| 1974 | |
|---|---|
| Nixon-depart.png Richard Nixon tritt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zurück | Schmidt.JPG Helmut Schmidt wird neuer deutscher Bundeskanzler |
| Xian guerreros terracota general.JPG In der Nähe von Xi'an wird die Terrakottaarmee entdeckt | |
| Jahreswidmungen | |
| Vereinte Nationen: „Weltbevölkerungsjahr“ | |
| Vogel des Jahres (Deutschland): Mehlschwalbe | |
| 1974 in anderen Kalendern | |
| Chinesischer Kalender | Jahr des Holz-Tigers 甲寅 |
| Islamischer Kalender | 1394 |
| Japanischer Kalender | 昭和 Shōwa 49 |
| Jüdischer Kalender | 5734/35 |
| Malayalam-Kalender | 1149/50 |
Das Jahr 1974 war vor allem durch die Nachwirkungen der Ölkrise des Jahres 1973 beeinflusst. In diesem Jahr trat zudem der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Nixon, aufgrund der Watergate-Affäre zurück.
Im Nahen Osten wurde der von Ägypten und Syrien begonnene Jom-Kippur-Krieg durch den Einmarsch amerikanischer Truppen entschärft. Die israelische Regierungschefin Golda Meïr musste wegen der hohen israelischen Verluste im April 1974 zurücktreten. Im Norden Zyperns begann mit dem Einmarsch und der Besetzung durch türkische Truppen der Zypern-Krieg, in Portugal kam es zur so genannten Nelkenrevolution. Auch in Deutschland gab es durch den Rücktritt Willy Brandts aufgrund der Spionageaffäre um seinen persönlichen Referenten Günter Guillaume einen Regierungswechsel.
Sportlich wurde das Jahr vor allem durch die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der die deutsche Nationalelf den Titel holte sowie den Boxkampf zwischen Muhammed Ali und George Foreman in Zaire („Rumble in the Jungle“) dominiert.
| Politik | |
|---|---|
| 1. Januar | Schweiz: Ernst Brugger wird Bundespräsident. |
| 2. Januar | Spanien: Carlos Arias Navarro wird als Ministerpräsident vereidigt. |
| 18. Januar | Abkommen über eine Truppenentflechtung Ägyptens und Israels. |
| 25. Januar | UN-Truppen rücken in die von den Israelis frei gemachten Stellungen am Sueskanal ein. |
| 31. Januar | Überfälle von Mitgliedern der PFLP auf die japanische Botschaft in Kuwait und der JRA auf eine Shell-Anlage in Singapur. |
| 7. Februar | Grenada erhält seine Unabhängigkeit von Großbritannien. |
| 8. Februar | In Obervolta ereignet sich ein Militärputsch. |
| 20. Februar | Der Deutsche Bundestag ratifiziert den Atomwaffensperrvertrag |
| 21. Februar | Jugoslawien: Eine neue Verfassung wird erlassen. Tito wird zum Präsidenten auf Lebenszeit bestimmt. |
| 28. Februar | Großbritannien und Nordirland: Keine Mehrheit bei den Parlamentswahlen, Neuwahlen am 10. Oktober |
| 2. März | In Spanien wird das letzte Mal eine Hinrichtung durchgeführt. Getötet werden der Anarchist Puig Antich und der deutsche Flüchtling Georg Michael Welzel. |
| 7. März | Einigung über die Einrichtung ständiger Vertretungen in Bonn und Ostberlin |
| 14. März | Der stellvertretende Außenminister der DDR, Kurt Nier, und der bundesdeutsche Staatssekretär Günter Gaus unterzeichnen in Bonn das Protokoll über die Errichtung „Ständiger Vertretungen“. |
| 22. März | Bundesrepublik Deutschland: Der Bundestag beschließt, das Alter für Volljährigkeit von 21 auf 18 zu senken. |
| 1. April | Burma: Eine neue Verfassung tritt in Kraft. |
| 2. April | Die Republik Niger wird Mitglied in der UMOA (Westafrikanische Währungsunion) und der BOAD (Westafrikanische Entwicklungsbank). |
| 11. April | Israel: Golda Meïr tritt als Premierministerin zurück, ihr Nachfolger wird Jitzchak Rabin. |
| 16. April | Niger: Präsident Hamani Diori wird durch einen Armeeputsch gestürzt. |
| 24. April | Südafrika: Wahlen, die National Party behält ihre absolute Mehrheit. |
| 25. April | Portugal: Sturz der Diktatur durch die „Nelkenrevolution“. Die Militärjunta „Bewegung der Streitkräfte“ übernimmt die Macht. |
| 30. April | Hinrichtung der 22-jährigen Leyla Kassim und vier weiterer Studenten nach schweren Folterungen wegen „Begünstigung und Gutheißung der separatistischen Bestrebungen“ in Südkurdistan |
| 6. Mai | Bundesrepublik Deutschland: Willy Brandt tritt als Bundeskanzler wegen der Spionage-Affäre um Günter Guillaume zurück. |
| 15. Mai | Bundesrepublik Deutschland: Walter Scheel wird zum deutschen Bundespräsidenten gewählt. |
| 16. Mai | Bundesrepublik Deutschland: Helmut Schmidt wird vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt. |
| 18. Mai | Indien führt den ersten Atomwaffentest durch („Smiling Buddha“). |
| 19. Mai | In Frankreich wird Valery Giscard d'Estaing (50,8 %) vor François Mitterrand (49,1 %) zum Staatspräsidenten gewählt. |
