Ahmadi-Muslime (Urdu احمدیہ Ahmadiyya) verstehen sich als Nachfolger Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (* 1835, † 1908 aus Qadian), der diese islamische Konfession am 23.3.1889 in Indien gegründet hat. Sie teilte sich 1914 in die Untergruppen Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ, arabisch: الجماعة الأحمدية) und Lahore Ahmadiyya Movement (Ahmadiyya Anjuman Ishaat-i-Islam Lahore, AAIIL) auf.
Die Ahmadi-Muslime verstehen sich als Reformbewegung innerhalb des Islam, wobei sie eine Rückbesinnung auf den Kern der islamischen Glaubenslehre anstreben, was von Teilen der islamischen Welt als häretische Anmaßung verstanden wird. Die Ahmadi-Muslime grenzen sich allerdings scharf von militant-fundamentalistischen Strömungen ab und betonen die friedlichen und toleranten Elemente des Islam. Dabei stützen sie sich auf den Koran, die Sammlung der Taten und Aussprüche des Propheten (Hadith) und die Praxis des Propheten (Sunna). Die Ahmadiyya steht in der Scharia der hanafitischen Rechtsschule nahe.
Jeder Ahmadi gehört einer der drei Teilorganisationen der AMJ an: Khuddam-ul-Ahmadiyya (jüngere Männer), Lajna Imaullah (Frauen) oder Ansarullah (ältere Männer). Die Mitgliederstärke ergibt sich aus den Mitgliedern der Teilorganisationen, die alle drei gleich aufgebaut sind. Es gibt die vier Ebenen der Lokalgemeinde (Lokal Jamaat), Regional Jamaat, National Jamaat und die internationale Ebene. Auf jeder Ebene gibt es einen Vorsitzenden (Sadr), dazu viele Amtsträger, die alle kleinere Aufgaben wahrzunehmen haben: Pressearbeit, Bildung, Erziehung, Literatur, Sport, usw. In großen Jamaats kann es viele Amtsträger geben, während in kleinen Jamaats mehrere Funktionen von einer Person wahrgenommen werden.
Jede Teilorganisation verwaltet und führt sich selbst. Besonders ist das bei der Lajna (den Frauen) wichtig, wo es auch in der Führung keine Männer gibt. Es gibt allerdings eine Aufgabenteilung. So sind die Khuddam auch für den Aufbau der Veranstaltungen der Ansarullah und der Lajna zuständig, sowie für Sicherheitsdienste, da die Ahmadiyya Muslim Jamaat keine fremden Sicherheitsdienste nutzt. Essen wird nach Geschlechtern getrennt zubereitet – Männer kochen für Männer, Frauen kochen für Frauen. Für die Technik sind noch weitgehend die Männer zuständig, weil es an kompetenten Frauen fehlt. Es wird aber daran gearbeitet, dass die Frauen auf ihren Veranstaltungen auch die Technik selbst bedienen. Beim gemeinschaftseigenen Fernsehkanal MTA (Muslim Television Ahmadiyya) gibt es bereits Sendungen, die von Frauen gestaltet, moderiert und technisch umgesetzt werden.
Die wichtigste Veranstaltung ist die Jalsa Salana.
Die Ahmadiyya-Bewegung wurde 1889 gegründet. 1891 verkündete Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, der vom Propheten Mohammed verheißene Mahdi und Messias zu sein, außerdem behauptete er, dass die prophezeite Wiederkunft von Jesus, Krishna und Buddha in seiner Person erfüllt worden sei. Sein gottgegebener Auftrag sei die Vereinigung aller Religionen unter dem Banner des Islam. Nach der Lehre der Ahmadiyya starb Jesus nicht am Kreuz; er wurde gerettet und emigrierte darauf nach Indien, wo er nach einer langen Lehrtätigkeit eines natürlichen Todes starb. In Srinagar, der Hauptstadt Kashmirs, soll sich sein Grab befinden.
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad entstammt einer aristrokratischen Familie persischer Abstammung. Der Name „Ahmadiyya“ leitet sich nicht vom Namen des Gründers ab, sondern vom zweiten Namen des Propheten Mohammad, Ahmad („der Preisende“) im Gegensatz zu Mohammed („der Gepriesene“). Die Nachfolger von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad werden von der AMJ als Kalifen (Nachfolger eines Propheten) bezeichnet.
Die Zentrale für Deutschland für die AMJ ist das Baitus Sabuh in Frankfurt am Main.
