Agrargeschichte ist der Teil der Geschichtswissenschaft, der die Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums erforscht. Sie ist verbunden mit der allgemeinen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Nachbarfächer sind Archäologie, Geographie, Soziologie (vgl. Agrarsoziologie) und Volkskunde. Fragen der Agrarverfassung und Agrarstruktur berühren auch rechtliche und politische Aspekte (vgl. Agrarpolitik). Neuere Entwicklungen in der Agrargeschichte gehen daher in Richtung einer "Integrationswissenschaft".
Die Landwirtschaft wurde nach Meinung mancher Forscher mindestens zweimal "erfunden", vermutlich jedoch häufiger (bis zu neun mal):
Vor mehr als 13.000 Jahren wurden in den Ländern des Nahen Ostens bereits Schafe und Ziegen als Haustiere gehalten. Rinder und Schweine kamen allenfalls 2000 Jahre später hinzu (China und Türkei). Dienten Haustiere, wie zuvor Wildtiere, anfangs lediglich als Fleisch-, Horn-, Sehnen- und Felllieferanten, so entwickelte sich bald auch die Nutzung von Sekundärprodukten, d.h. Milch, Käse, Wolle. Die Nutzung als Lasttier ist ein weiterer Schritt in der Geschichte des Transportwesens. In Amerika wurden Lamas und Alpakas bereits 5400 v. Chr. als Nahrungs- und Fell-Lieferanten, aber auch als Packtiere gehalten.
Weil landwirtschaftliche Tätigkeiten mühsamer sind als das vom Menschen zuvor bevorzugte Jagen, Fischen und Sammeln, liegt die Vermutung nahe, dass der Beginn der Landwirtschaft nicht freiwillig erfolgte. Wahrscheinlich dürften die Gründe in der Klimaänderung am Ende der Eiszeit gelegen haben. Der Prozess der die Neolithisierung einleitete und seine Folgen werden als Neolithische Revolution bezeichnet.
Ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. erfolgte die Ausbreitung von Pflugbau und später die von Nutzungswechselwirtschaft. Zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit wurde mit Mist gedüngt, wobei Rasenstücke dem tierischen Dung beigemischt wurden.
Aus Funden in alten Keramiken (als Grabbeigaben o.ä.) kennt man einige der von den Kelten angebauten Pflanzen: Dinkel, Emmer, Einkorn, Mohn Ziegenweizen, Gerste, Rispenhirse, Ackerbohnen, Linsen, Lein zur Öl- und Fasergewinnung.
In der Antike wurden im Mittelmeerraum Weizen, Wein und Ölbäume angebaut, verbunden mit Viehhaltung in den stark entwaldeten Gebirgen. Dazu kamen Obst- und Gemüsebau, der wie der Weinbau von den Römern nach Mitteleuropa übertragen wurde. Die Araber führten den Baumwoll- und Zuckerrohranbau und die Bewässerungstechniken in Spanien ein.
Diese Produktionsmethode wurde erst im 18. Jahrhundert durch den Übergang zu einem kontinuierlichen Fruchtwechsel aufgegeben. In diese Zeit fällt auch die Verbesserung vorhandener und die Einführung neuer landwirtschaftlicher Techniken (z.B. Bodenwendepflug und Hufbeschlag der Pferde, die zunehmend die vorher als Zugtiere verwendeten Ochsen ersetzten). Durch die gezielte Auswahl von Saatgut und Zuchttieren konnten die Erträge gesteigert werden. Dazu kamen die Kultivierung von Ödland und die größere Verbreitung neuer Feldfrüchte (Rüben, Klee, Raps, Kartoffeln).
Das 19. und 20. Jahrhundert waren geprägt durch die weitere Technisierung und Spezialisierung der Landwirtschaft bis hin zur Industrialisierung. 1840 beschrieb Justus von Liebig in seinem Werk "Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie", kurz "Agriculturchemie" genannt, die Möglichkeit des Einsatzes von Mineraldünger. Ab Ende des 19. Jahrhunderts konnte billiger synthetischer Dünger hergestellt werden. Er ermöglichte ebenso wie Erfolge in der Pflanzen- und Tierzüchtung und die Entwicklung neuer Maschinen eine Steigerung der Erträge um ein Vielfaches. Allerdings öffnete sich die Produktivitätsschere zwischen Gebieten mit moderner und traditioneller Landwirtschaft. Wegen der Knappheit an menschlicher Arbeitskraft bei großen zu bearbeitenden Flächen setzte sich die Mechanisierung zuerst in den USA durch. Sie erfasste mit der Industriellen Revolution und der damit verbundenen Abwanderung vieler Arbeitskräfte vom Land in die Industriestädte schließlich die übrigen Industrieländer und seit den 1960er-Jahren die Entwicklungsländer..
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