Ahrensburg ist eine Stadt im Südosten von Schleswig-Holstein und ist größte Stadt des Kreises Stormarn.
Geografie
Ahrensburg liegt nordöstlich von
Hamburg im mittleren
Stormarn, einer südöstlichen Landschaft von
Holstein. Es grenzt an die Gemeinden
Ammersbek,
Delingsdorf,
Großhansdorf,
Siek,
Braak und
Stapelfeld.
Geschichte
Vorgeschichte
Das Ahrensburger Tunneltal weist zahlreiche Stationen spätpaläolithischer Rentierjäger auf. Der ebenen Talsohle folgt heute die Bahnstrecke
Hamburg -
Lübeck. Die Funde rund um das Tal sind so bedeutend, dass
Frühgeschichtler im Allgemeinen von der '
Ahrensburger Stufe' sprechen.
Mittelalter
Die Geschichte der Stadt geht zurück ins
13. Jahrhundert, als die Grafen von Schauenburg das Dorf Woldenhorn (aus dem später die Stadt Ahrensburg wurde) und die Nachbardörfer Ahrensfelde, Meilsdorf und Beimoor gründeten. Woldenhorn wurde im Jahre
1314 erstmals urkundlich erwähnt. Die Dörfer kamen
1327 zum
Zisterzienser-Kloster
Reinfeld, und Woldenhorn war Sitz des Klostervogts bis Mitte des
16. Jahrhunderts.
Um etwa 1200 n. Chr. wurde die "Arx Arnsburga", auch Burg Arnesvelde genannt, gebaut. Von dieser Burganlage sind heute noch Reste im Forst Hagen im Süden der Stadt erkennbar. Das Wappen der Stadt gibt diese Burg im oberen Wappenfeld wieder. Auf der Burg beheimatete Vögte sind 1295 und 1304 bezeugt. 1326 verlegte der Schauenburgische Graf Johann III. den Sitz seines Vogtes nach Trittau und gab die Burg auf.
Aus den Steinen der Burg wurde später das Ahrensburger Schloss errichtet.
Neuzeit
Mit der
Säkularisation auf Grund der
Reformation wurde der König von
Dänemark Eigentümer des Gebiets. Er belohnte seinen Feldherrn
Daniel Rantzau 1567 mit der Herrschaft über diese Dörfer. Sein Bruder und Erbe
Peter Rantzau baute um
1595 den
Renaissance-Herrensitz in Form einer
Wasserburg und die Schlosskirche, heute die Wahrzeichen der Stadt. Vorbildlich war die Angliederung von "Gottesbuden" (Wohnungen für alte und mittellose Menschen) an die Kirche.
Das "Gut Ahrensburg" gehörte zu den so genannten Adligen Gütern, die eine erhebliche Selbstverwaltung und Unabhängigkeit besaßen. Für die Bauern bedeutete die Herrschaft der Rantzaus allerdings Leibeigenschaft.
Schloss.Ahrensburg.wmt.jpg | Schlosskirche.ahrensburg.poupou.jpg | Schloss.ahrensburg.gottesbuden.poupou.jpg
Das Gut der Rantzaus war Mitte des 18. Jahrhunderts stark verschuldet und wurde 1759 von dem Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann erworben, der Schloss und Bauerndorf stark im Stil des Barock umgestaltete und auf dessen Pläne die heutige Anlage der Stadt zurückgeht. Schimmelmann erwarb Reichtum durch Waffen- und Sklavenhandel, insbesondere im atlantischen Dreieckshandel.
Zum 7. Juni 1867 wurde das bisherige Gutsdorf Woldenhorn eine selbständige preußische Landgemeinde und benannte sich durch Beschluss der Gemeindeversammlung in Ahrensburg um. Es gehörte dem gleichnamigen "Amt Ahrensburg" an, aus dem es 1912 als dann amtsfreie Gemeinde wieder ausschied.
Mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Hamburg nach Lübeck im Jahre 1865 wurde Ahrensburg zu einem beliebten Ausflugsziel im Hamburger Umland und die Einwohnerzahl stieg an. 1910 waren es bereits 2750 Einwohner. Eingemeindungen im Jahre 1928 führten zu einer Gebietsvergrößerung um 500 ha.
Auf dem Gebiet des ehemaligen Gutes wurden ab 1933 die Siedlungen "Daheim/Heimgarten" (z. T. auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Ammersbek gelegenen) "Am Hagen" (ursprünglich: "Franz-Seldte-Siedlung) gebaut. Der Ansturm von Siedlern aus dem Hamburger Raum führte zum Entstehen der heutigen aufgelockerten Siedlungsstruktur.
Als Ahrensburg 1949 das Stadtrecht verliehen wurde, hatte es 17 775 Einwohner - rund die Hälfte davon Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Infrastruktur der Stadt stark ausgebaut. Zugleich siedelten sich zahlreiche Betriebe am Stadtrand an, die Ahrensburg zu einem bekannten Wirtschaftsstandort in Schleswig-Holstein machten.
