Der Adelstitel gab den Rang eines Adligen in der gesellschaftlichen Hierarchie an. Viele Adelstitel waren ursprünglich Funktionsbezeichnungen.
Auch im Deutschen Reich gab es – seit Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung von 1919 – keine Adelstitel mehr und auch hier waren wie in Österreich alle Bürger vor dem Gesetz gleichgestellt. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses waren somit ausgeschlossen.
Die Adelstitel wurden in der Bundesrepublik allerdings Bestandteil des Familiennamens (Beispiel: Otto Graf Lambsdorff und nicht Graf Otto Lambsdorff), ein Anrecht auf die Anrede mit einem Prädikatstitel wie z. B. „Durchlaucht“ etc. bestand nicht. Der letzte Adelstitel Deutschlands wurde am 12. November 1918 an Kurt von Klefeld verliehen.
Am 23. Juni 1920 verabschiedete unter anderem die preußische Landesversammlung das Gesetz über die Aufhebung der Standesvorrechte des Adels. Dieses bestimmte, dass als Namen der bisherigen Adelsfamilien und ihrer Angehörigen die Bezeichnung zu gelten hatte, die sich bisher auf die nicht besonders bevorrechtigten Familienmitglieder als Familienname vererbte. Die Personen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Weimarer Reichsverfassung eine besondere Bezeichnung hatten, durften diese persönlich beibehalten, was insbesondere die ehemals regierenden Häuser betraf. Da diese aber heute fast alle verstorben sind, gibt es keine Fürsten von ... mehr, sondern nur noch Prinzen von ... Das Gesetz macht allerdings aus sprachlichen Gründen eine Ausnahme bei der Veränderbarkeit der Namen: Weibliche Mitglieder dürfen den ehemaligen Titel, jetzigen Namensbestandteil, beugen. Also Prinzessin von ...
Der kirchliche Titel Kardinal wird zwar kirchlicherseits als Teil des Nachnamens verwendet (Joachim Kardinal Meisner und nicht Kardinal Joachim Meisner), ist jedoch rechtlich kein Bestandteil des Familiennamens.
In der Schweiz werden Adelstitel auch nicht als Bestandteil des Familiennamens anerkannt. Adelsbezeichnungen werden in amtliche Papiere deshalb auch nicht eingetragen, ebensowenig wie die Neueintragung eines Familiennamens mit dem Zusatz „von“ (obgleich das „von” nicht immer eine Adelsbezeichnung ist).
| männlicher Titel | weiblicher Titel | männlicher Nachkomme | weiblicher Nachkomme |
|---|---|---|---|
| Kaiser | Kaiserin | Prinz | Prinzessin |
| König | Königin | Prinz | Prinzessin |
| Erzherzog | Erzherzogin | Erzherzog | Erzherzogin |
| Großherzog | Großherzogin | Prinz | Prinzessin |
| Herzog | Herzogin | Prinz | Prinzessin |
| Fürst | Fürstin | (Erb)-Prinz/(Erb)-Graf | Prinzessin/ Gräfin |
| Souverän Baron | Souverän Baroness | (Erb)-Prinz-Jonkheer | (Erb)-Prinzessin-Fräulein |
| Graf | Gräfin | (Vize)Graf | Komtess (solange unverheiratet) |
| Freiherr, Baron | Freifrau, Baronin | Freiherr, Baron | Freiin, Baroness (beide, solange unverheiratet) |
| Ritter, Edler, Herr von | Edle, Frau von | Ritter, Edler, Herr von | Edle, Fräulein/Frau von |
Landgrafen und Markgrafen waren im HRR dem Rang nach den Herzögen gleich gestellt, weshalb deren Nachkommen Prinz oder Prinzessin sind.
Anmerkung: Der Titel 'Freiherr' wird i.d.R. nur geschrieben, die Anrede lautet 'Baron XY' bzw. umgangssprachlich heute meistens nur "Herr von XY". Adlige untereinander sprechen sich mit "Gräfin XY" oder "Baron XY" an und nicht mit "Frau Gräfin" oder "Herr Baron", was deren übliche Anrede von allfällig vorhandenem Personal sein sollte.
