article

Der Begriff Absorption (lat.: absorptio = Aufsaugung) bezeichnet im Allgemeinen das Aufsaugen, das In-sich-Aufnehmen von etwas. Im folgenden sollen die physikalischen Bedeutungen des Begriffs Absorption erläutert werden. In der Physik ist die Energie-Absorption mit Dissipation in einem Körper verbunden und ist damit von einem Energiedurchgang zu unterscheiden.

Absorption von Strömen


Erfolgt die Absorption von Strömen in einem dicken absorbierenden Material so, dass die Wahrscheinlichkeit der Absorption pro Wegeinheit in jeder Eindringtiefe gleich ist, gilt ein exponentielles Gesetz, das Lambertsche Gesetz. Ist I_0 der ursprüngliche Strom, beträgt der nach Durchlaufen der Schichtdicke d noch vorhandene Strom I(d):

I(d) = I_0 \exp (-\alpha d)

(Herleitung des Gesetzes: siehe Absorptionsgesetz). Dabei ist \alpha der von den Eigenschaften des absorbierenden Materials und in der Regel von der Energie des Stromes abhängige Absorptionskoeffizient. Aus ihm lässt sich die Dicke der Halbwertsschicht berechnen.

Absorption von Teilchen


Unter der oben gemachten Voraussetzung gilt das gleiche Gesetz auch für einen Strom von Teilchen.

Handelt es sich aber um ein geschlossenes System mit einer Flüssigkeit und einem Gas, so 'strömen' zunächst die Teilchen in die Flüssigkeit, bis die Löslichkeit des Gases in der Flüssigkeit erreicht ist. Dabei handelt es sich dann um ein dynamisches Gleichgewicht, d.h. der Teilchenstrom in die Flüssigkeit ist genauso groß wie der Teilchenstrom in die Gasphase.

Die Absorptionsrate \dot N hängt hier hauptsächlich von der Menge eingelagerten Gases N_{\mathrm abs} in der Flüssigkeit ab:

\dot N \approx \frac{N_{\mathrm abs}}{L}

wobei L die Löslichkeit ist (hier als absolute Menge).

Akustik


Die Absorption von Schall findet durch Umwandlung von Schall- in thermische Energie in der hydrodynamischen Grenzschicht und der thermischen Grenzschicht zwischen einem Fluid (z.B. Luft), dem sich der Schall ausbreitet und einem Festkörper statt (Näheres siehe Schalldämpfung). Die Schallabsorption an einer Oberfläche wird durch den Schallabsorptionsgrad \alpha beschrieben.

Optik


Auch Licht wird von Materie absorbiert, und zwar meist frequenzabhängig, also in einem bestimmten Teil des Lichtspektrums. Wird beispielsweise eine gelbe Oberfläche mit (weißem) Tageslicht bestrahlt, so wird nur ein Teil des Lichtes reflektiert (bzw. bei transparenten Materialien transmittiert) und ein Teil absorbiert - man spricht auch von Remission. Dabei handelt es sich im Beispiel um den Spektralbereich der Lichtfarben (additive Farbmischung), der nicht im gelben Farbanteil enthalten ist. Dieser Effekt wird u. a. für Farbfilter ausgenutzt.

Photonen bestimmter Energie regen dabei Atome oder Moleküle an, die einen Niveauunterschied mit genau dieser Energiedifferenz in der Elektronenhülle besitzen. Die Menge der noch nicht absorbierten Photonen hängt dabei nach dem Lambert-Beerschen Gesetz von der Schichtdicke des Materials ab.

Die Absorption kann auch direkt aus der Dielektrizitätskonstante bzw. dem Brechungsindex über die Kramers-Kronig-Relation abgeleitet werden. Damit wird die elektromagnetische Wechselwirkung direkt mit einer Materialeigenschaft in Beziehung gesetzt.

Siehe auch:

Gammastrahlung


Gamma_Abs_Al.png | Gamma_Abs_Pb.png Beim Durchgang von Gammastrahlung durch Materie ist die Wahrscheinlichkeit für Absorption der Dicke d des durchstrahlten Stoffes proportional. Daraus ergibt sich eine exponentielle Abnahme der Intensität mit der Dicke:
I(d) = I_0 \cdot e ^{(-\mu d)} Hier ist μ = n×σ der Absorptionskoeffizient, gemessen in cm-1, n die Zahl der Atome im Material pro cm3 und σ der Wirkungsquerschnitt für Absorption. In der Optik (siehe oben) heißt dieses Gesetz das Lambertsche Gesetz. Man kann die Schwächung des Strahls auch durch eine Halbwertsdicke beschreiben; diese ist dem Absorptionskoeffizienten umgekehrt proportional.

Ein Gammaquant kann

  • durch photoelektrischen Effekt absorbiert werden, wobei ein Elektron mit der Energie des Quants (verringert um die Ionisationsenergie des Materials) freigesetzt wird,
  • oder es gibt durch Comptoneffekt seine Energie teilweise an ein Elektron ab - das gestreute Photon kann dies bei genügender Restenergie dann wieder tun -,
  • oder es wird (bei Energie von mindestens 1,022 MeV) durch Paarbildung in Nähe eines Atomkerns in ein Positron und ein Elektron verwandelt.

Die Wahrscheinlichkeit bzw. der Wirkungsquerschnitt für jeden dieser Prozesse hängt von der Energie der Photonen und der Ordnungszahl der Materie ab: der photoelektrische Effekt überwiegt für kleine Energien und hohe Ordnungszahl, die Paarbildung für hohe Energien und hohe Ordnungszahl, der Comptoneffekt für mittlere Energien und niedrige Ordnungszahl.

