A4_peenem.jpg]] Das Aggregat 4 (A4) war die erste voll funktionsfähige Großrakete. Bekannt wurde sie unter dem ihr von Joseph Goebbels im Oktober 1944 gegebenen Propagandanamen Vergeltungswaffe 2, kurz „V2“; die Abschusseinheiten von Wehrmacht und SS nannten sie schlicht das Gerät. Die A4-Rakete wurde vom NS-Regime als ballistische Artillerie-Rakete großer Reichweite konzipiert und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in großer Zahl eingesetzt. Sie gilt außerdem als erstes von Menschen konstruiertes Objekt, das die Grenze zum Weltraum durchstieß.
Nach dem ersten Luftangriff auf Peenemünde am 17. August 1943 wurden viele Versuchsstarts der A4, insbesondere zur Ausbildung der Raketeneinheiten, in Blizna und auf der Tucheler Heide durchgeführt. Daneben ging auch in Peenemünde (einschließlich der Greifswalder Oie) der Start von Versuchsraketen bis zum 21. Februar 1945 weiter.
Die beim Start eingestellte Zeitschaltuhr sorgte dafür, dass der Neigungswinkel über dem Ziel verändert wurde und die Rakete darauf abkippte.
Vielmehr konnten sie sicher sein, dass man sie wegen ihrer Einblicke in dieses Staatsgeheimnis nicht mehr freilassen würde. Wie unmenschlich die Behandlung auch durch zivile Ingenieure zeitweise war, zeigt etwa eine schriftliche Anweisung, die Häftlinge bei Verfehlungen nicht mehr mit spitzen Gegenständen zu stechen. Dennoch kam es immer wieder zu Sabotageakten, die allerdings die Fertigung der Rakete nie ernstlich behinderten. Bei der Endabnahme erwies sich jede zweite Rakete als nicht voll funktionstüchtig und musste nachgebessert werden. Dies lag jedoch in erster Linie daran, dass die Ingenieure fast täglich aus Peenemünde bauliche Änderungen vorgaben, die den laufenden Produktionsprozess erheblich beeinträchtigten.
Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Kohnsteins und der anschließenden Fertigung der A4-Rakete sowie der Flugbombe V1 und von Teilen eines Düsenjägers kamen nach offizieller Zählung in den SS-Akten etwa 12.000 Zwangsarbeiter ums Leben. Dem stehen ca. 8.000 Opfer durch den Einsatz der Waffe gegenüber. Die A4-Rakete ist somit die einzige Waffe, bei deren Herstellung mehr Menschen ums Leben kamen als durch ihren Einsatz.
Die Fertigungsstätten für Teile der A4 waren über ganz Deutschland und Österreich verstreut: Im Lager Rebstock bei Dernau an der Ahr wurden in ehemaligen Regierungsbunkern Bodenanlagen und Fahrzeuge für die Rakete produziert. Weitere Beispiel sind die Firmen Gustav Schmale in Lüdenscheid, wo Teile der Brennkammer gefertigt wurden "Lüdenscheider Nachrichten"; 25.03.2006; und die Hagener Accumulatoren Fabrik AG [http://www.historisches-centrum.de/index.php?id=403 Accumulatoren Fabrik AG, wo die speziellen Akkumulatoren gefertigt wurden.
