article

Tausendundeine Nacht ( Hazār-o Yak Šab, alf laila wa-laila) ist eine Sammlung von morgenländischen Erzählungen und zugleich ein Klassiker der Weltliteratur. Typologisch handelt es sich um eine Rahmenerzählung mit Schachtelgeschichten.

Geschichtliche Herkunft


Diese Geschichten gehen im rund 2.000 Jahre alten Kernbestand auf ausschließlich mündlich überlieferte Erzählungen aus Indien und Persien zurück. Die ältesten erhaltenen Fragmente sind in arabischer Sprache verfasst und stammen aus dem 9. Jahrhundert. Sie basieren auf einem älteren Werk, dem persischen Buch Hazār Afsānah (Tausend Märchen).

Die älteste vollständig erhaltene Handschrift stammt aus dem 15. Jahrhundert und umfasst 282 Geschichten. Sie befindet sich seit 1701 im Besitz der französischen Nationalbibliothek (Bibliothèque nationale de France).

Inhalt


Schahryar, König einer ungenannten Insel "zwischen Indien und China", ist so schockiert von der Untreue seiner Frau, dass er sie töten lässt und seinem Wesir die Anweisung gibt, ihm fortan jede (in einigen Versionen: jede dritte) Nacht eine neue Frau zuzuführen, die jeweils danach ebenfalls umgebracht wird. Nach einiger Zeit will Scheherazade, die Tochter eines Wesirs, die Frau des Königs werden, um das Morden zu beenden. Um nicht umgebracht zu werden, beginnt sie, ihm Geschichten zu erzählen, die so spannend sind, dass er unbedingt die Fortsetzungen hören will und sie deshalb am Leben lässt. Nach tausend und einer Nacht hat sie ihm drei Kinder geboren und der König will sie längst nicht mehr ums Leben bringen.

Formbeschreibung


Die Geschichten unterscheiden sich stark; es gibt historische Erzählungen, Anekdoten, Liebesgeschichten, Tragödien, Komödien, Gedichte, Burlesken und religiöse Legenden. In manchen Geschichten spielen auch historisch belegte Personen eine Rolle, wie etwa der Kalif Harun ar-Raschid selbst. Oftmals sind die Geschichten in mehreren Ebenen miteinander verknüpft. Der Sprachstil ist oft sehr blumig (Reimprosa). Nach A. Gelber folgen die Geschichten keineswegs in bunter Reihenfolge, sondern sind nach einem wohldurchdachten Drama angeordnet.

Übersetzungs- und Wirkungsgeschichte


In Europa wird Tausendundeine Nacht häufig fälschlich gleichgesetzt mit Märchen für Kinder, was der Rolle des Originals als Geschichtensammlung für Erwachsene mit zum Teil sehr erotischen Geschichten in keiner Weise gerecht wird. Ursache für dieses Missverständnis ist vermutlich die erste europäische Übersetzung des französischen Orientalisten Antoine Galland, der die Geschichten 1707-1717 übersetzte, dabei aber alle religiösen und erotischen Komponenten aus dem Original tilgte, übrigens ähnlich wie die Gebrüder Grimm im Deutschland des 19. Jahrhunderts mit den überlieferten Volksmärchen verfuhren.

Galland fügte zudem seiner Übersetzung im arabischen Original nicht vorhandene Geschichten, z. B. Aladin und die Wunderlampe und Ali Baba und die 40 Räuber, hinzu, die er in Syrien von einem Märchenerzähler gehört hatte. Seine Veröffentlichung hatte eine unerwartet große Wirkung.

Die erste werkgetreue Übersetzung aus dem Originaltext, die diesen Titel verdient, stammt von dem Orientalisten Gustav Weil aus dem Jahr 1865. Eine weitere stammt von Richard Francis Burton, der die Geschichten in 17 Bänden unter dem Titel "Arabian Nights" veröffentlichte und damit im viktorianischen England einen Skandal auslöste.

Eine umfangreiche deutsche Übersetzung in sechs Bänden, die auf einer arabisch-indischen Ausgabe aus dem frühen 19. Jahrhundert beruhte, stammt von dem Tübinger Orientalisten Enno Littmann und erschien erstmals in den 1920er Jahren.

Seit Februar 2004 liegt von der Arabistin Claudia Ott eine erstmalige deutsche Übersetzung der ältesten erhaltenen Handschrift aus dem 14./15. Jahrhundert vor. Ott erreichte in jahrelanger Detailarbeit eine bis in die Klanggestalt und Metrik textgetreue Übertragung. Der Rezensent der Zeit hebt ihr "klares, lebhaftes Deutsch" hervor und dass sie auf "orientalisierende Ausschmückungen" verzichtet habe. Vom aufgesetzten europäischen Märchentonfall befreit, enthalten diese 282 Geschichten u.a. auch die volksnahe, unverblümte Erotik des Originals.

Einzelne Figuren aus "Tausendundeine Nacht"


Literatur


  • Tausendundeine Nacht, übersetzt von Claudia Ott, Beck 2004. 685 S. ISBN 3-40651-680-7
  • Tausendundeine Nacht, Ungekürzte Lesung der Ausgabe von C. Ott, 24 CDs, Hörbuch Verlag, Hamburg 2004. ISBN 3-89903-200-4
  • Die Erzählungen aus den Tausendundein Nächten, Vollständige deutsche Ausgabe in sechs Bänden. Nach dem arabischen Urtext der Calcuttaer Ausgabe aus dem Jahr 1839 übertragen von Enno Littmann. KOMET, ISBN 3-89836-308-2

Verfilmungen


Sekundärliteratur


  • Adolf Gelber: 1001 Nacht. Der Sinn der Erzählungen der Scheherazade, Wien 1917, M. Perles
  • Stefan Zweig: Das Drama in Tausendundeiner Nacht in Europäisches Erbe Frankfurt 1981, Fischer-Verlag
  • Abdelfattah Kilito: Welches ist das Buch der Araber? in Islam, Demokratie, Moderne, München 1998, C. H. Beck

Sonstiges


Die Nomenklatur der Topographie des Saturnmondes Enceladus wird nach Orten und Gestalten aus den Geschichten von Tausenduneiner Nacht benannt.

Siehe auch


Fliegender Teppich, Morgenland, mündliche Erzählkultur, Kin Ping Meh, Kama Sutra, Tausendundein Tag

Weblinks


Literarisches Werk Märchen Naher Osten

ألف ليلة و ليلة | Levr ar mil nozvezh hag unan | Les mil i una nits | The Book of One Thousand and One Nights | Mil kaj unu noktoj | Las mil y una noches | Mila gau eta bat gehiago | Tuhat ja yksi yötä | Mille et une nuits | As mil e unha noites | סיפורי אלף לילה ולילה | Le mille e una notte | 千夜一夜物語 | Tūkstantis ir viena naktis | Илјада и една ноќ | Duizend-en-één nacht | Tusen og en natt | Baśnie z tysiąca i jednej nocy | As Mil e Uma Noites | Тысяча и одна ночь | Li Milli e una Notti | 1001 noć | The Book of One Thousand and One Nights | Tisoč in ena noč | Tusen och en natt (sagor) | Binbir Gece Masalları | Meñ dä ber kiçä | Nghìn lẻ một đêm | 一千零一夜

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Tausendundeine Nacht".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld