Ahmad Tejan Kabbah (* 16. Februar 1932 in Pendembu) ist seit 1996 Präsident von Sierra Leone.
Frühe Jahre
Kabbah stammt aus Pendembu, Distrikt Kailahun, in der
Eastern Province und gehört zum Volk der
Mandinka. Er stammt aus einer
muslimischen Familie und gilt als sehr gläubig. Er besuchte die älteste
katholische Schule des Landes,
St. Edwards. Sein Studium absolvierte er am
Cardiff College of Technology and Commerce und an der
University of Wales, wo er 1959 seinen
Bachelor-Abschluss in
Wirtschaftswissenschaft machte. Danach studierte er
Rechtswissenschaft und wurde 1969 Rechtsanwalt
(Barrister). Er praktizierte in
London. In Sierra Leone trat er in den Staatsdienst ein und war in der Verwaltung mehrerer Distrikte und später in unterschiedlichen Ministerien beschäftigt.
Vereinte Nationen
Für einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren war er für die
Vereinten Nationen tätig. Er war stellvertretender Leiter des
United Nations Development Programme (UNDP) für Westafrika, als ihm 1973 die Leitung der Projekte dieser Organisation im südafrikanischen
Lesotho übertragen wurde. Weitere Stationen beim UNDP waren die Niederlassungen in
Tansania,
Uganda und kurz vor dessen formaler Unabhängigkeit
Simbabwe. Er wurde dann ins Hauptquartier der Organisation am Sitz der Vereinten Nationen in
New York versetzt, wo er die Abteilungen für Ost- und Südafrika leitete. Daneben war er für die Zusammenarbeit mit den von der
Organisation für Afrikanische Einheit anerkannten Gruppen
African National Congress (ANC,
Südafrika) und
South-West Africa People's Organisation (SWAPO,
Namibia) zuständig. Bevor er 1992 in den Ruhestand ging war er stellvertretender Direktor und später Direktor für Personalangelegenheiten sowie Verwaltungsdirektor der
UNDP.
Politische Laufbahn
Nach dem
Putsch einer Gruppe junger Offiziere unter
Valentine Strasser gegen den seit 1985 regierenden Präsidenten
Joseph Saidu Momoh am
29. April 1992 bat ihn die neue
Junta, als Vorsitzender eines Rates an der Ausarbeitung einer neuen
Verfassung mitzuarbeiten. Kurz vor den geplanten Präsidentschaftswahlen wurde Strasser am
16. Januar 1996 von
Julius Maada Bio in einem weiteren Putsch gestürzt. Die Wahlen fanden trotzdem wie geplant am
26. Februar 1996 und am Folgetag statt. Kabbah erreichte als Kandidat der
Sierra Leones People's Party (SLPP) im ersten Wahlgang mit 35,8% der Stimmen den ersten Platz. Bei den gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahlen erhielt seine Partei 27 der 68 Sitze. Im zweiten Wahlgang am
15. März 1996 siegte er mit 59,5% und trat sein Amt als Nachfolger Bios 14 Tage später an. Er bildete eine Regierung unter Beteiligung fast aller im Parlament vertretenen Gruppen.
Der seit 1991 andauernde Kampf der Rebellenorganisation Revolutionary United Front (RUF) gegen die wechselnden Regierungen Sierra Leones ging unterdessen weiter. Im November 1996 unterzeichnete er in Abidjan ein Abkommen mit der RUF, was die Lage aber nicht verbesserte. Ein erster Putschversuch gegen ihn schlug 1996 fehl, ein zweiter führte am 25. Mai 1997 zu seiner vorübergehenden Entmachtung. Er ging nach Guinea ins Exil.
Die Putschisten unter Führung von Johnny Paul Koroma wurden im März 1998 durch eine Intervention der Economic Community of West African States (ECOWAS) aus der Hauptstadt Freetown vertrieben und Kabbah konnte zurückkehren. Zur Stützung seiner Regierung blieben Truppen der Nachbarstaaten als Teil der Friedenstruppe ECOMOG im Land stationiert. Am 7. Juli 1999 unterzeichnete Kabbah in Lomé ein weiteres Friedensabkommen mit der RUF, das, obwohl die Gewalt zunächst weiterging, bis Anfang 2002 mit Unterstützung der Vereinten Nationen (UNAMSIL) zu einem Ende des Bürgerkrieges führte. Das offizielle Ende des seit 1991 andauernden Konfliktes wurde mit einer Zeremonie am 18. Januar 2002 verkündet – zwei Tage nach Unterzeichnung eines bilateralen Vertrags zwischen Sierra Leone und den Vereinten Nationen zur Errichtung des Sondergerichtshofs für Sierra Leone. Am 14. Mai 2002 wurde er mit 70,1% der Stimmen im ersten Wahlgang für weitere fünf Jahre als Präsident wiedergewählt und seine Partei erhielt 83 der 112 Parlamentssitze. Kabbah übernahm auch das Amt des Verteidigungsministers.
Familie
Kabbah ist verwitwet und Vater von vier Kindern. Verheiratet war er mit der 1998 verstorbenen Patricia, geborene Tucker, einer Katholikin aus dem Süden Sierra Leones.
Weblinks
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