Dame Agatha Mary Clarissa Christie DBE (* 15. September 1890 in Torquay; † 12. Januar 1976 in Wallingford), war eine britische Schriftstellerin.
Bekannt wurde sie durch eine große Anzahl von Kriminalromanen und Kurzgeschichten, die auch mehrfach mit großem Erfolg verfilmt wurden. Ihre berühmtesten Schöpfungen sind der belgische Detektiv Hercule Poirot und die altjüngferliche Miss Marple. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unterstützte sie eigenhändig und nicht ohne Begeisterung für die Sache ihren zweiten Mann, den Archäologen Max Mallowan, auf seinen Ausgrabungen in Nordirak und Syrien, insbesondere bei der Restaurierung prähistorischer Keramiken und der Fotodokumentation der Funde. Auch trug sie maßgeblich zur Finanzierung dieser Expeditionen bei.
Agatha Christie wuchs in der viktorianischen Villa Ashfield auf und wurde bis zu ihrem 16. Lebensjahr nicht in einer Schule, sondern von ihren Eltern (bzw. der Mutter) unterrichtet, die früh ihr schriftstellerisches Talent erkannten. Mit 11 Jahren veröffentlichte sie ein erstes Gedicht in einem Lokalblatt.
Ihr zunächst begonnenes Musikstudium in Paris gab sie mit Beginn des Ersten Weltkriegs auf und arbeitete als Krankenschwester beim Britischen Roten Kreuz. (In dieser Zeit sammelte sie viele Erfahrungen mit den Giften, die später in ihren Werken eine Rolle spielten.)
1914 heiratete sie Oberst Archibald Christie, einen Flieger der königlichen Luftwaffe. Mit ihm hatte sie eine Tochter, Rosalind, die am 5. August 1919 geboren wurde. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs arbeitete Christie zunächst als Krankenschwester (Voluntary Aid Detachement) im örtlichen Krankenhaus, später in einer Apotheke.
1920 erschien ihr erster Krimi: „Das fehlende Glied in der Kette“ (engl.: „The Mysterious Affair at Styles“) mit dem belgischen Detektiv Hercule Poirot, zunächst in den USA, 1921 dann in England.
In ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hatte Agatha Christie schnell Erfolg, privat jedoch verliefen die zwanziger Jahre eher unglücklich: Ihr Mann ließ sie berufsbedingt häufiger allein, 1926 starb ihre Mutter - ein Ereignis, das sie per se schon sehr mitnahm, außerdem musste Ashfield geräumt werden. Ohnehin erschöpft von dieser Situation, gestand ihr ihr Mann eine Affäre mit einer Golfpartnerin. Christie brach vollkommen zusammen, verließ das Haus, und wurde nach einer spektakulären Suchaktion zehn Tage später in einem Hotel in Harrogate aufgefunden - mit einem fast kompletten Gedächtnisschwund bezüglich dieser zehn Tage. 1928 wurde die Ehe geschieden. Die Geschichte um das Verschwinden von Agatha Christie wurde 1979 von Regisseur Michael Apted filmisch umgesetzt in „Das Geheimnis der Agatha Christie“ (Agatha) mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle.
Um sich von den Strapazen der vergangenen Jahre zu erholen, entschied sie sich relativ spontan im Herbst dieses Jahres 1928 zu einer ausgedehnten Reise in den Nahen Osten und reiste mit dem Orient-Express nach Bagdad. Diese Spontanentscheidung (eigentlich hatte sie die Westindischen Inseln als Reiseziel angedacht) sollte das Leben Agatha Christies maßgeblich verändern und großen Einfluss auf ihr schriftstellerisches Werk ausüben. Es war allerdings nicht ihre erste Begegnung mit dem Nahen Osten, bereits als junge Frau war sie mit ihrer Mutter in Kairo gewesen. Von Bagdad aus reiste sie weiter nach Ur, wo der Archäologe Leonard Woolley mit Ausgrabungen beschäftigt war, die seinerzeit in England starkes Aufsehen erregt hatten. Er und seine Frau Katharine empfingen die Berühmtheit Agatha Christie hocherfreut; sie blieb längere Zeit beim Grabungsteam und freundete sich mit den Woolleys an, was sie allerdings nicht daran hinderte, sie später in ihrem Roman „Mord in Mesopotamien“ zu recht unerfreulichen Hauptfiguren zu verarbeiten. Als sie nach London zurückkehrte, tat sie dies mit einer Einladung Katherines im Gepäck, im Frühjahr 1930 zurückzukehren.
Bei diesem zweiten Aufenthalt in Ur lernte sie den 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen, der als Grabungsassistent bei Woolley arbeitete (allerdings bei ihrem ersten Besuch wegen einer Blinddarmentzündung abwesend war). Mallowan war von den Woolleys „abkommandiert“ worden, Agatha die Ausgrabungen und die Gegend zu zeigen. Bei dieser Gelegenheit verliebten sich die beiden. Agatha Christie musste sehr bald (noch im Frühjahr 1930) wegen einer Erkrankung ihrer Tochter nach England zurückkehren, Max Mallowan begleitete sie auf dieser Rückfahrt bereits. Zögerlich nahm Agatha schließlich einen Heiratsantrag des so viel jüngeren Max an, am 11. September 1930 heirateten die beiden in Edinburgh.
