Das 1. Buch Mose, auf Hebräisch Bereschit, auf Griechisch Genesis genannt, ist jeweils das erste Buch der jüdischen und christlichen Bibel. Es berichtet von den Geschehnissen von der Erschaffung der Welt bis zum Wirken von Jakobs Söhnen in Ägypten.
Der Titel Genesis hingegen stammt aus der griechischen Übersetzung des Tanach, der Septuaginta, die im orthodoxen und katholischen Christentum als Altes Testament kanonisiert wurde. Sie fasst den Inhalt des ersten Verses zusammen:
Die deutsche Bezeichnung folgt dem sonstigen kirchlichen Sprachgebrauch, der traditionell Mose als Autor hervorhebt und damit stärker auf die Offenbarung der Tora an ihn und das erwählte Gottesvolk Israel anspielt. Dies sind Inhalte der weiteren Bücher Mose, die zusammen mit der Genesis als Tora den ersten Hauptteil der Bibel bilden. Für Juden wie Christen ist die Schaffung der Welt bereits Tora im Sinne von verbindlicher Weisung für das ganze Leben, die Gott den Menschen schenkt und gebietet .
Von der Schöpfung der Welt ausgehend wird zunächst eine Frühgeschichte der Menschheit (Adam und Eva, Kain und Abel, Noach, die mit der Völkertafel Gen. 10 endet) erzählt. Es folgt die Frühgeschichte des Volkes Israel, beginnend mit der Berufung des Erzvaters Abraham. Die Lebens- und Familiengeschichten der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob stellen den Ursprung der Israeliten, ihrer Gesetze, Bräuche und religiösen Vorstellungen unter dem Aspekt der göttlichen Erwählung und des Bundes mit Israel bis zum Tod Josefs in Ägypten dar.
Hiervon ausgehend beziehen die so genannten abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ihre jeweiligen Interpretationen.
Das 1. Buch Mose steht in engem Zusammenhang zu den anderen vier Büchern Mose der schriftlichen Tora oder des Pentateuch.
Das Buch lässt sich inhaltlich grob in zwei Teile gliedern: Urgeschichte (Kap. 1-11) und Vätergeschichte (Kap. 12-50).
Die Urgeschichte umfasst die zwei Schöpfungsgeschichten (Kap. 1 und 2, christlich Hexaemeron genannt), die Geschichte vom Garten Eden und der Vertreibung Adams und Evas daraus; Kain und Abel, Kap. 3 und 4), die Sintflut um Noach (Kap. 6-9) und den Turmbau zu Babel (Kap. 11, erster Teil).
Diesem einführenden Teil folgen die Vätergeschichten: die Erzählungen im Land Israel um die Patriarchen Abraham (Kap. 12-25) sowie Isaak, Jakob und Esau (Kap. 25-35). Durch sie setzt Gott in die zerrüttete Welt einen segensvollen Neuanfang (Gen. 12,1-3).
Das Buch schließt mit der Geschichte um Josef und seine Brüder (Kap. 36-50), die die Handlung nach Ägypten verlagert, wo dann das 2. Buch Mose ansetzt.
Die kunstvolle, kurze Erzählung soll etwa zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft entstanden sein. In Abgrenzung zur polytheistischen Weltsicht der Babylonier stellt sie bereits die Einzigartigkeit JHWH´s heraus, der Herr über die gesamte Schöpfung ist. Der Glaube der Israeliten in der babylonischen Verbannung, in der scheinbaren Niederlage des Volkes Israels, fand in diesen wenigen Worten des Schöpfungsberichtes sein eigenes Gesicht. Er musste der Versuchung der scheinbar siegreichen Religion Babylons mit seinen prunkvollen Liturgien (Liturgie des Neujahrsfestes) widerstehen.
Der Verfasser des Berichtes über die Entstehung der Himmelsleuchten (Gen 1,14) musste sich hier besonders anstrengen. Das kleine Israel wird umgeben von den großen Kulturvölkern der Babylonier und Ägypter, die unter anderem auch die Gestirne als Götter verehren. Der Verfasser zeigt in kurzen nüchternen Worten, dass die Gestirne keine Götter sind. Er bezeichnet sie als Leuchten, Lampen, die Gott aufhängt am Himmel um die Zeit zu messen. Nicht einmal einen Namen erhalten sie! Für die Menschen der damaligen Zeit muss es ein unheimlicher Frevel gewesen sein, die großen Gottheiten Sonne und Mond als Lampen zu bezeichnen. Hier blitzt die Kühnheit der biblischen Textverfasser auf.
