United-states-bill-of-rights 1-630x670.jpg Das First Amendment von 1791, der erste Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten, ist der Zusatz zur US-Verfassung, der verhindert, dass der US-Kongress sechs Grundrechte verletzt. Er gehört zur sogenannten Bill of Rights. Er verbietet dem Kongress:
Der erste Zusatz verbietet nur dem US-Kongress ausdrücklich, eines dieser Rechte einzuschränken. Jedoch entschieden die amerikanischen Gerichte später, dass dieses Verbot auch für die Exekutive und die Judikative gilt. Der Supreme Court, der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika, entschied, dass der 14. Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika den Inhalt des ersten auch auf Aktivitäten der US-Bundesstaaten ausdehnt.
Deutsch:
Nach dem Ersten Weltkrieg waren Gesetze, die die Redefreiheit einschränkten, Gegenstand mehrerer Prozesse vor dem Supreme Court. Das Espionage Act (deutsch etwa: „Spionagegesetz“) von 1917 verhängte eine Höchststrafe von 20 Jahren für jeden, der „insubordination, disloyalty, mutiny, or refusal of duty in the military or naval forces of the United States“ (deutsch: Insubordination, Abtrünnigkeit, Meuterei oder Kriegsdienstverweigerung in den Land- oder Seestreitkräften der Vereinigten Staaten) verursachte oder versuchte zu verursachen. Wegen dieses Gesetzes wurde die strafrechtliche Verfolgung von über zweitausend Personen eingeleitet. Ein Filmemacher wurde beispielsweise zu 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, weil seine Darstellung britischer Soldaten in einem Film über die Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung einem Verbündeten der Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, böse Absichten unterstelle. Das Sedition Act (deutsch etwa: „Gesetz zur Anstiftung zum Aufruhr“) ging sogar noch weiter und machte „disloyal“, „scurrilous“ und „abusive“ (deutsch: „treulose“, „verleumderische“ und „beleidigende“) Äußerungen über die Regierung strafbar.
Der Supreme Court wurde zum ersten Mal 1919 darum ersucht, ein Gesetz, das die Klausel, die Redefreiheit garantierte, verletzte, für verfassungswidrig zu erklären. In den Fall war Charles Schenck verwickelt, der während des Krieges Flugblätter verteilt hatte, in denen er das damalige Wehrpflichtsystem angefochten hatte. Der Supreme Court bestätigte in dem Prozess einstimmig Schencks Verurteilung aufgrund der Verletzung des Espionage Act. Der Richter Oliver Wendell Holmes, Jr., der in dem Prozess als Gerichtsschreiber fungierte, stellte fest:
Der „klare und derzeit bestehende Gefahr“-Test aus dem Schenck-Prozess wurde in einem anderen Prozess wieder von Richter Oliver Wendell Holmes ausgeweitet. Dieser Prozess involvierte eine von Eugene V. Debs, einem politischen Aktivisten, gehaltene Rede. Debs hatte darin kein einziges Wort gesprochen, das für das Wehrpflichtsystem eine „klare und derzeit bestehende Gefahr“ verursachte, hatte aber in seiner Rede unter anderem diejenigen, die, weil sie die Einberufung behindert hatten, inhaftiert worden waren, gelobt. Richter Holmes wies darauf hin, dass die von Debs gehaltene Rede die „natural tendency“ (deutsch: „klar ersichtliche Absicht“) hatte, seine Einberufung zu verhindern.
Auf diese Weise deutete der Supreme Court den ersten Verfassungszusatz so, dass er eine große Anzahl von Einschränkungen der Redefreiheit ermöglichte. Weitere Einschränkungen der Redefreiheit wurden 1925 vom Supreme Court in dem Prozess Gitlow v. New York akzeptiert. Richter Edward Sanford sprach für die Mehrheit der Richter, als er vorschlug:
Die Gesetzgeber durften selbst entscheiden, welche Äußerungen eine solche Gefahr erzeugen würden.