| Nr. | Datum | Brennzeit (s) | Reichweite (km) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 16. März 1942 | - | - | Explosion bei Zündung |
| 2 | 13. Juni 1942 | 36 | 1,3 | stieg ca. 4900 m, bis eine Treibstoffpumpe brach, rollte zudem im Flug, stürzte ab |
| 3 | 16. August 1942 | 45 | 8,7 | durchbrach Schallgrenze, aber dann Spitze abgebrochen, Flugzeit 194 s |
| 4 | 3. Oktober 1942 | 58 | 190 | erster erfolgreicher Flug, stürzte nach 296 s Flug ins Meer |
| 5 | 21. Oktober 1942 | 84 | 147 | Probleme mit dem Dampfgenerator, Flugzeit 256 s |
| 6 | 9. November 1942 | 54 | 14 | vertikaler Aufstieg bis auf 67 km |
| 7 | 28. November 1942 | 37 | 8,6 | taumelte, verlor Flossen |
| 9 | 12. Dezember 1942 | 4 | 0,1 | Explosion |
| 10 | 7. Januar 1943 | - | 0 | Explosion bei Zündung |
| 11 | 25. Januar 1943 | 64,5 | 105 | zu steil, rollte im Flug |
| 12 | 17. Februar 1943 | 61 | 196 | Aufstieg zu flach |
| 13 | 19. Februar 1943 | 18 | 4,8 | Feuer im Heck |
| 16 | 3. März 1943 | 33 | 1,0 | vertikaler Aufstieg, Heckexplosion |
| 18 | 18. März 1943 | 60 | 133 | zu steil, Rotation im Flug |
| 19 | 25. März 1943 | 28 | 1,2 | Taumelte, explodierte |
| 20 | 14. April 1943 | 66 | 287 | Absturz in Pommern |
| 21 | 22. April 1943 | 59 | 252 | Absturz in Pommern |
| 22 | 14. Mai 1943 | 62 | 250 | Abschaltung versagt |
| 26 | 26. Mai 1943 | 66,5 | 265 | Erfolg, Flugzeit 349 s |
| 25 | 26. Mai 1943 | 40 | 27 | Brennschluss nach 40s |
| 24 | 27. Mai 1943 | 55 | 138 | - |
| 23 | 1. Juni 1943 | 62 | 235 | vorzeitiger Brennschluss |
| 29 | 11. Juni 1943 | 63,5 | 238 | Erfolg |
| 31 | 16. Juni 1943 | 60,5 | 221 | vorzeitiger Brennschluss |
| 28 | 22. Juni 1943 | 62,5 | 75 | nach 70s explodiert |
| 30 | 24. Juni 1943 | 65,1 | 287 | Erster Start vom Prüfstand X, Abschaltung versagt |
| 36 | 26. Juni 1943 | 64,9 | 235 | Erfolg |
| 38 | 29. Juni 1943 | 15 | 3 | Absturz auf Flugplatz |
| 40 | 29. Juni 1943 | 63,6 | 236 | Einschlag nicht beobachtet |
| 33 | 1. Juli 1943 | - | - | Brennschluss nach Abheben, Explosion |
| 41 | 9. Juli 1943 | 4 | 0,1 | Absturz auf Pumpenhaus des Prüfstands VII |
| 34 | 9. Juli 1943 | - | - | Brennschluss nach Abheben, Explosion |
| - | 12. August 1943 | 64 | ? | Erfolg |
| - | 6. Oktober 1943 | 68 | ? | Erfolgreicher Start mit 272s Dauer. Erster Start nach dem Luftangriff am 17. August 1943 |
| - | 21. Oktober 1943 | 63 | ? | Erfolg, Flugzeit 286 s |
| - | 4. Dezember 1943 | 63 | ? | Erfolg, Flugzeit 286 s |
| - | 10. Dezember 1943 | 69 | ? | Erfolg, Flugzeit 247 s |
| - | 21. Dezember 1943 | 33 | ? | Nur Teilerfolg, vorzeitiger Ausfall des Triebwerks, Flugzeit 104s |
| - | 7. Januar 1944 | 43 | ? | Explodierte 43s nach dem Start |
| - | 27. Januar 1944 | ? | ? | Erster Testflug einer im Mittelwerk gefertigten Rakete. Fehlschlag |
| - | 2. März 1944 | ? | ? | Explodierte |
| - | 11. März 1944 | 59 | ? | Erfolg, Flugzeit 282 s |
| Sofern nicht anders angegeben, erfolgte der Start vom Prüfstand VII. | ||||
Für den Zeitraum zwischen Juli 1943 und Februar 1945 liegen keine kompletten Startlisten vor. Bei einem Versuchsstart am 13. Juni 1944 zur Erprobung von Komponenten der Flugabwehrrakete Wasserfall stürzte eine von Peenemünde aus gestartete A4-Rakete in Südschweden ab.