Der Schöpfungsbericht ist der Moment der Abkehr von den levantinischen Religionen und der Ausbruch aus der Vielgötterei, das Wort Gottes, die Vernunft eines Gottes allein ist die entscheidende Aufhellung, Aufklärung der Geschichte. Inwieweit hierbei bestehende Vorstellungen aus dem schriftfreien Raum (Echnaton, Jethro der Midianiter) übernommen wurden, ist nicht geklärt.
Gott formt den Menschen aus Erde des Ackerbodens (Gen 2,7). Das soll heißen, du Mensch bist aus demselben Stoff, wie deine Umwelt und wie der Wind den Staub von der Erde fegt, so ergeht es dem sterblichen Menschen. Du bist kein Gott, du hast dich nicht selbst gemacht, du bist begrenzt. Du bist Erde. Aber es ist auch eine Tröstung. Der Mensch ist ein Teil der Welt, wie alles andere auch. Er ist kein Dämon und kein böser Geist, wie es manchmal scheint. Alle Menschen sind Erde, jenseits aller Geschichte, Kasten, Rassen und Kultur.
Damit der Mensch zum Menschen wird geschieht noch ein Zweites. Der Grundstoff Erde aus dem Gott den Menschen geformt hat, wird erst richtig zum Menschen, indem ihm Gott seinen Atem, seinen Geist in die Nase bläst (Gen 2,7). Gott tritt also in den Menschen - seine Schöpfung - hinein. In ihm berühren sich Himmel und Erde.
Dieser von Gott aus Erde geschaffene Mensch, ausgestattet mit seinem Atem, kann sich auch in einer freien Entscheidung gegen Gott stellen. Das wird mit dem Begriff Sünde umschrieben. Der Mensch will mehr vom Leben, mehr Freiheit, mehr Lust. Er entwickelt eine wahre Gier, setzt sich hinweg über die Ordnung der Natur, über jegliche menschliche Ordnung und hält allein sich für das Mass aller Dinge. Der Sündenfallbericht ist eine epische Geschichte, in die eine theologische Aussage eingekleidet wird. Er ist kein Protokoll. Es ist müßig zu fragen: "Warum konnte die Schlange reden?" oder "Welche Frucht aßen Adam und Eva?".
Die Israeliten hatte das Land Kanaan in Besitz genommen und teilweise bevölkert. Die Kanaaniter hatten einen prächtigen heidnischen Kult, der seinen Eindruck auf die Isrealiten nicht verfehlte. Die Schlange war dabei ein heiliges Tier, das hochaufgerichtet dargestellt wurde und für Fruchtbarkeit und Leben stand. Die Schlange stand also für das Heidentum und immer wenn sich die Israeliten einem Götzenkult zuwandten, brach Unheil und Not aus. Also wird die Schlange in den Schöpfungsbericht zurückverlegt, in ihr schimmert die Religion der Bewohner Kanaan mit durch. Wer sich der Schlange zuwendet, verfällt dem Verderben, wie die ersten Menschen im Paradies.
Alle Tiere ziehen nun an Adam (Adama, gute Erde) vorbei. Er findet keine Gehilfin unter Ihnen. Damit findet eine Abgrenzung zum Tierkult der heidnischen Umgebung Israels statt. Das Tier wird unter den Menschen gestellt (Gen 1,28). Gott wendet nun eine List an, versetzt Adam in den Schlaf und entnimmt ihm eine Rippe (Gen 2,21). Aus dieser Rippe formt Gott eine Frau namens Eva. Dabei wird klar, Mann und Frau sind wesensgleich. Das war in der damaligen orientalischen Welt, mit seinen Tier-, Fruchtbarkeitskulten und Himmelsgestirnverehrungen eine kleine Revolution.
Die Schlange (Gen 3,1) verspricht den beiden einen noch größeren Reiz. Sie sollen vom Baum der Erkenntnis eine Frucht essen. Der Baum ist in den auch damals schon staubtrockenen Gebieten des Orients ein Bild für Wasser, Schatten, Leben schlechthin. An diesem Lebensbaum wachsen Früchte für die Beiden, die nun schon im Paradies leben, eine noch größere Machtsteigerung bedeuten. Vielleicht endlich gleich sein wie Gott. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Sie fühlen sich nach dem Sündenfall "arom" (nackt, arm, unwissend ohnmächtig geworden)(Gen 3,7). Die Schlange hatten ihnen aber versprochen, dass sie "arum" d.h. klug, wissend, mächtig werdend.