| 21. Mai | Die Regierung unter Sanya Thammasak in Thailand tritt zurück. |
| 26. Mai | Die Volksrepublik China kündigt öffentlich ein Militärhilfe-Abkommen mit den Roten Khmer an. |
| 2. Juni | Bhutan: Jigme Singye Wangchuk wird zum König gekrönt. |
| 8. Juni | Der Palästinensische Nationalrat (PNC) veröffentlicht auf seiner 12. Sitzung ein 10-Punkte-Programm. |
| 11. Juni | Nach einem dreitägigen Streik im öffentlichen Dienst beschließt der Bundestag eine ab dem 1. Januar rückwirkende Erhöhung der Beamten- und Angestelltengehälter um 11%. |
| 23. Juni | Österreich: Rudolf Kirchschläger wird zum Bundespräsidenten gewählt. |
| 29. Juni | Argentinien: Isabel Martínez de Perón wird als Staatspräsidentin vereidigt. |
| 1. Juli | EG: Frankreich übernimmt den Vorsitz im Rat der Europäischen Gemeinschaften. |
| 15. Juli | Zypern: Putsch griechischer Generäle. |
| 17. Juli | Portugal: Oberst Vasco dos Santos Gonçalves wird Ministerpräsident. Die „Bewegung der Streitkräfte“ schlägt einen radikal sozialistischen Kurs ein und gerät damit in Gegensatz zu Spínola. |
| 20. Juli | Türkische Invasion in Zypern. Beginn des Zypern-Kriegs. |
| 23. Juli | Zusammenbruch der Griechischen Militärdiktatur. |
| 27. Juli | In Washington D.C. beginnt das Impeachment-Verfahren gegen den amtierenden US-Präsidenten Richard Nixon wegen „Behinderung der Justiz“. |
| 30. Juli | Rhodesien: Wahlen, Sieg der weißen Minderheitspartei Rhodesian Front |
| 9. August | USA: US-Präsident Richard Nixon tritt im Rahmen der Watergate-Affäre zurück. |
| 15. August | Südkorea: Präsident Park Chung-hee entgeht bei einer öffentlichen Rede knapp einem Attentat. |
| 21. August | Die Genfer Abrüstungskonferenz wird auf 31 Teilnehmerländer erweitert. Aufgenommen werden zum 1. Januar 1975 die Bundesrepublik Deutschland, die DDR, Peru, Zaire und der Iran. |
| 4. September | Aufnahme diplomatischer Beziehungen USA-DDR. |
| 10. September | Die Unabhängigkeit von Guinea-Bissau wird von Portugal anerkannt. |
| 11. September | Portugal wird wieder Mitglied in der UNESCO. |
| 12. September | Äthiopien: Kaiser Haile Selassie I. wird durch das Militär abgesetzt. |
| 13. September | Mitglieder der Japanischen Roten Armee überfallen die französische Botschaft in Den Haag. |
| 17. September | Grenada, Guinea-Bissau und Bangladesch werden Mitglieder der Vereinten Nationen. |
| 30. September | Portugal: Staatspräsident de Spínola tritt zurück. Sein Nachfolger wird General Francisco da Costa Gómes. |
| 3. Oktober | Der italienische Ministerpräsident Mariano Rumor erklärt seinen Rücktritt. |
| 10. Oktober | Die Labour Party gewinnt die Neuwahlen in Großbritannien, Harold Wilson wird Premierminister. |
| 18. Oktober | Die Demokratische Volksrepublik Korea wird Mitglied in der UNESCO. |
| 19. Oktober | Unabhängigkeit von Niue, in freier Assoziierung mit Neuseeland |
| 1. November | Guinea-Bissau wird Mitglied in der UNESCO. |
| 12. November | San Marino wird Mitglied in der UNESCO. |
| 13. November | PLO-Anführer Yassir Arafat hält seine erste Ansprache vor der UNO-Vollversammlung. |
| 14. – 16. November | Welternährungskonferenz in Rom. |
| 17. November | Griechenland: Erste freie Wahlen nach der Militärdiktatur, Sieg der Nea Dimokratia unter Konstantinos Karamanlis. |
| 25. November | Schusswechsel an der Grenze zwischen Mali und Burkina Faso |
| 26. November | Japan: Premierminister Tanaka Kakuei erklärt nach einem Immobilienskandal seinen Rücktritt. |
| 9. Dezember | Japan: Miki Takeo wird Premierminister. |
| 13. Dezember | Die unabhängige Republik Malta wird ausgerufen. |
| 19. Dezember | Cearbhall Ó Dálaigh wird als fünfter Präsident Irlands vereidigt. |
| Die Schweiz ratifiziert die Europäische Menschenrechtskonvention. | |
| Erstmals in ihrer Geschichte verzeichnet die Bundesrepublik Deutschland eine sinkende Einwohnerzahl: am Jahresende werden 62 Millionen Einwohner gezählt, ein Rückgang um 110.000. | |
| Andauernde Ereignisse | |
| KSZE-Konferenz in Helsinki | |
| Vietnamkrieg | |
Die Versuche, der Inflation durch Handelsbeschränkungen und Zollsenkungen zu begegnen, führten zu einem verminderten Wirtschaftswachstum der Nationen und zu einer Unzufriedenheit der Bevölkerung, die sich in einigen Staaten durch mehrere Regierungswechsel und nationale Streiks bemerkbar machte. In Italien ließ sich gar keine Regierungsmehrheit finden, die Regierungsbildung wurde unmöglich, in Großbritannien mussten zwei Wahlen durchgeführt werden, um eine neue Regierung zu bilden.
