Die absolute Konvergenz ist ein Begriff aus der Analysis und wird im Zusammenhang mit Reihen benutzt. Für die absolut konvergenten Reihen bleiben manche Eigenschaften endlicher Summen gültig, die für die größere Menge der konvergenten Reihen im Allgemeinen falsch sind.
Definition
Eine reellwertige oder komplexwertige Reihe heißt absolut konvergent, wenn die Reihe der Absolutbeträge konvergiert.
Beispiele
- Die alternierende harmonische Reihe ist konvergent. Sie ist aber nicht absolut konvergent, denn beim Nachprüfen der definierenden Eigenschaft erhält man , also die gewöhnliche harmonische Reihe. Diese ist divergent.
- Die Reihe ist wegen absolut konvergent.
- Die Potenzreihe der Exponentialfunktion ist für jedes komplexe absolut konvergent.
- Generell gilt, dass eine reelle oder komplexe Potenzreihe innerhalb des Konvergenzradius' absolut konvergent ist.
Eigenschaften
- Eine absolut konvergente Reihe ist konvergent. Das gilt sowohl für reellwertige
[Konrad Knopp. Theorie und Anwendung der unendlichen Reihen. 5. Auflage, Springer Verlag 1964, ISBN 3-540-03138-3. S 137, Satz 85] als auch für komplexwertige[Konrad Knopp. Theorie und Anwendung der unendlichen Reihen. 5. Auflage, Springer Verlag 1964, ISBN 3-540-03138-3. S 410, Satz 227] Reihen. Da es außerdem Reihen gibt, welche bedingt konvergent genannt werden, die konvergent, aber nicht absolut konvergent sind, bildet die Menge der absolut konvergenten Reihen eine echte Teilmenge der Menge der konvergenten Reihen.
- Wie bei endlichen Summen kann man bei absolut konvergenten Reihen die Summanden beliebig vertauschen: Jede Umordnung einer absolut konvergenten Reihe , d.h. jede Reihe, die durch Umordnung der Reihenglieder von entsteht, ist konvergent und konvergiert gegen den gleichen Grenzwert wie .
- Ein völlig entgegengesetzter Sachverhalt ist für eine konvergente, aber nicht absolut konvergente Reihe richtig: Es existiert stets eine Umordnung von , die divergiert.
- Ist die Reihe reellwertig, so gilt die folgende erstaunliche, noch schärfere Aussage (Riemannscher Umordnungssatz): Zu jeder vorgegebenen Zahl existiert eine Umordnung der Reihe , die gegen (uneigentlich) konvergiert. Die Begründung ist leicht anzugeben, wir beschränken uns auf den Fall . Man ordnet die Summanden in zwei Folgen
-
- an (Summanden, die gleich null sind, werden weggelassen). Nun addiert man so lange Folgenglieder aus , bis überschritten wird, dann (negative) Folgenglieder aus , bis wieder unterschritten wird, dann wieder aus usw. Das Verfahren ist durchführbar, weil und divergieren (ansonsten wäre die ursprüngliche Reihe absolut konvergent), und die umgeordnete Reihe konvergiert gegen .
Weiteres
Manche
Konvergenzkriterien für Reihen beweisen auch die stärkere absolute Konvergenz. Dazu gehören das
Wurzelkriterium und das
Quotientenkriterium.
Verallgemeinerungen
Der Begriff der absoluten Konvergenz lässt sich auf
normierte Räume verallgemeinern. Gegeben sei eine Folge
von Elementen eines normierten Raumes
. Die entsprechende Reihe
wird durch
-
definiert. Die Reihe heißt
absolut konvergent, wenn
konvergiert
[Avner Friedman: Foundations of Modern Analysis, Dover, new York 1970. ISBN 0-486-64062-0. S 126, Definition 4.1.7].
Ist ein Banachraum, also vollständig, so ist jede absolut konvergente Reihe auch konvergent [Avner Friedman: Foundations of Modern Analysis, Dover, new York 1970. ISBN 0-486-64062-0. S 126, Theorem 4.1.2].
In beliebigen vollständigen metrischen Räumen gilt ein verwandtes Resultat. Eine Folge ist zumindest dann konvergent, wenn die Summe
-
konvergiert. Da in obigem Beispiel ja
ergibt sich die absolute Konvergenz daraus als Spezialfall.
Quellen
Folgen und Reihen
Absolute convergence | Convergencia absoluta | Convergence absolue