Achilles und die Schildkröte bezeichnet ein Paradoxon des griechischen Philosophen Zenon von Elea.
Zenon will damit darauf hinweisen, daß auf diese Weise kein Folgeglied 0 wird. Man erhält also bis in alle Unendlichkeit einen positiven Beitrag zur Summe.
Die unendliche Reihe (Summe aller von i = 0 bis unendlich) konvergiert dagegen gegen 2. Beweis: ; Für i gegen unendlich geht das zweite Glied der Differenz gegen Null.
Die Konvergenz dieser Reihe hätte sich aber schon Zenon so klar machen können: Das Glied a(i+1) = a(i)/2. Das heißt, daß der Wert da die ;
Da bei dem Beispiel von Achill und der Schildkröte das einzelne Folgeglied kleiner als ist, ist es erst recht deren Summe und diese hat daher einen Grenzwert < 2.
Zur exakten Berechnung, wann Achill die Schildkröte eingeholt hat (nach welcher Zeit) messe man die Startvorgabe A(0) der Schildkröte und den Abstand A(1) zwischen Achill und Schildkröte nach genau einer Sekunde. Dann ist das i-te Folgenglied. Der Grenzwert der unendlichen Reihe ist der Zeitpunkt an dem Achilles die Schildkröte erreicht.
Zenon lebte zu einer Zeit, als die griechische (vorsokratische) Philosophie von zwei Hauptströmungen geprägt war. Auf der Suche nach dem Urgrund aller Dinge gab es zwei Hauptvertreter, nämlich Parmenides („Der Urgrund aller Dinge ist das Unveränderliche“) und Heraklit („Der Urgrund ist das Veränderliche, die Bewegung“ - „Alles fließt“). Zenon von Elea war Schüler des Parminedes. Mit seinen Paradoxien wollte er jedoch nicht dessen Philosophie bestätigen, sondern in erster Linie Heraklit widerlegen.
Er stellte seine Paradoxa stets vor dem Hintergrund „Sind Raum und Zeit diskret oder kontinuierlich?“ auf. Das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte ist das bekannteste. Es geht davon aus, dass die Welt diskret ist und führt zu einem Widerspruch. Andere Paradoxa, z.B. das Pfeil-Paradoxon, gehen davon aus, dass die Welt kontinuierlich ist und führen ebenfalls zu einem Widerspruch. Daraus schließt er, dass die Bewegung nicht erklärbar ist und insbesondere nicht der Urgrund aller Dinge sein kann. Wahrscheinlich erhielt Zenon seinen Impuls zur Erfindung der Paradoxien nicht aus der Mathematik, sondern von den Spekulationen des Parmenides.
Zenons Paradoxa beschäftigen die Mathematik bis heute, und die Frage nach der Beschaffenheit von Raum und Zeit (diskret oder kontinuierlich) ist bis heute nicht endgültig geklärt.
Es gibt eine weitere Form des selben Paradoxons, die Dichotomie, wonach Achilles gar nicht mit dem Lauf beginnen kann: Bevor er die erste Strecke zurücklegen kann, muss er die Hälfte zurücklegen und davor ein Viertel usw. und so kommt er nicht zum Loslaufen.
Ein fliegender Pfeil kann sich nicht bewegen, denn zu einem gegebenen Zeitpunkt nimmt er einen Ort ein, der seiner Gestalt gleicht, und er kann weder einen größeren Ort einnehmen noch an zwei Orten zugleich sein. Weil der Pfeil sich aber nicht in einem Augenblick bewegen kann, quasi ohne Zeitverzögerung, bleibt er überhaupt stehen.
Das Paradoxon von der fallenden Hirse kann gelöst werden: Wenn ein fallendes Fuder Hirse ein Geräusch macht, so auch ein einzelnes Korn. Wenn nämlich das Korn kein Geräusch macht, dann auch das Fuder nicht. Hier liegt die Lösung in der Begrenzung der Wahrnehmung.
Ein anderes ist das Paradoxon der sich bewegenden Blöcke, das ebenfalls lösbar ist.
