Der Erste Kreuzzug war ein christlicher Kriegszug zur Rückeroberung Palästinas von den Moslems, zu dem Papst Urban II. im Jahre 1095 aufrief. Er begann im darauf folgenden Jahr und endete 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch ein Kreuzritterheer.
Der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos richtete wenige Jahre später mehrere Hilfegesuche an das christliche Europa, da sein Reich immer stärker von den türkischen Seldschuken bedroht wurde. Diese hatten nach der gegen Byzanz gewonnenen Schlacht von Manzikert im Jahre 1071 Anatolien, Antiochia und Jerusalem erobert. Das von inneren und äußeren Krisen geschüttelte Byzanz verfügte nicht über die militärischen Möglichkeiten zur Rückeroberung. Um die europäische Militärmacht und die Kirche zu mobilisieren, übertrieben und dramatisierten die byzantinische Gesandten in ihren Berichten die Entweihung der heiligen Stätten und die Lage der im heiligen Land lebenden Christen. Tatsächlich konnten die Christen unter muslimischer Herrschaft ihre Religion weiterhin ausüben, lediglich der Zugang von Pilgern nach Palästina war erschwert. Gleichzeitig bot Alexios I. eine Vereinigung der römisch-katholischen mit der orthodoxen Ostkirche an.
Vom 18. bis 28. November 1095 fand unter Vorsitz von Papst Urban II. eine Synode in der Kathedrale der französischen Stadt Clermont statt. Neben 182 Kardinälen, Bischöfen und Äbten aus Italien, Spanien und Frankreich war unter anderem eine byzantinische Gesandtschaft angereist. Im Vorfeld wurde bereits verbreitet, dass der Papst ein Ereignis von großer Bedeutung für die Christenheit verkünden würde. Chronisten überliefern, Tausende seien zusammengeströmt, so dass die Verkündung nicht in der Kathedrale, sondern vor dem Osttor der Stadt stattfand.
Als der Papst am 27. November 1095 vor die erwartungsvolle Menge trat, hielt er eine stark dramatisierende Rede von den Leiden der Christenheit im Osten und der Notwendigkeit der Befreiung der heiligen Stätten, die Chronisten zufolge, die abweichende Fassungen vom Wortlaut überlieferten, von der Menge begeistert aufgenommen wurde. Angeblich wurde bereits zu diesem Zeitpunkt das spätere Motto der Kreuzzüge – Deus lo vult! („Gott will es!“) – geprägt. Adhemar de Monteil, Bischof von Le Puy, der später zum Führer des Zugs ernannt wurde, kniete in einem zuvor besprochenen Auftritt unmittelbar nach dem Ende der Rede vor Urban II. nieder und bat als erster um die Erlaubnis, ziehen zu dürfen. Viele andere sollen sich ihm angeschlossen haben. Danach hielt Papst Urban II. noch in Tours und Rouen Synoden ab, die den Aufruf verbreiteten. Ein Übriges taten die über das Land gesandten Wanderprediger der Kirche, die dafür sorgten, dass viele einfache Menschen, Abenteurer, Verbrecher, aber auch Bauern in den heiligen Krieg zogen. Den Kampfwilligen wurde Ablass für ihre Sünden zugesagt. Unter dem Motto Gott will es!, wurde allen, die dem Ruf folgten, nie verwelkender Ruhm im Himmelreich versprochen.
Karte Östliches Mittelmeer MA.jpg Hinter dem sorgfältig und langfristig geplanten päpstlichen Aufruf zum heiligen Kreuzzug verbarg sich mehr, als nur die angestrebte Rückeroberung des heiligen Landes und der Befreiung der im heiligen Land vorgeblich unterdrückten und unter Gräueltaten durch Muslime leidenden Christen. Er war ein geschickt initiiertes machtpolitisches Instrument in einem zersplitterten und von Machtkämpfen erschütterten Europa. Einerseits strebte Urban II. eine Wiedervereinigung mit der byzantinisch geführten Ostkirche an, andererseits konnte er die Kirche als zielgebende Ordnungsmacht in Mitteleuropa etablieren, das nach dem Ende des karolingischen Reiches in sich befehdende adlige Einflussgebiete zerfiel, wobei häufig auch Kirchen und Kloster überfallen und geplündert wurden.
