Abschirmungen gegen Ionisierende Strahlung dienen zum Schutz von Personen (s. Strahlenschutz), anderen Lebewesen, Gegenständen oder Bauteilen gegen Strahlenschaden. Auch Neutronenstrahlung ist hier zur ionisierenden Strahlung zu rechnen.
Ionenstrahlung, z.B.
Alphateilchen, gibt beim Eindringen in Materie ihre Energie in vielen Einzelstößen ab. Sie hat daher bei gegebener Ionenenergie in jedem Material eine bestimmte
Reichweite, an deren Ende die Teilchen auf
thermische Energie abgebremst und unschädlich sind. Die Reichweite von Alphateilchen aus radioaktiven Strahlenquellen in Raumluft beträgt wenige Zentimeter.
Elektronen
Auch schnelle
Elektronen, z.B.
Betateilchen, geben ihre Energie in Materie in vielen Einzelstößen ab. Sie haben längere, aber ebenfalls wohldefinierte Reichweiten in Materie. Die Reichweite für 10-M
eV-Elektronen beträgt in Raumluft 3 m, in Eisen 0,6 mm. Siehe auch
Betazerfall.
Photonen
Röntgenstrahlung oder
Gammastrahlung wird in Materie nach einem Exponentialgesetz (
Absorptionsgesetz) abgeschwächt. Sie kann also nicht vollständig abgeschirmt werden, sondern es gibt für gegebene Photonenenergie und gegebenes Material eine
Halbwertsdicke. Diese beträgt z.B. für die Gammastrahlung von
Kobalt-60 (1,17 und 1,33 MeV) in
Blei etwa 1,1 cm; mit 11 cm Blei, zehn Halbwertsdicken, erreicht man also eine Abschwächung um einen Faktor 2
10 = 1024.
Photonen geben ihre Energie an die Atomelektronen ab. Ihre Abschwächung nimmt mit zunehmender Elektronenanzahl pro Atom, der Ordnungszahl, stark zu. Deshalb werden Materialien hoher Ordnungszahl, also etwa Blei, oder Beton mit Eisenerz- oder ähnlichen Zuschlagstoffen, verwendet. Blickfenster in Abschirmungen bestehen aus einem Glas mit hohem Bleigehalt.
Neutronen
Für
thermische, also langsame Neutronen werden
Bor- oder
Cadmium-haltige Abschirmungen verwendet, da diese Elemente große
Wirkungsquerschnitte für den Neutroneneinfang haben. Für schnelle oder gemischte Neutronenstrahlung eignet sich ein wasserstoffhaltiges Material wie Wasser, Paraffin oder Polyethylen, das als
Moderator wirkt, in Mischung mit einer Borverbindung.
Sekundärstrahlungen
Die Strahlung verschwindet in den Abschirmungen nicht "spurlos", sondern gibt ihre Energie ab, die in Form anderer Strahlungen freigesetzt werden kann. Schnelle Elektronen erzeugen Röntgenbremsstrahlung, Neutronen erzeugen bei ihrem Einfang in Atomkernen Gammastrahlung. Deshalb sind die obigen Angaben nur ein erster Anhalt zum Entwurf von Abschirmungen.
Literatur
Krieger, H. (2004): Grundlagen der Strahlungsphysik und des Strahlenschutzes. 628 S., ISBN 3-519-00487-9
Shultis, K., Faw, R.E. (2000): Radiation shielding. American Nuclear Society, XVI, 537 S.. ISBN 0-89448-456-7
Strahlenschutz | Kernphysik