1930 tauchte mit dem Roman „Mord im Pfarrhaus“ (engl.: „The Murder at the Vicarage“) eine neue Detektiv-Figur auf: die altjüngferliche Miss Marple. In den darauffolgenden Jahren schrieb Agatha Christie zahlreiche Romane. Viele davon entstanden während der archäologischen Expeditionen mit ihrem Mann. Ihre Erlebnisse von einer der Expeditionen, die sie nach Syrien führte, schildert sie in „Erinnerung an glückliche Tage“ (engl.: „Come, tell me how you live“). „Vorhang“ (engl.: „Curtain“), Hercule Poirots letzten Fall, und „Ruhe unsanft“ (engl.: „Sleeping murder“) mit Miss Marple schrieb sie schon 1940. Beide Romane wurden aber erst kurz vor bzw. nach ihrem Tod veröffentlicht, da Agatha Christie beide als stille Reserve für unerwartete Fälle zurückbehalten wollte. Außerdem ist „Vorhang“ in der Tat Poirots letzter Fall, denn seine Schöpferin war seiner so überdrüssig, dass sie ihn sterben ließ. Da Poirot aber ihre Haupteinnahmequelle war, war es nötig, dass er bis zum Erscheinen von „Vorhang“ noch einige Fälle löste.
Agatha Christies Tochter Rosalind Christie heiratete zu Beginn des Zweiten Weltkriegs Hubert Prichard und brachte am 21. September 1943 Mathew Prichard zur Welt. Ihr Mann fiel im Krieg und sie ging 1949 eine Ehe mit Anthony Hicks ein.
Agatha Christie machte auch im Theater Karriere, denn aufgrund schlechter Erfahrungen beschloss sie ihre Stücke nur noch selbst für die Bühne zu bearbeiten und war mit Begeisterung bei der Produktion dabei. Eines ihrer Bühnenstücke ist „_Die_Mausefalle“, welches das am häufigsten aufgeführte Theaterstück weltweit ist.
1970 erschien zu ihrem 80. Geburtstag der für Christie atypische Roman „Passenger to Frankfurt“, in dem es um eine Weltverschwörung von Neo-Nazis geht. Das umstrittene Buch wurde als einziges bisher nicht ins Deutsche übersetzt.
1971 erhielt Agatha Christie den Orden des britischen Empire von Königin Elizabeth II., und zwar die höchste Stufe innerhalb dieses Ordens, verbunden mit dem Titel „Dame Commander of the British Empire“.
Ihren letzten Roman „Alter schützt vor Scharfsinn nicht“ (engl.: „Postern of fate“) schrieb sie zwischen 1973 und 74.
Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie in Winterbrook House im Ort Wallingford, Grafschaft Oxfordshire an einem Schlaganfall. 1977 erschien schließlich ihre Autobiografie „Meine gute alte Zeit“ (engl.: „An Autobiography“), die größtenteils in den Jahren 1950 bis 65 entstanden war. Eine flüssig geschriebene, ehrliche Erinnerung an Dinge, die Agatha Christie wichtig gewesen sind, mit Schwerpunkt auf ihrer Kindheit. Ergänzend zu ihrer Autobiographie kann die Biographie von Janet Morgan herangezogen werden. Agatha Christies Tochter Rosalind bat Mrs. Morgan, eine autorisierte Biographie ihrer Mutter zu verfassen. Durch umfangreiches Quellenstudium und Befragung von Agathas Freunden entstand eine detaillierte Schilderung ihres Lebens.
Insgesamt schrieb Agatha Christie mehr als 70 Kriminalromane, aber auch Kurzgeschichten und Bühnenstücke. Nach konservativen Schätzungen hat Agatha Christie zwischenzeitlich über 2 Milliarden Bücher verkauft, wie ihr Enkel und Erbe Mathew Prichard auf der offiziellen Christie-Website betont. Sie gilt damit als erfolgreichste Kriminalschriftstellerin der Welt. Unter dem Pseudonym Mary Westmacott schrieb sie außerdem mehrere romantische Bücher. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Verfilmungen ihrer Bühnenstücke und Bücher.
Verfilmungen des Stückes scheiterten bisher daran, dass, nach einer Verfügung von Christie, diese erst nach Absetzung des Stückes in dem Theater in Angriff genommen werden dürfen. Damit ist aber bis auf Weiteres nicht zu rechnen.
Am Ende des Bühnenstücks richtet sich ein Sprecher auf der Bühne an das Publikum und bittet es, die Auflösung des Stückes nicht zu verraten, was bei der riesigen Anzahl der bisherigen Besucher ein wenig kurios anmutet. Dem Wunsch soll aber auch hier nachgekommen werden.
Eine Variation der Geschichte ist auch in „Zehn kleine Negerlein“ (Ten little Niggers or the Last Weekend, 1939) zu finden. Auch hier werden alle Personen an einem abgeschiedenen Ort von einem unbekannten Mörder dezimiert.
In der Krimiparodie Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death, 1976) spielte Elsa Lanchester die Figur der „Miss Jessica Marbles“, die eindeutige Anleihen an „Miss Marple“ aufweist. James Coco spielte „Monsieur Milo Perrier“ und verkörperte damit eine Art Hercule Poirot. Es gab noch Anleihen an weitere bekannte Kriminalromanfiguren, wie Charlie Chan, Sam Spade und den dünnen Mann. Alle Protagonisten wurden an einem einsamen Ort versammelt und ihr Gastgeber wurde ermordet - anscheinend von einem der Anwesenden (deutliche Anleihen an „Die Mausefalle“, bzw. „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christe).
Ganz zum Schluss beschwert sich zu Recht der Gastgeber (dargestellt vom Schriftsteller Truman Capote):
Dieser Rundumschlag gegen die Krimiautoren scheint gerechtfertigt, denn leider hat auch Agatha Christie ihren Lesern das Mitraten in verschiedenen Romanen nicht gerade erleichtert.
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