Die Gelegenheit für einen solchen Aufruf war günstig. Das 11. Jahrhundert war geprägt von starker Religiosität in weiten Teilen der Bevölkerung und Angst vor dem drohenden Ende der Welt. Wallfahrten und Pilgerzüge zum heiligen Grab, als Möglichkeit der Buße und für den Sündenablaß erlebten einen großen Aufschwung, wobei selbstverständlich auch die starke Motivation mitspielte, die heiligsten christlichen Stätten zurückzuerobern. Zudem gab es vor allem im niederen Adel vieler Regionen Europas zahlreiche Söhne, die nichts oder nur sehr geringe Besitzungen erbten und deshalb ein großes Interesse an einem Kriegszug zum Erwerb von Schätzen und Länderein hatten.
Der Aufruf zum heiligen Kreuzzug war zumindest teilweise von Erfolg gekrönt. Urban II. einte erstmals die seit langem in Streitereien untereinander verstrickten französischen Adligen und gab ihnen mit dem Ziel eines gerechten Kampfes im Dienste der christlichen Sache hierfür eine ideelle Grundlage, die zugleich den Suprematieanspruch seines Amtes stärkte: Der vor dem Aufruf geforderte Gottesfrieden, der die Begrenzung der noch ausstehenden Fehden zwischen den Adligen brachte, bestärkte gleichzeitig die Autorität der hier eingreifenden Kirche und stellte ein wesentliches Ereignis in der Entwicklung der machtpolitische Rolle der Kirche und des Papsttums in der mittelalterlichen Geschichte Europas dar. Die angestrebte Vereinigung mit der Ostkirche blieb indes aufgrund zu großer machtpolitischer Differenzen letztlich aus.
Das Kreuzritterheer brach in mehreren großen Zügen auf und vereinigte sich in Konstantinopel, wo im April 1097 die letzten Kreuzfahrer eintrafen. Nach neueren Schätzungen geht man von einer Größe des Heeres von rund 50.000 bis 60.000 Menschen aus, darunter rund 7000 Ritter und adlige Herren sowie ein 22.000 Mann starkes Fußvolk. Die Anzahl der Pferde wird auf 50.000 geschätzt. Kaiser Alexios I. brachte den Kreuzfahrern großes Misstrauen entgegen, da unter ihnen viele süditalienische Normannen waren - diese hatten diverse Kriegszüge gegen das Byzantinische Reich unternommen. Zudem befürchtete Alexios, dass die Kreuzritter ehemals byzantinisches Territorium für sich beanspruchen würden. Deshalb brachte er die Anführer des Kreuzzuges dazu, ihm den Lehnseid zu schwören, damit alle Gebiete, die sie von den Moslems erobern sollten, unter seine Oberhoheit geraten würden.
Das restliche Kreuzfahrerheer, das ebenfalls kleinasiatische Städte erobert und für sich beansprucht hatte, war währenddessen in Richtung Syrien gezogen, wo es im Oktober 1097 mit der Belagerung von Antiochia begann. Dürre und Hungersnot trieben die Kreuzzügler während der siebenmonatigen Belagerung zeitweise in den Kannibalismus; Raoul von Caen berichtete 1098
Noch heute ist in arabischen Volksliedern von Menschenfressern die Rede, wenn Franken gemeint sind.
Die Stadt wurde erst im Juni 1098 durch Verrat eingenommen und alle Einwohner umgebracht. Die Kreuzfahrer wurden nun selbst zu Belagerten, da ein Entsatzheer des Emirs von Mossul eintraf und es in ganz Antiochia als Folge der Belagerung nichts mehr zum Essen gab. In dieser verzweifelten Situation riefen sie eine dreiwöchige Fastenzeit aus. Währenddessen verbreitet Bohemund von Tarent das Gerücht um die Heilige Lanze. Ein Bauer namens Bartholomäus hatte eine Vision, in der ihm der heilige Andreas erschien, und ihm den wahren Aufenthaltsort der Heiligen Lanze zeigte. Man bezweifelte die Wahrheit dieser Aussage, als jedoch auch ein Pfarrer eine ebensolche Vision hatte, waren die Zweifel gebrochen. Nach fast drei Wochen Hungerns lies er nach der Lanze graben. Tatsächlich fand sich dort eine Lanze. Durch den angeblichen Fund der Heiligen Lanze motiviert, stellten sich die Kreuzfahrer dem moslemischen Entsatzheer zum Kampf. Doch brachen zu diesem Zeitpunkt Kämpfe unter den Belagerern aus, so dass die Kreuzfahrer die Stadt kampflos hielten. Bohemund von Tarent ernannte sich nun zum Fürsten von Antiochia, womit er einen weiteren Kreuzfahrerstaat gründete und dabei ebenfalls den Lehnseid gegenüber dem byzantinischen Kaiser missachtete. Bohemund beendete seine Teilnahme am Kreuzzug vorzeitig und ging dazu über, die Herrschaft in seinem Fürstentum auszubauen.