Aristoteles versucht die Argumente zu widerlegen, indem er darauf hinweist, dass nicht nur der Raum sondern auch die Zeit unbegrenzt dividierbar seien. Den unendlich vielen Raumteilen stehen unendlich viele Zeitteile mit endlicher Summe gegenüber. Dieses Argument ist auf den ersten Blick überzeugend, jedoch nur bis der Abstand zur Schildkröte ganz klein geworden ist.
Ein anderes Argument von Aristoteles ist, dass der Augenblick kein Teil der Zeit ist, obwohl er Vergangenheit von Gegenwart scheidet. Denn Zeit ist ausgedehnt und damit auch ihre Teile und sie ist nicht aus Augenblicken zusammengesetzt.
Zweifel an den mathematischen Grundlagen im 19. Jahrhundert führen zu einer erneuten Auseinandersetzung mit diesem Thema. Bis 2004 wurden immer noch Lösungsversuche veröffentlicht.
„Dann ist es notwendig, dass das eine einen gewissen Abstand vom anderen halten muss, und das gilt auch für das Vorstehende. Denn auch dieses hat Größe und etwas von ihm steht hervor. Dieses einmal zu sagen ist dasselbe wie es immer wieder zu sagen. Denn nichts davon ist das Äußerste und niemals wird etwas davon mit anderem unvergleichbar sein. Gibt es daher viele Dinge, so müssen sie klein und groß sein: Klein, um überhaupt keine Größe zu haben, und groß für eine unendliche Ausdehnung“.
Dies scheint im Widerspruch zu stehen mit den elementarsten Betrachtungen aus der Theorie der konvergenten Reihen, dass nämlich z.B. die Summe der unendlichen Reihe 1/2 + 1/4 + 1/8 + 1/16 + ... gleich 1 ist. Die mathematische Formel ist ein bequemes Symbol für die Tatsache, dass unbegrenzt fortgesetzt Zweiteilung der Eins die Eins nicht übersteigen kann, eine Tatsache, deren sich Zenon wohl bewusst war, wie andere Fragmente klar zeigen. Was er offenbar versuchte ist dies: Für den menschlichen Geist ist es nicht möglich, die Summe einer solchen unendlichen Reihe zu bilden, indem man sozusagen vom anderen Ende beginnt. Bei der Bildung der Summe muss man vielmehr mit Elementen beginnen, die eine Größe haben. Die Schwierigkeit ist wesentlich dieselbe wie bei der Bewegung (H.Fränkel Zeno of Elea's Attacks on Plurality) *zit nach Kurt von Fritz „Zenon aus Elea“, s.a Weblink „Aufsatz ...".
Beispiel: Wir haben eine vorgegebene Laufstrecke als Anfangswert: a = 90 m bis zur Schildkröte. Dort angekommen haben wir eine neue vorgegebene Strecke von 9 m = 90 m, die formen wir um und geben dem Ergebnis einen Namen:
1. Folgerung
.
Wir haben mit Absicht q so benannt, dass 0 Die nächste Strecke wird 0,9 m lang sein, oder:
.
Wir folgern: die nächste Teilstrecke ist lang, also 0,09 m.
So finden wir als Laufstrecke S (n) für :
2. Folgerung
Das n-1 bedeutet, dass ist, und beispielsweise schon das (n=) vierte Intervall ist.
Und nach Umformung, weil wir unter geometrische Reihe nachschlagen:
Definition
für n=3 beispielsweise:
.
Erläuterung
Nun machen wir n groß und sehen, dass kleiner wird, ja wir können sogar einen Grenzwertübergang (Limes) machen und sagen wird beliebig klein, unendlich klein, denn wenn es uns noch nicht
klein genug ist, wählen wir ein größeres n, bis es kleiner als unsere Vorgabe (, wir nennen es jetzt epsilon), ist. Und dann verkleinern wir unsere Vorgabe weiter und finden trotzdem noch ein größeres n, so dass auch kleiner als diese neue Vorgabe wird und können dies unendlich fortsetzen, also kann die Vorgabe gar nicht klein genug angegeben werden, als dass wir mit entsprechendem n nicht noch kleiner kriegten.
