Ústí nad Labem (deutsch Aussig an der Elbe, Romani Ustji, Ustjiss ) ist eine Stadt im Norden von Böhmen, Tschechien. Es ist Zentrum des nordböhmischen Industrie- und Ballungsgebietes, Verkehrsknotenpunkt und Sitz des Bezirks und der Ústecký kraj. Die Stadt hat 93.859 Einwohner (2005), die auf einer Fläche von 9.392 Hektar in 22 Ortsteilen wohnen, darunter viele Sinti und Roma.
Die Altstadt von Aussig liegt am linken Elbufer an der Einmündung des Flüsschens Biela, 14° 2' 30" östlich von Greenwich und 50° 39' 33" nördlicher Breite.
Während des kommunistischen Regimes wurde Schwerindustrie aufgebaut. Direkt im Zentrum der Stadt befinden sich chemische und Nahrungsmittelfabriken sowie Glasereien. Der bedeutendste Arbeitgeber in Usti ist die "SPOLCHEMIE" welche neben der Schwerchemie, heute auch feinste Spezialrohstoffe produziert. Im Westen in Trmice befindet sich ein Elektrizitätswerk mit Wärmeerzeugung. Die hohe Luft- und Wasserverschmutzung geht mehr und mehr zurück. Die Umweltauflagen des tschechischen Staates sind in der Zwischen zeit höher als vergleichbare in der Bundesrepublik Deutschland. Es werden weiterhin große Anstrengungen zum Abbau der Umweltbelastungen betrieben welche auch von der EU prämiert wurden. Bedeutend ist auch der Hafen an der Elbe.
Der Name der Stadt wurde vermutlich vom Zusammenfluss beider Wasserwege vom alttschechischen Wort ustie (= ústí; lat.: Vsk super Albium nebo Albim; deutsch: Aussig an der Elbe) abgeleitet.
Region der ältesten historischen Tradition ist der Ort Stadice. Der böhmische Chronist Cosmas von Prag vermutet dort die Gründung der böhmischen Königsdynastie der Přemysliden. Von diesem Ort soll Libuše den sagenumwobenen Přemysl den Pflüger holen lassen.
Schon 993 wurde die Stadt als Handelsplatz an der Elbe erwähnt. Přemysl Otakar II. erhob in der ersten Hälfte des 13. Jh. den Ort zur Stadt. Die Rechte bestätigte und erweiterte Johann von Luxemburg. Die Stadt wurde nach dem Magdeburger Recht verwaltet.
Während der Hussitenkriege gehörte die Stadt den Markgrafen von Meißen und wurde von den Hussiten belagert. Die Kämpfe erreichten 1426 ihren Höhepunkt im Ort Na Běhání. Die Deutschen verloren den Kampf. Nach der Eroberung der Stadt am 16. Juni (Schlacht bei Aussig) verübten die siegreichen Hussiten unter Andreas Prokop ein Massaker an den deutschen Bewohnern der Stadt und zerstören Aussig. Danach herrschte Jakoubek von Vřesovice. Die Chroniken beschreiben, dass die Sieger in Folge friedlich mit der deutschen Bevölkerung weiter lebten.
Zum größten Aufschwung kam es im 16. und 17. Jh. Die Stadt beteiligte sich nicht am niedergeschlagenen Aufstand gegen Ferdinand I. 1547, wurde damit auch nicht bestraft und konnte sich wirtschaftlich entwickeln. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. kommt es zur massenhaften Ansiedlung von Deutschen, die bald mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
Zum Zusammenbruch kam es während des Dreißigjährigen Krieges. Die Stadt wurde siebenmal Opfer durch Plünderungen und Strafzahlungen. Die Folgen dauerten beinahe zweihundert Jahre an. In dieser Zeit war die Stadt nur ein kleines Bauerndorf mit weniger als zweitausend Einwohnern. Erst nach 1830 kam es durch Industrialisierung zur erneuten Immigration.
Bei den Orten Kulm (Chlumec u Chabařovic), Priesten, Straden (Stradov u Chabařovic), Schanda (Žandov u Chlumce), Arbesau und Tellnitz (Telnice) tobten 1813 nach Austerlitz (Slavkov) die härtesten Kämpfe der Napoleonischer Kriege auf dem Boden Österreich-Ungarns. An diese Schlachten erinnern zahlreiche Denkmäler.
