AGM-154 JSOW 01.jpg Die AGM-154 Joint Standoff Weapon (JSOW) ist eine gelenkte Gleitbombe der US-Streitkräfte. Obwohl die Bezeichnung AGM auf einen Lenkflugkörper hindeutet, sind die bisherigen JSOW-Versionen antriebslos und müssten daher als Gleitbomben eigentlich eine GBU-Bezeichnung tragen.
Im Juni 1992 gewann Texas Instruments (seit 1997 Raytheon) eine Ausschreibung der US Navy für eine neue Luft-Boden-Waffe unter der Bezeichnung AGM-154. Gefordert war eine preiswerte und leichte Waffe zur Bekämpfung verschiedenartiger Ziele und einer Reichweite von mindestens neun Kilometer beim Start aus geringer Höhe. Im selben Jahr stieg die US Air Force in das Programm ein, das von nun an Joint Standoff Weapon (JSOW) hieß. Ursprünglich war die Beschaffung von 23.800 Exemplaren zu einem Stückpreis von 160.000 US-Dollar geplant. Texas Instruments entwickelte daraufhin eine antriebslose, steuerbare Gleitbombe, die mit unterschiedlicher Munition bestückt werden kann. Die Steuerung erfolgt über Inertialnavigation mit GPS-Unterstützung. Als Steuerflächen dienen zwei nach dem Start ausklappende horizontale Flügel und vier Heckfinnen.
Ein erster Gleitflug fand im Dezember 1994 statt, am 8. Juli 1998 wurde die erste serienmäßige AGM-154A an die US-Marine ausgeliefert. Diese Version fungiert als Streubombe für flächenhafte Bombardierung, indem sie 145 Bomblets (Typ BLU-97) über dem Ziel ausstößt. Der erste Kampfeinsatz fand am 25. Januar 1999 statt, als F/A-18C Hornet der US-Marine drei AGM-154A auf irakische Ziele abfeuerten.
Die ebenfalls für Marine und Luftwaffe vorgesehene AGM-154B dient zur Bekämpfung gepanzerter Ziele und trägt daher sechs BLU-108-Einheiten mit je vier Projektilen, die mittels Infrarotsuchkopf selbsttätig ins Ziel steuern. Im Oktober 2002 zog sich die US-Luftwaffe aus diesem Programm zurück, so dass auch die US-Marine die Beschaffung aus Kostengründen stoppte.
Die dritte Variante AGM-154C enthält einen einzelnen 227 kg schweren, zweistufigen Sprengkörper und einen zusätzlichen Infrarotsuchkopf mit Mustererkennung zur selbsttätigen Zielerfassung. Sie ist seit Februar 2005 einsatzbereit und wird nur von der US-Navy verwendet.
Seit 2004 entwickelt Raytheon die AGM-154A-1, eine Version mit einem einfachen 227-kg-Sprengkörper (BLU-111) und ohne Infrarotsucher, die ab 2006 produziert werden kann. Im Rahmen der Block-II-Modernisierung erhalten die A- und C-Versionen außerdem seit 2005 einen verbesserten, störfesten GPS-Empfänger.
Die US-Streitkräfte haben im Jahr 2000 auch die Bezeichnungen AGM-154D und AGM-154E vergeben, für die A- beziehungsweise C-Version mit einem Turbojetantrieb durch Williams J400 mit 1,1 kN Schubleistung zur Steigerung der Reichweite. Für die Entwicklung oder Beschaffung dieser angetriebenen Versionen gibt es aber bis Anfang 2006 keine konkreten Pläne.
Die JSOW ist bei der US-Marine einsatzbereit für die F/A-18 sowie bei der US-Luftwaffe für B-1, B-2, B-52, F-15E und F-16. Bis Ende 2005 hatte Raytheon mehr als 2000 JSOWs produziert.
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