In Portugal und Griechenland wurden Diktatoren gestürzt.
Die „Bewegung 2. Juni“, die zur West-Berliner Stadtguerilla gehörte, ermordete am 5. Juli in West-Berlin Ulrich Schmücker, eines ihrer ehemaligen Mitglieder. In einem Bekennerschreiben wurde Schmücker als „Verräter und Konterrevolutionär“ bezeichnet, der nach einem Todesurteil hingerichtet worden sei. Dieselbe Gruppe wurde verdächtigt, am 10. November ebenfalls in West-Berlin den Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann ermordet zu haben. Derweil traten mehrere RAF-Gefangene gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Dabei starb Holger Meins am 9. November. Am 29. November wurden Horst Mahler und Ulrike Meinhof wegen Mordversuchs bei der Befreiung von Andreas Baader zu 14 beziehungsweise 8 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Parallel dazu wurden in der DDR Erinnerungen an Gesamtdeutsches aus der Öffentlichkeit getilgt. So galt ab 1. Januar das neue Autokennzeichen „DDR“, bei der Einführung neuer Banknoten am 14. September wurde die alte Währungsbezeichnung „Mark der Deutschen Notenbank“ durch „Mark der DDR“ ersetzt. In einer am 17. September verabschiedeten Verfassungsänderung schließlich verabschiedete sich die DDR vom Begriff der deutschen Nation und dem Ziel der Wiedervereinigung. Aus der Verfassung der DDR wurden alle entsprechenden Passagen gestrichen. Die 1971 auf dem VIII. Parteitag der SED beschlossene Hauptaufgabe in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, die Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes auf der Grundlage einer starken wirtschaftlichen Entwicklung, wurde Bestandteil der Verfassung. Außerdem wurde der Staatsrat der DDR zugunsten von Volkskammer und Ministerrat deutlich abgewertet.
Obwohl Valéry Giscard d’Estaing beim Volk beliebt war, sah er sich im Laufe des Jahres 1974 mit Streiks und Demonstrationen wegen der Wirtschaftslage Frankreichs und gegen seine Politik konfrontiert. Er hatte bei der Wahl versprochen, die soziale Kluft mit Hilfe von Schul- und Steuerreformen zu schließen. Als er allerdings im Dezember des Jahres der Wirtschaftskrise mit Kürzungen staatlicher Subventionen, Zuschüssen und Steuererhöhungen zu begegnen suchte, wurde ihm mit weitreichenden Streiks geantwortet.
António de Spínola trat im September 1974 nach Streitigkeiten mit dem linken Flügel der neuen Regierung von seinem Amt als provisorischer Staatschef zurück und führte von nun an die konservative Opposition an. Sein Nachfolger wurde Francisco da Costa Gomes.
In Nordirland rief das Ulster Workers Council am 15. Mai zum Generalstreik auf. Grund des Protestes war das Sunningdale Agreement, ein Versuch, durch die Machtteilung zwischen Unionisten und Nationalisten den Nordirlandkonflikt zu lösen. Nach zwei Wochen Barrikadenkämpfen gab Brian Faulkner am 28. Mai als Regierungschef auf. Damit waren sowohl der Streik als auch das Agreement beendet.
Konstantinos Karamanlis, bereits mehrfach griechischer Premierminister zwischen 1955 und 1963, kehrte daraufhin mit Unterstützung des französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing aus seinem Pariser Exil zurück und übernahm die Regierungsgewalt. Auf Grund der prekären Lage war er gezwungen, auf einer Yacht im Hafen zu wohnen, die von einem Zerstörer bewacht wurde. Er entfernte Kollaborateure der Diktatur aus der Verwaltung und entspannte das Verhältnis zur Türkei. Weiterhin legalisierte er die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), ließ die Gründung der Panellínio Sossialistikó Kínima (PASOK) am 3. September zu und gründete die Nea Dimokratia (ND). Bei den ersten freien Wahlen am 17. November wurde mit dem Sieg der ND die Regierung von Karamanlis legitimiert. Eine Volksabstimmung ergab, dass die im Vorjahr von den Obristen abgeschaffte Monarchie nicht wieder eingeführt wurde.
Die Türkei, neben Griechenland und Großbritannien Schutzmacht der Insel, reagierte, nachdem Großbritannien neutral blieb, mit einer Militärinvasion am 20. Juli und besetzte den Nordteil der Insel. Der drohende Krieg mit der Türkei führte zu politischem Chaos in Griechenland. Am 23. Juli brach die Diktatur mit dem Rücktritt der Obristen zusammen.
Am 25. Juli begannen Friedensgespräche in Genf zwischen den drei Schutzmächten. Die Türkei stoppte ihren Vormarsch. Am 8. August folgte eine zweite Gesprächsrunde, diesmal unter Beteiligung der griechischen und türkischen Zyprioten, doch die Gespräche endeten am 14. August ergebnislos. Es kam zu erneuten Kampfhandlungen, die in einem weiteren Waffenstillstand am 16. August endeten. Die türkischen Truppen kontrollieren zu diesem Zeitpunkt 34 % der Insel. Die UNO errichteten daraufhin auf der Demarkationslinie eine „Grüne Zone“, die bis heute (2006) die Grenze zwischen dem türkischem und dem griechischem Teil der Insel bildet.
