Unter Übersetzung versteht man in der Sprachwissenschaft:
Die Übersetzung fällt gemeinsam mit dem Dolmetschen unter den Begriff Sprachmittlung. Ein maßgeblicher Unterschied liegt darin, dass bei der Übersetzung der Ausgangstext fixiert vorliegt und somit immer wieder bearbeitet werden kann und beim Dolmetschen der Ausgangstext nicht fixiert vorliegt.
Der Vorgang der „Übersetzung“ wurde in der Vergangenheit als (linguistisches) Umkodierungsmodell aufgefasst. Koller (1992:80-82) bezeichnet „Übersetzen“ als einen textverarbeitenden Vorgang, der von einem Ausgangstext zu einem Zieltext führt, wobei das Verhältnis zwischen Ausgangstext und Zieltext die „Äquivalenz“ sein soll. Das charakteristische Merkmal der „Äquivalenz“ ist die Mehrdeutigkeit, was man daran sehen kann, dass es zu einem Text, beziehungsweise Satz stets mehrere verschiedene Übersetzungen gibt.
Im Zuge einer Neuorientierung in der Übersetzungswissenschaft Anfang der 90er Jahre wurde kritisiert, dass der Begriff „Äquivalenz“ im naturwissenschaftlichen Sinne für eine Größe, die das Verhältnis zwischen Ausgangs- und Zieltext festlegen soll, eine Illusion sei. Vielmehr sei die Übersetzungswissenschaft eine „interdisziplinäre, multiperspektivische Einheit“ (Snell-Hornby 1994:12) und kein „Teilbereich der angewandten Linguistik“ (Snell-Hornby 1994:11).
Damit wird Kollers Verständnis des Übersetzungsprozesses, das durch die rein sprachliche Relation zwischen den Texten geprägt war, wesentlich erweitert.
Ein Text ist mehr als die Summe dessen, was in ihm verbal ausgesagt wird.
ist die Grundeinstellung in der Übersetzungswissenschaft nach der Neuorientierung. Sprachliche Äußerungen werden jetzt allgemeiner als „Wirklichkeitsausschnitte“ aufgefasst. Es ist ein Bewusstsein dafür entwickelt worden, dass sprachliche Äußerungen an Situationen und Konventionen gebunden sind. Es gilt die Auffassung, dass immer der Text in seiner Situation, in seiner jeweiligen historischen und soziokulturellen Einbettung zu übersetzen ist.
Das Kernproblem bei der Übersetzung war in der Vergangenheit schon und ist auch nach der Neuorientierung noch das Problem der „doppelten Bindung“ des Übersetzers. Das Dilemma für den Übersetzer besteht darin, bei seiner Entscheidung zwischen Zieltextvarianten gleichzeitig eine Rückbindung an den ausgangssprachlichen Text zu erfüllen und gleichzeitig Verpflichtungen gegenüber dem Leser bei der Verfassung des zielsprachlichen Textes zu erfüllen.
Beispielsweise kann sich eine grammatische Struktur im Original als sehr charakteristisch für den Stil des Ausgangstextes und damit auch übersetzungsrelevant herausstellen, aber durch eine genaue Übertragung würde im Zieltext ein unnatürlicher Stil entstehen, der den Leser irritiert.
In den älteren Ansätzen herrscht noch die Auffassung vor, man müsse alle „Aspekte“ eines Ausgangstextes (z.B. die Übersetzung von Metaphern und Vergleichen, Hervorhebungsmuster und thematische Progression, Satzmuster, Sprachliche Varietäten (Dialekt, Soziolekt)) gleichermaßen berücksichtigen. Die neueren Ansätze betonen zwar teilweise auch noch das differenzierte Herausarbeiten von verschiedenen Übersetzungsaspekten. Es wird allerdings gefordert, dass diese hierarchisiert werden müssen, damit in der Übersetzung das zum Tragen kommt, worauf es in dieser Übersetzung auch ankommt.
Die Übersetzungsaspekte sollen hierarchisiert werden anhand von „textexternen Faktoren“ wie Ort und Zeit des Textes, Intention des Senders und Erwartung des Empfängers. Anhand der textexternen Faktoren soll dann die Funktion des Ausgangstextes beziehungsweise des Zieltextes ermittelt werden und daran festgemacht werden, welches die zu erhaltenden oder die zu verändernden Aspekte des Zieltextes sein sollen.
