Das Achtzehnbittengebet (Tefillah) ist ein Hauptgebet im jüdischen Gottesdienst.
Die Amida (עמידה), auch Schmone Esre (שמנה עשרי) oder Tefilla (תפילה) ist das eigentliche Gebet im Judentum. Die Bezeichnung "Amida", die vor allem im sefardischen Bereich und im liberalen Judentum üblich ist, bezieht sich auf die Ausführung dieses Gebets: es wird stets im Stehen gesagt. Die aschkenasische Tradition verwendet vor allem den Begriff "Schmone Esre", der sich auf die Anzahl der Bitten in der antiken Wochentagsversion der Fassung aus Eretz Jisrael bezieht. (in der heute üblichen babylonischen Version hat das Gebet 19 Bitten). Die rabbinische Bezeichnung "Tefilla" zeigt an, dass dies "das Gebet" schlechthin ist.
Mit der Amida wird das Gebot des täglichen Opfers erfüllt. Es besteht aus einem Anfangsteil mit drei Brachot
einem Hauptteil, der sich auf konkrete Anliegen des Tages bezieht. An Wochentagen besteht er aus 13 Bitten für ein jüdisches Leben, am Schabbat aus einer Bitte für einen guten Ruhetag, an Festen entsprechend für das jeweilige Fest. Im Mussafgebet am Schabbat und Festen enthält er die Opferbestimmungen, im Mussafgebet an Rosch ha-Schana drei Abschnitte über Gottes Königtum, Gottes Erinnerung und das Schofarblasen.
Der Schluss besteht wiederum aus drei Brachot
Der älteste Beleg für den Text der Amida stammt aus dem 9. Jahrhundert der Zeitrechnung (Seder Raw Amram Gaon). Bereits die Mischna (um 200 d.Z.) erwähnt aber die Themen der Brachot. Nur die Themen der Bitten waren also religionsgesetzlich festgelegt, ihre Formulierung war frei. Die Fixierung begann im 9. Jh. und befindet sich bis heute in einem offenen Prozess. (Die Amida in den Gebetbüchern verschiedener jüdischer Störmungen ist nicht identisch!)
Nach einer heute überholten wissenschaftlichen Theorie, die im Wesentlichen auf den berühmten Liturgiewissenschaftler Ismar Elbogen zurückgeht (Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, Berlin 1913), erklärte man die Tatsache, dass ein "18-Bitten-Gebet" genannter Text aus 19 Bitten besteht, folgendermaßen: Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem gestattete Vespasian den Juden die Gründung einer Akademie in Jaffna (Jabne). In der Akademie wurde die pharisäische Schule von Rabbi Hillel bestimmend für die folgende Orthodoxie. So wurde der 12. Bitte folgende Fassung gegeben:
Diese Erklärung basiert auf einer Legende im Talmud Traktat Berachot.
Inzwischen aber hat man in der Kairoer Geniza alte Handschriften mit dem Text der Amida gefunden und entdeckt, dass Textzeugnisse der palästinischen Tradition sämtlich 18 Bitten haben, solche der babylonischen Tradition jedoch 19.Nach babylonischer Anschauung darf eine Bitte nur EINEN Inhalt haben. In der 14. Bitte der Amida aber ging es ursprünglich um die Wiedererrichtung des Königtums in Jersualem und um das Kommen des Messias. Diese Bitte ist in den babylonischen Versionen geteilt: Bitte 14 erbittet die Wiedererrichtung des Thrones Davids in Jersualem, Bitte 15 das Kommen des Sprosses Davids. Auf diese Weise kommt man dann aber insgesamt auf 19. Bitten in einem Wochentagsgebet. Die Bräuche des babylonischen Judentums setzten sich schließlich durch.
Gott, öffne meine Lippen, dass mein Mund deinen Ruhm verkünde! (Ps 51,17)
In liberalen Gemeinden stattdessen: Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter und Mütter, Gott Abrahams und Gott Saras, Gott Isaaks und Gott Rebekkas, Gott Jakobs, Gott Rahels und Gott Leas. Du bist groß und mächtig. Dir gebührt unsere Ehrfurcht. Du bist über alles erhaben. Du vollbringst Wohltaten. Alles hältst du in deiner Hand. Du erinnerst dich an die Frömmigkeit unserer Vorfahren und bringst deshalb liebevoll ihren Enkeln Erlösung um deines Namens willen. Du regierst und hilfst, du bist Rettung und Schutzschild. Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott, Schutzschild Abrahams und Saras.