200.000 Zyperngriechen wurden durch den Konflikt gezwungen, aus dem türkisch besetzten Teil zu fliehen, während 50.000 Zyperntürken aus dem Süden vertrieben wurden.
Durch die Watergate-Affäre erreichten die Demokraten im gleichen Jahr deutliche Siege bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus (+49 Sitze) und zum Senat (+3 Sitze). Im Repräsentantenhaus stellten sie damit knapp über zwei Drittel der Abgeordneten.
Ebenfalls in diesem Jahr zog die USA die letzten Soldaten aus Vietnam ab und kürzte die Militärhilfe für das Regime in Südvietnam. Diese Maßnahmen führten ein Jahr später zum Zusammenbruch des Regimes.
In den Städten herrschte eine Arbeitslosigkeit von ca. 40%. Die Oberschicht schaffte allmählich ihren Besitz außer Landes. 240.000 Deserteure kehrten 1974 der ARVN den Rücken. Dagegen gelang es den Kommunisten im Süden, die noch ca. 25% des Landes kontrollierten, mit Unterstützung aus Hanoi, eine strategische wie ökonomische Stabilität zu erzielen. Die zahlreichen Konflikte um die Einhaltung des Waffenstillstands und die Respektierung des „Nationalen Rates“ konnten ihre Position nicht erschüttern. Auch nach dem Pariser Abkommen warfen die USA zwar insgesamt 250.000 Tonnen Sprengstoff über Kambodscha ab, derer Kongress, der seine außenpolitischen Kompetenzen zu Lasten des Weißen Hauses neu definierte, verweigerte jedoch weitere Angriffe auf Südvietnam. Im darauf folgenden Jahr schließlich entschloss sich die Führung in Hanoi, eine Entscheidung herbeizuführen. Im März 1975 überschritten die Nordvietnamesen die Grenze. Die numerisch und materiell überlegene ARVN fiel quasi in sich zusammen. Ende des Monats gingen Hue und Đà Nẵng in kommunistische Herrschaft über. Damit war der Vietnamkrieg beendet.
Am 25. November verstarb Sithu U Thant, bis 1971 Generalsekretär der Vereinten Nationen, in New York, (NY). Sein Leichnam wurde in seine Heimat Burma nach Rangun überführt, doch dort verweigerte ihm Ne Win ein ehrenhaftes Begräbnis. U Thant gehörte der demokratischen Regierung an, die Ne Win bei seinem Staatsstreich 1962 beseitigt hatte. Am 5. Dezember entführten Studenten den Leichnam kurz vor der offiziellen Beerdigung, begruben ihn auf dem Gelände der 1962 zerstörten Studentenunion der Universität Rangun (RUSU) und errichteten ihm ein Mausoleum. Am 11. Dezember wurde das Gelände vom burmesischen Militär gestürmt. Dabei wurden einige Studenten getötet. Der Leichnam wurde entfernt und am Fuß der Shwedagon-Pagode beerdigt. Diese Aktion führte zu Straßenprotesten in Rangun. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand.
Im Oktober 1974 wies das Magazin Bungei Shunju Tanaka Kakuei zudem zahlreiche fragwürdige Immobiliengeschäfte aus den 1960er Jahren nach. Unter anderem hatte er eine Geisha dafür bezahlt, Geschäfte für ihn abzuschließen. Seine Rivalen innerhalb der Liberaldemokratischen Partei (LDP) nutzten die Gelegenheit, ihn einer öffentlichen Anhörung im Parlament auszusetzen. Er trat am 26. November zurück, um zu verhindern, dass die Geschäftsführerin der Etsuzankai (seiner Unterstützungsorganisation), mit der er ein Verhältnis hatte, vor dem Parlament aussagen musste. Neuer Premierminister wurde Miki Takeo, ebenfalls von der LDP, dem das Amt im Konsens der Regierungsmitglieder übertragen wurde.
Im letzten Monat seiner Regierungszeit empfing Tanaka Kakuei den US-Präsidenten Gerald Ford, der als erster Präsident der USA das Land besuchte. Die Gespräche in Tokio dienten vor allem dazu, die wirtschaftlichen Beziehungen der USA mit Japan zu verbessern. Überschattet wurden diese von den Affären um Tanaka Kukuei wie auch von einem Skandal um amerikanische Atomwaffentransporte: Admiral Gene LaRoque erklärte im Vorfeld vor dem US-Kongress, dass amerikanischen Schiffe, die Atomwaffen transportierten, in japanischen Häfen eingelaufen waren, ohne die Regierung Japans darüber zu informieren. Gegenüber Japan stellte die US-Regierung klar, dass dies nur die inoffiziellen Ansichten eines Militärs seien. Ein nachdrückliches Dementi erfolgte allerdings nicht.
Die Ostasiatische Antijapanische Bewaffnete Front verübte am 30. August einen Bombenanschlag auf die Firmenzentrale von Mitsubishi Heavy Industries.
Die portugiesische Kolonie Macao erlangte nach der Nelkenrevolution die Unabhängigkeit. Die Volksrepublik wollte jedoch die Administration nicht übernehmen. Deswegen wurde Macao zu »chinesischem Territorium unter portugiesischer Verwaltung« .