Gott verstößt nun Adam und Eva aus dem Paradiesgarten mit den Erkenntnisbäumen. Sie werden bestraft, die Kräfte der Natur stellen sich von nun an gegen den Menschen. Alles was sie tun ist endlich und oft nur unter Qualen und Mühen erreichbar. Leid und Schmerz haben nun ihrem Platz im Menschenleben gefunden (Gen 3,19).
Die ersten zwei Kinder von Adam und Eva, Kain und Abel, werden geboren. Kain erschlägt seinen Bruder und wird verbannt, jedoch von Gott gezeichnet, dass die Menschen ihn nicht ob seiner Mordschuld töten (die Herkunft dieser anderen Menschen wird nicht erklärt); Kain wurde Gründer einer Stadt und benannte sie nach seinem Sohn Henoch (Gen 4, 17) d.h. die erste Stadtgründung wird in Zusammenhang mit dem ersten Mord gesetzt. Der Ursprung der weiteren Menschen bleibt unklar; die weiteren Kinder Adams und Evas werden nur beiläufig erwähnt.
Fundamentalistische Gruppierungen, die diese Erzählung als historischen Tatsachenbericht ansehen, weisen oft darauf hin, dass die Söhne und Töchter der beiden ersten Menschen untereinander geheiraten haben müssen. Das Heiratsverbot unter Geschwistern, das v.a. dem Schutz vor genetischen Missbildungen dient, konnte damals noch nicht greifen, da Adam und Eva und ihre Kinder noch ohne genetische Defekte waren. Erst im Laufe der Erdgeschichte würden sich die versteckten genetischen Defekte im Erbmaterial der Menschen angehäuft haben.
Der Turm zu Babel soll während der babylonischen Gefangenschaft erbaut worden sein bzw. existiert haben und der obersten Gottheit Babylons gehört haben.
Abrahams Bitte, doch keine Unschuldigen umzubringen, wird von Gott angenommen, führt aber nur zur Rettung Lots und seiner Familie; alle anderen kommen um. Lots Frau erstarrt beim Blick auf den Ort der Zerstörung zur Salzsäule; Lots Töchter glauben offenbar, die ganze Menschheit sei zerstört, und gebären daher von ihrem Vater Kinder, die Stammväter der Stämme Ammon und Moab.
Abraham soll 100, Sarah 90 gewesen sein, als ihnen Isaak geboren wurde. Dies wird glaubhaft, wenn man nicht 100 bzw 90 Jahre, sondern 100 bzw 90 Ernten ansetzt, die etwa zweimal in 12 Monaten stattfanden. Das Jahr als Zusammenfassung von 12 Monaten war mangels Jahreszeiten in der Wüste wohl unbekannt.
Bei Jakobs Rückkehr in seine Heimat findet er sich eines Nachts im Ringkampf mit einem mysteriösen Wesen, das unterschiedlich als Gott selbst, ein Engel oder ein Mensch verstanden wird. Jakob geht aus dem Ringkampf überlegen hervor und verlangt von seinem Gegner gesegnet zu werden, bevor er ihn freigibt. Dieser gibt Jakob darauf einen neuen Namen: Israel, soviel wie „der mit Gott ringt“.
Josef wird in Ägypten als Sklave an einen Hofbeamten des Pharaos verkauft. Dessen Ehefrau lässt Josef mit falschen Anschuldigungen ins Gefängnis werfen, als er sich weigert mit ihr zu schlafen. Aufgrund seiner Fähigkeit, Träume zu deuten, kommt Josef jedoch wieder frei und wird zu einem einflussreichen Mann in Ägypten. Als er sieben fette und sieben dürre Jahre in Ägypten richtig vorhersagt und das Land durch einen Vorratshaltungs-Plan vor der Hungersnot rettet, ist seine Position als Wesir gesichert.
Weil seine Familie in Kanaan unter der Dürre leidet und in Ägypten Getreide einkaufen will, kann er sie zu sich nach Ägypten holen. Er versöhnt sich mit seinen Brüdern und kann noch von seinem sterbenden Vater Abschied nehmen.
So finden sich in diesem Buch viele Inhalte, welche auch heute noch für das Judentum große Bedeutung haben, obwohl die eigentliche Entstehung des jüdischen Volkes erst im nächsten Buch beschrieben wird.
So lernen die Juden aus Bereschit u.a.:
Das 1. Buch Mose selbst nennt keinen Autor. Der deutsche Name folgt der jüdischen und christlichen Tradition einer Autorschaft Moses, die den gesamten Pentateuch (die „5 Bücher Mose“) als von Mose verfasst sieht.
Eine weitverbreitete, aber besonders unter konservativen Auslegern umstrittene Lehrmeinung sieht mehrere Autoren, die das 1. Buch Mose aus einer Reihe älterer Überlieferungen zusammengestellt und geglättet haben.