(Erev Schabbat / Abendgebet für Schabbat) Du hast den siebten Tag für deinen Namen geheiligt. Mit ihm wurde die Schöpfung von Himmel und Erde vollendet. Er trägt einen Segen, der alle anderen Tage übertrifft, und eine Heiligkeit über alle anderen Zeiten. Denn so steht es in der Thora geschrieben: So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge. Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das Gott geschaffen hatte, und ruhte am siebten Tag, nachdem das ganze Werk vollbracht worden war. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, denn an ihm ruhte Gott, nachdem das ganze Werk der Schöpfung vollendet war. (Gen 2,1-3)
(Schacharit Schabbat / Morgengebet für Schabbat) Mosche freute sich an seiner Gabe, denn einen 'treuen Knecht' hast du ihn genannt. Eine prachtvolle Krone hast du auf sein Haupt gesetzt, während er vor dir auf dem Berge Sinai stand. Zwei steinerne Tafeln hast du in seine Hand gegeben; auf ihnen war die Beachtung des Schabbat geschrieben, und so heißt es in deiner Tora: Die Kinder Israels sollen den Schabbat halten und ihn von Generation zu Generation als einen ewigen Bund bewahren. Für alle Zeiten wird er ein Zeichen zwischen mir und den Kindern Israels sein. Denn in sechs Tagen hat Gott Himmel und Erde gemacht; am siebten Tag aber ruhte Gott und atmete auf. (Ex 31,16-17) einigen traditionellen Gemeinden folgt: Ewiger, unser Gott, du hast ihn nicht der Völkern der Länder gegeben, unser König, du hast ihn nicht erben lassen die Verehrer von Götzen und in seiner Ruhe sollen sich keine Unbeschnittenen niederlassen, denn Israel, deinem Volk, hast du ihn in Liebe gegeben, dem Samen Jaakows, den du erwählt hast, Ein Volk, das den siebten Tag heiligt, alle werden sich sättigen und ergötzen an seiner Güte. Denn am siebten Tag hattest du Wohlgefallen und hast ihn geheiligt, Köstlichkeit der Tage hast du ihn genannt, eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
(Schabbat Mincha / Nachmittagsgebet für Schabbat) Du bist einzig; einzigartig ist dein Ruhm. Und wer ist wie dein Volk Israel ein einzigartiges Volk auf der Erde? Du hast deinem Volk eine erhabene Pracht und eine Krone des Heils, ja, einen Tag zur Ruhe und Heiligung gegeben. Abraham jubelt. Isaak jauchzt. Jakob und seine Kinder ruhen an diesem Tag. An ihm haben wir Ruhe für Liebe und Freigebigkeit. An ihm haben wir Ruhe für Wahrhaftigkeit und Treue. An ihm haben wir Ruhe für Frieden und Gelassenheit, Sicherheit und Entspannung. Es ist eine vollkommene Ruhe, die dir an diesem Tag gefällt. Deine Kinder haben dies erkannt. Sie wissen, dass diese Ruhe von dir kommt, und durch ihre Ruhe heiligen sie deinen Namen.
(Alle Schabbat-Mittelstücke enden mit:) Unser Gott und Gott unserer Vorfahren, habe Gefallen an unserer Ruhe. Lass unser Leben auf dich ausgerichtet sein und hilf uns, deine Gebote zu beachten. Lass deine Weisung zu unserem eigenen Anliegen werden. Sättige uns mit deiner Güte. Erfreue uns mit deiner Hilfe und reinige unsere Herzen, dass sie dir in Wahrhaftigkeit dienen. In Liebe und in Wohlgefallen lass uns, Gott, den Schabbat zu eigen machen, und lass an ihm ganz Israel, das dich sucht, zur Ruhe kommen. Gepriesen seist du, Ewiger. Du hast den Schabbat geheiligt.
An Wochentagen Werden anstelle dieser Bitte 13 Bitten gesagt. Der Wortlaut dieser Bitten variiert in den verschiedenen Traditionen des judentums. Der folgende Text ist die Übersetzung der Version in Reform-Synagogues of Great Britain bzw. der Liberalen Gemeinden in Deutschland und Österreich. (Seder ha-Tefillot.)
Du begabst den Menschen mit Verstand, das menschliche Wesen lehrst du Vernunft. Lass uns begabt sein mit Verstand, Vernunft und Klugheit. Gepriesen seist du, Ewiger. Du begabst den Menschen mit Verstand.
Quelle allen Erbarmens, rufe uns immer wieder deine Weisung ins Gedächtnis. Ursprung aller Stärke, nimm uns in deinen Dienst. Lass uns durch eine vollständige Umkehr zu dir zurückkehren. Gepriesen seist du, Gott. Dir gefällt es, wenn Menschen zu dir umkehren.
Quelle allen Erbarmens, vergib uns, denn wir haben gesündigt. Ursprung aller Kraft, verzeih uns, denn wir haben Unrecht getan. Du bist doch ein Gott der Güte und der Vergebung. Gepriesen seist du, Ewiger. Du bist gnädig, und deine Geduld zu vergeben ist unendlich.
Sieh unsere Betrübnis und kämpfe unsere Kämpfe. Errette uns bald um deines Namens willen, denn deine Macht zur Rettung ist groß. Gepriesen seist du, Ewiger. Du errettest Israel.