Das starke Industriewachstum und die Ausweitung des Flussverkehrs führten zu zahlreichen Veränderungen. Nach Jahrhunderten der Stagnation wurden zu Beginn des 19. Jh. wieder Häuser gebaut. Die mittelalterlichen und Renaissance Häuser sowie die Stadtmauer wurde zerstört. Neben Landwirtschaft und Weinanbau siedelten sich Webereien, Farbenhersteller und Papierfabriken an. In der Umgebung wurden knapp sechzig Bergwerke eröffnet. Aussig wurde dank der 1827 entdeckten Kohlevorkommen und der 1851 eröffneten Eisenbahnlinie Dresden - Prag zur Industriestadt. Für Lastkähne war die Elbe früher erst ab Aussig flussabwärts schiffbar; damit wurde Aussig zum wichtigen Umladehafen zwischen dem Schifftransport auf dem Fluss und dem Landweg in Böhmen. 1860 lebten hier 7950 Einwohner, viermal so viel wie 1840. Trotz Krieg, Cholera, Typhus, und anderen Epidemien verdoppelt sich die Bevölkerung in den nächsten zwanzig Jahren. 1867 wurde das Bürgerliche Bräuhaus Aussig (heute Bierbrauerei Zlatopramen) erbaut - 1872 baute man die erste Brücke über die Elbe.
Aussig war Stammsitz des Aussiger Vereins, einem beteudendem Chemie-, Metallurgie- und Bergbaukonzern, der später im Rahmen der „Arisierung“ zerschlagen und der IG Farben eingegliedert wurde.
Anfang des 20. Jahrhunderts lebten 40.000 Einwohner in Aussig und sie war eine der bedeutenden Städte Böhmens. Die starke Migration vor allem auch Deutscher führte 1935 zu ersten Konflikten. Konrad Henlein hielt hier eine Rede und erreichte bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. Nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt am 9. Oktober 1938 dem Deutschen Reich angegliedert.
Am 1. Mai 1939 wurden der Stadt die Gemeinden Hottowie, Pokau, Prödlitz, Schreckenstein, Türmitz und Ziebernik eingegliedert. Gleichzeitig verließ Aussig den gleichnamigen Landkreis und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. In Aussig hatte ferner einer der drei Regierungspräsidenten für den Reichsgau Sudetenland seinen Sitz.
Durch Bomben der Alliierten wurde am 17. und 19. April 1945 ein Fünftel der Stadt dem Erdboden gleichgemacht. 500 Menschen verloren ihr Leben.
Am 31. Juli 1945 kam es nach einer Explosion in einem Munitionsdepot zur einem Pogrom gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Dem Massaker von Aussig fielen nach deutschen Angaben zwischen 1.000 - 2.700, nach tschechischen Angaben zwischen 40 - 100 Menschen zum Opfer.
Zwischen 1945 und 1948 wurden aufgrund der Beneš-Dekrete aus der Region 53.000 Deutsche vertrieben. Dies geschah in zwei Phasen. Vom Kriegsende bis Ende Juli 1945 durch wilde Vertreibung und Flucht sowie von Januar bis Dezember 1946 durch eine organisierte Aussiedlung. An ihre Stelle traten Tschechen und Roma aus Tschechien, der Slowakei, sowie teilweise auch aus Rumänien und Russland. In der Region kam es zu einem Bruch der kulturellen und historischen Traditionen.
In den 70er und 80er Jahren kam es zu unüberlegten Urbanisierungen, rücksichtslosen Bau von Verkehrswegen und dem Bau von Großbetrieben und Plattenwohnbauten, im Sinne des realen Sozialismus und der Zerstörung des Stadtbildes.
In der Stadt gibt es drei professionelle Theaterensembles (Ballett, Oper, Theater), sieben erstklassige Chöre, Kammerorchester und weitere kulturelle Vereine, die sich meist aus jungen Menschen zusammensetzen. Daneben arbeiten hier einige großartige Tanzgruppen. Jährlich werden mehrere nationale und internationale Veranstaltungen durchgeführt (Theaterfestival der privaten Mittleren Schulen, Wettbewerb der jungen Pianisten „Virtuosi Per Musica Di Pianoforte“, „Internationales Festival des Chorgesangs“, Country und Western Festival „Trampská Porta“ und vor allem das „Internationale Tanzfestival“.
Seit 1970 unterhält Ústí nad Labem eine Städtepartnerschaft mit Chemnitz.
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