Also wir sagen, wenn n gegen unendlich strebt, wird unendlich klein und strebt gegen Null, also verschwindet:
Definition
<
nach n aufgelöst, indem wir logarithmieren: (Das Zeichen < dreht sich um, wenn wir durch dividieren. Wegen 0\log\frac {1} {10}= - 1 < 0, also negativ)
3. Folgerung
n > ;
wenn wir also n größer als dieses Ergebnis machen, kommen wir mit unter die Vorgabe .
Beispiel: Wählen wir = 0,001, so erhalten wir n > 3 und müssen n = 4 wählen, um zu unterbieten.
Für gilt
4. Folgerung
Also für Achilles geht diese Art von Rennen nur 100 Meter weit, und wenn er nicht stehen bleibt, ist er nach beispielsweise 102 Metern nicht mehr hinter der Schildkröte sondern 1,80 Meter vor ihr.
Die Aufgabe mit Achilles wird in der Uni gestellt und man stößt dabei auf einen weiteren Ansatz, der allerdings das Paradoxon an sich ein wenig außer acht lässt:
In einer gegebenen Zeit t kommt Achilles 90 Fuß weit, die Schildkröte 9 Fuß. Wir können deshalb die Formel für Achilles und die Schildkröte aufstellen, d.h. .
Weiterhin erhalten wir als Ortsgleichungen s(t): sowie . Den Zeitpunkt, an dem Achilles die Schildkröte überholt, erhalten wir durch Gleichsetzen beider Ortsfunktionen:
Einsetzen in beide Bewegungsgleichungen ergibt den Überhol-Ort, der für Achilles als auch die Schildkröte gleich sein muss, wenn unsere Theorie stimmt:
Damit liefern beide Bewegungsgleichungen das gleiche Ergebnis, d.h. Achilles überholt die Schildkröte nach 100 Fuß.
Wir betrachten die Veränderung im endlichen Rennen von Achilles und der Schildkröte als Vermehrung oder Verminderung und sehen von Positionen und im allgemeinen von Zeitpunkten der beiden ab. Wir betrachten eine willkürliche Einheit für die Veränderung (wie die Dehnung eines Gummibandes). Verminderung legen wir das Zeichen - bei, auf die Einheit bezogen.
ist eine Zahlgröße, mit der wir das Rennen messen. Z.B für überholt Achilles die Schildkröte, wenn er zehnmal so schnell läuft wie sie, man das Rennen mit einem Unterschied von 90 Metern beginnt und Verminderung annimmt, nach 12 Einheiten. In einer Einheit läuft Achilles 9 Meter, die Schildkröte 0,9 Meter. Danach,, wird sich der Unterschied im Rennen vermehren. Das Paradox geht über in folgendes
Es läßt sich die Einheit verfeinern und induktiv aufbauen: Für eine zehnmal so kleine Einheit würden die beiden sich nach 112 Einheiten überholen.
Schluss: Dieser Ansatz zeigt, dass man eine unendliche Reihe ohne zu rechnen bilden kann.
Wenn wir mit unendlich vielen Summanden als Einheit zählen, erreichen wir wieder das Ergebnis: Überholen nach einer Einheit . Damit haben wir einen Rückschluss auf das ursprüngliche asymptotische Problem und können noch mal den infinitesimalen Ansatz beleuchten, warum er zu einem Ergebnis kommt. Um einigermaßen mit umgehen zu können, sollten wir ihre Glieder in eine verhältnismäßige Beziehung zueinander setzen . Dann können wir mit auf Achilles Laufstrecke beziehen und mit der der Schildkröte vergleichen, , denn das Maß der Veränderung haben wir vorher genommen. Mit den Relationen ginge das anders. Wir fanden einen Rückschluss und erhalten eine geschlossene Darstellung.
Etwas formaler: verhält sich zu wie also: Für die Gesamlaufstrecke gilt:
Und das ist:
Damit stimmt insbesondere: und so fort.
Man sieht noch, auch x und G sind somit zirkulär definiert, und ihre Wahl ist eingeschränkt.
Ein Intervall nicht aber seine Elemente besitzt Ausdehnung, ist schließlich Grünbaums Ergebnis, und ein ausgedehntes Intervall enthält eine überabzählbare Unendlichkeit ausdehnungsloser Elemente.