Die AAIIL hat in Deutschland ihren Sitz in der Wilmersdorfer Moschee in Berlin.
| Kalifen der AMJ | Amire der AAIIL | ||
|---|---|---|---|
| Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland | AAIIL-Geschäftsführer Deutschland | ||
Ahmadi-Muslime teilen die zentralen Werte des Islam (Gebet, Almosen, Fasten, ...). Die Lehre der Ahmadiyya unterscheidet sich – ausgenommen der nachfolgenden Details – kaum von der des orthodoxen Islam. Besonders die Frage der Nachfolge der Prophetschaft Mohammeds provoziert die Feindseligkeit der übrigen Muslime zur Ahmadiyya. Ahmadi-Muslime unterscheiden sich vom Mainstream des Islam in folgendem:
| Glaubenssatz | Islamische Orthodoxie | Lahore Ahmadiyya Movement | Ahmadiyya Muslim Jamaat |
|---|---|---|---|
| Die Wiederkunft von Hazrat Isâ | In den „Letzten Tagen“ wird Jesus leibhaftig vom Himmel herabsteigen. | Jesus wird nicht leibhaftig wiederkommen. Die Berichte über seine Wiederkunft sind allegorisch zu verstehen und beziehen sich auf Hazrat Mirza Ghulam Ahmad. | |
| Er würde „östlich von Damaskus“ auf ein Minarett herabsteigen und er würde die Erde nicht betreten können bevor jemand ihm eine Leiter anstelle. | Die Prophezeiungen des zweiten Auftretens von Jesus wurde in der Person von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad erfüllt. Als Zeichen dieser Erfüllung wurde das „Weiße Minarett“ in Qadian gebaut, das östlich von Damaskus liegt. | ||
| [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=63#top" target="_blank" >* | |||
| Die Stellung von Ghulam Ahmad | Die Meinungen gehen auseinander, aber die Überzeugung, dass er ein Apostat sei ist weit verbreitet. Viele Orthodoxe glauben, dass Mirza Ghulam Ahmad einer von 30 falsche Propheten ist, vor denen Prophet Muhammad vor 1400 Jahren gewarnt hatte. | Er ist Prophet nur im allegorischen Sinn. [http://aaiil.info/misconceptions/nabirasul/nabirasul.htm | Er ist Prophet in vollem Wortsinn mit der Ausnahme, dass er kein neues Gesetz (Qur'an) brachte. |
| Er war der „Mujaddid des 14. islamischen Jahrhunderts“. Er ist der Verheißene Messias (2. Erscheinen von Jesus) und der Imam Mahdi. * | |||
| Kalima Schahada | Das Sprechen der Kalima ist notwendig, um Muslim zu sein. In manchen Ländern (Pakistan Bangladesh, ...) ist die Zustimmung zur Aussage „Mirza Ghulam Ahmad ist ein Apostat“ Voraussetzung, um als Muslim zu gelten. [http://pakistan.gov.pk/forms/pdf/form_a_dip_1_(rev)_for_persons_above_12_years.pdf | Niemand, der die Kalima Schahada spricht, kann von jemand anders zum Nicht-Muslim erklärt werden. | |
| Trotzdem werden orthodoxe Muslime, die die Kalima sprechen, als „Kafir“ in Bezug auf ihren Unglauben an der Prophetenschaft von Mirza Ghulam Ahmad bezeichnet. * | |||
| Der Abschluss des Prophetentums | Der Ausdruck im Qur'an „Siegel der Propheten“ wird dahingehend verstanden, dass Hazrat Muhammad der letzte Prophet ist. | Hazrat Muhammad ist der letzte Prophet. | Hazrat Muhammad ist der „größte“ und „beste“ Prophet, nicht aber der „letzte“ Prophet. Er brachte das Prophetentum zur Perfektion und schloss das religiöse Gesetz (Qur'an) ab. |
| Trotzdem schließt das nicht das Wiedererscheinen eines „alten“ Propheten aus, z.B. die Wiederkunft Jesu in den „Letzten Tagen“. | Kein Prophet, weder ein neuer noch ein alter, kann nach ihm kommen. [http://aaiil.info/misconceptions/khatam/khatam.htm | Propheten nach Muhammad müssen seiner Sunna (Beispiel) und Hadith (Botschaft) folgen. Sie müssen den Stempel Muhammads (Siegel) tragen, dürfen kein neues Gesetz (Qur'an) bringen und können ihn nicht in Perfektion übertreffen. | |