Die starke israelische Gegenwehr im Jom-Kippur-Krieg machte der Palästinenserbewegung klar, dass es den arabischen Staaten nicht gelingen würde, Israel militärisch zu besiegen. Stattdessen wurde ein Drei-Phasen-Plan entwickelt. Im bewaffneten Kampf sollte israelisches Territorium Schritt für Schritt erobert und auf den „befreiten“ Gebieten ein Staat als Basis für weitere Kämpfe errichtet werden, um dann einen finalen Entscheidungskrieg zu provozieren. Das Zehn-Punkte-Programm , das am 9. Juni auf dem 12. palästinensischen Nationalrat in Kairo erstellt worden ist, enthält diese Ziele.(en:Political Programme of the 12th Palestine National Council).
Gleichzeitig erreichte die PLO die internationale politische Anerkennung. Auf einer Konferenz arabischer Staatsoberhäupter im Oktober in Rabat wird die Organisation als alleinige Vertretung der Palästinenser anerkannt. Der Durchbruch gelingt einen Monat später bei den Vereinten Nationen. Am 13. November hielt Yassir Arafat eine Rede vor der UNO-Vollversammlung (en:Yasser Arafat's 1974 UN General Assembly speech).
Am 22. November nahm die UNO-Vollversammlung Resolution 3236 (en:UN General Assembly Resolution 3236) an, die das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung und Eigenstaatlichkeit prinzipiell anerkennt. Die PLO wurde von der UNO als Vertreter des palästinensischen Volks anerkannt und erhielt Beobachterstatus.
Zahlreiche palästinensische Hardliner waren mit diesem Kurs nicht einverstanden und spalteten sich von der PLO ab, darunter der Fatah-Revolutionsrat.
1974 brachen im Irak erneut Kämpfe zwischen der Zentralregierung und den Kurden aus. Das Nachbarland Iran unterstütze die Kurden, weshalb es zwischen beiden Ländern zu massiven Spannungen kam, die im Sommer 1974 sogar kurzzeitig in militärische Auseinandersetzungen an der gemeinsamen Grenze gipfelten.
Der Prozess der Entkolonisierung Afrikas war 1974 längst noch nicht abgeschlossen. Zahlreiche Staaten standen noch unter kolonialer Herrschaft, etwa Namibia. Einige befanden sich zu Anfang des Jahres noch im Unabhängigkeitskrieg, darunter Mosambik und Simbabwe. Einen Schub für die Entkolonisierung brachte die Nelkenrevolution, die in diesem Jahr die Unabhängigkeit für die portugiesischen Kolonien beschloss.
Andere afrikanische Staaten wurden von Diktatoren beherrscht, die den Kolonialmächten nachgefolgt waren und teilweise demokratische Regierungen aus dem Amt geputscht hatten, darunter Uganda unter Idi Amin, Zaire unter Mobuto und Äquatorialguinea unter Francisco Macías Nguema.
Das Militär bemächtigte sich schnell der Revolution, die studentische Bewegung spaltete sich in eine ethnische und eine sozialistische Opposition, ging teilweise in den Untergrund und führte einen bewaffneten Widerstand. Innerhalb des Militärs konnten sich die gemäßigten Vertreter, größtenteils höhere Dienstgrade, nicht durchsetzen. Ein provisorischer Militärverwaltungsrat (amharisch: Derg) übernahm, unter Führung von Major Mengistu Haile Mariam, die Macht. 1975 wurde die Monarchie abgeschafft und das ehemalige Kaiserreich eine sozialistische Volksrepublik.
| Wirtschaft | |
|---|---|
| 1. Januar | Die Bundesrepublik Deutschland hebt die Preisbindung für Markenartikel auf. |
| 19. Januar | Frankreich tritt aus dem europäischen Wechselkurssystem aus. |
| 18. März | Ölkrise: Die meisten OPEC-Nationen beenden das fünfmonatige Öl-Embargo gegen die USA, Japan, die Bundesrepublik und andere europäische Staaten. |
| 26. Juni | Die Herstatt-Bank Köln wird geschlossen. |
| 5. Juli | Deutschland schließt Investitionsschutz und -förderungsabkommen mit Ägypten |
| 16. Juli | In Hessen geht das Kernkraftwerk Biblis, der damals größte Kernreaktor der Welt, ans Netz. |
| 17. Juli | Der Iran erwirbt 25,04% des Grundkapitals der Bochumer Tochtergesellschaft Krupp Hüttenwerke AG. |
| 14. September | Die Staatsbank der DDR ersetzt ihre Banknoten. Die „Mark der Deutschen Notenbank“ wird in „Mark der DDR“ umbenannt. |
| 8. Oktober | US-Präsident Gerald Ford hält unter dem Slogan „Whip inflation now“ eine Rede vor dem Kongress. |
| 20. November | Das US-Justizministerium eröffnet das Kartellverfahren gegen AT&T. |
| 2. Dezember | Ein größeres Aktienpaket der Stuttgarter Daimler-Benz AG wird vom Emirat Kuwait gekauft. |
Mit dem Embargo wurde der Ölboom der vorangegangenen Jahrzehnte, mit Wachstumsraten der Förderung über 7%, abrupt beendet. Schon 1973 war der Ölpreis um ca.70 % erhöht worden. Im Verlauf des Jahres 1974 stieg der Weltölpreis auf über zwölf Dollar.