Der Sprecher ist Simplizius, der Zenon, teilweise wörtlich, zitiert. Das „Eine“ ist die Einheit.
Zenons Gedanke ist: Wie weit die Division auch fortschreitet, was bleibt hat stets Größe, ist daher weiter dividierbar, hat also Teile, ist also keine wirkliche Einheit. Eine andere Äußerung Zenons: Wenn jemand ihm wirklich erklären kann was die Einheit (das Eine) sei, so wäre er in der Lage, Vielheit zu erklären. Eine wirkliche unteilbare Einheit muss also ohne Größe sein. Was aber ohne Größe ist, macht beim Hinzufügen nichts größer, noch beim Wegnehmen kleiner, erscheint also selbst als nichts.
1. Das der Größe nach Unendliche legt Zenon vorher nach demselben Beweisgang dar. Er zeigt zuerst, dass das Seiende, wenn es keine Größe besitzt, es auch nicht sei. Dann fährt er so fort:“ Wenn es aber ist, so muss notwendigerweise ein jeder Teil eine gewisse Größe und Dicke und Abstand, der eine vom anderen haben. Und von dem vor jenem liegenden Teile, d.h. dem Teil jenes Teiles, gilt dieselbe Behauptung. Auch dieser wird nämlich Größe haben, und es wird ein anderer vor ihm liegen. Die gleiche Behauptung gilt nun ein für allemal. Denn kein derartiger Teil desselben (des Ganzen) wird die äußerste Grenze bilden, und nie wird der eine ohne Verhältnis zum anderen sein. Wenn also viele Dinge sind, so müssen sie notwendig zugleich klein und groß sein: so klein, dass sie keine Größe haben; so groß, dass sie unbegrenzt viele sind.“
2. Zenon will zeigen: „Wenn vieles ist, muss dies zugleich groß und klein sein, und zwar groß bis zur Grenzenlosigkeit und klein bis zur Nichtigkeit.“ Ein Ding, das weder Größe noch Masse besitzt kann überhaupt nicht sein. „Denn würde es zu einem anderen Seienden zugefügt, so würde es dieses um nichts vergrößern. Denn wird etwas, dessen Größe nichts ist, einem anderen hinzugefügt, so kann dieses an Größe nichts gewinnen. Und so wäre denn bereits hiernach der Zuwachs gleich nichts.. Wenn ferner durch Abziehen von etwas das andere um nichts kleiner und andererseits durch Zufügen nicht größer werden wird, so war offenbar das Zugefügte wie das Abgezogene gleich nichts.“ Und dies führt Zenon nicht aus, um das Eine aufzuheben, sondern weil ein jedes der vielen und unendlichen Dinge Größe haben muss. Denn vor jedem Einzelnen, das man nimmt, muss stets wieder irgendein anderes sein wegen der Teilung ins Grenzenlose. Dies legt er dar, nachdem er zuvor gezeigt hat, dass nichts Größe besitzt, weil jedes der vielen Dinge mit sich selbst identisch und eins ist.
3. „Wenn Vieles ist, so müssen notwendig gerade soviele Dinge sein, als wirklich sind, nicht mehr, nicht minder. Wenn aber soviele Dinge sind, als eben sind, so dürften sie (der Zahl nach) begrenzt sein.“ (Anmerkung: hier ist vieles ein Individualbegriff, vieles aus genau soundsovielen Dingen, der mathematischen Logik nicht zugänglich, weil individuell)
„Wenn Vieles ist, so sind die seienden Dinge (der Zahl nach) unbegrenzt. Denn stets sind andere zwischen den seienden Dingen und wieder andere zwischen jenen. Und somit sind die seienden Dinge (der Zahl nach) unbegrenzt."(Anmerkung: Hier ist Vieles ein Allgemeinbegriff für Alles und Gattungsbegriff für die grenzenlos großen Dinge, mit limitativer Verneinung (also setzt sich nicht aus größenlosen Dingen zusammen) für grenzenlos kleines.)
Paradoxon | Analysis | Folgen und Reihen
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