Bei einer Übersetzung, also der Suche nach ähnlichen oder gleichen Bezugspunkten in der Zielkultur sind immer subjektive Komponenten im Übersetzungsvorgang enthalten. Subjektive Einflüsse ergeben sich in einer Übersetzung
Die Übersetzung ist seit jeher ein Thema der Hermeneutik, der Sprachphilosophie und der Erkenntnistheorie.
Die Hermeneutik thematisiert das Phänomen der Übersetzung als Erfahrung von Distanz und Andersartigkeit (Alterität). Auch der für die Hermeneutik so wichtige Umgang mit Überlieferung und Tradition schließt oft die Notwendigkeit der Übersetzung ein. Dabei haben verschiedene Philosophen darauf aufmerksam gemacht, dass der Übersetzer stets in seinem eigenen Horizont steht, in den er das Produkt seiner übersetzerischen Bemühungen einordnen muss. Ein bloßes Übertragen des Textinhaltes von der Quell- in die Zielsprache ist daher nicht möglich. Der Übersetzer muss sich entscheiden, ob er den notwendigerweise fremdartigen Text an die eigene Sprache angleicht und dessen Fremdartigkeit so zu verdecken versucht, oder ob er diese Fremdartigkeit gerade mit den Mitteln der eigenen Sprache nachbilden möchte. Beide Verfahren sind legitim, eine Entscheidung, welche Version "näher" am Original ist, lässt sich nicht allein durch Verweis auf die Textgrundlage fällen. Ein Beispiel wäre die Übersetzung von Sprichwörtern, für die man entweder ein Pendant der eigenen Sprache suchen kann, oder das man wörtlich überträgt, um die Andersartigkeit der Sprichwortbildung der fremden Sprache zu demonstrieren. Dabei ist das hier beschriebene Phänomen nur eine von vielen Ausprägungen desselben Phänomens: dem Umgang mit Distanz und Überlieferung.
In der Sprachphilosophie ist das Problem der Übersetzung von Interesse aufgrund der These, dass gerade im Übergang von einer Sprache in die andere sich das Wesen von Sprache, Bedeutung und Sinn ergründen lässt.
Die Maschinelle Übersetzung (MT) ist der Versuch, ohne "menschliche" Mithilfe mittels eines Computerprogrammes Übersetzungen automatisch durchzuführen. Die Textqualität solcher computererzeugten Übersetzungen reicht aber an Humanübersetzungen nicht heran. Lediglich stark normierte Texte wie z.B. Wettervorhersagen lassen sich gut maschinell übersetzen (das wird im zweisprachigen Kanada praktiziert). Als Zwischenlösung verstehen sich maschinelle Übersetzungssysteme, die vor der Übersetzung eine Analyse der zu übersetzenden Texte durchführen um dann einen menschlichen Operator die Möglichkeit zu geben unklare oder mehrdeutige Quelltexte zu modifizieren. Bei diesen Systemen ist der menschliche Anteile am Ergebnis der Übersetzung relativ hoch. Bei der maschinellen Übersetzung wird dann zusätzlich noch auf umfangreiche Terminologiedatenbanken und auf Translation Memories zurückgegriffen, so dass das Ergebnis eine durchaus vertretbare Übersetzungsqualität erreicht.
Der Fortschritt beim menschlichen Übersetzen besteht in der Entwicklung von Übersetzungshilfen: Terminologiedatenbanken und Übersetzungsspeicher (Translation Memories), die in einem zu übersetzenden Text Formulierungen automatisch erkennen, die schon einmal übersetzt und gespeichert wurden, und die die gespeicherte Übersetzung dann zur Übernahme vorschlagen. Auch das Internet hat zur Verbesserung der Übersetzungsqualität beigetragen, da ein Übersetzer dort überprüfen kann, ob eine Formulierung in der Zielsprache möglich und/oder in der jeweiligen Textsorte üblich ist.
In der MAHT (Machine-Aided Human Translation) oder auch CAT (Computer Aided Translation) benutzt ein professioneller Übersetzer ein Translation Memory, in dem bereits übersetzte Sätze gespeichert sind. Für den erfolgreichen Einsatz von Translation-Memorys ist das übersetzungsgerechte Schreiben des zu übersetzenden Textes ein besonders wichtiger Aspekt.
Das Produkt einer Translation (Übersetzung) wird als Translat bezeichnet.
Gängige Vorurteile gegenüber Übersetzungen sind:
Richtig ist:
Einen guten Einblick in die Übersetzungspraxis mit Übersetzungsbeispielen gibt anhand von Herman Melvilles "Moby Dick" ein Artikel von Dieter E. Zimmer
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