Heile uns, Gott, dann sind wir geheilt! Hilf uns, dann ist uns geholfen! Denn dich preisen alle unsere Loblieder. Lass uns von Krankheiten genesen, lindere unsere Schmerzen und heile unsere Wunden. Denn du bist Gott, du heilst und erbarmst dich, du hältst uns die Treue. Gepriesen seist du, Ewiger. Du heilst Krankheiten.
Segne dieses Jahr, und lass alles, was es uns bringt, zum Guten beitragen. Gib dem Erdboden Fruchtbarkeit. Sättige uns mit deinen Gütern. Segne dieses Jahr wie die besten Jahre. Gepriesen seist du, Ewiger. Du segnest die Jahre.
Lass zu unserer Freiheit das große Widderhorn ertönen und lass die Botschaft von der Befreiung in allen Orten unseres Landes laut werden. Du bist doch Gott, du befreist und erlöst. Gepriesen seist du, Ewiger. Durch dein Erbarmen befreist du dein Volk Israel.
Lass die Welt wieder von deiner Gerechtigkeit beherrscht sein, so dass alle Trauer und jeder Kummer aus der Welt verschwinden. Herrsche du allein über uns in Güte und Erbarmen. Gott, sorge du für unser Recht! Gepriesen seist du, Ewiger. Du liebst Gerechtigkeit und Recht.
Lass die Verleumdung keine Hoffnung auf Bestand haben und lass das Unrecht aus der Welt verschwinden. Du, Gott, kennst doch die Pläne der Menschen. Gepriesen seist du, Ewiger. Du entfernst die Ungerechtigkeit aus der Welt.
Lass deine Barmherzigkeit walten über allen Gerechten, Ewiger, unser Gott, über allen Frommen und über allen Unschuldigen, über all denen, die sich uns aus Überzeugung zugesellt haben und über uns. Gib allen, die fest auf dich vertrauen, guten Lohn. Gepriesen seist du, Ewiger. Du bist Stütze und Zuflucht für die Gerechten.
Habe Acht auf Jerusalem, deine Stadt. Lass deine Gegenwart in ihr wohnen und lass es bald und noch in unseren Tagen eine Stadt sein, in der deine Gerechtigkeit wohnt. Möge sie ein Zentrum des Gebets sein für alle Völker. Gepriesen seist du, Ewiger. Du baust Jerusalem.
Erfülle in unseren Tagen die Verheißungen, die du David, deinem Knecht, gegeben hast, dass du über die Welt herrschst in Gerechtigkeit und in Erbarmen. Eilend erleuchte die Welt mit deinem Licht, guter Gott, denn auf deine Hilfe hoffen wir. Gepriesen seist du, Ewiger. Du lässt die Kräfte zum Heil wachsen.
Ewiger, unser Gott, Ursprung allen Erbarmens, höre unsere Stimme. Habe Mitleid und erbarme dich über uns. In Erbarmen und in Wohlwollen höre unser Gebet. Du bist doch Gott, der Gebete und Bitten hört. Gott, Ursprung unserer Kraft, von dir kehren wir nie leer zurück, denn du hörst das Gebet eines jeden Menschen. Gepriesen seist du, Ewiger. Du erhörst Gebet.
traditionelle Fassung: Ewiger, unser Gott, habe Gefallen an deinem Volk Israel und höre seine Gebete. Bringe den Opferkult wieder zurück in den heiligen Raum deines Tempels und die Feuer Israels und sein Gebet nimm in Liebe mit Wohlwollen auf. Der Dienst dienes Volkes Israel sei dir stets zum Gefallen. Lass unsere Augen Ausschau halten nach deiner Rückkehr zum Zion in Erbarmen. Gepriesen seist du, Ewiger. Du lässt deine Gegenwart nach Zion zurückkehren.
Einschub: Priestersegen Gott und Gott unserer Vorfahren, segne uns durch den dreifachen Segen, überliefert in der Thora durch Mose, deinen Knecht, gesprochen durch den Mund Aarons und seiner Nachfolger, der Priester deines heiligen Volkes. Er lautet: Gott segne dich und behüte dich. - Möge dies Gottes Wille sein! Gottes Angesicht leuchte über dir; Gott sei dir gnädig. - Möge dies Gottes Wille sein! Gottes Angesicht sei über dir erhoben; Gott gebe dir Frieden. - Möge dies Gottes Wille sein!
Stilles Gebet nach der Amida Mein Gott, bewahre meine Zunge vor böser Rede und meine Lippen vor Lüge. Denen gegenüber, die mir Böses wollen, lass mich angemessen reagieren, und meine Seele möge gelassen bleiben, was auch geschieht. Mache mich bereit für deine Weisung. Nach deinen Geboten will ich leben. Eilig aber zerbrich die Pläne derer, die Böses gegen mich ersinnen, und vernichte ihre Gedanken. "Die Worte meines Mundes und meine Gedanken mögen dir angenehm sein, Ewiger, mein Fels und mein Heil." (Ps 19,15) (bBer 17a)
Gott schafft Frieden in der Höhe. Möge Gott uns und ganz Israel Frieden geben. Darauf sprecht: Amen.
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