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Sanliurfa_Turkey_Provinces_locator.gif Şanlıurfa, auch schlicht Urfa genannt und auch unter ihrem antiken Namen Edessa bekannt, ist die Provinzhauptstadt der türkischen Provinz Şanlıurfa und zählt rund 390.000 Einwohner (2004). Die Bevölkerung setzt sich aus Kurden, Türken und Arabern zusammen.

Name


Auf Aramäisch wird die Stadt von ihren Bewohnern ܐܘܪܗܝ / Urhoy genannt und der kurdische Name ist Riha, die arabische Form ist الرهاء / ar-Ruhā’. Der seleukidische Herrscher Antiochus Epiphanes benannte sie Antiochia Kallirhoe, Seleukos Nikator schließlich Edessa, wohl nach der makedonischen Hauptstadt gleichen Namens. Als römische Kolonie hieß sie Aurelia Antonia und Opellia Macriana, später auch Alexandria. Im Mittelalter war Urfa bei den Franken als Edessa bekannt, während sie syrische Autoren weiter Urhay/Orhay nennen.

1983 wurde der Stadt wie auch der Provinz, die beide bis dahin lediglich Urfa hießen, der Titel şanlı (zu deutsch „ruhmreich“) verliehen. Der Namenszusatz soll an den Widerstand gegen die französische Besatzung im türkischen Befreiungskrieg erinnern.

Geographie


Şanlıurfa liegt im Südosten Anatoliens auf der geographischen Koordinate und auf 477 m Höhe über NN. Geographisch gehört die Stadt zu Nordmesopotamien.

Urfa befindet sich rund 80 km vom Euphrat und 45 km von der türkisch-syrischen Grenze entfernt im Nordwesten einer fruchtbaren Ebene, die im Westen, Norden und Osten von Bergen umschlossen ist. Im Südosten liegt die Ebene von Harran. Der Bach (Scirtos), der durch die Stadt fließt, ist ein Nebenfluss des Balich.

Urfa liegt am Kreuzungspunkt alter Handelstraßen. Eine Ost-Westverbindung verlief von Persien und Nisibis zu einer Euphratfurt bei Samsat und der Mittelmeerküste, eine Nord-Südverbindung ging vom anatolischen Hochland und Diyarbakir nach Harran und Syrien.

Geschichte


Vorgeschichte

In Nähe zur Stadt liegt der Göbekli Tepe mit Steinhäusern von ca. 9000 v. Chr. (PPN A und B).

Gegründet wurde die Stadt Urhai rund 2000 v. Chr. Ohne Ausgrabungen im Stadtgebiet ist aber nicht auszuschliessen, dass sie auf noch ältere Wurzeln zurückgeht.

Seleukiden und Parther

Gewöhnlich gilt Urfa als Gründung von Seleucus. Das Gründungsdatum wird gewöhnlich als 303 angegeben. Die Stadt hatte ein rechtwinkliges Straßennetz mit viereckigen Mauern und Toren, die nach den Himmelsrichtungen orientiert waren. Der Burgberg lag nur teilweise innerhalb der Stadtmauern.

Unter den Parthern entstand um Urfa das Königreich Osrhoene. Die Liste der Könige findet sich in der Chronik des syrischen Erzbischofs Dionysius von Tellmahre.

Nachdem Urfa anfänglich mit dem Kult des Mondgottes Sin im nahen Harran konkurrierte, wurde es früh christianisiert. Nach der - historisch nicht sicher nachzuweisenden - Taufe des ersten christlichen Königs Abgar V. Ukama und mit ihm vieler Bewohner seiner Reiches, wurde die ersten christlichen Kirchen im Jahre 190 unter König Abgar IX. (179-214) gebaut. Im 3. Jahrhundert wurden ebenfalls zahlreiche Klöster und Kirchen erbaut. Die Gebeine des heiligen Thomas (Mar Tuma) wurden um 233 n. Chr. in die Stadt gebracht und in der Hauptkirche bestattet.

Römer und Byzanz

Unter römische Herrschaft behielt die Stadt ihre Unabhängigkeit. Pompeius bestätigte Abgar von Edessa in seinem Amt. Dieser scheint dann nach Plutarch eine wichtige Rolle in der Niederlage des Crassus gespielt zu haben, Segal (1970) bezweifelt die Darstellung allerdings.

Danach wurde Urfa parthisch. Als Trajan 114 in Antiochia weilte, brachte ihm Abgar, der König von Edessa Geschenke, darunter über 200 Pferde. Aber schon 116 fiel Abgar von den Römern ab und die Stadt wurde zerstört. Hadrian setzte einen parthischen Prinzen als Herrscher über Edessa ein. 165 rebellierte die Stadt gegen die Parther und öffneten römischen Truppen die Tore, der Herrscher wurde römischer Klient. 194 rebellierte Urfa erneut und wurde von Septimus Severus geschlagen. Schließlich erhielt der König jedoch seinen Thron zurück. Kaiser Caracalla ließ den König von Osrhoene in Rom absetzen und töten und machte die Stadt 214 zur römischen Kolonie. Es scheint jedoch auch weiter Könige gegeben zu haben, so siedelte ein König (Phylarch) Abgar 243 mit seiner Familie nach Rom über. Im Jahre 259/260 wurden die Römer unter Valerian durch die Parther unter Schapur I. in der Nähe von Edessa besiegt, der Kaiser geriet in Gefangenschaft.

