Ahmad ibn Hanbal * 780 in Bagdad; † 855 ebenda), mit vollständigem Namen Aḥmad b. Muḥammad b. Ḥanbal, in der Literatur überwiegend nur als Ibn Ḥanbal genannt,war ein islamischer Rechtsgelehrter mit Wirkungskreis Basra und Bagdad. Seine Familie stammte aus Merw, sein Vater zog aus Chorasan, wo er in der abbasidischen Armee diente, nach Bagdad.
Ibn Hanbal ist der jüngste unter den Gründern der vier im sunnitischen Islam etablierten Richtungen (madhhab) der islamischen Rechtswissenschaft (fiqh), nämlich der nach ihm benannten Schule der Hanbaliten. Er selbst, der alle Gesetze aus dem Koran, der Sunna und dem Konsens (idschma') der ersten Generationen abzuleiten bestrebt war, gilt aber vor allem als Theologe und nicht als Jurist. Die von al-Schafii definierten Quellen des fiqh – der Analogieschluß (qiyas) und die eigenständige Lehrmeinung (ra'y) – verlieren in der hanbalistischen Rechtslehre ihre Bedeutung. Dies hängt in erster Linie mit der streng theologisch-dogmatischen Geisteshaltung des Schulgründers zusammen, der mehr in Kreisen der Hadith-Gelehrten als in den der Juristen verkehrte. Ibn Hanbal hat folglich auch kein Rechtskompendium wie seine Vorgänger verfasst; die von ihm behandelten Rechtsfragen (masa'il) haben seine Nachfolger – unter ihnen auch seine Söhne Salih, der spätere Qadi von Isfahan, (gest. 879) und Abdallah, der sich der Hadith-Literatur widmete (gest. 903) – gesammelt und gegen Ende des 9. Jahrhunderts redigiert. Allerdings handelt es sich auch bei diesen Sammlungen nicht nur um rein juristische responsa, sondern auch um dogmatisch-ethische Ausführungen des Schulgründers. Seine Nähe zur Theologie bestimmte auch sein Schicksal während der mihna als al-Ma'mun die Lehre der mu'tazila über die Erschaffenheit des Korans zur Staatsdoktrin erklärte. Im September 834 musste er mit anderen Vertretern der ahl al-sunna am Kalifenhof erscheinen und sich der mihna unterwerfen. Er ist ausgepeitscht, eingekerkert und unter Hausarrest gestellt worden. Erst unter al-Mutawakkil (ab 847) konnte er ungestört unterrichten und öffentlich auftreten. Acht Jahre später starb er nach einer kurzen Krankheit in Bagdad.
Andere Werke wie das Kitāb al-Sunan haben dogmatische Fragen in der strengen Auslegung der Sunniten zum Thema. In einer in Form der responsa abgefaßten Sammlung von zwei Bänden gibt Ibn Hanbal Auskünfte darüber, wie Prophetentraditionen und die Überlieferer derselben im einzelnen zu beurteilen sind. Sein Kitāb al-Aschriba (al-Ašriba) („Das Buch der Getränke“) ist ausschließlich denjenigen Traditionen gewidmet, die sich mit dem koranischen Alkoholverbot im Islam und seiner Interpretation auseinandersetzen.
Die von Ibn Hanbal behandelten juristischen Rechtsfragen sind in der Bearbeitung seiner Schüler erhalten; die älteste dieser Sammlungen geht auf Abū Dāwūd al-Siǧistānī (gest. 888 in Basra) zurück und ist in der Nationalbibliothek (maktabat Asad) von Damaskus erhalten.
Person des Islam | Mann | Geboren 780 | Gestorben 855
أحمد بن حنبل | Ahmad ibn Hanbal | Ahmed ben Hanbal | Imam Ahmad
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