Religionen
Von
1823 bis
1899 war Ahrensburg Sitz des Stormarner
Propstes der
evangelisch-lutherischen Kirche. Heute bestimmen - neben einigen freikirchlichen Gruppen - drei evangelisch-lutherische und eine römisch-katholische Kirchengemeinde das religiöse Leben der Stadt.
Bis Anfang der 1930er Jahre bestand in Ahrensburg eine kleine jüdische Gemeinde, deren Synagoge allerdings wegen Baufälligkeit schon 1931 abgerissen werden musste. Noch heute kann man am Stadtrand (Ahrensburg-West) in der Nähe des Golfplatzes den jüdischen Friedhof (1822 angelegt) als Überbleibsel aus jener Zeit besichtigen. Seit 2003 gibt es wieder eine kleine jüdische Gemeinde, die für ein progressives Judentum (nicht-orthodoxe Glaubensrichtungen) eintritt.
Stadtteile
Ahrensfelde
Ahrensfelde wurde
1195 erstmals urkundlich erwähnt. Es bestand aus der im Forst Hagen gelegenen Burg und dem umgebenden Dorf.
1320 wurde die Burg bei Kriegshandlungen stark beschädigt.
1327 kam der Ort unter die Herrschaft des
Kloster Reinfeld, das ihn der
Vogtei Woldenhorn unterstellte. Von
1567 an gehörte Ahrensfelde für drei Jahrhunderte zum
Adligen Gut Ahrensburg. Die
Leibeigenschaft wurde
1797 aufgehoben, nachdem es bereits in der ersten Hälfte des
18. Jahrhunderts darüber Auseinandersetzungen mit Gutsherr
Detlev Rantzau gegeben hatte.
1867 wurde Ahrensfelde preußische Landgemeinde und gehörte bis
1948 zum
Amtsbezirk Siek, anschließend bis
1951 zum
Amt Ahrensburg-Land. Von
1951 bis zur Eingemeindung nach Ahrensburg
1974 gehörte das Dorf zum
Amt Siek. Bei seiner Eingemeindung hatte Ahrensfelde 475 Einwohner.
Beimoor/Gewerbegebiet Nord
Beimoor wurde erstmals
1300 als Streusiedlung urkundlich erwähnt. Ursprünglich zum
Kloster Reinfeld gehörend, kam das kleine Dorf
1567 zum
Adligen Gut Ahrensburg. Der Name bedeutet wohl
Beeren-Moor. Mitte des
19. Jahrhunderts lag auf dem Gelände des Ortes neben einigen Erbpachtstellen, die 1788 nach Aufhebung der
Leibeigenschaft geschaffen worden waren, auch ein
Meierhof des Gutes.
1889 kam Beimoor, nunmehr preußische Landgemeinde, zum
Amtsbezirk Ahrensburg, bis es bei Gründung der neuen Großgemeinde Ahrensburg
1928 dieser eingegliedert wurde. Es hatte damals 47 Einwohner.
Ahrensburg West
In diesem Stadtteil liegen der gleichnamige U-Bahnhof und das Gewerbegebiet West. Ein Teil des Bredenbeker Teichs gehört zu diesem Stadtteil. Hier sind auch der kirchliche und der städtische Friedhof gelegen. Dazu kommt das Dorf Wulfsdorf an der Grenze zu Hamburg.
Gartenholz
Der jüngste Stadtteil im Norden der Stadt ist nur durch die Bahnlinie (
Vogelfluglinie) vom
Industriegebiet Nord getrennt. Zu dem seit den späten 1970er Jahren geschaffenen Neubaugebiet Gartenholz kommt die ältere Siedlung Kremerberg am nördlichen Stadtrand.
Hagen
Der Hagen war ursprünglich ein Waldgebiet, das an das
Stellmoor-Ahrensburger-Tunneltal angrenzte. Es gehörte seit jeher zur Vogtei Woldenhorn und ab
1567 zum
Adligen Gut Ahrensburg. Der Gutsherr
1868 ließ das Gebiet für die Allgemeinheit sperren. Nach Auflösung des Gutsbezirks
1928 verkauften die Eigentümer große Teile des Hagener Landes als Bauland. Dort errichtete der Deutsche Siedlerbund um
1935 die
Franz-Seldte-Siedlung (heute: "Siedlung am Hagen"). Auf weiteren Flächen wurde in
1930er Jahren die "Siedlung Waldgut Hagen" erbaut. Der unbebaute Teil des Hagens steht seit
1982 unter Naturschutz.
Nach Eröffnung der U-Bahnstation Ost in Ahrensburg entwickelte sich der Hagen zum beliebten Ausflugsziel der Hamburger.
Politik
Wappen
Das Wappen zeigt in Silber stilisiert eine rote Burg mit offenem Tor (Erinnerung an die "Arx Arnsburga"), darunter auf einem wachsenden roten Pfahl den schwarzen stilisierten Schädel und die schwarzen stilisierten Schaufeln eines Rentiers, das auf die Ausgrabungen
Alfred Rusts im nahegelegenen
Stellmoor verweist.