Die letzte Rakete im Kampfeinsatz wurde am 27. März 1945 von den Deutschen gegen Antwerpen abgeschossen. Augenzeugen berichten jedoch, dass die Ausbildungsbatterie 444 noch am 5. April 1945 in der Gegend von Verden mehrere A4-Raketen Richtung Nordsee gestartet habe.
Insgesamt forderte der Einsatz der A4-Raketen mehr als 8.000 Menschenleben, in der Hauptsache Zivilisten.
Am 24. Januar 1945 wurde in Peenemünde eine geflügelte Version der A4-Rakete, die A4b, erstmals erfolgreich gestartet. Sie sollte die doppelte Reichweite der A4 erreichen, stürzte allerdings wegen eines Flügelbruchs vorzeitig ab. Es kam zu keinem weiteren Start dieses Flugkörpers mehr.
Die Briten ließen im Oktober 1945 mehrere A4-Raketen durch Kriegsgefangene aus ehemaligen deutschen Abschusseinheiten in der Nähe von Cuxhaven starten, um Vertretern der alliierten Besatzungsmächte die "Wunderwaffe V2" beim Start zu demonstrieren (Operation "Backfire"). Hierbei entstand auch ein geheimer Dokumentarfilm, der heute aber im Museum Peenemünde gezeigt wird.
Etwa 100 Beuteexemplare der A4 wurden noch vor dem Einmarsch der Roten Armee von US-Truppen in Nordhausen demontiert und in die USA verfrachtet. Sie bildeten den Grundstock der Raumfahrtentwicklungen in den USA. Eines dieser Exemplare kann im National Air and Space Museum in Washington DC begutachtet werden, ein weiteres kam anlässlich von Filmarbeiten Ende der fünfziger Jahre wieder nach Deutschland zurück und landete schließlich im Deutschen Museum in München. Die Übersiedlung der führenden Raketentechniker ab Sommer 1945 in die USA lief im Rahmen der geheimen Operation Overcast.
Teststarts mit erbeuteten A4-Raketen in den USA erfolgten u.a. im März 1948 von White Sands in New Mexico. Die Modifizierung der A4 mit einer WAC Corporal-Rakete als 2. Stufe nennt man Bumper. Die ersten Raketenstarts von Cape Canaveral in Florida wurden 1950 mit Bumper-Raketen durchgeführt. Auf US-Seite wurden u.a. Fruchtfliegen im Juli 1946 mit einer A4 transportiert und als erste Organismen im All bezeichnet.
In Huntsville, Alabama wurde ein neues Raketenzentrum gegründet, und zusammen mit den deutschen Wissenschaftlern wurden hier auf dem Testgelände insgesamt 67 A4-Raketen abgefeuert. Sie bildeten den Grundstock für die späteren Redstone-Raketen und für diverse Weiterentwicklungen ähnlicher Kriegswaffen, letztlich aber auch für die Saturn V-Mondraketen.
Ebenso wurde von der UdSSR eine große Anzahl von deutschen Wissenschaftlern und die Reste der Raketentechnik in die Sowjetunion gebracht, um dort ebenfalls den Grundstock für spätere Entwicklungen zu bilden. Die sowjetische R-1 Rakete war der direkte Nachbau der A4. Sie wurde erstmals 1947 vom Testgelände Kapustin Jar gestartet.
Die Firma Canadian Arrow (www.canadianarrow.com) baute im Rahmen des Ansari X-Prize eine (um 2 m verlängerte) A4-Rakete nach, die Touristen ins All bringen sollte.
A4modell.jpg Flugfähige Modelle der A4-Rakete können von NORIS als Bausatz in 3 Größen bezogen werden. Allerdings kann die größte Ausführung nur von Inhabern eines T2-Scheins in Deutschland geflogen werden. Dies gilt auch für die meisten ausländischen Modelle.
Kurzstreckenrakete | Boden-Boden-Rakete | Rakete (militärisch) | Raketentyp
Фау-2 | V2 (raketa) | V2-raket | V-2 rocket | Cohete V2 | و-۲ | V2-ohjus | V2 (missile) | V2 | V-2 flugskeyti | Missile V2 | V2ロケット | V2 | V2 (rakieta) | V2 | Фау-2 | V2 (raketa) | Фау 2 | V-2 | Tên lửa V-2 | V2火箭
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