Der Übermensch ist ein Begriff aus dem philosophischen Denken. Als Übermensch wird ein "Idealmensch" bezeichnet, welcher über das gewöhnliche Leben eines "normalen" (meist negativ bewerteten) Menschen hinausgewachsen ist. Der Begriff wurde, jeweils mit unterschiedlichem Bedeutungsinhalt, u.a. von J.G. Herder, Goethe und dem indischen Philosophen Sri Aurobindo verwendet. Am weitaus bekanntesten ist aber die Übermensch-Konzeption von Friedrich Nietzsche.
Bei Friedrich Nietzsche taucht der Begriff des Übermenschen zuerst in seinem Werk "Also sprach Zarathustra" (1883-85) auf, auch wenn sein Konzept des Übermenschen schon in seinem Werk "Menschliches, Allzumenschliches" (1878) teilweise entwickelt ist. Nietzsche übernahm den Terminus vom französischen Philosophen Claude Adrien Helvétius, der vom "homme supérieur" geschrieben hatte.
Aus Sicht Nietzsches ist es die Aufgabe des Menschen, einen Typus hervorzubringen, der höher entwickelt ist als er selbst. Diesen dem Menschen überlegenen Menschen nennt Nietzsche den „Übermenschen”.
Hierbei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass der Übermensch nicht eine neue Gattung nach dem Menschen sein soll, sondern aus dem einzelnen Menschen hervorgeht. Zwar hat Nietzsche auch die Hoffnung, dass es in der Zukunft mehrere dieser Übermenschen gibt; aber dies ist nicht so zu verstehen, dass sich eine Rasse Übermensch entwickeln soll. Es handelt sich also nicht um eine neue Rasse „Übermensch”, die den Menschen ablöst wie dieser das Tier, sondern um den Einzelnen, der sich über sich hinausschaffend als Übermensch verwirklicht.
Nietzsches Konzept des Übermenschen stellt eine radikale Lebensbejahung trotz des und gegen den Nihilismus dar. Der Übermensch gilt somit als Überwinder des Nihilismus. Er ist der Schöpfer neuer Werte, die er aus sich selbst bezieht und die anstelle der durch den Nihilismus zuvor zerstörten bzw. verneinten transzendenten Werte (Gott, Religion, ewige und unbezweifelbare moralische und erkenntnistheoretische Dogmen) nunmehr eine immanente, dem Leben zugewandte und dem Leben dienliche Entsprechung finden. Der Übermensch wird in der Nietzsche-Forschung auch interpretiert als der Versuchende, Strebende, sich selbst Überwindende, als Ausdruck einer ursprünglich zum Menschen gehörenden Sehnsucht, sowie des Nicht-Genügens der eigenen Faktizität.
Nietzsche sagt, der Mensch solle diese Entwicklung des Übermenschen bewusst bejahen und wollen.
Nietzsche empfand für die in banalem Hedonismus befangenen und ohne höhere Zielsetzungen dahinlebenden Menschen - die "Herdenmenschen" - bloß Verachtung. Was er positiv an ihnen fand, war, dass sie untergehen und zuvor etwas Neues hervorbringen würden: den Übermenschen. Nietzsches Zarathustra wünscht sich Menschen, die Wegbereiter des Übermenschen sind, obwohl sie wissen, dass der Übermensch der Untergang des Menschen sein kann. Das Ziel der Menschheit liegt nach Nietzsche nicht in der Zukunft oder im allgemeinen Wohlergehen, sondern in den immer wieder auftretenden „höchsten Exemplaren” der Menschheit, eben den Übermenschen. Aus dieser philosophischen Position resultiert die positive Einschätzung gerade von immoralistischen und nach Größe strebenden Machtmenschen wie Alkibiades und Napoléon Bonaparte durch Friedrich Nietzsche.
Von zahlreichen Nationalsozialisten wurde Nietzsches Übermenschen-Theorie missbraucht und mit der "Herrenmenschen-Ideologie" des Nationalsozialismus gleichgesetzt, obwohl Nietzsche nie eine Überlegenheit der Rasse, sondern des Geistes propagiert hat. Große Bedeutung für die falsche Darstellung Nietzsches in der NS-Zeit hatte Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, die seine Werke bewusst fälschte.
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