Vorrangig zielten diese Maßnahmen auf Israel und seine Unterstützer im Jom-Kippur-Krieg. Vorbehalte der erdölfördernden Länder, vor allem gegen die USA, gab es bereits seit 1971, als Richard Nixon die Bindung des US-Dollars an den Goldstandard aufhob. Die folgende Abwertung des Dollars führte zu einem sinkenden Ölpreis, und die rohstoffreichen Länder sahen nunmehr den Wert ihrer Ressourcen in Gefahr.
Die Ölkrise von 1973/74 demonstrierte die Störanfälligkeit moderner Industriestaaten gegenüber einer Vielzahl von Einflussfaktoren sowie deren Abhängigkeit von fossiler Energie.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde als direkte Reaktion auf die Krise an vier Sonntagen im November und Dezember 1973 ein Fahrverbot verhängt (Sonntagsfahrverbot). Darüber hinaus wurden neue Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt. Diese Politik hatte zwar kaum einen wirtschaftlichen Effekt, gab der Bevölkerung aber das Gefühl, aktiv etwas zur Bewältigung der Krise beitragen zu können. Deutschland musste 1974 für seine Ölimporte rund 17 Milliarden DM mehr bezahlen als im Jahr zuvor (Ölpreisschock). Dies hatte eine Konjunkturkrise zur Folge. Jedoch stieg die Inflationsrate, anders als in anderen Nationen, nur geringfügig auf sieben Prozent. Die Ölkrise markierte damit das Ende des Wirtschaftswunders. In der Folge traten bisher weitgehend unbekannte Erscheinungen auf, etwa Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, steigende Sozialausgaben, verstärkte Inflation (besser: Stagflation), steigende Staatsverschuldung, Rationalisierung, Streiks, Unternehmenspleiten.
Aufgrund der Ölkrise wurden Initiativen ergriffen, die eine größere Unabhängigkeit vom Öl zum Ziel hatten. So rückten etwa alternative Treibstoffe wie Pflanzenöl und Biodiesel ins öffentliche Interesse. Es wurde vermehrt in Kernenergie, regenerative Energiequellen, die Wärmedämmung von Gebäuden und in die Effizienzsteigerung von Motoren und Heizgeräten investiert. Auch mit dem Abklingen der Ölkrise blieb ein gestiegenes Bewusstsein zum energiesparenden Verhalten in der Bevölkerung erhalten. Zudem wurde der Anteil des aus OPEC-Staaten bezogenen Öls durch Erschließung unterseeischer Ölfelder in der Nordsee sowie eine Diversifikation der Handelspartner gesenkt.
Zum Ausgleich der Preissteigerungen wurde in einigen Industrieländern durch die Zentralbanken vermehrt Geld in Umlauf gebracht. Dieses führte jedoch, wie nach der Quantitätstheorie zu erwarten ist, zu einer erhöhten Inflationsrate in den folgenden Jahren, die erst durch eine rigidere Finanz- und Geldpolitik während der 1980er beendet werden konnte.
| Kultur | |
|---|---|
| Grammy Awards 1974 | |
| China: Entdeckung der Terrakottaarmee in der Nähe von Xi'an. | |
| Eröffnung des Zirkusmuseums in Preetz. | |
| Auf der Berlinale wird zum ersten Mal ein sowjetischer Film gezeigt. Den Goldenen Bären gewinnt der Film Duddy will hoch hinaus von Ted Kotcheff (Kanada). | |
| 5. Januar | Die erste Auflage des Fantasy-Rollenspiels Dungeons & Dragons erscheint. |
| 13. Februar | Der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn wird aus der Sowjetunion ausgewiesen und nach Frankfurt am Main ausgeflogen. |
| 16. Februar | Die Oper Einstein von Paul Dessau wird an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt. |
| 28. Februar | Im New Yorker Museum of Modern Art wird Pablo Picassos berühmtes Werk „Guernica“ mit einem Text besprüht. |
| 4. März | Das Römisch-Germanische Museum in Köln wird eröffnet. |
| 5. März | Der Film „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder hat Premiere. Er handelt von der Liebe zwischen einer 60jährigen Putzfrau und einem jungen Marokkaner, die am gesellschaftlichen Umfeld scheitert. |
| 6. April | ABBA gewinnen mit dem Titel Waterloo den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson. |
| 10. Oktober | Das erste Volkskonzert von Mikis Theodorakis findet nach dem Sturz der griechisches Militärjunta vor mehreren zehntausend begeisterten Menschen im Karaiskakis-Stadion in Athen statt. |
| 29. November | Die Band Yes veröffentlicht das Album Relayer. |
| Academy Awards | |
| Bester Film | Der Clou von George Roy Hill |
| Bester Hauptdarsteller | Jack Lemmon in Save the Tiger |
| Beste Hauptdarstellerin | Glenda Jackson in A Touch of Class |
| Bester Regisseur | George Roy Hill für Der Clou |
Die Gegenbewegung zum Glam Rock war der Progressive Rock oder Art Rock. Die zu dieser Richtung gezählte Band Genesis veröffentlichte das Album The Lamb Lies Down On Broadway, bevor Peter Gabriel noch im selben Jahr die Band verließ.
Der Disco-Sound bildete 1974 den Mainstream. Die ersten Hits waren Rock Your Baby von George McCrae, 1974 die meist verkaufte Single in Deutschland, Kung Fu Fighting von Carl Douglas, und Waterloo von ABBA, mit dem die schwedische Gruppe den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson gewann und ihren Siegeszug um die Welt begann.
