2003 UB313 (inoffiziell auch Xena) ist ein Objekt des Kuipergürtels (Kuiper Belt Object, KBO), das nur unwesentlich größer ist als Pluto und von der NASA und vielen Medien als „Zehnter Planet“ bezeichnet wird; jedoch wurde dieser Status bislang nicht von der IAU anerkannt. Es befindet sich momentan in einer Entfernung von 97 AE (14,6 Milliarden km) und bewegt sich auf einer stark exzentrischen und geneigten Bahn um die Sonne. 2003 UB313 zählt aufgrund seiner hohen Exzentrizität zu den gestreuten KBOs (Scattered disk objects, SDO).
Die Entdeckung sollte ursprünglich erst später, nach weiteren Beobachtungen, öffentlich gemacht werden. Nachdem aber bekannt wurde, dass die Ausrichtung eines der Teleskope, das die Entdecker zur Beobachtung von 2003 UB313 benutzt hatten, über eine öffentliche Internetseite abgefragt werden konnte, gingen die Forscher am 29. Juli 2005 vorzeitig an die Öffentlichkeit. Nur 19 Stunden zuvor hatten spanische Astronomen ihre Entdeckung von 2003 EL61 bekannt gemacht, das die Gruppe um Brown auch unabhängig davon im Jahr 2004 gefunden, aber bis dahin nicht veröffentlicht hatte. Am gleichen Tag publizierte Browns Gruppe auch die Entdeckung von 2005 FY9, so dass die Entdeckungen von drei großen Objekten des Kuipergürtels innerhalb nur eines Tages bekannt wurden.
Vor kurzem wurde ein etwa 60 mal kleinerer Begleiter des Kuipergürtelobjekts entdeckt, dessen Umlaufbahn nun vermessen wird. Anhand dieser Umlaufbahn erhoffen sich die Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse über die Masse von 2003 UB313.
Solange der Status, ob 2003 UB313 ein Planet oder ein Asteroid ist, nicht geklärt ist, wird dem Objekt kein endgültiger Name zugewiesen werden. Die nach Charakteren der Fernsehserie Xena gewählten Arbeitsbezeichnungen Xena für 2003 UB313 und Gabrielle für den Mond, die von der Entdecker-Arbeitsgruppe verwendet werden, sind nicht offiziell anerkannt.
Der provisorische Name 2003 UB313 folgt den Regeln zur Benennung von Asteroiden und besagt, dass es sich um den 7827ten Asteroiden handelt, der in der zweiten Oktoberhälfte 2003 entdeckt wurde. (Das „U“ steht für die zweite Oktoberhälfte und die 313 besagt, dass das Alphabet ohne „I“ 313mal durchlaufen wurde, für das „B“ wird 2 hinzuaddiert. Also 2 + 313×25 = 7827.)
Wie bereits Quaoar und Sedna wird auch 2003 UB313 in den Medien als zehnter Planet betitelt. Auch ihre Entdecker und die NASA bezeichnen ihn als solchen. Eine solche Einordnung erscheint plausibel, da 2003 UB313 größer ist als Pluto und andere Kriterien wie Exzentrizität oder die Bedingung, dass ein Planet eine größere Masse als alle anderen Objekte in seinem Orbit zusammen haben muss, bereits bei diesem ausgesetzt wurden. Allerdings tendieren viele Astronomen schon seit Ende der 1990er dazu, selbst Pluto nicht mehr zu den Planeten zu zählen, sondern bezeichneten ihn als das bis dahin größte transneptunische Objekt.
Die Entdeckung von 2003 UB313 entfachte von neuem die Debatte, anhand welcher Merkmale Himmelskörper als Planet gezählt werden. Nach den oben genannten Kriterien wären weder Pluto noch 2003 UB313 Planeten, andererseits könnte man diese auch fallen lassen und beide als solche zählen. Andere schlagen vor, aus historischen Gründen nur Pluto als Planet zu zählen.
Die IAU erkennt 2003 UB313 bisher nicht den Status eines Planeten zu. Darüber entscheidet sie erst auf ihrer nächsten Vollversammlung im August 2006. Anschließend will sie im September eine Definition für Planeten veröffentlichen.