Die Frage der Autorschaft und Entstehungszeit ist im Artikel zum Pentateuch ausführlicher behandelt.
Inhaltlich gibt es einige direkte Hinweise zur Datierung des Textes. Anachronismen wie die Erwähnung von Kamelen (Kap. 12, Vers 14-16; Kap. 24, Vers 10-11) und Karawanen (Kap. 37, Vers 25-28) sowie der Bezug auf israelitischer Könige (Kap. 36, Vers 31) deuten auf eine Entstehung nach dem 10. vorchristlichen Jahrhundert hin; erst seit jener Zeit fanden sich Könige in Israel. Kamele wurden im 12. oder 11. vorchristlichen Jahrhundert domestiziert, und die ältesten Hinweise auf Kamelkarawanen im Nahen Osten stammen aus dem 7. Jahrhundert. Der Bezug auf Könige der Philister (Kap. 26, Vers 1) im Nahen Osten stützt diese Datierung: Archäologische Ausgrabungen finden erste philisische Ansiedlungen seit dem 13. Jahrhundert, und erste Städte (Gerar) im 7. Jahrhundert.
Mit der Datierung der Patriarchen auf die Zeit zwischen dem 25. und dem 16. vorchristlichen Jahrhundert (je nach Lehrmeinung) ergibt sich eine Entstehung von einigen Jahrhunderten nach den Ereignissen.
Der Hauptteil und das Augenmerk liegt auf dem zweiten Teil. Der erste Teil ist rahmengebender Natur, für die Erzählungen über und um das Volk Israel. In diesem Licht sollte auch die Diskussion der Kreationisten und der fundamentalistischen Christen mit ihrer Kritik der Evolutionstheorie gesehen werden.
In dem großen babylonischen Bericht über die Erschaffung der Welt Enuma Elisch, spaltet der Lichtgott Marduk den Leib des Urdrachens. Firmament und Erde sind der aufgerissene Leib des toten Drachens und aus dem Blut des Drachens hat Marduck die Menschen geschaffen. Die Schreiber des Schöpfungsberichtes der Bibel, stellen sich ganz nüchtern und keck gegen diese dämonische Sicht der Welt. Nein, sagen sie, so kann es nicht gewesen sein. Wir Menschen alle, sind aus guter Erde geformt, jenseits aller Kulturen und Geschichte. Gerade dieser Gedanke liegt dem Schöpfungsbericht der Bibel zugrunde. Gott ist auch kein unpersönliches Es, das in der Weite des Alls waltet. Gott tritt immer wieder in Kontakt zu seiner Schöpfung. Die Welt und die Lebewesen auf ihr leben von Anfang an aus der Lebensmacht und der Zuwendung des die Welt liebenden Gottes - allen Störungen und Bedrohungen zum Trotz.
Teilweise werden Referenzen zu anderen Gottheiten im 1. Buch Mose als Hinweis auf eine henotheistische Vorgängerreligion verstanden, die nur noch in Spuren erkennbar ist. Nach dieser Sichtweise wäre der alttestamentliche Monotheismus dem des Zoroastrismus zeitlich nachgeordnet.
Der Mensch wird in erster Linie in Bezug auf Gott gesehen; in dieser Beziehung besteht sein Zweck und seine Erfüllung. Dies wird auch deutlich mit der Bedeutung des Bundes, den Gott mit allen Menschen schließt: Einmal mit Noach und später mit Abraham, jeweils stellvertretend für alle Nachkommen. Insbesondere der Bund mit Abraham führt zur Sichtweise des Volks Israel als des von Gott ausgewählten Volkes, dem spezielle Versprechungen gemacht werden.
Aus der Abfolge der Generationen und den angegebenen Jahreszahlen wurde von religiösen Juden und Christen versucht, das Alter der Welt zu bestimmen. Dies erfolgt unter der Annahme einer wörtlichen Interpretierbarkeit der Erzählungen. Da sich die Jahreszahlen in der hebräischen Bibel von denen der Griechischen Bibel unterscheiden, und einige Angaben mehrdeutig sind, kam man zu mehreren verschiedenen möglichen Ergebnissen. Schon im Mittelalter wurde ein derartiges Vorgehen von rationalistisch ausgerichteten Theologen abgelehnt und eine allegorische Lesart vertreten.
Heute wird die Geschichte des 1. Buch Mose weitgehend als Versuch verstanden, die zu jener Zeit im Nahen Osten lebenden Stammes- und Volksgruppen in ihrer Beziehung zum Volk Israel zu verstehen.
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