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Die Agoraphobie (griechisch αγοραφοβία, agorafowía, von αγορά, agorá „der Markt(-platz)“ und φόβος, fówos, „die Angst“, „Phobie“) ist eine Angststörung, die sich in der Furcht vor Orten oder Situationen äußert, in denen ein Schutz vor oder Hilfe bei peinlichen oder anderweitig unangenehmen Ereignissen nicht oder kaum gegeben erscheint.

Früher wurde der Begriff ausschließlich für die Angst vor öffentlichen großen Plätzen verwendet. Inzwischen umfasst er auch die Angst vor anderen öffentlichen Situationen, etwa Menschenmengen, Busfahren, Reisen allein oder weit weg von zu Hause, da diese häufig mit der klassischen Agoraphobie einhergehen und vermutlich dieselben Ursachen haben.

Ein alternativer Ausdruck für die Agoraphobie ist Platzangst. Von Laien wird dieser Begriff zwar meistens für die Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie) verwendet, aus fachlicher Sicht ist dies jedoch falsch.

Geschichte des Krankheitsbildes


Zum ersten Mal wurde das Krankheitsbild 1871 von C. Westphal bei einem männlichen Patienten beschrieben. Sigmund Freud verstand diese Angst als eine Phobie, die nahe mit der Angst vor Versuchungen verbunden war. Sobald der Agoraphobiker oder die Agoraphobikerin alleine auf die Straße gingen, erlitten sie einen Angstanfall. Die meisten Phobien deutete Freud auf eine Angst des Ichs vor den Ansprüchen der Libido. Er schilderte dies anhand der Angst vor der Begegnung mit Prostituierten in unbekannten Gegenden einer Stadt.

Gegenwärtig hat sich die genderbezogene Gesundheitsforschung der Agoraphobie zugewandt, denn Agoraphobie betrifft heute überwiegend Frauen. Esther da Costa Meyer stellt fest, dass nachts in den meisten Städten so gut wie alle Frauen agoraphob sind. Sollte dies nicht auch für das 19. Jahrhundert mit seinen noch viel schlechter beleuchteten Straßen gegolten haben? Wie sich die Agoraphobie zu einer typischen Frauenkrankheit entwickelte, wie sie sich heute darstellt, ist jedoch eine nur schwierig zu beantwortende Frage.

Symptome


Häufig tritt die Agoraphobie gleichzeitig mit Panikstörungen auf. Aus heiterem Himmel kommt eine Todesangst, verbunden mit Atemnot, Herzrasen und Schweißausbrüchen, außerdem leichte Kontrollzwänge, Grübeln und Depressionen.

Ein typisches Symptom ist das Angstgefühl, dass man einer möglichen Gefahrensituation nicht entkommen, man sich nicht in Sicherheit bringen kann. Die Betroffenen zeigen starkes Vermeidungsverhalten. Häufig gilt die eigene Wohnung als sicherer Ort, in extremen Fällen bleiben die Betroffenen - aus Angst vor möglichen Panikattacken außerhalb - in ihrer Wohnung.

Ursachen


Über die Ursachen können auch heute nur Vermutungen angestellt werden. Es gibt zwei verschiedene Arten, die Krankheit zu erklären:

Mögliche organische Ursachen

  • Durch den Hypothalamus fehlgesteuerte Hormone: Adrenalin wird bei Betroffenen fehlerhaft (auch in gefahrlosen Situationen) ausgeschüttet.
  • Überempfindsamkeit: Die Rezeptoren reagieren schon extrem auf kleinste Mengen Adrenalins, die andere Menschen nicht spüren.
  • Fehlfunktion des locus coeruleus: Dieser ist mit dem Großteil des zentralen Nervensystems verbunden.
  • Leichte Veränderlichkeit der Blutgefäße und des Blutdrucks: Kann besonders in bewegten Räumen zu Schwindel und Gleichgewichtsstörungen führen.
  • Menschen mit dem Klinefelter-Syndrom, einer Chromosomenbesonderheit, neigen stärker zu Angststörungen - warum dies so ist, weiß man noch nicht.

Mögliche psychische Ursachen

  • Höhere Panikneigung durch den Genuss von Drogen wie Alkohol, Tabak und Ähnlichem.
  • Gesellschaftlicher Leistungsdruck. Gleichzeitig zeigt sich ein schwaches Immunsystem beziehungsweise eine schwache Regeneration.
  • Angst vor dem Sterben.
  • Ständig Präsenz von Gewalt in den Nachrichten und im Fernsehen, die Welt scheint bedrohlicher zu werden.

Literatur


  • Sigmund Freud, Sigmund: Hemmung, Symptom und Angst. In: Freud: Studienausgabe Bd 6 Hysterie und Angst, Frankfurt a. M., 1970, S. 253, S. 284.
  • C. Westphal: Die Agoraphobie als neuropathische Erscheinung. In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 3 (1871), S. 138-161
  • Esther da Costa Meyer: La donna è mobile. In: Gender and architecture, ed. by Louise Durning. Chichester, 2000
  • Kathleen A. Brehony: Women and agoraphobia. In: The stereotyping of women, New York, 1983

Weblinks


Als mögliche Ursache muss immer auch eine eventuelle Traumatisierung in Betracht gezogen werden. Die Agoraphobie wird zu den möglichen psychischen Störungen gezählt, die sich zusätzlich zu den klassischen Symptomen der PTBS und auch zu den Symptomen der Komplexen PTBS entwickeln können. (Komorbidität) (vgl. Butollo, W. u.a.(2003): Kreativität und Destruktion posttraumatischer Bewältigung. Forschungsergebnisse und Thesen zum Leben nach dem Trauma. 2. erw. Auflage. Stuttgart. hier S. 61) Informationen und Community zur Agoraphobie

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