Seasons in the Sun von Terry Jacks wurde derweil zum Abgesang auf die Flower-Power-Ära. Die Hippie-Zeit ging zu Ende.
Eine andere Jugendbewegung, der Punk, war dagegen gerade im Entstehen. Im Januar 1974 gründeten sich in New York die Ramones, und Patti Smith veröffentlichte ihre erste Single, Hey Joe, die als erste Punk-Rock-Single überhaupt angesehen wird.
Auch der deutsche Schlager war noch „in“, Michael Holm landete mit Tränen lügen nicht einen Hit, der sich vier Wochen lang an der Spitze der deutschen Charts hielt. Zum „Sommerhit“ des Jahres 1974 erklärte die westdeutsche Musikindustrie Vicky Leandros' Song „Theo, wir fahr'n nach Lodz“, der in gewissem Sinne den Kommentar des deutschen Schlagers zu Willy Brandts Ostpolitik darstellt.
In Paris begannen ORTF und ARD mit der Produktion des Sprachkurses Les Gammas! Les Gammas!, der als Beitrag des Fernsehens zum zwanzig Jahre vorher abgeschlossenen deutsch-französischen Kulturabkommen konzipiert war. Aufgrund ihrer unkonventionellen Machart wurde die Serie ein Überraschungserfolg und später in vielen Ländern Europas, Afrikas und Amerikas ausgestrahlt.
Das ZDF strahlte zwischen dem 31. Januar und dem 8. August erstmals die Animeserie Wickie und die starken Männer aus.
Auf der Straße war dagegen der Minirock weiterhin sehr beliebt, hinzu kam der Trend zum Minikleid und den Overalls in verschiedensten Formen. Allerdings setzte sich auch der längere Rock, dessen Saum unterhalb der Kniekehlen lag, in weiten Teilen der Damenwelt wieder durch. Auch Strickmode war wieder sehr im Kommen. In der Popkultur und im Farbfernsehen erreichten die „Schockfarben“ der Damenmode fast die Schmerzgrenze der Augen. Schlagersänger wie Rex Gildo und Jürgen Marcus machten es jedoch auch den Herren vor: Der Schlag der Hose wurde weiter, die Kragen der Hemden wuchsen zu wahren Segeln. Und die Krawatten der Herren erinnerten mehr und mehr an das Kinderlätzchen. Fast obligatorisch wurde die gefönte Dauerwelle. Sehr in Mode waren auch bis in die Backen reichende Koteletten.
Die letzten der Hippiebewegung experimentierte mit ethnischen Stilen, wie Kaftans mit afrikanischen Motiven, Maohemden oder Zottelmänteln und -jacken im Schafdesign. Es zeigten sich aber auch bereits die Richtungen auf, in denen sich die Mode den kommenden Musikstilen anzupassen suchte. Auf der einen Seite der Glam Rock mit seinem Glitter und die Discobewegung mit Hotpants, Plateauschuhen, knappen und immer durchsichtigeren Blusen, hautengen Einteilern (als Vorläufer der späteren Leggins) und dem gewagten Afrolook (zum Beispiel Paul Breitner). Auf der anderen Seite standen die dem Hardrock Zugeneigten, mit langen Haaren, Cowboystiefeln, Jeans, T-Shirt und Lederjacken.
Auch die alternative Szene prägte langsam ihren eigenen Stil mit Latzhose und Rollkragenpullover, aber auch dem Bundeswehrparka. Als Accessoires wurden Halstücher in allen Farben und Stilrichtungen getragen, seien es indische Halstücher oder das Palästinensertuch.
Unter dem Titel Carrie erschien der erste Roman von Stephen King.
Die Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward veröffentlichten All the President's Men, ihr Buch über die Watergate-Affäre.
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Auch die Taschenrechner wurden mit der Marktreife des ersten programmierbaren Modells, des HP-65 von Hewlett-Packard, zu kleinen Computern.
Die Sowjetunion startete in diesem Jahr gleich drei Missionen. Die Sojus 14 wurde am 3. Juli gestartet. Sie koppelte an die Saljut 3-Raumstation an, wo die Kosmonaten zwei Wochen blieben, bevor sie zur Erde zurückkehrten. Die Sojus 15 folgte am 26. August. Nach zwei Tagen wurde die Mission abgebrochen. Sojus 16, gestartet am 2. Dezember, diente der Vorbereitung des ersten gemeinsamen sowjetisch-amerikanischen Raumfahrtprogramms, des Apollo-Sojus-Projektes (17. Juli 1975).
Für die Europäer startete am 19. Dezember erstmalig eine Rakete ins All, die den ersten deutsch-französischen Nachrichtensatelliten Symphonie an Bord hatte. Der Start erfolgte von der amerikanischen Cape Canaveral Air Force Station. Der Satellit wurde in einer Höhe von 36.000 Kilometern in seine Umlaufbahn gebracht. Er sollte zwei Farbfernseh- und zwei Rundfunkprogramme sowie 600 Telefongespräche gleichzeitig übermitteln. Dabei durfte er allerdings dem amerikanischen Satelliten Intelsat keine Konkurrenz machen.