Während des Kalten Kriegs wurde die Redefreiheit vom Antikommunismus beeinflusst. 1940 setzte der Kongress das Gesetz zur Anstiftung zum Aufruhr wieder ein, das 1921 ungültig geworden war. Das Smith Act (deutsch: „Smith-Gesetz“), das in diesem Jahr verabschiedet wurde, besagte:
Das Gesetz wurde hauptsächlich als Waffe gegen die Anführer der Kommunisten eingesetzt. Die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes wurde in dem Prozess Dennis v. United States in Frage gestellt. Der Supreme Court bestätigte das Gesetz mit sechs Ja- gegen zwei Neinstimmen (ein Richter, Tom C. Clark, nahm an der Abstimmung nicht teil, weil er in seinem vorigen Amt, als Generalstaatsanwalt, die strafrechtlichen Verfolgungen aufgrund des Smith Act befohlen hatte). Der Präsident des Supreme Court, Fred M. Winson, verließ sich auf den von Oliver Wendell Holmes entworfenen „klare und derzeit bestehende Gefahr“-Test, als er für die Mehrheit der Richter sprach. Winson merkte an:
Durch diese Aussage definierte er die Worte „klare und derzeit bestehende Gefahr“ allgemein. Deshalb wurden Reden der Kommunistischen Partei, die gegen das Smith Act verstießen, obwohl sie keine direkte Gefahr darstellten, vom Supreme Court verboten.
Das Urteil aus dem Prozess Dennis v. United States wurde vom Court nie ausdrücklich aufgehoben, aber spätere Entscheidungen haben den Fall praktisch umgekehrt. 1957 änderte der Supreme Court seine Deutung des Smith Act, als er den Fall Yates v. United States behandelte. Der Court verfügte, dass das Gesetz auf „the advocacy of action, not ideas“ (deutsch: die Verfechtung von Taten, nicht die von Ideen) abzielte. Somit bleibt die Verfechtung von abstrakten Lehren weiterhin durch den ersten Verfassungszusatz geschützt. Nur Reden, die ausdrücklich zum gewaltsamen Umsturz der Regierung anstacheln, sind weiterhin durch das Smith Act strafbar.
Unter dem Obersten Richter Earl Warren erweiterte der Supreme Court in den 1960er-Jahren den Schutz der Redefreiheit, obwohl es auch Ausnahmen gab. 1968 bestätigte der Gerichtshof beispielsweise in dem Fall United States v. O'Brien ein Gesetz, das die Verstümmelung von Wehrpässen verbot. Der Court verfügte, dass die Beschwerdeführer Wehrpässe nicht verbrennen dürften, weil dies störend auf das „smooth and efficient functioning“ (deutsch: problemlose und zügige Funktionieren) des Einberufungssystems einwirke.
1969 entschied der Supreme Court in dem Fall Tinker v. Des Moines, dass die Redefreiheit auch für Schüler gelte. Der Fall involvierte mehrere Schüler, die bestraft worden waren, weil sie schwarze Armbänder getragen hatten, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren. Das Gericht entschied, dass die Schule symbolische Sprache, die keine unangemessenen Unterbrechungen der Schulaktivitäten verursache, nicht verbieten könne. Richter Abe Fortas schrieb:
Die Entscheidung wurde 1986 durch den Fall Bethel School District v. Fraser wohl verworfen oder zumindest unterminiert, da der Supreme Court in diesem Fall verfügte, dass ein Schüler für seine Rede vor einer öffentlichen Versammlung bestraft werden könne.
Der Gerichtshof entschied 1969 außerdem den Fall Brandenburg v. Ohio, der das Urteil des Prozesses Whitney v. California, eines Prozesses von 1927, in dem eine Frau wegen der Unterstützung der Kommunistischen Partei zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war, verwarf. Der Fall Brandenburg v. Ohio hob gewissermaßen auch das Urteil aus dem Prozess Dennis v. United States auf, indem er das Recht, frei von gewaltsamen Taten und Revolution zu sprechen, mit deutlichen Worten gewährte:
Von manchen wird behauptet, dass das Urteil aus dem Fall Brandenburg v. Ohio im Wesentlichen eine Neufassung des „klare und derzeit bestehende Gefahr“-Tests aufstellt, aber die Richtigkeit solcher Äußerungen ist schwierig zu beurteilen. Der Supreme Court hat seit der Verkündung des Urteils aus Brandenburg v. Ohio keinen Fall, dessen Gegenstand aufrührerische Reden waren, mehr gehört oder entschieden.
