wichtig.
Zahlreiche Begleitproteine steuern die Polymerisations- und Abbauvorgänge. Im Muskel werden die Filamente beispielsweise durch das Tropomyosin stabilisiert, das sich auf ganzer Länge an ein Filament anlegt.
Bestimmte Proteine bedecken auch die Enden und behindern oder fördern die Verlängerung oder den weiteren Abbau. Andere Proteine verhindern oder fördern die Polymerisation von G-Aktin oder bewirken den Zerfall des F-Aktin.
Beispielsweise setzt sich das Protein Cofilin (auch ADF genannt) an das (-)-Ende und fördert die Dissoziation von Aktin. Das Protein Profilin hingegen fördert den Einbau am (+)-Ende. Die Bindung von sowohl Cofilin als auch Profilin wird über das Aktingebundene Nulkleotid bestimmt.
Eine Gruppe von Begleitproteinen vernetzt Aktinfilamente untereinander und mit anderen Proteinen. Fimbrin, Villin (Binnengerüst der Mikrovilli), Filamin und Espin bilden Querverbindungen und so mechanisch steife Bündel. α-Actinin bildet ebenfalls Bündel, die typischerweise mit Myosin (siehe unten) verspannt werden. Das Filamin wiederum bildet dreidimensionale Netze (Gele), wie man sie unter der Plasmamembran antrifft.
Actinfilamente strahlen in zwei Zellkontakte ein, die Adhärens-Kontakte und die Fokalkontakte. Dabei werden sie über Adaptorproteine an den Proteinstrukturen der Kontakte verankert. Verantwortlich dafür sind unter anderem wieder das α-Actinin, das Vinculin und Talin. Die Proteine der Familie um Ezrin, Radixin, Moesin (ERM-Proteine) vermitteln kurzzeitige und dynamische Bindungen an die Plasmamembran, zum Beispiel bei Änderung der Zellform und aktiver Zellbewegung.
Bestimmte Proteingruppen stellen eine mechanisch stabile Verbindung zwischen dem unter der Plasmamembran liegenden dichten Aktinnetz und der Membran her. Diese wegen verschiedener Erbkrankheiten auch klinisch recht bedeutsamen Proteine sind die Dystrophine (u.a. im Muskelgewebe, bei Mutationen im Dystrophin-Komplex Muskeldystrophien) und die Spectrine (u.a. verantwortlich für die Form der Erythrozyten, bei Defekt z.B. Kugelzellenanämie). Es handelt sich um lange, dünnere Proteine, die ihre Aufgaben in Komplexen mit zahlreichen anderen Proteinen erfüllen.
Die Proteinfamilie der Myosine stellt die Motorproteine des Aktins. Es sind mehr als 15 verschiedene Klassen mit jeweils mehreren Untertypen bekannt. Typischerweise besteht ein Myosinmeolekül aus einem Schwanz, der mit anderen Strukturen (zu transportierende Vesikel) oder einem anderen Myosinschwanz verbunden ist, und einem Köpfchen. Das Myosinköpfchen stellt eine ATPase dar, kann also ATP spalten und mit der gewonnenen Energie den Winkel des Köpfchens ändern. Da das Köpfchen an Aktinfilamente binden kann, bewegt sich das Molekül so am Filament entlang.
Viele Transmembranproteine (Kanäle, Pumpen, Rezeptoren, Zelladhäsionsproteine) werden direkt oder indirekt an diesem kortikalen Aktinnetzwerk "gefesselt" an ihrem Platz gehalten. Funktionell zusammengehörende Proteine werden dadurch auch in räumlicher Nähe gehalten. Entlang des Aktinnetzes erfolgt auch der Kurzstreckentransport von Vesikeln zur Membran durch Myosine, eine Klasse von Motorproteinen (während der Langstreckentransport von Mikrotubuli mit deren Motorproteinen Dynein und Kinesin übernommen wird). Dabei übernehmen die Myosine z.T. die von Dynein/Kinesin herangebrachten Ladungen.
Viele eukaryotische Zellen besitzen ein hohes Mass an Bewegungsfähigkeit - Motilität - um z.B. Eindringlinge in den Körper unschädlich machen zu können (Zellen des Immunsystems), Wunden heilen zu können (z.B. Hautzellen) oder um den einzelligen Organismus zu bewegen (Amöben etc). Diese Beweglichkeit beruht hauptsächlich auf zwei Prozessen: Der gerichteten Aktinpolymerisierung in die Bewegungsrichtung (geregelt durch eine Anzahl von Regulatoren die auf Signale von der Zellperipherie reagieren), und der Aktin-Myosin-Interaktion in Fibrillenbündeln (stress fibers), kontraktile Zugseile die durch die Zelle verlaufen und formgebende Elemente mit der Unterlage verspannen.
Der Kontraktionsapparat aller Arten von Muskulatur, also alle makroskopische Bewegung des Körpers, basiert auf der Aktin-Myosin-Wechselwirkung. Dabei sind zahlreiche Aktinfilamente, Myosin II und andere Proteinen in großer Zahl in hochgeordneter Weise angeordnet. Für Details sei auf die Artikel zu Muskelgewebe verwiesen. Der intrazelluläre Kurzstreckentransport wird auch mit Myosinen erledigt, zum Beispiel mit Myosin V, das an seinem Schwanz Adaptorproteine bindet, die wiederum an spezifische zu transportierende Vesikel binden.
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