Am 22. Juli 1974 wurde auch das höchste bis heute errichtete Bauwerk der Welt, der 646 Meter hohe Sendemast Radio Warschau in Gabin-Konstantynów, Polen fertiggestellt, welcher allerdings am 8. August 1991 bei Wartungsarbeiten (Austausch von Pardunen) einstürzte.
| Naturkatastrophen | |
|---|---|
| 3. April | Der Super Outbreak, die längste Tornado-Serie der amerikanischen Geschichte, verwüstet 13 US-Staaten und eine kanadische Provinz. Bilanz der 148 Wirbelstürme: 315 Tote und über 5.000 Verletzte. |
| 11. Mai | Erdbeben in Sichuan u. Yünnan/Volksrepublik China, etwa 20.000 Tote. |
| 8. September | Hurrikan Carmen trifft auf die Südküste der USA. |
| 18. September | Der Wirbelsturm „Fifi“ zieht über Honduras, ca. 10.000 Tote. |
| 3. Oktober | Erdbeben in Peru, 83 Tote, 60.000 Obdachlose. |
| 28. Dezember | Erdbeben der Stärke 6,2 in Pakistan, ca. 5.300 Tote. |
| Unfälle | |
|---|---|
| 30. Januar | Absturz einer Boeing 707 der PanAm. |
| 1. Februar | Großbrand im Joelma Hochhaus in Sao Paulo, 189 Tote. |
| 3. März | Paris, Frankreich kurz nach dem Start von dem Flughafen Orly verunglückt eine McDonnell Douglas DC-10 der Turkish Airlines. 346 Tote. |
| 22. April | Tinga-Tinga, Bali, Indonesien. Eine Boeing 707 der PanAm prallte beim Landeanflug ca. 60 km nordwestlich vor dem Flughafen gegen einen Berg. Alle Personen starben. |
| 20. November | Nairobi, Kenia, ein Jumbo-Jet der Lufthansa verunglückt beim Start. 59 Tote, davon 30 Deutsche. |
| 1. Dezember | Absturz einer Boeing 727 der Northwest Orient Airlines. |
| 4. Dezember | Colombo, Sri Lanka. Absturz einer niederländischen Douglas DC-8. An Bord waren indonesische Moslems auf der Pilgerfahrt nach Mekka. Alle 191 Menschen an Bord starben. |
Sportlicher Höhepunkt des Jahres aus deutscher Sicht war die Fußball-Weltmeisterschaft, in der die Bundesrepublik nicht nur als Gastgeber fungierte, sondern auch den Weltmeistertitel errang. Denkwürdige Spiele waren dabei das Finale gegen die Niederlande (2:1), in dem mehrere umstrittene Schiedsrichterentscheidungen fielen, weiterhin das Zwischenrundenspiel Bundesrepublik Deutschland–Polen (1:0), das als „Wasserschlacht von Frankfurt“ in die Geschichte einging sowie die klaren Siege der Niederländer über die Mannschaften aus Argentinien und Brasilien. In der Vorrunde trafen zum einzigen Mal die Nationalmannschaften der DDR und der Bundesrepublik aufeinander. Durch ein Tor von Jürgen Sparwasser gewann die DDR das Spiel 1:0.
In der Bundesliga dominierte weiterhin der FC Bayern München, der zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister wurde und dem damit der erste Hattrick der Bundesligageschichte gelang. Im selben Jahr gewann der FC Bayern zudem den Europapokal der Landesmeister. Insgesamt sieben Spieler des FC Bayern gehörten darüber hinaus dem Weltmeister-Kader an.
In der DDR-Oberliga holte der 1. FC Magdeburg den Titel. Außerdem gewann der 1.FC Magdeburg als erste und einzige Mannschaft der DDR einen Titel im Fußball-Europapokal. Am 8. Mai besiegte der Verein im Stadion De Kuip in Rotterdam vor 5000 Zuschauern den AC Mailand mit einem 2:0 und gewann den Europapokal der Pokalsieger.
In Österreich holte in der Nationalliga der SK VÖEST Linz den Titel. Schweizer Meister wurde der FC Zürich.
Auch im Halbschwergewicht gab es einen Wechsel an der Spitze. Hier holte sich Bob Foster aus Albuquerque am 16. September 1973 den Weltmeistertitel und erkämpfte dann am 17. Juni 1974 gegen Jorge Ahumada ein Unentschieden. Durch einen Sieg über Ahumada am 1. Oktober bekam der Engländer John Conteh den Titel. Als weiterer Boxweltmeister ging am 7. September der aus Nicaragua stammende Alexis Arguello gegen den Mexikaner Ruben Olivares im Federgewicht hervor.
Nate Thurmond erzielte am 8. Oktober gegen die Atlanta Hawks das erste Quadruple Double der Geschichte der National Basketball Association (USA). Die NBA Finals gewinnen die Boston Celtics nach sieben Spielen gegen die Milwaukee Bucks mit MVP Kareem Abdul-Jabbar. In der ABA holen die New York Nets mit Julius Erving ihre erste Meisterschaft.
Die Radsportlegende Eddy Merckx gewann sowohl die Tour de France als auch den Giro d'Italia, beide Rennen zum fünften Mal, und holte zum dritten Mal Gold in der Straßen-Radweltmeisterschaft. Er wurde zum dritten Mal zum Weltsportler des Jahres gewählt.
Hartwig Steenken wurde auf der Stute Simona in Hickstead Weltmeister im Springreiten.
1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974年 | 1974 | ೧೯೭೪ | 1974년 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | พ.ศ. 2517 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974 | 1974年