Bürgermeister
Stadtverordnetenversammlung
Wahl am 2. März
2003
- CDU 46,1% = 16 Sitze
- SPD 27,6% = 9 Sitze
- WAB 12,6% = 4 Sitze
- GRÜNE 9,8% = 3 Sitze
Städtepartnerschaften
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Mitten durch die Stadt verläuft die
Bundesstraße 75. Für den Verkehr bestimmend wirkt sich die Lage der Stadt an der Autobahn
A 1 (
Vogelfluglinie) aus.
Ahrensburg ist über die Bahnstrecke
Hamburg Lübeck (im Regionalverkehr: R 10) an das überregionale Streckennetz angebunden. Die U-Bahn-Linie U 1 (
Norderstedt-Mitte
Großhansdorf) verbindet die Stadt mit der Metropole
Hamburg. Die Stadt ist integriert in das Netz des
Hamburger Verkehrsverbundes.
Bildungseinrichtungen
- Stormarnschule (Gymnasium), gegr. 1906
- Schulzentrum Am Heimgarten (mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium), Unesco Projektschule
- Integrierte Gesamtschule Ahrensburg (Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe), gegr. 1993
- Grundschule Am Aalfang
- Grundschule Am Reesenbüttel
- Grundschule Am Schloss
- Grundschule Am Hagen
- Woldenhorn-Schule (Schule für geistig Behinderte)
- Fritz-Reuter-Schule (Förderschule)
- Berufliche Schule
- Volkshochschule der Stadt Ahrensburg
Die 1880 gegründete Schule in Ahrensfelde wurde 1966 geschlossen.
Ansässige Unternehmen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Sehenswürdigkeiten
Neben dem
Ahrensburger Schloss ist der Marstall zu nennen,
sowie das Haus der Natur im Stadtteil Wulfsdorf.
Freizeiteinrichtungen
Ahrensburg verfügt über ein Freizeit- und Hallenbad, das Badlantic. Neben der Nutzung als Spaßbad dient es auch verschiedenen Sportvereinen als Trainingsstätte.
Es existieren diverse Sportvereine, wie z. B. Ahrensburger Schützengilde e.V. von 1955, Ahrensburger Turn- und Sportverein von 1874 e. V., ASG Yawara Kampfsport und -kunst, DLRG Ahrensburg, Fechtclub Ahrensburg e. V., Fußballclub Ahrensburg e. V., Golfclub Hamburg-Ahrensburg, SC Fudji Ahrensburg, Katholische Skater Ahrensburg e.V., Großhansdorf Skunks Baseball, Judo Club Ahrensburg e.V., Spiel Sport Club Hagen Ahrensburg von 1947 e.V., Taekwon-Do Center Ahrensburg, TCA Tauchclub Ahrensburg, Tennis und Hockey Club Ahrensburg e.V., Wanderfreunde Stormarn e.V. im Wanderverband Norddeutschland e.V.
Alle Vereine für Jugendliche sind in einem Dachverband: dem Stadtjugendring organisiert.
Außerdem unterstützen viele Ahrensburger Bürger die benachbarten Fußballvereine aus Hamburg (HSV und FC. St. Pauli), in dem sie so genannte Fanclubs gegründet haben. Einer davon ist der HSV-Fanclub Germania Nord.
Im Sommer ist das Naturbad Bredenbeker Teich (420.000 m² See, kleine Insel) ein beliebtes Ziel.
Im Süden befinden sich mehrere Naturschutzgebiete, die zum Wandern und Radfahren, Laufen und Walken einladen: Ahrensfelder Teich, Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal und Forst Hagen.
Entwicklung des Stadtgebiets
Eingemeindungen
- 1928 Wulfsdorf, Beimoor (erstmals 1300 erwähnt), Kremerberg und Teile des aufgelösten Gutsbezirks
- 1932 Rest des aufgelösten Gutsbezirks
- 1974 Ahrensfelde
Einwohnerentwicklung
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Söhne und Töchter der Stadt
Literatur
- Martina Moede: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Ahrensburg: Von der ersten Ansiedlung 1788 bis zur Deportation 1941. 410 Seiten. 2003. ISBN 3529071277
- Elke Petter: Ahrensburg. 128 Seiten. 2004. ISBN 3-89702-649-X
- Christa Reichardt, Wolfgang Herzfeld und Wilfried Pioch: Vierhundert Jahre Schloß und Kirche Ahrensburg. Grafen, Lehrer und Pastoren. 383 Seiten. 1995. ISBN 3880427275
- Gernot Tromnau: Neue Ausgrabungen im Ahrensburger Tunneltal. Ein Beitrag zur Erforschung des Jungpaläolithikums im nordwest-europäischen Flachland. 105 Seiten. 1975. ISBN 3529011339
Weblinks
Ort in Schleswig-Holstein
Ahrensburg | Ahrensburg