Die Streitfrage des Verbrennens der Flagge der USA, die große Uneinigkeiten schaffte, kam 1989 mit dem Fall Texas v. Johnson vor den Supreme Court. Der Supreme Court hob die Verurteilung von Gregory Johnson wegen des Verbrennens der US-Flagge mit fünf Ja- gegen vier Neinstimmen auf. Richter William J. Brennan, Jr. brachte vor:
Viele Mitglieder des Kongresses verteufelten die Entscheidung des Gerichtshofs. Das Repräsentantenhaus verabschiedete einstimmig eine Resolution, die den Gerichtshof anprangerte; der Senat handelte mit nur drei Nein-Stimmen ebenso. Der Kongress verabschiedete ein Gesetz, das das Verbrennen der Flagge untersagte, aber der Supreme Court erklärte es 1990 in dem Fall United States v. Eichman ebenfalls für verfassungswidrig. Es gab viele Versuche, die Verfassung so abzuändern, dass der Kongress die Schändung der Flagge verbieten durfte. Seit 1995 erhielt das Flag Burning Amendment (deutsch: „Zusatz zur Verbrennung der Flagge“) immer wieder ausreichend Stimmen, um im Repräsentantenhaus verabschiedet zu werden, konnte aber im Senat die benötigte Stimmenanzahl nicht erreichen. 2000 stimmte der Senat mit 63 Ja- gegen 37 Neinstimmen für den Zusatz, was vier Ja-Stimmen zu wenig für die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit waren. Das letzte Mal wurde dieser Zusatz während der Amtszeit des 109ten Kongresses mit 286 Ja-, 130 Neinstimmen und 18 Enthaltungen am 22. Juni 2005 im Repräsentantenhaus verabschiedet. Um in die Verfassung aufgenommen zu werden, müsste er nun bis Ende 2006 im Senat verabschiedet werden und anschließend von drei Vierteln der US-Bundesstaaten ratifiziert werden.
Als er 1896 im Fall Rosen v. United States das Urteil fällte, setzte der Supreme Court den Standard für Obszönität ein, der im berühmten britischen Fall Regina v. Hicklin aufgestellt worden war. Der Hicklin-Standard lautete wie folgt:
Somit war der Standard der empfindlichsten Mitglieder der Gesellschaft der Standard für Obszönität. 1957 verfügte der Court im Fall Roth v. United States, dass der Hicklin-Test unangemessen sei. An seiner Stelle wurde der Roth-Test eingeführt:
Als der Gerichtshof 1973 den Fall Miller v. California entschied, wurde der Test erweitert. Nach dem Miller-Test ist ein Werk obszön, wenn es die unzüchtigen Interessen der Durchschnittsperson, wenn gegenwärtige Gesellschaftsstandards berücksichtigt werden, anspricht, sexuelle Handlungsweisen auf offensichtlich anstößige Weise darstellt und keinen ernsthaften literarischen, künstlerischen, politischen oder wissenschaftlichen Wert hat. Zu beachten ist, dass der Gesellschaftsstandard – nicht der nationale Standard – berücksichtigt werden muss, wenn es darum geht, zu beurteilen, ob das Material unzüchtiges Interesse anspricht; deshalb ist es möglich, dass ein Werk an einem Ort für obszön gehalten wird, an einem anderen dagegen nicht. Andererseits werden aber bei der Beurteilung der Frage, ob das Material irgendeinen Wert hat, nationale Standards angewendet. Kinderpornographie unterliegt gemäß einem Urteil des Supreme Court von 1982 nicht dem Miller-Test. Der Gerichtshof empfand das Interesse der Regierung in Bezug auf den Schutz von Kindern vor Missbrauch als vorrangig.
Dennoch kann der Privatbesitz von obszönem Material nicht gesetzlich verboten werden. Als Gerichtsschreiber im Fall Stanley v. Georgia schrieb Richter Thurgood Marshall:
Richter Anthony M. Kennedy schrieb:
US-Gerichte haben eine bestimmte Regulation der Pornographie aufrechterhalten, weil sie der Meinung waren, dass die Regulation und das Verbot von Pornographie als ein Weg, um Kinder zu schützen, dem Test, der eine strenge und genaue Überprüfung erfordert, entspreche. Ein Gesetz zur differenzierenden Regulation, das die Orte, an denen Pornographie angesehen werden kann, begrenzt, kann gültig sein, wenn: das Gesetz hauptsächlich auf sekundäre Effekte abzielt, die Differenzierung in keiner Beziehung mit der Unterdrückung des pornographischen Inhalts steht und das Gesetz andere Möglichkeiten für die Betrachtung des Inhalts schafft.
Die „wirkliche Bosheit“-Anforderung wird sowohl bei öffentlichen Beamten als auch bei allgemein bekannten Personen, einschließlich Prominenten, angewendet. Obwohl sich die Details von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheiden, müssen Privatpersonen normalerweise nur ein schuldhaftes Verhalten des Angeklagten beweisen.
1974 entschied der Supreme Court im Fall Gertz v. Robert Welch, Inc., dass Meinungen nicht als verleumderisch angesehen werden könnten. Gemäß dieses Urteils wäre es beispielsweise zulässig, zu behaupten, dass ein Rechtsanwalt schlecht ist, jedoch wäre es nicht zulässig, zu erklären, dass dieser Rechtsanwalt die Gesetze nicht kennt: die erste Äußerung ist wertend, während die zweite sich auf Fakten bezieht.
