A Christmas Carol (wörtlich Ein Weihnachtslied, deutsch meist Eine Weihnachtsgeschichte) ist eine der bekanntesten Erzählungen von Charles Dickens und wurde 1843 veröffentlicht.
Die Erzählung handelt von Ebenezer Scrooge, einem alten grantigen Geizhals, der in einer einzigen Nacht zunächst Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber Jacob Marley und dann von drei weiteren Geistern erhält, die ihm schließlich dazu verhelfen, sein Leben zu ändern. Das Buch enthält stark sozialkritische Töne, mit denen Dickens die Missstände im England des 19. Jahrhunderts anprangern wollte.
Dickens hatte bereits seit einiger Zeit den Plan zu der Erzählung, als er schließlich 1843 in Geldnöte geriet. Um die Sache noch schlimmer zu machen, hatte sein Herausgeber nicht die Mittel, das Buch zu drucken, und so bezahlte Dickens schließlich den Druck selbst. Das Buch wurde binnen kurzer Zeit zum Renner. Allerdings gab es zu jener Zeit in England keinen Urheberschutz, und so konnte das Buch bald ungehindert in Raubkopien gekauft werden. Dickens zog zwar gegen die Raubkopierer vor Gericht, jedoch kostete ihn das am Ende so viel, wie er mit dem Buch überhaupt eingenommen hatte.
Basierend auf der ungekürzten und unveränderten Originalfassung in englischer Sprache
A Christmas Carol ist unterteilt in fünf Staves (englisch für Strophe, hier in der Bedeutung Kapitel).
Wie jedes Jahr, besucht auch dieses Jahr wieder Scrooges Neffe Fred seinen Onkel, um ihn zum Weihnachtsessen einzuladen und ihm „Merry Christmas!“ zu wünschen. Scrooge lehnt sowohl die Einladung, als auch die guten Wünsche und sogar Weihnachten an sich völlig ab, wütend entgegnet er seinem Neffen: „Humbug!“, was als eine für Scrooge typische Redewendung angesehen werden kann. Am selben Abend besuchen Scrooge zwei „gentlemen“, die um Spenden für die arme Bevölkerung bitten. Scrooge lässt sich nicht erweichen, er fragt rhetorisch, ob es denn keine Gefängnisse und Arbeitshäuser („prisons and workhouses“) gebe und ob nicht schon Gesetze zur Unterstützung der Armen existierten. Natürlich gibt es dies alles, deshalb ist sich Scrooge sicher, mit Bezahlung seiner Steuern habe er seine Pflicht mehr als erfüllt.
Am Abend begibt sich Scrooge nach Hause; als er die Tür öffnen will, sieht er kurz das Antlitz seines verstorbenen Freundes Marley auf dem Türklopfer, will es aber nicht glauben und betritt das Haus. Im Haus scheint alles normal, bis ihm der Geist Marleys erscheint. Der Geist ist Kettenbehangen, an seiner Kette hängen Utensilien des Geschäftslebens: Geldkassetten, Portmonnaies u.ä. Marley's Ghost erklärt, er habe sich im Laufe seines Lebens diese Kette selbst geschmiedet.(„I wear the chain I forged in life“) Dadurch, dass er zeitlebens nicht unter Menschen war, sondern sich nur seiner Gier nach Geld hingegeben hatte, muss er sich nun, nach seinem Tod, als Geist unter die Menschen begeben; die Kette fungiert als Symbol hierfür. Der Geist weist Scrooge darauf hin, dass Scrooge selbst ebenfalls eine solche Kette habe, beide Ketten seien vor sieben Jahren von der selben Länge gewesen, jetzt aber sei Scrooges Kette um einiges länger geworden. Der Geist verlässt den aufgewühlten Scrooge mit dem Hinweis, dass ihn noch drei Geister besuchen würden. („You will be haunted by Three Spirits“). Mit dem Zu-Bett-Gehen Scrooges schließt Stave I.
Der weitere Weg durch Scrooges Weihnachts-Vergangenheit zeigt Scrooge als jungen Mann, der bei Mr. Fezziwig, einem Kaufhausbesitzer, seinen späteren Beruf erlernte. Scrooge und der Geist wohnen einer Betriebs-Weihnachtsfeier bei „good old Fezziwig“ bei, die Scrooge deutlich macht, mit wie wenigen (finanziellen) Anstrengungen Menschen sehr glücklich zu machen sind.
