Unter Akrobatik versteht man allgemein körperliche Bewegungen, die hohe koordinative und konditionelle Anforderungen an den Ausübenden stellen. Dazu gehören beispielsweise Überschläge, Salti und komplizierte Sprünge bzw. statische Figuren wie menschliche Pyramiden. Fast jede mögliche Leistung oder Sportart, die den gesamten Körper miteinbezieht - insbesondere bei kurzen, im hohem Grade kontrollierten Bewegungen - kann als Akrobatik gelten.
Das Wort Akrobat
Hierbei werden einzelne Übungselemente einer Sportart mit Akrobatik bezeichnet. Diese Elemente werden in den verschiedenen Sportarten fast identisch verwendet und mit den jeweiligen grundlegenden Übungen kombiniert. Eine häufig derart eingesetzte Übung ist die "Schwalbe", hier trägt die stehende Unterperson, die Oberperson (mit den Händen an deren Hüfte) über dem Kopf (seitlich gesehen ergibt sich die Figut eines "T"). Diese Figur kann sowohl beim Eiskunstlauf, auf Rollschuhen, als Abschlusspose beim Tanz z.B. Rock ’n’ Roll, beim Voltigieren oder beim Cheerleading eingesetzt werden. Bei den dynamischen Elementen sind z.B. die "Stunts" beim Cheerleading teilweise identisch mit dem "Einsteigen" beim Rock ’n’ Roll.
Der Einsatz diese Elemente erfolgt auch im erweiterten Gebiet der Unterhaltungsbranche, für viele spektakuläre Filmszenen sind akrobatische Stunts ein wichtiger Bestandteil. Neben den häufigen "Unfallszenen" werden besonders in Martial-Arts-Filmen regelmäßig akrobatische Szenen eingesetzt.
Das Stelzenlaufen wird unterschiedlich eingesetzt, als Spiel, früher auch als Hilfsmittel zur Bewachung der Herden, oder als Element bei Umzügen und Auftritten von Jongleuren.
Parallel zu den Sportarten mit akrobatischen Elementen existieren eigene Akrobatik-Formen, welche auf die bereits genannten Grundübungen (wie Schlittschuhfahren, oder Reiten. etc.) verzichten. Diese Akrobatik-Formen lassen sich grob in die Klassen Bodenakrobatik und Luftakrobatik einteilen. Besonders erfolgreiche Darstellungen verwenden jedoch häufig Präsentationen in den Übergangsbereichen, wie z.B. Kontorsionistik (Boden) mit Trapez (Luft). Der Begriff Equilibristik läßt sich hier für viele Gebiete verwenden: jegliche Balancierung des eigenen Körpers oder von Objekten.
Luftakrobaten finden sich in sehr unterschiedlichen Bereichen. Während beim Seiltanz meist einzelne Personen, bis hin zu ganzen Gruppen, mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Hilfmitteln das gespannte Seil überwinden, sind auf dem Schlappseil häufig dynamische Darbietungen von Einzelpersonen zu sehen. Auf dem "hängenden" Trapez, oder mit dem Vertikaltuch werden üblicherweise eine Vielzahl schwieriger Positionen gezeigt. Beide Geräte können auch für Duo's verwendet werden. Das "fliegende" Trapez wird meist von einer Artistengruppe präsentiert. Hier sind Würfe und Saltos die häufigsten Übungen.
Die Geräte Trampolin, Schleuderbrett und russischer Barren werden als Hilfsmittel verwendet, um sich selbst oder andere Personen in die Höhe zu schleudern. Auch hier werden häufig Saltos vorgeführt. Ikarier oder Antipodisten erreichen vergleichbare Effekte, jedoch werden hier die "Flieger" von Unterpersonen in die Höhe katapultiert. Die Unterperson liegt hierbei mir dem Rücken auf einem Gestell und träg, oder kickt den Flieger, bzw. jongliert Objekte mit den Füßen.
Das Erklettern senkrechter Pfähle, diverse Hänge an diesen und Sprünge um von Pfahl zu Pfahl zu wechseln, laufen unter dem Begriff pole climbing.
Die Salti und Schrauben eines Turmspringers erfordern ein hohes Maß an akrobatischen Fertigkeiten.
Die Boden- oder Parterre-Akrobatik beschreibt Übungen mit einem oder mehreren Partnern (Partner-, Duo- und Gruppen-Akrobatik) und umfasst die Bereiche Varieté, Ausgleichs- und Wettkampfsport (Sportakrobatik). Dies ist eine Form der Balance mit mehreren Personen, wobei mindestens eine Person in Verbindung mit dem Boden (auch Bühne, oder Podest) bleibt.
