Aciclovir ist ein Wirkstoff zur Bekämpfung von Herpesviren. In Deutschland ist Aciclovir in Apotheken als 5%ige Creme oder Salbe in Packungsgrößen bis zu 2 Gramm ausschließlich zur Behandlung des Lippenherpes ohne ärztliche Verordnung erhältlich.
Bei leichter Blasenbildung (Lippenherpes) ist Aciclovir in lokal auftragbarer Salbe anwendbar. Bei schwerer Blasenbildung kann sie auch in Tablettenform gegeben werden, nach dem Einnehmen sollen die Blasen in der Regel austrocknen. Wichtig ist die Benutzung möglichst früh im Krankheitsverlauf, sobald die Infektion richtig ausgebrochen ist, kann meistens kaum mehr ein schnelleres Abheilen erreicht werden.
Aciclovir gehört zur Gruppe der Nukleosid-Analoga, welche die Virusreplikation ver- bzw. behindern.
Wirkungsweise
Aciclovir wird nur durch die virale
Thymidinkinase in die Monophospatform überführt. Dabei wirkt die virale Thymidinkinase weit (3000 mal) effektiver bei der Phosporylierung als die zelluläre Thymidinkinase. Anschließend wird die Monophospatform durch die zelluläre
Kinasen weiter phosporyliert in die aktive Triphosphatform, Aciclo-GTP. Aciclo-GTP hemmt sehr wirkungsvoll virale
DNA-Polymerase; es hat eine ungefähr 100 mal höhere
Affinität zu viraler als zu zellulärer Polymerase. Die Monophosphatform des Aciclovirs wird aber auch in die virale
DNA eingebaut, was bei der
Eiweißsynthese zum Kettenabbruch führt. Es wurde nachgewiesen, dass virale
Enzyme Aciclo-GMP nicht aus der Kette entfernen können, was zur nachhaltigen Hemmung der DNA-Polymerase führt. Aciclo-GTP wird in der Zelle recht schnell metabolisiert, möglicherweise durch zelluläre
Phosphatasen.
Pharmakokinetik
Der Einsatz von Aciclovir wird eingeschränkt durch die geringe Wasserlöslichkeit und die geringe
Absorption bei oraler Verabreichung, die zu einer
Bioverfügbarkeit von nur 20% führt. Bei oraler Verabreichung wird die Spitzenkonzentration im Serum nach 1-2 Stunden erreicht. Große Dosen müssen daher intravenös verabreicht werden. Aciclovir liegt im Blut zum großen Teil in freier Form vor, nur 30% sind an Transportproteine gebunden. Die
Halbwertzeit des Aciclovirs beträgt ungefähr 3 Stunden. Aciclovir kann auch äußerlich angewendet werden bei der Behandlung von
Herpesinfektionen der
Schleimhäute, etwa Herpes genitale oder wiederkehrende Herpes labialis. Vorbeugende Anwendung ist möglich und wird auch oft durchgeführt bei
Patienten, die
Immunsuppressiva erhalten, oder aber sich einer
Strahlentherapie unterziehen oder unter wiederkehrenden genitale Infektionen von Herpes Simplex Viren leiden.
Stoffwechsel
Die Ausscheidung von Aciclovir findet über die
Niere statt, teils durch
glomeruläre Filtration, teils durch
tubuläre Sekretion. Es sind Nierenprobleme bekannt geworden bei großen, schnell und intravenös verarbreichten Dosen, weil dann Aciclovir in den Nieren
auskristallisieren kann.
Nebenwirkungen
Da Aciclovir auch in die zelluläre DNA eingebaut werden kann, stellt es ein
chromosomales Mutagen dar. Daher sollte es nicht während der Schwangerschaft verwendet werden. Trotzdem konnte bisher weder ein
teratogener noch ein
karzinogener Effekt nachgewiesen werden. Die akute
Giftigkeit (
LD50) von Aciclovir bei oraler Verabreichung liegt über 1 g/kg, wegen der geringen Absorption im
Magen-Darm-Trakt. In Einzelfällen haben irrtümlich verabreichte, extrem hohe (bis zu 80 mg/kg) intravenöse Dosen keinerlei Nebenwirkung gezeigt. Die häufigsten Nebenwirkungen sind örtliche Irritationen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen bei oraler Verabreichung und stechende und brennende Empfindungen bei äußerlicher Anwendung. Gegen Aciclovir entwickeln sich ziemlich schnell
Resistenzen, was den klinischen Einsatz aber kaum beschränkt hätte. Am wahrscheinlichsten haben resistente Virusstämme
Mutationen in ihrer
Thimidinkinase oder ihrer
DNA-Polymerase
Links
http://www.zct-berlin.de/neueinfuehrungen/aciclovir.html#Aktuelle%20Erg%E4nzungen
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