Eine weitere Station auf der Reise ist Scrooge in den besten Jahren („in the prime of life“), als er seine große Liebe („a fair young girl“) gegen die Liebe zum Geld regelrecht eintauschte. („Another idol has displaced me“ – „What idol (...)?“ – „A golden one.“) Scrooge erscheint in Anwesenheit des Geistes regelrecht erschüttert, er möchte nichts mehr von der Vergangenheit sehen, nur noch wieder zurück nach Hause gehen. Trotzdem zeigt ihm der Geist eine weitere Szene: Seine frühere Freundin in einer idyllischen Weihnachtsszene mit Kindern und Ehemann. Scrooge ist gebrochen, er fleht darum nach Hause zurück zu können. („Spirit!“ said Scrooge in a broken voice, „Remove me from this place.“) Scrooge gelangt wieder nach Hause und fällt wieder in den Schlaf.
Erst auf dieser Reise mit dem Geist des jetzigen Weihnachtens lernt der Leser Bob Cratchit und seine Familie näher kennen. Scrooges Angestellter und seine Frau haben einige Kinder, wobei ein Kind besonders hervorgehoben wird: Der verkrüppelte Tim Cratchit („Tiny Tim“) ist sehr klein, kann sich aufgrund seiner Behinderung nur mit einem Gestell fortbewegen und es hat den Anschein, dass er wegen Mangelernährung und schlechter (medizinischer) Versorgung bald sterben würde. Hier wird eine echte Veränderung in Scrooges Charakter deutlich: Er fragt den Geist, ob Tim noch eine Zeit zu leben habe – doch der Geist hat Zweifel („If these shadows see remain unaltered (...), the child will die.“). Scrooge zeigt Mitleid, woraufhin der Geist ihn an seine eigenen Worte in der Vergangenheit erinnert: Scrooge hatte gesagt, Tim sollte wohl besser sterben, um die Überbevölkerung zu vermindern („If he be like to die, he had better do it, and decrease the surplus population“). Die Cratchits feiern trotz ihrer Armut ein schönes Weihnachtsfest und Bob Cratchit (Scrooges Angestellter) stößt sogar auf seinen Arbeitgeber an – es sei ja Weihnachten.
Mit dem Geist erlebt Scrooge eine weitere Weihnachtsszene, diesmal bei seinem Neffen Fred, der in geselliger Runde seinen Spaß damit hat, über den verbohrten Scrooge zu erzählen und sich über den „Humbug!“ lustig macht. Nach dem Essen spielt die Gesellschaft um Fred dann Spiele, unter anderem folgendes: Jemand denkt sich einen Begriff aus, den die anderen erraten müssen – Rückfragen dürfen nur mit Ja oder Nein beantwortet werden. Das etwas ist, laut den Antworten ein lebendes Tier, das man auf Londons Straßen sieht, niemand essen würde, welches manchmal grunzt und grummelt – gemeint ist natürlich „Uncle Scrooge“, ein königliches Amusement für Fred und die anderen. (Interessant an dieser Szene ist, dass weder Scrooges Neffe Bosheit an den Tag legt, noch Scrooge auf seinen Neffen böse zu sein scheint.)
Stave Three endet höchst symbolträchtig. Der Geist überlässt Scrooge zwei Kinder, die er bis dahin unter seinem Umhang versteckt hielt. Die Namen der beiden weisen bereits in eine bestimmte Richtung, sie heißen „Ignorance and Want“ – übersetzt ungefähr: „Unwissenheit und Mangel“. Auf Scrooges Nachfrage erklärt der Geist, dass es nicht seine eigenen, sondern Kinder der Menschheit seien („They are Man's“). Scrooge sträubt sich gegen die Aufnahme der Kinder. Er fragt, ob sie denn keine Bleibe hätten; der Geist antwortet wiederum mit einer Gegenfrage, die ebenfalls wieder Scrooges eigene Worte darstellen: „Gibt es denn keine Gefängnisse, Arbeitshäuser?“ („Are there no prisons? – Are there no workhouses?“)
A Christmas Carol - The Last of the Spirits.jpg Der letzte der drei Geister erscheint Scrooge, ohne ein einziges Wort zu sagen. Der Schluss, dass es sich um den „Ghost of the Future“ (Also den (Weihnachts)geist der Zukunft) handele, bleibt Scrooge überlassen. Der Geist führt Scrooge wieder durch die Straßen Londons. Die beiden hören einem Gespräch einer Gruppe Geschäftmänner („little knot of business men“) zu. Die Männer sprechen über den Tod einer nicht namentlich genannten Person, die anscheinend einiges Geld angehäuft hatte, die aber niemand mochte. Ein weiteres Gespräch können Scrooge und der Geist belauschen: Auch hier geht es um „Old Scratch“, der gestorben sei. Dem Leser ist längst klar, dass es sich nur um den gestorbenen Scrooge handeln kann – doch er selbst ist entweder ahnungslos, oder will es nicht wahrhaben. Er hofft, mit dem Geist eine Szene in der Zukunft zu sehen, in der er selbst vorkommt und nunmehr zum guten Menschen bekehrt etwas Gutes bewirkt.