Adagio ist der Name für eine Unterkategorie der (Boden-)Partner-Akrobatik oder für Akrobatik-Übungen. Adagio-Akrobatik entstand in Osteuropa und wurde allgemein von Zirkus-Akrobaten unterrichtet. Es werden hierbei Übergänge zwischen verschiedenen stationären Balancen einbezogen. Die Übungen müssen nicht, wie der Name andeutet, unbedingt langsam ausgeführt werden. Die beteiligten Personen werden als Flieger (Flyer, Oberperson) und Basis (Base, Unterperson) bezeichnet. Bei Gruppenakrobatik treten zusätzlich zu mehreren Unter- und Oberpersonen auch Mittelpersonen auf.
4_de_9_amb_folre.jpg, am Plaça Sant Jaume.]]
Die bei der Adagio-Akrobatik verwendeten Figuren werden kategorisiert, indem zuerst die Position der Unterperson beschrieben wird (Liegen, Hocken, Stehen, Knien oder Handstand). Im zweiten Schritt wird festgelegt, auf welchen Körperteilen der Unterperson sich die Oberperson befindet (Füßen, Händen, Schultern, Knien, Oberschenkeln, Rücken oder einer Kombination). Die Orientierungen der Oberperson (horizontal, vertikal oder kopfüber) ist die letzte Festlegung für Duo-Figuren. Übungen mit mehr als zwei Personen, können als Kombination der bereits vorgestellten Duo-Figuren beschrieben werden. Genaue Darstellungen dieser Figuren, sowie die möglichen Übergänge zwischen ihnen, sind in dem Buch "Het grote duo acrobatiek trukenboek" (K. Kloosterboer) beschrieben.
Viele Übungen sind einfacher auszuführen, sobald die Flieger leichter und die Unterpersonen schwerer und stärker sind. Dieses ist jedoch keine Notwendigkeit, es werden oft gleiche Gewichte, oder sogar die Umkehrung diese Prinzips für besondere Showeffekte verwendet. Diese Form der Akrobatik wird oft als publikiumswirksamer Zirkusauftritt, oder auch als Hobby ausgeübt. Der Hobby-Bereich wird häufig in Zirkus- und Universitäts-Gruppen ausgeübt.
Akrobatik findet sich in vielen reginonalen Traditionen wieder. Häufig werden Sprünge und diverse dynamische Geschicklichkeitsbeweise im Rahmen von Volksfesten und Bräuchen demonstriert (Beispiel: Düsseldorfer Radschläger). In Spanien wird eine Form der Bodenakrobatik zur Perfektion entwickelt. Die in der Provinz Katalonien vorgeführten Menschenpyramiden, Castelle und Muixeranga genannt, beziehen neben der sportlichen Komponente auch religiöse und politische Hintergründe mit ein.
Handstand-Artisten verwenden meistens ein Podest, oder einen Handstandständer um ihre unterschiedlichen Handstandfiguren zu präsentieren.
Obwohl beim Tumbling schnelle Folgen von Salti und anderen Überschlägen geturnt werden fällt es in den Bereiche der Bodenakrobatik.
Auch Kontorsionisten ("Schlangenmenschen") werden häufig in dem Bereich der Bodenakrobatik präsentiert.
Die akrobatische Handhabung diverser Objekte, welche von Jongleuren gezeigt wird, ist als eigener Bereich anzusehen.
Die Leiterakrobatik, bei welcher auf einer frei im Raum balancierten, einfachen Leiter, verschiedene Positionen gezeigt werden, ist eine Übergangsform zur Luftakrobatik.
Die Antipodisten können dann unter den Begriff Jongleur fallen, wenn nur Objekte wie Tonnen oder Teppiche für die Balancen eingesetzt werden.
Akrobatische Traditionen werden in vielen Kulturen gefunden. In Europa findet man in der minoischen Kultur um ca. 2.000 v. Chr. Beschreibungen von akrobatischen Kunststücken: In Abbildungen aus dieser Zeit sprangen bei Stierspielen Jugendliche, mit akrobatischen Bewegungen über einen Stier.
In der Geschichtsschreibung des europäischen Mittelalters werden häufig akrobatische Leistungen zusammen mit Lieddarbietungen, Jonglagen und weiteren Tätigkeiten kombiniert.
Obwohl die Bezeichnung zuerst nur für Hochseil-Akrobatik verwendet wurde, begann man sie ab dem 19. Jahrhundert, auf Formen der darstellenden Kunst, einschließlich Gymnastik und Zirkuskünste, auszuweiten. Am Ende des 19. Jahrhundert wurden Tumbling und Rhythmische Sportgymnastik Wettkampfsport in Europa.
In China war Akrobatik (als Teil der "Hundert Spiele") seit der Han-Dynastie, (206 v. Chr bis 220 n. Chr.) ein Teil der Kultur dörflicher Erntefeste.
Während der Tang-Dynastie (618 bis 907 n. Chr) erlebte Akrobatik größtenteils die gleiche Art der Entwicklung, wie die europäische Akrobatik während des Mittelalters.
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