Einige Jahre später, 1990, im Fall Milkovich v. Lorain Journal Co. distanzierte sich der Supreme Court vom Schutz der „Meinung“, den er im Fall Gertz v. Robert Welch, Inc. aufgestellt hatte. Der Gerichtshof hielt im Fall Milkovich speziell fest, dass als Meinung abgestempelte Äußerungen nicht pauschal vom Verleumdungsgesetz befreit seien, sondern dass eine Äußerung stattdessen beweisbar falsch (falsifizierbar) sein müsse, bevor sie Gegenstand eines Verleumdungsprozesses sein könne.
1988 wurde die „wirkliche Bosheit“-Anforderung im Prozess Hustler Magazine v. Falwell vom Supreme Court, der in diesem Prozess eine parodierende Karikatur schützte, auf die vorsätzliche Zufügung von emotionalem Leid ausgedehnt. In diesem Urteil wurde „wirkliche Bosheit“ definiert als
Gewöhnlich wird der erste Verfassungszusatz nur angewendet, um direkte von der Regierung ausgeübte Zensur zu verhindern. Trotz des Schutzes vor diesen von der Regierung gestarteten Verleumdungsprozessen wird aber anerkannt, dass es nötig ist, dass der Staat ermächtigt ist, einen Verleumdungsprozess zwischen Privatpersonen durchzuführen. Die genaue Überprüfung von Verleumdungsprozessen, die der Supreme Court durchführt, wird deshalb manchmal als Teil einer umfassenderen Entwicklung in der US-Rechtsprechung weg von den strikten gesetzlichen Anforderungen für Prozesse hin zur Anwendung der Prinzipien des ersten Verfassungszusatzes, wenn Privatpersonen die Staatsmacht anrufen, betrachtet.
Die Noerr-Pennington-Doktrin ist in gleicher Weise eine gesetzliche Richtlinie, die oft die Anwendung des Kartellrechts auf Äußerungen, die von Wettbewerbern vor öffentlichen Institutionen gemacht wurden, verhindert: so darf ein Monopolist ungehindert zum Stadtrat gehen und darauf drängen, dass seinem Konkurrenten keine Bauerlaubnis erteilt wird, ohne dabei dem Sherman Antitrust Act zu unterliegen. Dieses Prinzip wird auch außerhalb des Kartellrechts in den Prozessen, einschließlich denen, deren Inhalt Vergehen des Staates in der internationalen Beeinflussung von Unternehmensverbindungen und SLAPP-Prozessen (von großen Unternehmen gestartete Prozesse, in denen sie ihren weniger starken Gegnern so große Verteidigungskosten aufbürden, dass diese ihre Kritik stoppen) sind, angewandt.
In ähnlicher Weise haben manche Bundesstaaten unter ihrem Schutz der Redefreiheit die Pruneyard-Doktrin verabschiedet, die verhindert, dass Privatbesitzer, die Eigentümer eines üblichen öffentlichen Forums (häufig eines Einkaufszentrums oder eines Lebensmittelgeschäfts) sind, ihre Privatbesitzrechte dazu benutzen, politische Redner und Unterschriftensammler von ihrem Eigentum fernzuhalten. Diese Doktrin wurde als Bundesgesetz der USA abgelehnt, wird aber als Gesetz der einzelnen Staaten in wachsendem Maße akzeptiert.