Die Rangfolge der Titel sieht dementsprechend folgend aus:
Ein Beispiel wäre:
Major Dr.phil., staatl. gepr. Techniker, Friseurmeister Graf von .. zu .. Mustermann
Grundsätzlich werden die fürstlichen Häuser Europas nach dem "Gotha" (Genealogisches Handbuch des Adels) in drei Kategorien unterschieden:
Der Titel Erzherzog stand regelmäßig den Prinzen des österreichischen Kaiserhauses zu; Großfürsten waren die Prinzen des russischen Kaiserhauses. Beide wurden mit "Kaiserliche Hoheit" angesprochen.
Der Kurfürst ging aus dem zur Königswahl berechtigten hochrangigen Pfalzgrafen-Amt im Ostfrankenreich hervor. Er wird in der obigen Liste nicht genannt, da im späteren Heiligen Römischen Reich (HRR) unterschiedliche höhere Adelsränge (Könige, Herzöge, Erzbischöfe, Land-, Mark- und Pfalzgrafen) dieses Fürstenamt ausübten.
| Deutsch | Latein | Französisch | Italienisch | Spanisch | Englisch | Niederländisch | Dänisch | Norwegisch | Schwedisch | Finnisch | Polnisch¹ | Russisch | Ungarisch |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kaiser, Kaiserin | Imperator Augustus | Empereur, Imperatrice | Imperatore, Imperatrice | Emperador, Emperatriz | Emperor, Empress | Keizer, Keizerin | Kejser, Kejserinde | Keiser, Keiserinne | Kejsare, Kejsarinna | Cesarz, Cesarzowa | Zar, Zarina/Zaritza | Császár | |
| König, Königin | Rex, Regina | Roi, Reine | Re, Regina | Rey, Reina | King, Queen | Koning, Koningin | Konge, Dronning | Kong, Dronning | Kung, Drottning | Kuningas4 | Król, Królowa | Király | |
| Vizekönig, Vizekönigin | Viceroi, Vicereine | Viceré, Viceregina | Virey, Vireina | Viceroy, Vicereine | Vice-koning/ Onderkoning, Vice-koningin/ Onderkoningin | Vicekonge, Vicedronning | Vizekong, Vizedronning | Vizekung, Vizedrottning | |||||
| Erzherzog, Erzherzogin | Archidux, Archiducissa | Archiduc, Archiduchesse | Arciduca, Arciduchessa | Archduke, Archduchess | Aartshertog, Aartshertogin | Ärkehertig, Ärkehertiginna | |||||||
| Großherzog, (Groß-)Herzogin | Magnus Dux, Magna Ducissa | Grand Duc, Grande Duchesse | Gran Duca, Gran Duchessa | Grand Duke, Grand Duchess | Groothertog, Groothertogin | Storhertug, Storhertuginde | Storhertug, Storhertuginne | Suuriruhtinas4 | Wielki Książę, Wielka Księżna | Veliky Kniaz | Nagyherceg | ||
| Herzog, Herzogin | Dux, Ducissa | Duc, Duchesse | Duca, Duchessa | Duque, Duquesa | Duke, Duchess | Hertog, Hertogin | Hertug, Hertuginde | Hertug, Hertuginne | Hertig, Hertiginna | Herttua4 | Książę, Księżna | Kniaz5 | Herceg |
| Großfürst, (Groß-)Fürstin | Magnus Princeps | Grand Duc, Grande Duchesse | Grand Duke, Grand Duchess | Grootvorst, Grootvorstin | Wielki, ? | Veliky Knjas | |||||||
| Kurfürst, Kurfürstin | Princeps Elector | Principe Elettore | Elector/Electoral prince | Keurvorst, Keurvorstin | |||||||||
| Fürst, Fürstin | Princeps | Prince², Princesse | Principe², Principessa | Príncipe², Princesa | Prince², Princess | Prins², Prinses | Fyrste;, Fyrstinde | Fyrst | Furste4 | Ruhtinas4 | Fyrste Fyrstinde | ||
| Souverän Baron, Souverän Baroness | Sovereign Baron / Sovereign Baroness | Soeverein Baron², Soeverein Barones | |||||||||||
