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Defoliation agent spraying.jpg 1969]] Agent Orange ist der militärische Codename eines Herbizids mit dem Wirkstoff 2,4,5-Trichlor-phenoxyessigsäurebutylester. Dieses Mittel wurde im Vietnamkrieg am 7. Februar 1967 erstmals durch die US-Armee zur Entlaubung von Wäldern und Nutzpflanzen eingesetzt. Wegen einer Verunreinigung des Kampfstoffes mit TCDD ("Dioxin") erkrankten in Folge viele Bewohner der betroffenen Gebiete und US-Soldaten, ihr Erbgut wurde geschädigt und der Erdboden kontaminiert, sodass auch heute noch Menschen erkranken.

Es wurde nach einem breiten farbigen Kennstreifen auf den Giftfässern benannt. Weitere, weniger bekannte Gifte sind Agent Blue, Agent Purple, Agent Green, Agent Yellow, Agent Pink und Agent White.

Einsatz und Herstellung


Bis zum Ende der Operation „Ranch Hand“ („Bauernhilfe“) im Jahr 1971 gab es mehr als 6.000 Einsätze. Deren Ziel war die Entlaubung der Wälder, um einerseits Verstecke und Versorgungswege des Gegners aufzudecken und andererseits eigene Militärbasen und Flugplätze im dichten Dschungel erweitern zu können. Darüber hinaus wurden auch Ackerflächen bespritzt, um dem Feind die Nahrungsgrundlage zu entziehen.

Agent Orange ist flüssig und wurde als Aerosol aus Flugzeugen oder Helikoptern versprüht.

Hergestellt und geliefert wurde Agent Orange damals von der Firma Dow Chemical, dem heutigen Agrar-Konzern Monsanto, sowie vom tschechischen Unternehmen Spolana in Neratovice (als das Elbehochwasser 2002 das Firmengelände überschwemmte, kam die Firma noch einmal in die Schlagzeilen, weil eine Verbreitung von hochgiftigen Substanzen befürchtet wurde). In der Literatur ist häufig der Hinweis zu finden, dass in den 60er Jahren anfangs auch die deutsche Firma C.H. Boehringer, Ingelheim, verantwortlicher Gesellschafter der nachmalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Agent Orange hergestellt und an die USA geliefert habe.

„Kollateralschäden“


Da das Mittel eine Verunreinigung von bis zu 0,05 mg/kg TCDD (Dioxin) enthielt, führt es bis heute zu erheblichen irreversiblen gesundheitlichen Problemen bei der Bevölkerung der ehemaligen Einsatzgebiete. Zum Vergleich: 80 g dieses Dioxins im Trinkwasser würden ausreichen, alle Einwohner der Stadt New York zu töten. Insgesamt, so wird von der AG Friedensforschung der Universität Kassel angenommenAG Friedensforschung an der Universität Kassel, wurden in Vietnam über 300 kg reines Dioxin in Verbindung mit den eingesetzten Herbiziden freigesetzt. Zum Vergleich: In Seveso kamen insgesamt 1,5 kg TCDD frei.

Laut Angaben des Vietnamesischen Roten Kreuzes leiden circa 100.000 Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange. Diese sind: Krebs, Missbildungen (insbesondere Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten), Immunschwächen und nachhaltige Erbgutveränderungen. Andere Schätzungen setzen die Zahl der Opfer erheblich höher auf ca. 4 Millionen an. Da viele vietnamesische Neugeborene der dritten Generation noch mit schweren Missbildungen zur Welt kommen, dürfte die höhere Zahl eher der Wahrheit nahe kommen.

Auch im Vietnamkrieg eingesetzte US-Soldaten sind von diesen Symptomen betroffen. Als der Zusammenhang zwischen den Gesundheitsschädigungen und dem Dioxin anerkannt wurde, erhielten die betroffenen Soldaten, nach einem Gerichtsbeschluss von 1984, von den Herstellerfirmen Dow Chemical und Monsanto 180 Millionen Dollar als Entschädigungszahlungen.

Schätzungen zufolge hat das US-Militär während des Vietnamkrieges über 50 Millionen Liter Agent Orange (90 Millionen Liter Herbizide insgesamt) über Vietnam, Kambodscha und Laos versprüht. (Zum Vergleich: 50 Millionen Liter Wasser füllen etwa fünfundzwanzig 50-m-Schwimmbecken à 50x20x2m).

Die US-Regierung und das Militär leugnen bis heute einen kausalen Zusammenhang zwischen Agent Orange und den oben genannten Krankheiten. Agent Orange wurde vom US-Militär als harmloses Entlaubungsmittel beschrieben, das keinerlei Nebenwirkung aufzeigt. So wurden während des Abzugs der amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam tausende Liter Agent Orange auf dem Boden ausgeschüttet.

Eine Gruppe vietnamesischer Opfer hat gegen die amerikanischen Hersteller Klage eingereicht, die jedoch im März 2005 abgewiesen wurde, da im Falle der Anerkennung der Ansprüche dies „die Türen der Gerichte des amerikanischen Rechtssystems für Bürger und Soldaten früherer Feinde, die behaupten, von den Streitkräften der Vereinigten Staaten während des Krieges geschädigt worden zu sein, öffnen würde.“Artikel von André Bouny mit ausführlichen Informationen zum Thema (englisch) / (französische Version)

siehe auch: Chemische Waffe, Liste chemischer Kampfstoffe, Herbizide als Kampfstoffe

Weblinks


Quellen


Chemische Verbindung | Chemiewaffe | Herbizid (militärisch) | Vietnamkrieg

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