Weitere Regeln zur Kampagnenfinanzierung wurden vom Supreme Court 2003 im Fall Mc Connel v. Federal Election Commission genau geprüft. Der Fall drehte sich um das 2002 erlassene Gesetz zur Reform von Zweiparteienkampagnen, ein Gesetz, das mehrere neue Begrenzungen der Kampagnenfinanzierung einführte. Der Gerichtshof erhielt die Vorschriften aufrecht, die die Beschaffung von soft money (Geld, das nicht für den Wahlkampf gespendet wird, sondern direkt zu dessen Unterstützung eingesetzt wird) durch landesweite Parteien und die Benutzung von soft money durch private Organisationen, um bestimmte zur Wahl zugehörige Anzeigen zu finanzieren, verboten. Gleichzeitig hob der Court die choice of expenditure rule (deutsch: „Ausgabenauswahlrichtlinie“) auf, die besagte, dass die Parteien entweder ihre Ausgaben für alle Kandidaten koordinieren könnten oder es den Kandidaten erlauben könnten, unabhängig voneinander Geld für den Wahlkampf auszugeben, aber keine Mischung dieser beiden Vorgehensweisen anwenden dürften. Weiterhin stellte der Supreme Court fest:
Free speech zone.jpg]] Kurz nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 entstanden im Verlaufe von George W. Bushs Sicherheitskampagne sogenannte free speech zones (deutsch: "Gebiete der freien Rede"). Diese free speech zones werden vom Secret Service, einer US-Strafverfolgungsbehörde, in der Nähe der Orte aufgebaut, an denen Bush vorbeikommen oder an denen er eine Rede halten wird. Vor und während der Veranstaltung halten Beamte nach Leuten mit Anti-Bush-Zeichen (manchmal auch nach Leuten mit Pro-Bush-Zeichen), Ausschau und geleiten sie in die free speech zones. Beamte vor Ort untersagen es Reporten oft, die Protestierenden zu filmen oder mit ihnen zu sprechen. Protestierende, die sich weigern, in die free speech zones zu gehen, werden häufig festgenommen und wegen Hausfriedensbruchs, Ruhestörung und wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. 2003 wurde ein selten benutztes US-Bundesgesetz vorgebracht, das besagt, dass „entering a restricted area around the President of the United States“ (deutsch: das Eintreten in einen abgegrenzten Bereich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten) ein Verbrechen ist.
Die Auswirkungen des ersten Verfassungszusatzes auf unfreiwillige, psychiatrische, medikamentöse Behandlung wurden ebenfalls hinterfragt. Das zuständige Bezirksgericht war 1982 im Fall Mills v. Rogers der Meinung:
Dieses Urteil war jedoch kein Präzedenzfall und die spätere Entscheidung des Supreme Court war im Wesentlichen ergebnislos.
Im Fall Branzburg v. Hayes von 1972 schränkte der Supreme Court die Fähigkeit der Presse, einer Vorladung durch eine Grand Jury unter Berufung auf die Pressefreiheit nicht Folge zu leisten, ein. Gegenstand des Prozesses war, ob ein Reporter sich weigern könne, „* appear and testify before state and Federal grand juries“ (deutsch: vor den Grand Juries der Bundesstaaten und der gesamten USA zu erscheinen und als Zeuge auszusagen), wenn er sich darauf berufe, dass ein solches Erscheinen und eine solche Zeugenaussage „abridges the freedom of speech and press guaranteed by the First Amendment.“ (deutsch: die Rede- und Pressefreiheit, die der erste Verfassungszusatz garantiert, vermindert). Die Richter entschieden mit fünf Ja- zu vier Neinstimmen, dass der erste Verfassungszusatz einen solchen Schutz nicht gewähre.
Im Fall Leathers v. Medlock von 1991 entschied der Court, dass die Staaten verschiedene Medien unterschiedlich behandeln dürften, indem sie etwa das Kabelfernsehen besteuerten, die Zeitungen jedoch nicht. Der Gerichtshof stellte fest:
Jedoch wurde die Regulierung der von Fernsehen oder Radio gesendeten Inhalte vom Gerichtshof in verschiedenen Prozessen aufrechterhalten. Weil es nur eine begrenzte Anzahl an Frequenzen für das Nicht-Kabelfernsehen und für den Hörfunk gibt, erteilt die Regierung verschiedenen Unternehmen die Lizenz zur Nutzung dieser Frequenzen. Der Supreme Court entschied jedoch, dass dieses durch den Mangel an Frequenzen hervorgerufene Problem es nicht ermöglicht, einen Prozess zum ersten Verfassungszusatz zu beginnen. Die Regierung darf Rundfunk- und Fernsehsender vom Senden abhalten, jedoch nicht aufgrund ihrer Inhalte.
Die Versammlungsfreiheit war ursprünglich eng mit dem Recht, Petitionen einzureichen, verbunden. Ein bedeutender Fall, in dem es um die beiden Rechte ging, war der Fall United States v. Cruikshank von 1876. Damals entschied der Supreme Court:
Die Redefreiheit ist in den USA umfassender als in fast jeder anderen Nation. Während der erste Verfassungszusatz die Redefreiheit nicht ausdrücklich begrenzt, ist dies in anderen Rechtserklärungen manchmal der Fall. Die Europäische Menschenrechtskonvention erlaubt so beispielsweise Einschränkungen der Redefreiheit
Der erste Verfassungszusatz war eine der ersten Garantien der Religionsfreiheit: weder die englische Bill of Rights, noch die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte enthält eine entsprechende Klausel. Die USA sind aufgrund des Inhalts des ersten Verfassungszusatzes weder eine Theokratie wie Iran, noch ein offiziell atheistischer Staat wie die Volksrepublik China.
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