Um die Größe eines Objekts aus der scheinbaren Helligkeit zu bestimmen, müssen sowohl seine Entfernung als auch seine Albedo bekannt sein. Ist dies der Fall, so lässt sich seine Größe berechnen, wobei eine geringere Albedo eine höhere Größe bedeutet.
Jedoch würde 2003 UB313 selbst bei einer maximalen Albedo von 1, also wenn es sämtliches Licht reflektieren würde, nach Browns Berechnungen noch mindestens genauso groß wie Pluto sein. In ersten Meldungen hieß es, sein Durchmesser würde unter 3200 km liegen, da das Spitzer-Weltraumteleskop nicht in der Lage war, es aufzufinden – inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass das Teleskop durch einen Bedienungsfehler nicht auf das Objekt ausgerichtet war. Nach Angaben von Mike Brown wurden die für Ende August 2005 angekündigten neuen Beobachtungen mit dem Spitzer-Weltraumteleskop durchgeführt. Deren Daten werden derzeit analysiert.
Die erste zuverlässige Messung der Größe gelang Anfang 2005 Radioastronomen des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn. Mit Hilfe des IRAM-Radioteleskops am Pico Veleta in Südspanien konnten sie die Wärmestrahlung von 2003 UB313 messen. In Kombination mit optischen Beobachtungen wurde das Albedo zu 0,60 ± 0,11 und daraus der Durchmesser mit 3000 ± 320 Kilometer bestimmt.
Dem Entdeckerteam wurde Beobachtungszeit am Hubble-Weltraumteleskop zugesprochen. Obwohl dieses bei einem Winkeldurchmesser von nur 0,035 Bogensekunden bereits an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stößt, konnte das Team von Brown mit speziellen Bildverarbeitungstechniken (Dekonvolution) in der derzeit genaueste Messung die Größe von 2003 UB313 auf 2400 ± 100 Kilometer bestimmen. Damit ist 2003 UB313 kleiner als vorhergehende Messungen vermuten ließen, aber dennoch etwas größer als Pluto. Die Albedo von 2003 UB313 wurde zu 0,85 ± 0,07 bestimmt. *
Eine weitere Besonderheit ist, dass die Bahn von 2003 UB313 um 44° gegenüber der Ekliptik geneigt ist, was für einen Körper dieser Größe recht ungewöhnlich ist und auch wahrscheinlich die Erklärung für seine späte Entdeckung ist. Die meisten Suchprogramme für KBOs oder andere Asteroiden beschränken sich auf Positionen in der ungefähren Umgebung der Ekliptik, da dort auch der Großteil der Materie des Sonnensystems konzentriert liegt. Möglicherweise wurde es durch den gravitativen Einfluss Neptuns in diese Bahn „geschleudert“.
2003 UB313 wäre außerdem groß genug, um ähnlich wie Pluto eine sehr dünne Atmosphäre aus Stickstoff, Methan oder Kohlenmonoxid zu halten. Diese würde periodisch mit der Umlaufdauer und damit dem Absinken der Oberflächentemperatur auf der Oberfläche resublimieren und beim erneuten Ansteigen der Temperatur wieder sublimieren und eine neue Atmosphäre bilden. Da 2003 UB313 sich derzeit sehr nahe seines Aphels aufhält, wäre diese momentan jedoch nicht vorhanden.
Die Oberflächentemperatur von 2003 UB313 wird auf 30 K (etwa -242 °C) geschätzt. Er ist damit noch einmal deutlich kälter als Pluto. Dies verdankt er vor allem seiner größeren Entfernung zur Sonne, da er aufgrund seiner (im Vergleich zu geologisch aktiven Planeten wie der Erde) geringen Größe und seiner Entstehung am äußeren Rand des Sonnensystems kaum nennenswerte innere Energiequellen besitzen kann. Auch die Gezeitenwärme des Mondes könnte geringen Einfluss auf die Temperatur nehmen, sollte dieser eine ausreichende Masse besitzen.
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