Stattdessen führt ihn der Geist in einen obskuren Teil der Stadt („obscure part of the town“), genauer gesagt in ein Armenviertel und in diesem Viertel in ein Geschäft, dessen Eigentümer jedwede Waren aufkauft. Einige Menschen haben sich bei „old Joe“ eingefunden und es wird schnell deutlich, dass sie ihm Waren verkaufen wollen, die sie aus dem Haus des mysteriösen toten Manns geklaut haben. Nicht einer der Anwesenden zeigt Schuldgefühle, selbst als eine Frau die Bettvorhänge verkauft, die sie entwendet hatte, als die Leiche noch auf dem Bett lag. Dem Leser wird überdeutlich klar gemacht, wie unbeliebt der Tote gewesen zu sein scheint. Den ersten Ansatz der Erkenntnis zeigt Scrooge im nächsten Augenblick, als er mit dem Geist im Sterberaum steht und aufgefordert wird unter das Leichentuch zu sehen – was er aber nicht tun will und auch im Endeffekt nicht tut. Scrooge fleht den Geist an, er möge ihm doch einen Menschen zeigen, der Emotionen wegen des toten Mannes zeigen – alles was er daraufhin sieht, ist ein Paar, das sich Sorgen um einen noch nicht an den Toten zurückgezahlten Kredit macht. Da Scrooge das natürlich nicht sehen wollte, fordert er den Geist auf, ihm Traurigkeit, verursacht durch einen Tod, zu zeigen; aber auch die folgende Szene wird ihn mehr aufwühlen, als beruhigen: Scrooge und der Geist sehen die Familie Cratchit, die um den gestorbenen Tiny Tim trauert.
Zum Abschluss des Kapitels werden alle Unklarheiten aus dem Weg geräumt. Auf Scrooges Wunsch hin, zu erfahren wer denn nun der tote Mann sei, zeigt ihm der Geist der Zukunft einen Grabstein. Voller Entsetzen liest Scrooge die Inschrift: Ebenezer Scrooge. Vor Scrooge, der dem Zusammenbruch nahe ist, verschwindet der Geist in einem Bettpfosten.
Im zusammenfassenden letzten Absatz unterstreicht Dickens noch einmal Scrooges Persönlichkeitsveränderung: „Scrooge was better than his word“ (etwa: Scrooge war noch besser, als er es versprochen hatte), Tiny Tim würde überleben, und schließlich: „God bless Us, Every One“
Das Buch wurde seit 1901 unzählige Male verfilmt. Besonders hervorzuheben sind:
Die Songwriterin Aimee Mann bezieht sich auf Jacob Marley's Kette als Metapher in ihrem gleichnamigen Song „Jacob Marley's Chain“ (Album „Whatever“, 1993)
Der deutsche Komponist Dirk Michael Steffan hat das Werk als Musical vertont. Es wurde im November 2001 im TheatrO CentrO in Oberhausen mit Judith Hildebrandt in einer Hauptrolle uraufgeführt. 2002 fanden im November und Dezember parallel rund fünfzig Aufführungen im Kölner Musical Dome und im Berliner Theater des Westens statt, 2003 im Auditorium der Messe München und erneut im TheatrO CentrO, hier mit Guildo Horn als Geist. Insgesamt haben rund 200.000 Zuschauer die Vorstellungen besucht. Für 2006 sind neue Aufführungen geplant.
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