Von Überreichweiten ist die Rede, wenn Signale regionaler, terrestrischer Funkdienste in weitaus größerer Entfernung als üblich zu empfangen sind. Dieses fällt insbesondere bei Radiostationen auf UKW und Fernsehsendern auf. Betroffen sind Frequenzen über 30 MHz, für die normalerweise quasioptische Ausbreitungsbedingungen gelten. Somit sind auch bei vielen anderen Funkdiensten, wie Polizeifunk, Rettungsdienste, Betriebsfunk, Taxi- oder UKW-Seefunk die Folgen von Überreichweiten zu spüren. Nicht selten wird dabei die Kommunikation erschwert. Funkamateure und DXer nutzen diese Bedingungen dagegen für seltene Verbindungen.
Ohne Überreichweiten gelangen die Signale z. B. eines UKW-Radiosenders deshalb nur geringfügig über den Sichthorizont der Sendeantenne hinaus. Wenn diese auf einem 200 Meter hohen Mast im Flachland installiert ist, bestünde bis zu etwa 40 km Sichtkontakt zu einem Empfänger. Entsprechend stark ist in diesem Bereich das Signal. Allerdings verhält sich ein Radiosignal nicht exakt wie Licht. Es dringt z. B. abgeschwächt durch Mauern und folgt auch ein kleines Stück der Erdkrümmung. Bis in etwa 100 km Entfernung wäre das Signal mit einem guten Radio empfangbar. Wenn die Frequenz frei ist, kann ein UKW-Radiosignal auch bei normalen Bedingungen noch bis ca. 400 km mit sehr schwacher, schwankender Signalstärke empfangen werden. Hierzu sind allerdings große Antennen und hochwertige Geräte nötig.
Wenn z. B. im Ruhrgebiet dänische UKW-Radiostationen zu hören sind, handelt es sich um eine troposphärische Überreichweite. Grund ist eine Inversionswetterlage. Radiowellen werden durch die Temperaturunterschiede in der Atmosphäre gebrochen. Somit überwinden sie die Erdkrümmung. Die Brechung erfolgt in der wetterprägenden Schicht der Atmosphäre, der Troposphäre, in einer Höhe von bis zu 15 Kilometern. Radiostationen aus Entfernungen von 100 bis 400 km tauchen dann auf der UKW-Skala auf. Diese bleiben mit relativ konstanten Signalen über mehrere Stunden oder Tage hörbar. Leichtes "Tropo" mit nur geringfügig angehobenen Signalen tritt relativ häufig auf. Bei starker Ausprägung an ca. 10 Tagen im Jahr in Deutschland sind sogar Stationen bis 1000 km, in Ausnahmefällen auch darüber, zu empfangen. Begünstigt werden troposphärische Überreichweiten bei Hochdruckwetter und Ausbreitungswegen über Wasser. Im Mittelmeerraum ist starkes "Tropo" sehr häufig.
Wenn in Deutschland z. B. UKW-Radiostationen oder terrestrische Fernsehsender aus Spanien oder Griechenland zu empfangen sind, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um "Sporadic E". Die Signale können sehr stark werden, sie schwanken dabei und sind nur aus einem kleinen geographischen Bereich hörbar. So können in einem Moment Stationen aus Madrid zu hören sein, wenige Minuten später aus Valencia, schließlich von Mallorca und aus Algerien, bevor das Phänomen verschwindet. Sporadic E tritt tagsüber an mehreren Tagen im Sommer auf.
Sporadic E unterscheidet sich vollkommen von Tropo. Die Radiowellen werden in der ca. 150 km hohen E-Schicht der Ionosphäre reflektiert. Somit werden große Distanzen überbrückt. Typisch im UKW-Radioband ist der Empfang von Stationen aus 1500 bis 2000 km Entfernung. Weil der Einfallswinkel der Reflexion nur sehr flach sein darf, sind auf UKW Distanzen unterhalb 800 km bei Sporadic E kaum möglich. Höhere Frequenzen führen zu größeren Entfernungen.
In der Ionosphäre werden normalerweise Kurzwellensignale reflektiert. Die Höchstfrequenz dafür liegt meistens zwischen 15 und 30 MHz. Bei Sporadic E steigt sie bis zu 150 MHz an, in Ausnahmefällen auch darüber. Leichtes Sporadic E gibt es im Sommer fast täglich über mehrere Stunden, starkes an bis 20 Tagen. Die folgende Tabelle gibt einen Beispiele für Entfernungen bei unterschiedlicher Ausprägung von Sporadic E:
| Frequenz | 20 MHz | (obere Kurzwelle)27 | (CB-Band)50 MHz | TV-Kanäle 2,3,4100 MHz | UKW144 MHz | 2m- Amateurfunk
| normale Bedingungen | 2000 | - | - | - | - |
| leichtes Sporadic E | 1300 | 1500 | - | - | - |
| mittleres Sporadic E | 1000 | 1300 | 1800 | - | - |
| starkes Sporadic E | 600 | 800 | 1000 | 1600 | 1800 |
In seltenen Fällen können Doppelsprünge eines Signals mit Sporadic E beobachtet werden.
Schwache, stark verzerrte Signale von Stationen aus nördlichen Regionen, z. B. Schottland, deuten auf Aurora hin. Hierbei werden Radiosignale an Polarlichtern reflektiert. Nur bei sehr starkem Aurora ist das Phänomen in Deutschland ohne großen Aufwand zu beobachten. Im Polarkreis tritt es an vielen Tagen im Jahr auf.
Wenn Meteore in die Atmosphäre eintreten, hinterlassen sie ionisierte Bahnen, an denen sich Funksignale reflektieren können. Dieser Effekt ist jedoch schwach und kann nur mit leistungsfähigen Antennen verfolgt werden. Stationen in ca. 1000 km Entfernung tauchen dabei wenige Sekunden lang auf. Da dieses jedoch täglich beobachtet werden kann, handelt es sich um keine typische Überreichweite.
TEP (trans equatorial propagation) kann in Deutschland nicht beobachtet werden. Die Reflexion erfolgt in der Ionosphäre. Es entstehen Signalwege zwischen Stationen, die jeweils 2000 bis 3000 km nördlich und südlich des Äquators liegen.
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