Ein Abri (von franz. Unterstand, Schutz, Obdach) ist ein durch Erosion entstandener, zumeist in Tälern von Buntsandsteingebieten gelegener Steinüberhang.
In der Archäologie versteht man unter einem "Abri" eine steinzeitlich genutzte Halbhöhle (eng. Rock shelter), mit Spuren menschlicher Anwesenheit unter einem Felsdach oder in einer Felsnische.
In der Biologie versteht man unter einem Abri auch einen Felsvorsprung, der Tieren als Unterschlupf dient.
Im Buntsandsteingebiet des südlichen Leineberglandes zwischen den Orten Heiligenstadt, Göttingen und Nörten-Hardenberg befindet sich die größte Gruppe von Abris in Mitteleuropa. Sie finden sich oft auf engstem Raum in den schluchtartigen Felstälern zwischen der Leine und dem Eichsfeld. In einem Gebiet von rund 30 km Länge und 6 bis 10 km Breite sind heute rund 1600 Abris erfasst.
Häufig finden sich unter Abris meterhohe Ablagerungen einer anhaltenden oder wiederholten menschlichen Nutzung meist bis ins Mesolithikum, vereinzelt auch noch danach. In aufeinander folgenden Kulturschichten gefundene Geräte (z.B. die Abri-Audi-Spitzen) bilden die Grundlagen ältersteinzeitlicher Chronologien.
Die meisten Felsschutzdächer wurden erstmals in der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit) aufgesucht. Sie dienten den Jägern und Sammlern als Ausgangspunkt für ihre Streifzüge. Ein einzelner Platz wurde wohl für einige Monate bewohnt bis die Ressourcen der Umgebung erschöpft waren oder aber die größeren Wildtiere weiterzogen. Neben dem Sammeln von Beerenfrüchten und Nüssen war vor allem die Jagd auf Groß- und Kleinsäuger die primäre Nahrungsquelle. Es gibt Anhaltspunkte, dass auch die Öffnung des Abris selbst möglicherweise mit einer zeltartigen Konstruktion verschlossen wurde. Feuer- und Herdstellen zeugen davon, dass die Nahrung bereits gekocht wurde. bekannte Abris im deutschsprachigen Raum:
Frankreich:
In geschichtlicher Zeit wurden in Frankreich Häuser unter großen Abris errichtet. Auch die Cliff Dwellings genannten Bauten der Indianer in Gila New Mexiko stehen unter einem Abri.