| Mirza Ghulam Ahmad war der Mujaddid (Reformer) des 14. Islamischen Jahrhunderts, aber kein Prophet. | Mirza Ghulam Ahmad war der Mujaddid (Reformer) des 14. Islamischen Jahrhunderts und ein (Muhammad nachgeordneter) Prophet. [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=37#top | ||
| Jesus, Sohn der Maria | Hazrat Isâ (Jesus) wurde in wunderbarer Weise durch die Jungfrau Maria (Maryam) geboren. Er starb nicht am Kreuz. * | ||
| Über das Kreuzigungsgeschehen gibt es mehrere Versionen: a) Gott hat Jesus errettet, indem er ein großes Durcheinander heraufbeschwor, so dass niemand recht weiß was geschah, b) ein anderer als Jesus wurde gekreuzigt (Verwechslungstheorie) oder c) Jesus hing zwar am Kreuz, wurde aber durch direktes Eingreifen Gottes vor dem Tod bewahrt und in den Himmel gezogen. * | Hazrat Jesus entkam dem „verfluchten Tod“ am Kreuz und starb eines natürlichen Todes. Er wird nicht leibhaftig wiederkommen. | ||
| Jesus befindet sich im Himmel und wird von dort kurz vor der „Stunde“ wieder auf die Erde zurückkommen. Die Jesus-Lehre ist sehr ähnlich der von AMJ. Allerdings ist die Jesus-Lehre (bis auf die Jungfraugeburt) kein wesentlicher Glaubensbestandteil und der persönlichen Überzeugung des Einzelnen überlassen. *" target="_blank" > | Nach der Errettung vom Kreuz wanderte Hazrat Jesus bis nach Kaschmir auf der Suche nach den „Verlorenen Stämmen“. Er starb nach einem langen Leben und wurde in Srinagar unter dem Namen Yuz Asaf (Jesus-Grab) beerdigt. [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=50#top | ||
| Jihaad saghir | Der gewaffnete Dschihad ist prinzipiell auch heute noch möglich. Traditionell wurde dieser Dschihad vom Amir-ul Mumin, dem Führer der Gläubigen ausgerufen. Mit der Abschaffung des osmanischen Kalifats und die Nationalstaaterei der islamischen Welt ist dies in dieser Form nicht mehr möglich. | Hazrat Mirza Ghulam Ahmad hat das Recht, aus Glaubensgründen zur Waffe zu greifen, für aufgehoben erklärt. Es gehört zu den Prophezeiungen über das Erscheinen des Verheißenen Messias, dass er den (religiös begründeten) bewaffneten Dschihad abschaffen würde. * | |
| Heute muss die Ausrufung des Dschihad wohl unter „Psychologischer Kriegsführung“ verbucht werden. Die Vorstellungen über die Voraussetzungen für den Dschihad variieren stark. Terroristische Gruppen verwenden den Dschihad-Begriff, um ihre Aktivitäten propagandistisch aufzuwerten und zu legitimieren. | Heute steht Muslimen, die verfolgt und unterdrückt werden, die Möglichkeit offen auszuwandern und ein Gebiet zu finden, in dem sie in Frieden leben können. Der bewaffnete Dschihad wurde durch den Dschihad des Argumentes abgelöst. Nach einem Hadith ist „Tinte des Gelehrten wertvoller als das Blut des Märtyrers“. | ||
| Führung der Umma | Sunnis: Der Kalif wird von der Umma entweder gewählt oder mindestens seine Ernennung bestätigt. Der letzte osmanische Kalif wurde 1924 von Kemal Atatürk abgesetzt. Die Wiederaufrichtung des Kalifats ist zwar immer wieder Diskurs in der islamischen Welt, die Erfolgsaussichten werden allerdings als sehr gering eingeschätzt. | Der Nachfolger von Hazrat Ghulam Ahmad war Hakeem Maulvi Nooruddin. Nach seinem Ableben kam es zur Spaltung. | |
| Shia: Der Imam muss Nachfolger von Muhammad und Ali sein. Die Schiiten warten auf das Wiedererscheinen des „Verborgenen Imam“. In Iran (12er-Schiiten) führt der ranghöchste Ayatollah stellvertretend die Führung der Umma. | Die Fraktion, die die Idee des Kalifentums verwarf, wurde nach ihrem Hauptsitz kurz „Lahori“ genannt. Sie bildete eine Art Präsidium mit einem Amir als Leiter. | Die Gruppe, die am Kalifentum festhält, wurde nach ihrem Hauptsitz auch kurz „Qadiani“ genannt. Sie wählte Hazrat Mirza Basheerudin Mahmood Ahmad zum 2. Khalifa. | |
Liebe für alle, Hass für keinen.