Die Stadt besaß eine Münze, hatte eine weltoffene Oberschicht und war ein Zentrum für den Karawanenfernhandel mit Luxusgütern. So gab es Handelsbeziehungen zwischen Edessa und Indien, die sehr alt sind.

525 wurden weite Teile der Stadt zerstört, als der Fluss Daisan über die Ufer trat.

Im Jahre 638 fiel die Stadt in die Hände der Muslime, im 11. Jh wieder an Byzanz. Dann ergriff der armenische Abenteurer Abu-Kab die Herrschaft, ihm folgte sein Sohn Vasil. Nach dessen Tode konnte der ehemalige byzantinische Kuropalates Philaretus Brachamius die Stadt einnehmen. 1097 von den Kreuzfahrern erobert, kam Edessa unter fränkische Herrschaft und war bis 1144 die Hauptstadt der Grafschaft Edessa. Im Jahre 1147 wurde Edessa von den Seldschuken geplündert.

In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft häufig.

Neuzeit

1637 wurde Edessa in das Osmanische Reich eingegliedert und in Urfa umbenannt. Zu dieser Zeit war die Stadt ein Handelszentrum für Baumwolle, Leder und Juwelen.

1830 geriet die Stadt kurzzeitig unter die Kontrolle des ägyptischen Gouverneurs Muhammad Ali Pascha.

1895, nach den Pogromen gegen Armenier und Assyrer durch spezielle Einheiten des Sultans, den sogenannten "Hamidiye", im Süden und Osten Anatoliens, baute Johannes Lepsius in der Stadt mehrere karitative Einrichtungen für die Überlebenden der Pogrome auf, die ab 1903 von der dänischen Missionarin Karen Jeppe geleitet wurden, die sich während des Ersten Weltkrieges einen Namen als Retterin zahlreicher armenischer Flüchtlingskinder vor dem Genozid machte. 1917 verliess Jeppe krankheitsbedingt die Türkei und setzte ihre Arbeit 1921 als offizielle Beauftragte des Völkerbundes im benachbarten Syrien fort.

Sagenhaftes


Als Gründer der Stadt nennt Ephraim der Syrer, der Orhay (syrischer Name von Edessa) mit dem biblischen Erech gleichsetzt, den assyrischen König Nimrod. Dies wird unter anderem durch Isidor von Sevilla aufgegriffen. Jakob von Edessa setzte Nimrod dann mit Ninus, dem Sohn des Belos gleich, der bei Diodor als der Gründer Ninivehs erwähnt wird. Der Zitadellenberg Urfas heißt auch "Thron des Nimrod". Bar Hebraeus nennt Henoch, "den die Griechen Hermes Trismegistos nennen" als Gründer der Stadt. Nach anderer syrischer Tradition wurde Urfa durch Orhay, den Sohn der Schlange (Hewya) gegründet.

Religion


Pool Urfa Turkey.jpg Şanlıurfa ist die fünftheiligste Stadt des Islam. Hier sollen die Propheten Ibrahim (Abraham) und Ijob gelebt haben. Entsprechend islamischer Tradition wurde hier Abraham geboren. So wird Şanlıurfa auch mit der alttestamentlichen Stadt Ur in Verbindung gebracht.

Aus der Zeit des Königs Abgar V. von Edessa stammt auch das Mandylion, ein Tuch, das ein Abbild Christi zeigen soll. Diese soll als die erste christliche Ikone gelten.

Eine zentrale Stätte des Wallfahrtsortes Şanlıurfa ist die Halil-Rahman-Moschee und der zum Komplex gehörender „Teich des Abraham“ mit heiligen und unantastbaren Karpfen. Die Legende besagt, daß Gott Abraham, der auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte, errettete, indem er das Feuer in Wasser verwandelte und Glutbrocken zu Karpfen wurden.

Schule von Edessa

Der erste bedeutende christliche Autor in syrischer Sprache war Bardesanes von Edessa (2. Jh.), auf den das "Buch der Gesetze der Länder" zurückgeht. Edessa entwickelte sich früh zu einem Zentrum theologischer Gelehrsamkeit. Insbesondere die syrische Christenheit hatte in dieser Stadt mit ihrer berühmten theologischen Schule ein bedeutendes Zentrum. Einer von vielen berühmten Lehrern war Ephräm der Syrer. Die Stadt war ein Zentrum für melkitische (chalkedonensische), jakobitische (monophysitische) und nestorianische (ostsyrische) Christen, in der zeitweise mehrere Bischöfe nebeneinander amtierten. Einer der berühmtesten war der Geschichtsschreiber Jakob von Edessa († 708); geboren wurde hier auch der Melkit Theodor Abū Qurra († ca. 830), einer der frühesten christlichen Denker in arabischer Sprache.

Im 4. und 5. Jh. war Edessa ein bedeutendes Zentrum des nestorianischen Christentums und ging dann durch Mar Ephrem den Syrer zum Glauben und den Lehren der syrischen Kirche über. Die Schule von Edessa blühte, so dass viele bekannte Lehrer der syrischen Kirchen dort lernten und lehrten wie die bekannten Dichter Jacob von Serugh, Mar Narsai und der Bischof und Dichter Mar Rabbula. Im fünften Jahrhundert war Edessa unter Bischof Ibas von Edessa († 457), Sitz der der theologischen Schule von Edessa, die unter Kaiser Zenon 489 geschlossen wurde.

Persönlichkeiten


Literatur


J. B. Segal, Edessa: The Blessed City, Oxford, Clarendon Press, 1970.

Weblinks


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