Am 13. Januar 1099 brach das restliche Kreuzfahrerheer, das schätzungsweise noch 14.000 kampffähige Männer umfasste, darunter rund 1500 Ritter, in Richtung Jerusalem auf. Bei jeder Stadt, an der sie vorüberkamen, gab man ihnen etwas zum Essen und ließ sie schnell durchziehen. Auf dem Weg brachten die Kreuzritter mehrere Hafenstädte unter ihre Kontrolle, bis sie ins Landesinnere zogen. Anfang Juni 1099 erreichten sie Jerusalem, das sich seit 1098 unter der Herrschaft der ägyptischen Fatimiden befand. Das Kreuzfahrerheer wurde mit unerwarteten Schwierigkeiten konfrontiert: Nahrungs- und vor allem Wassermangel, die große Hitze und auftretende Seuchen demoralisierten die Angreifer. Hinzu kamen ständige Angriffe der Verteidiger, die obendrein sämtliche Christen aus Jerusalem vertrieben, die nun mit den Belagerern in der lebensfeindlichen Landschaft vor den Mauern der Stadt ausharren mussten. Die Verteidiger hatten alle Brunnen vor der Stadt zuschütten und sämtliche Bäume fällen lassen, damit die Christen kein Belagerungsgerät bauen konnten. Aus einer entfernten Quelle herangeschafftes Wasser wies eine schlechte Qualität auf. Viele Kreuzfahrer erlagen den Strapazen oder verließen das Lager, um auf eigene Faust in die Heimat zurückzukehren .
Die Stadtmauern konnten ohne Belagerungsmaschine nicht überwunden werden, so dass ein Angriff zunächst sinnlos erschien. Dennoch entschieden sich die Anführer des Kreuzfahrerheers, die Stadt bereits am 13. Juni 1099 anzugreifen. Angeblich soll ihnen ein Eremit einen Tag zuvor auf dem Ölberg eine Vision offenbart haben, die ihnen Gottes Hilfe für den Sieg am nächsten Tag versprach. Der Angriff ohne Hilfsmittel scheiterte trotz unermüdlichen Anrennens und der vorübergehenden Eroberung der nördlichen Befestigungsanlagen.
Der Versuch, am 17. Juni 1099 Baumaterial für Belagerungsmaschinen über den Hafen von Jaffa heranzuführen, missglückte, als die ägyptische Flotte die erst teilweise entladenen Schiffe der Kreuzfahrer zerstörte und den Weg über das Meer blockierte. Einige Tage später war die Suche nach Holz durch einen Zufallsfund im entfernten Samaria jedoch von Erfolg gekrönt und das Kreuzfahrerheer begann mit dem Bau von Belagerungstürmen, Rammen und Katapulten.
Mit Hilfe dieser Belagerungsmaschinen nahmen die Kreuzfahrer die Stadt nach einem fünfwöchigen, verlustreichen Kampf am 15. Juli 1099 ein. Christliche und moslemische Chronisten berichten, dass die Kreuzfahrer nach der Erstürmung der Stadt ein grausames Gemetzel unter den Moslems und den Juden anrichteten und auch noch in der Stadt verbliebene Christen (koptische wie syrische) niedermachten. Gottfried von Bouillon ließ sich zum advocatus sancti sepulchri („Beschützer des Heiligen Grabes“) ernennen und wurde Regent des Königreichs Jerusalem. Unter seiner Führung wurde ein Fatimiden-Heer in der Schlacht von Askalon geschlagen, wodurch der erste Kreuzzug endgültig abgeschlossen wurde. Nachdem Gottfried bereits im Jahre 1100 verstarb, nahm sein Bruder Balduin von Boulogne den Titel des Königs von Jerusalem an und überließ die Grafschaft Edessa seinem Vetter Balduin von Bourcq. Raimund IV. von Toulouse errichtete im Jahre 1109 an der syrischen Küste die Grafschaft Tripolis, den vierten Kreuzfahrerstaat.
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