Das Weiße Minarett von Qadian.
Nach eigenen Angaben hat die Ahmadiyya Muslim Jamaat heute geschätzte 200 Millionen Mitglieder. Nicht-Ahmadi-Muslime kommentieren diese Zahl so: Da die Ahmadis sich selbst zu den Muslimen zählen, wäre jeder fünfte Muslim (Gesamtzahl etwa 1000 Millionen) ein Ahmadi – dies scheint stark übertrieben zu sein. Eine eigene Grafik soll diese Zahl (bis 2002) belegen. Diese Steigerungsraten solle bis heute (2006) eine deutliche größere Gesamtzahl bewirkt haben.
In Deutschland zählt die AMJ etwa 40.000 Mitglieder in 244 Gemeinden. Ahmadiyya Muslim Jamaat: Lokale Gemeinden Die AAIIL hat eine Gemeinde in Berlin-Wilmersdorf mit 60 Mitgliedern.
Die derzeitige Hauptverwaltung von Ahmadiyya befindet sich in Rabwah, Pakistan. Größere Gemeinden der Ahmadiyya Muslim Jamaat bestehen außer in Südost-Asien in Europa (England, Deutschland) und Nord-Amerika (USA, Kanada). Ihre größten Erfolge erzielte Ahmadiyya in West- und Ostafrika, wo sie sich auch im Bildungs- und Sozialwesen engagiert (Bau von Schulen und Krankenhäusern).
Als erste Moschee in Europa wurde 1924 die Fazl Moschee in London eingeweiht. Mit der Baitul Futuh wurde am 3. Oktober 2003 eine 10.000 Gläubige fassende Moschee in London eingeweiht.
AMJ verfolgt einen „100-Moscheen-Plan für Deutschland“. Die Durchführung dieses Plans wird in den betroffenen Orten zum Teil kritisch gesehen. In Schlüchtern (Hessen) wurde als Reaktion auf den Plan, in der Gemeinde eine Moschee zu errichten, eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, um den Bau zu verhindern. In Usingen (Hessen) wurde in einer im Dezember 2004 eingeweihten Moschee Feuer gelegt, die Täter sind bis heute unbekannt (Stand: 2005).
Im Jahr 2004 wurden insgesamt sechs neue Moscheen in Deutschland eingeweiht, sodass sich die Anzahl der Gebetszentren, die jetzt auch als Moschee erkennbar sind, sich auf etwa 15 erhöht hat.
Wegen der Ablehnung der orthodox-islamischen Christologie wird sie von vielen Muslimen nicht als islamisch anerkannt und ihre Anhänger in einigen Ländern religiös verfolgt. //www.thepersecution.org/ www.thepersecution.org In Pakistan wurden extra Parteien gegründet, die sich den Kampf gegen den Qadianismus zum Programm gemacht haben, in Saudi-Arabien sind es die Wahhabiten, die Ahmadi-Muslime bekämpfen. So werden Ahmadi-Muslimen keine Visa ausgestellt, womit ihnen praktisch die Wallfahrt unmöglich gemacht wird.
Entgegen anderslautenden Bekundungen wird die Ahmadiyya vom Verfassungsschutz weder als extremistisch noch gewalttätig eingestuft. Berliner Morgenpost: Verfassungsschutz-Chefin äußert sich im Streit um Moschee-Neubau Kinzigtal-Nachrichten: Toleranz wird angemahnt Kinzigtal-Nachrichten: Ahmadiyya unauffällig Auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland werden die antisemitischen Vorwürfe nicht bestätigt.
Ein oft (besonders in Pakistan/Indien) erhobener Vorwurf ist, dass das Ahmadiyyat von den Briten gepflanzt seien. Der Hintergrund ist hierbei, dass im indischen Befreiungskampf verschiedene islamische Gruppen zum Dschihad gegen die Engländer aufriefen, während Hazrat Mirza Ghulam Ahmad dies ablehnte mit der Begründung, solange die Engländer die Religionsfreiheit garantierten, sei ein Dschihad nicht zulässig. Die Ahmadiyyat wurde daraufhin von islamischen Extremisten als Verräter eingestuft.
Ahmadiyya | Islam in Deutschland
أحمدية | Ahmadi | Ahmadía | Ahmadismo | Ahmadi | אחמדים | Ahmadiyya | Ahmadija | Ahmadija | Äxmädiyä
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Ahmadiyya".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world