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Agnus Dei (lat. Lamm Gottes) ist eine seit ältester Zeit im Christentum verbreitete Form der Anbetung Jesu Christi, des christlichen Messias.

Sie bezieht sich auf das Lamm als alttestamentliches Opfertier und insbesondere auf die Pessach-Lämmer, deren Blut als Zeichen an den Türpfosten, in der Nacht des Auszugs der Israeliten aus Ägypten (Exodus) zum Schutz vor dem Todesengel die Israeliten vor dem Tod ihrer Erstgeborenen Jungen schützte. (Ex. 12; vgl. Osterlamm). "Wenn ich das Blut sehe, werde ich vorübergehen".

Der Gott Jesus Christus ist für Christen das Lamm Gottes, das für ihre Sünden (einschließlich der Erbsünde) von Gott geopfert worden ist. Das heißt Gott wurde durch den Heiligen Geist in der Jungfrau Maria Mensch. Dieser menschgewordene Gott Jesus Christus, ist das Mittel, das durch seinen Tod am Kreuz stellvertretend für die Sünde aller Menschen leidet und stirbt. Christen nennen dies Befreiung vom Tod oder - im Hinblick auf die Auferstehung Christi - Tod, der Leben geworden ist. Die Lehre von der ererbten Sünde (Erbsünde) war eine theologische Neueineinführung der ersten Christen, namentlich des Apostels Paulus von Tarsus (der zuvor ein strenger Pharisäer war), ebenso wie die Vorstellungen, dass Gott Mensch werden kann, dass Gott sterben und auferstehen kann und dass der Messias Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist und Anbetung findet.

Das Abendmahl Jesu Christi, bezeugt im Neuen Testament der Bibel nimmt auf das Pessach-Lamm bezug, da in der Nacht des Pessachfestes Jesus mit seinen Jüngern das Pessachmahl gehalten hat. Danach teilte er, ähnlich jüdischen Bräuchen, ungesäuertes Brot und Wein an die Jünger aus (Abendmahl). Den Worten ihres Herrn Jesu glaubend "nehmet hin und esset, dies ist mein Leib, für euch gegeben; nehmet hin und trinket, dies ist mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden, solches tut zu meinem Gedächtnis" feiert die Kirche bis heute dieses Abendmahl in ihren Gottesdiensten.

Apokalyptisches Lamm.JPG Nach christlicher Lehre bedeutet dies, dass des Juden Jesu Leib zerbrochen und sein Blut vergossen worden sei. Gott-Jesus sei das Gott-Menschenopfer, das "geschlachtet" wurde zur Vergebung der Sünden aller Menschen, diesen Kelch (meint etwa: Schierlingsbecher) ließe sein Gott-Vater, der christliche Gott des Neuen Testaments nicht an Gott-Jesus vorbeiziehen, trotz Jesu ängstlicher Bitten. Paulus schreibt im Brief 1. Korinther 5, 7 : "Entfernt den alten Sauerteig, damit ihr ein neuer, ungesäuerter Teig seid. Denn wir haben ein Pessach-Lamm, für uns geopfert: Das ist Jesus Christus." Aus dieser christliche göttliche Tragödie wird in der kirchlichen Tradition das versöhnende sogenannte Menschenopfer, das Gott der Vater an sich als seinem Gott der Sohn, Jesus zulässt, veranschaulicht. Dies sei nach Ansicht der Kirche notwendig, da alle Menschen sündig von Geburt an seien, mit der Erbsünde behaftet. Die Tradition des Judentums hingegen lehnt den Begriff der Erbsünde ab, ebenso auch das Menschenopfer seit Abraham (etwa 1800 v.Chr.; vgl. Genesis 22ff).

In der christlichen Kunst wird das Lamm Gottes (manchmal mit einer Kreuzesfahne) als Christussymbol dargestellt. Auf Befehl Justinians II. wurde diese Darstellung 691 im Kanon 82 der Trullanische Synode untersagt; das Konzil wurde jedoch im Westen nicht anerkannt.

In der katholischen und allen von ihr abstammenden Liturgien beginnt mit dieser Christusanrufung ein litaneiartiges Gebet, das seit dem 7. Jahrhundert während der Brechung des eucharistischen Brotes gesprochen oder gesungen wird. Der Text gehört zum Ordinarium der Messe und ist von Komponisten aller Epochen vertont worden.

Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis.
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem.

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, gib uns (deinen) Frieden.

Dieses Gebet (üblicherweise ein liturgischer Gesang) ist Bestandteil der evangelisch-lutherischen und der römisch-katholischen Abendmahlsliturgie, wo es nach der Konsekration gesungen wird. (siehe auch: Deutsche Messe)

Jüdischer Glaube

Das oben Gesagte zur christlichen Tradition betrifft auch das jüdische Pessachfest, die jüdischen Vorstellungen ihres Maschiach und die jüdischen Vorstellungen der Sündenhaftigkeit, also die Tora und die heiligen jüdischen Schriften.

Für das Judentum gibt es mehr als 2000 Jahre nach der Geburt des Juden Jesus von Nazareth, wie etwa 2000 Jahre zuvor schon, keinen Anlass, von der Vererbbarkeit der Sünden (Erbsünde) auszugehen. Während die Christen, in Jesus von Nazareth den im Alten Testament prophezeihten Messias zu erkennen glauben (siehe u.a. Jesaja 53, Psalm 22), lehnen ihn die Juden ab und warten weiterhin auf das Kommen des prophezeihten Erlösers. Darum hat auch das Heilige Abendmahl Jesu Christi im jüdischen Glauben keine Bedeutung.

Literatur


  • F. Meinicke, Das Symbol des apokalyptischen Christuslammes als Triumphbekenntnis der Reichskirche, Diss. Straßburg 1908
  • W. Molsdorf, Christliche Symbolik der mittelalterlichen Kunst, Leipzig 1962
  • G. Reichelt, Das Buch mit den 7 Siegeln in der Apokalypse des Johannes, Göttingen 1975
  • Ch. Markschies, "Hie ist das recht Osterlamm". Christuslamm und Lammsymbolik bei Martin Luther und Lucas Cranach, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 102 (1991)

Siehe auch


Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Proprium, Abendmahl

Bibel | Neues Testament | Liturgie | Kirchenmusik

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