| Markgraf³, Markgräfin | Marchio | Marquis, Marquise | Marchese, Marchesa | Marqués, Marquesa | Marquess/Margrave, Marchioness/Margravine | Markies/markgraaf, Markiezin/markgravin | Marki, ? | Marki | Markis4 | Markiisi4 | Markiz, Markiza | Boyar5 | |
| Graf, Gräfin | Comes, Comitissa | Comte, Comtesse | Conte, Contessa | Conde, Condesa | Earl/Count7, Countess | Graaf, Gravin | Greve, Grevinde | Greve/Jarl, Grevinne | Greve, Grevinna | Kreivi4 | Hrabia, Hrabina | Graf, Grafinia5 | Gróf |
| Vizegraf, Vizegräfin | Vicomte, Vicomtesse | Visconte, Viscontessa | Vizconde, Vizcondesa | Viscount (früher Sheriff), Viscountess | Burggraaf, Burggravin | Vicegreve, Vicegrevinde | Visegreve, Visegrevinne | Wicehrabia, Wicehrabina | |||||
| Freiherr, Freifrau | Baro | Baron, Baronne | Barone, Baronessa | Barón, Baronesa | Baron, Baroness | Baron/Vrijheer, Barones(se)/Vrijvrouwe | Baron, Baronesse | Baron, Baronesse | Friherre | Vapaaherra4 | Baron, Baronowa | ||
| Baronnet | Nobile | Baronet6 | |||||||||||
| Ritter | Miles | Chevalier | Cavaliere | Caballero | Knight6 | Ridder | Ridder | Ridder | Riddare4 | Ritari4 | Rycerz | Ritsar | Vitéz |
| Edler, Edle | Equité/écuyer | Esquire | Jonkheer, Jonkvrouw | hr. ??? | |||||||||
| Herr, Herrin | Dominus | Sieur | Sir | Heer, Vrouwe | hr. ??? | Úr |
Anmerkungen:
1) Jeglicher Titel unter dem eines Prinzen war in Polen unstatthaft (siehe szlachta). Die kursiven Titel sind Übersetzungen ins Polnische von westlichen Titeln welche von fremden Monarchen an einige polnische Edelleute vergeben wurden, besonders nach der Teilung Polens.
2) Prince/principe kann auch ein Königstitel sein, Prinz in Deutsch, Prins in Schwedisch. Im englischen System ist der Titel Prince kein Adelsstand sondern immer ein Titel, der exklusiv von der Königsfamilie gehalten wird. Die Bezeichnungen Prince of Wales und Príncipe de Asturias des britischen ("englischen", denn als Erbe der schottischen Krone trägt der britische Prinz den Titel eines Herzogs von Rothesay) und des spanischen Kronprinzen werden traditionell mit Fürst übersetzt. Aus "Prince Charles the Prince of Wales" wird "Prinz Charles, der Fürst von Wales". Charles ist also Prinz (als Sohn der Königin) des Vereinigten Königreiches von GB und Nordirland, und Fürst zugleich.
Romanische Sprachen unterscheiden im Gegensatz zu germanischen nicht zwischen einem Fürsten (1. allgemeine Bezeichnung souveräner Herrscher im Gegensatz zu Klerikern, Mitgliedern des niedrigen Adels oder den Bürgern 2. Adelstufe zwischen Herzog und Graf für den Chef des Hauses) und einem Prinzen (nichtregierende Mitglieder eines hochadligen Hauses), nur der Kontext zeigt an, um welchen Rang es sich handelt.
3) Im deutschen System ungefähr dem Landgraf und Pfalzgraf gleichgestellt.
4) Nach 1906 nicht mehr vergeben.
5) Für inländischen russischen Adel wurden vor dem 18. Jahrhundert nur die Titel Kniaz und Boyar verwendet. Später wurde der Titel Graf hinzugefügt.
6) Wird im englischen System nicht als (hoch)adelig angesehen.
7) Der Titel Earl wird nur in England und UK angewendet, dagegen wird der Titel Count nur außerhalb von England als die englische Übersetzung von Graf & Co angesehen.
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