Abraham Kuhn (* 28. August 1838 in Bissersheim, Pfalz; † 15. September 1900 in Straßburg) war elsässischer Arzt und Professor für Ohrenheilkunde an der Universität Straßburg.
Nach dem Studium der Medizin in Gießen und München promoviert er an der Universität Würzburg mit einer Arbeit über das Epithel der Lungenalveolen und erlernt die Ohrenheilkunde bei Anton von Tröltsch, einem der Begründer dieses Fachgebiets in Deutschland. 1863 legt er in München das medizinische Examen ab.
Danach geht Kuhn nach Straßburg, aus familiären Gründen, wie angegeben wird, eine seiner Schwestern ist dort verheiratet. Er studiert an der Hochschule (École de Médecine) in Straßburg, absolviert 1865 das französische medizinische Examen und erwirbt den Doktortitel mit einer Arbeit über Tumoren des Kehlkopfs unter dem Titel "Des tumeurs du larynx". Er übersetzt von Tröltschs Lehrbuch der Ohrenheilkunde ins Französische, es erscheint 1870 in Paris. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870 ist er für das französische Rote Kreuz auf den Schlachtfeldern von Weißenburg und Wörth in den Nordvogesen tätig.
Nach Annexion des Elsass durch das Deutsche Kaiserreich im Jahre 1871 bemüht sich Kuhn um eine Tätigkeit an der Medizinischen Klinik der in Kaiser-Wilhelm-Universität umbenannten Hochschule in Straßburg und wird dort 1873 Dozent und 1881 außerordentlicher Professor für Ohrenheilkunde. Vermutlich im Zusammenhang damit konvertiert er zum Christentum. Die Universität ist als Aushängeschild deutscher Wissenschaft und Kultur im "Reichsland Elsass-Lothringen" eine der am besten ausgestatteten deutschen Hochschulen, und Kuhn einer der wenigen Hochschullehrer, die sich für Ohrenheilkunde spezialisieren, - in Deutschland gibt es nach einer Aufstellung aus dem Jahr 1878 zehn Dozenten und Professoren seines noch jungen Fachs. Zunächst ist er Leiter der Poliklinik, von 1881 bis zu seinem Tod Direktor der Klinik und Poliklinik für Ohrenkrankheiten. Die Abteilung ist im Bürgerspital (Hôpital Civil) untergebracht, wird 1892 selbständiges Universitätsinstitut und verfügt 1897 über 32 Betten. Als Assistenten und Schüler Kuhns arbeiten dort unter anderem die späteren Hochschullehrer W. Kümmel (Universität Heidelberg), Paul Manasse (Universität Würzburg) und Gustav Alexander (1873-1932).
Kuhn ist zeitweise Mitglied im Vorstand der Deutschen Otologischen Gesellschaft, der heutigen Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.
Abraham Kuhns Tochter Anna (gestorben 1966) heiratet Albrecht Bethe, Professor für Physiologie in Frankfurt am Main, ihr Sohn ist der US-amerikanische Theoretische Physiker und Nobelpreisträger Hans Albrecht Bethe.
Schwerpunkte von Kuhns wissenschaftlicher Arbeit liegen auf den Gebieten der vergleichenden Anatomie des Ohres, insbesondere des Labyrinths, sowie der Diagnostik und Therapie der Tumoren des Ohres. Zu diesen Themen verfasst er Beiträge im von Hermann Schwartze herausgegebenen Handbuch. In den beiden Fachzeitschriften Archiv für Ohrenheilkunde und Zeitschrift für Ohrenheilkunde finden sich mehrere klinische Einzelarbeiten und Mitteilungen Kuhns, Beiträge zum Cholesteatom und zur operativen Behandlung der Verwachsungen des Gaumensegels werden im Nachruf besonders hervorgehoben.
siehe auch: Ohr, Medizingeschichte, Friedrich Bezold, Kurd Bürkner, Dagobert Schwabach, Josef Georg Wagenhäuser
Mann Elsässer | HNO-Arzt Mediziner (19. Jh.) Geboren 1838 Gestorben 1900
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