Der Gesamtwirkungsquerschnitt für Absorption ist gleich der Summe aus den Einzelquerschnitten für die drei Prozesse:

σ = σPhoto + σCompton + σPaar.

Die freigesetzten Elektronen aus allen drei Prozessen können ihrerseits bei genügender Energie weiter ionisierend wirken.

Die beschriebene exponentielle Abnahme gilt nur im Idealfall bei einem dünnen Strahl ohne Hineinstreuung von außen; sie gilt nicht für die Absorption durch eine breite Betonwand.

Fernerkundung


In der Fernerkundung bezieht sich der Ausdruck auf das Aufnehmen von elektromagnetischer Energie durch Material der Atmosphäre oder der Oberfläche. So kann vorübergehend Energie gebündelt werden. Variation der Absorptionszusammenhänge/-muster hilft, zwischen verschiedenen Materialien zu unterscheiden. Absorption ist also im Normalfall selektiv. Der Quotient aus absorbierter und gesamter, ausfallender Strahlungsenergie wird als Absorptionskoeffizient bezeichnet. Vom Verhältnis der absorbierten zu den reflektierten Wellenlängen wird das bestimmt, was unser Auge als Farbe eines Körpers empfindet. Ein Gegenstand, der alle auftreffende Strahlung absorbiert, wird als Schwarzer Körper bezeichnet.

Die Absorption wirkt sich beim Passieren der Strahlen eines Körpers dadurch aus, dass im Energiespektrum der auftreffenden Strahlung, einige Spektralbereiche sehr stark geschwächt sind oder ganz ausfallen Absorptionsbanden. In der Atmosphäre werden solche Banden verursacht vom Ozon, Kohlendioxyd und vom Wasserdampf.

Absorption von Gasen


Als Absorption von Gasen bezeichnet man das Eindringen von Gasen oder Gasgemischen in eine Flüssigkeit oder einen festen Stoff. Dieser wird Absorptionsmittel (oder Absorbens), das aufgenommene Gas wird Absorbat genannt.

Das Gas wird bei gegebener Temperatur im Absorptionsmittel gelöst, wobei Wärme (Absorptionswärme oder Lösungswärme) entsteht. Wenn bei der Lösung der Gase auch chemische Reaktionen stattfinden, so wird der Gleichgewichtszustand durch das Massenwirkungsgesetz bestimmt.

Finden bei der Lösung der Gase keine chemischen Reaktionen statt, so gilt für Flüssigkeiten bei niedrigem Druck näherungsweise das Henrysche Gesetz: Bei gegebener Temperatur ist die Konzentration c eines Gases proportional seinem Druck p über der Flüssigkeit ist: c = k*p; hierbei ist k der Absorptionskoeffizient, der von der Temperatur und den beteiligten Stoffen abhängt.

Sind mehrere Gase an der Absorption beteiligt, so werden sie unabhängig voneinander gemäß ihrem jeweiligen Partialdruck px in der Gasphase gelöst: cx = kx * px (Henry-Daltonscher Verteilungssatz).

Sind bei einem Gas mehrere nicht mischbare Flüssigkeiten als Absorptionsmittel beteiligt, so ist das Verhältnis der Konzentrationen unabhängig von der Menge des gelösten Stoffes und der Flüssigkeiten und hängt nur von der Temperatur und den Stoffen ab (Nernstscher Verteilungssatz).

Die Absorption von Gasen in Flüssigkeiten wird in der Kältetechnik für Absorptionskühlgeräte verwendet.

Absorption von Schwebstoffen


Schwebstoffen oder Gasen werden durch einen Filter aus einem Luftstrom von einem feinmaschigen Netz gefiltert. Werden diese durch eine reaktive Oberfläche (Aktivkohle) fest gebunden, so spricht man hingegen von Adsorption.

Das Maß der Filtration hängt hier von der Rückhaltefähigkeit und Aufnahmefähigkeit ab. Bei mechanischen Filter steigt die Rückhaltefähigkeit mit der Belegung, da die Schwebstoffe langsam die feinden Poren des Filters zusetzen. Dabei nimmt aber der Luftwiderstand des Filters zu. Für chemische Filter gilt es umgekehrt: Je stärker der Filter belegt ist, desto geringer ist die Rückhaltefähigkeit.

Dabei ist es prinzipiell egal, ob das Trägermedium Luft oder eine Flüssigkeit ist.

Wird der Gas oder Luftstrom durch eine Waschflüssigkeit geleitet so spricht man von Gaswäsche oder auch von Absorption. Dabei werden die zu absorbierenden Gaskomponenten (Absorptiv - ungebunden, Absorbt - gebunden) molukular in der Waschflüssigkeit (Absorbens - unbeladen, Absorbat - beladen) gebunden. Die physikalische Bindung wird als Physisorption, die leichete chemische Bindung als Chemisorption bezeichnet. Das Austreiben der nun gebundenen Gaskomponenten kann durch Druckverringerung und Temperaturerhöhung erfolgen.

Siehe auch


Weblinks


Akustik | Optik | Physik | Trennverfahren | Verfahrenstechnik

Absorption | Absorption | Absorption | Absorptie | Absorpcja (fizyka) | Абсорбция | Absorpcija

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Absorption (Physik)".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld