Ablaut (auch Apophonie) nennt man den Vokalwechsel zwischen verschiedenen Morphen, die dasselbe Morphem repräsentieren. Der Begriff wurde 1819 von Jacob Grimm in die Sprachwissenschaft eingeführt zur Bezeichnung des regelmäßigen Wechsels im Stammvokal bei der Flexion der germanischen starken Verben (vereinzelt schon früher ähnlich verwendet, aber noch nicht als klar umrissner Fachbegriff). Dieser Ablaut geht wohl bereits auf die proto-indoeuropäische Ursprache zurück und zeigt noch in den meisten indogermanischen Sprachen seine Nachwirkungen.
Es wird manchmal zwischen qualitativem Ablaut (Wechsel des Vokals) und quantitativem Ablaut (Wechsel der Vokallänge) unterschieden. Die Bezeichnung für die Ablautstufen ist leider nicht einheitlich. In der Regel unterscheidet man in indogermanischen Sprachen zwischen drei Stufen:
Im Germanischen dient bei den sogenannten schwachen Verben ein Dentalsuffix (z. B. -t- im Deutschen, -ed im Englischen) zur Markierung des Præteriti und des Participii II. Bei den starken Verben dagegen tritt ein weitgehend regelmäßiger Ablaut auf, das heißt, dort ändern sich die Hauptvokale bei der Konjugation.
Beispiel aus dem Deutschen:
Ein schwaches Verb ist z.B. loben, der Stammvokal ändert sich bei der Vergangenheitsbildung nicht: loben, lobte, gelobt.
Ein starkes Verb ist z.B. trinken, der Vokal ändert sich bei der Vergangenheitsbildung: trinken, trank, getrunken.
Es gibt im Germanischen sieben Ablautreihen, innerhalb derer ein Vokal nach einer jeweils festen Regel ablautet (der ursprüngliche Grund dafür sind u. a. die nachfolgenden Konsonanten). Im Deutschen sind alle sieben Ablautgruppen bis heute erhalten, wobei manche Verben im Laufe der Sprachgeschichte auch ihre Ablautgruppe gewechselt haben, oder schwach geworden sind, z. B. wird das Verb backen im Norddeutschen heute überwiegend schwach gebeugt (backen - backte - gebackt), während im Oberdeutschen noch öfter starkes Præteritum und Participium II (backen - buk - gebacken) zu finden ist.
Beispiele für Verben der einzelnen Ablautreihen:
1. Ablautreihe des Deutschen: ei - i(e) - i(e)
2. Ablautreihe des Deutschen: ie - o - o
3. Ablautreihe des Deutschen: e/i - a - o/u
4. Ablautreihe des Deutschen: e/o - a - o
5. Ablautreihe des Deutschen: e/ie/i - a - e
6. Ablautreihe des Deutschen: a - u - a
7. Ablautreihe des Deutschen: ei/au/ō/a/ū - i(e) - ei/au/ō/a/ū
Beim Erlernen der mittelhochdeutschen und althochdeutschen Sprache kommt der Beschäftigung mit den Ablaut-Reihen eine besonders wichtige Bedeutung zu.
Diese Verschiebung der Vokale ist zum Teil bei den gleichen Verben sprachübergreifend zu beobachten, z.B.
deutsch:
Zu beobachten ist dabei das gleichartige, meist aber nicht genau gleiche Ablautreihen-System, da es zu verschiedenen Lautverschiebungen kam. Das Schriftbild hält ältere Formen oft lange aufrecht, die sich in der gesprochenen Sprache bereits geändert haben.
Nach obiger Definition ebenfalls ein Ablaut ist der im West- und Nordgermanischen verbreitete Umlaut (z. B. deutsch Maus - Mäus, Mäuslein; fahren - fährt), der durch ein in der folgenden Silbe stehendes -i/j- verursacht wurde. Dieser ist eine wesentlich jüngere Erscheinung als der indogermanische Ablaut, weshalb eigentlich auch kein Zusammenhang mit dem Wechsel in den Ablautreihen besteht.
Die Kenntnis der historischen Entwicklungen des Ablauts kann oft helfen, scheinbar zufällige Unregelmäßigkeiten zu erklären. Beispielsweise hat das Verb "sein" auf Latein die Formen est (er/sie/es ist) und sunt (sie sind). Zu beachten ist, dass diese Formen den verwandten deutschen Formen stark ähneln. Der Unterschied zwischen Singular und Plural in beiden Sprachen lässt sich einfach erklären: die Urindogermanische Wurzel beider Verben ist *es. In der Indogermanischen Ursprache wurde der Stammvokal im Plural weggelassen, was zu den Formen *es-ti für ist und *s-enti für sind führte (-u- in lat. sunt durch spätere Umbildung).
Das Sanskrit kennt 15 Ablautreihen:
| Schwundstufe | Guṇa | Vṛddhi | |
|---|---|---|---|
| I | - upab-daḥ ("Getrampel") | a padyate ("er geht") | ā pādaḥ ("der Fuß") |
| II | i/y jitaḥ ("besiegt") | e/ay jetā ("der Sieger") | ai/āy ajaiṣam ("ich besiegte") |
| III | u/v śrutaḥ ("gehört") | o/av śrotā ("der Hörer") | au/āv aśrauṣīt ("er hörte") |
| IV | ṛ/r bhṛtaḥ ("getragen") | ar bharati ("er trägt") | ār bhāraḥ ("die Last") |
| V | ḷ/l kḷptaḥ ("gefügt") | al kalpate ("es fügt sich") | āl ? |
| VI | a/m gacchati ("er geht") jagmiva ("wir beide sind gegangen") | am agamat ("er ging") | ām ? |
| VII | a/n rājñā ("durch den König" Instr.) | an rājan ("O König" Vok.) | ān rājānam ("den König" Akk.) |
| VIII | i/- sthitaḥ ("gestanden") | ā tiṣṭhāmi ("ich stehe") | - |
| IX | ī gītaḥ ("gesungen") | ā(i)/āy gāyati ("er singt") | - |
| X | ū | ā(u)/āv | - |
| XI | ī/(i)y | ayi/ay | - |
| XII | ū/(u)v bhūtaḥ ("geworden") | avi/av bhavitum ("werden") | - |
| XIII | īr/ūr/ir/ur tīrṇaḥ ("übergesetzt") | ari/ar tarati ("er setzt über") | - |
| XIV | ā(m) dāmyati ("er bändigt") | ami/am damaḥ ("der Bändiger", Eigenname) | - |
| XV | ā jāyate ("er wird geboren") | ani/an janitum ("erzeugen") | - |
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