Grosskreis.jpge (gelb) unter 90°. Alle durchgezogenen Linien dieses Bildes sind Großkreise. Die gestrichelten Linien sind die Breitenkreise.]]
Die geographische Länge, λ, international mit long. (longitude = engl., frz. etc. „Länge“) abgekürzt, beschreibt eine der beiden Koordinaten eines Ortes auf der Erdoberfläche, und zwar seine Position östlich oder westlich einer definierten (künstlich festgelegten) Nord-Süd-Linie, des Nullmeridians. Sie wurde früher als Längengrad bezeichnet.
Für die Bildung der Geographischen Länge wird die Gestalt der Erde - trotz ihrer 'Abplattung' an den Polen - zu einer Kugel vereinfacht. Die geographische Länge ist ein Winkel, der ausgehend vom Nullmeridian (0°) bis 180° in östlicher und 180° in westlicher Richtung gemessen wird. Der Scheitel dieses Winkels ist der Mittelpunkt der gedachten Erdkugel, die Schenkel gehen vom Mittelpunkt aus durch den Nullmeridian bzw. den Meridian, auf dem der Ort liegt, dessen geographische Länge angegeben werden soll.
Orts- und Zeitfestlegung
Nullmeridian
Da es für die Meridiane (oder Längenkreise) keine natürliche Nullmarke gibt, wie der
Äquator sie für die Breitenmessung darstellt, muss ein
Nullmeridian definiert werden. Erst 1884 wurde dafür weltweit einheitlich derjenige Meridian festgelegt, auf dem sich die Mittelachse eines bestimmten Teleskops des
Observatorium von Greenwich (London) befindet (siehe Historisches).
Die geographische Länge wird als Winkelabstand in Grad, (Bogen-) Minuten und Sekunden vom Nullmeridian nach Ost (E) oder West (W) angegeben.
- Anmerkung: Die Abkürzung E für Ost (von englisch "east" oder französisch "est" für Ost) wird beispielsweise von der für Nautik und Flugnavigation maßgeblichen DIN empfohlen, um Fehler durch Verwechslung von O mit 0 von vornherein auszuschließen.
Der größte mögliche Zahlenwert ist also 180 Grad, wobei 180°E = 180°W. Annähernd entlang dieses Längengrades, allerdings mit erheblichen Abweichungen, verläuft im Pazifik die von den betroffenen Ländern festgelegte Datumsgrenze.
Abstand der Meridiane
Der Abstand zwischen zwei Längenkreisen ist am Äquator am größten. Dort ist die
Abweitung ca. 111 km groß (40000 km/360 entspricht 60
Seemeilen; die
Seemeile wurde ursprünglich mit einer
Bogenminute auf dem
Äquator definiert). An den Polen hingegen fallen alle Längengrade in einem Punkt zusammen.
In Deutschland kann man sich an den Durchschnittswert 71,5 km halten (Berechnungsbasis:
Längengradabstand a = cos(50°) × 2 × π × r/360° = 71,5 km bei r = 6.370 km).
Schreibweisen der Zahlenwerte
Die Beschränkung der Längenangabe auf
ganzzahlig viele Grad wäre also für Positionsangaben fast überall (ausgenommen in unmittelbarer Polnähe) zu ungenau (eben deshalb ist ja der Begriff
Längengrad veraltet). Genauere Angaben der geographischen Länge können folgendermaßen gestaltet werden:
- in der Winkeleinheit Grad in Dezimalschreibweise (z. B. 66,34°)
- sexagesimal in Minuten und Sekunden (im gleichen Beispiel 66° 20' 24"). 66° 20' 24" ist eine Kurzschreibweise für folgende Summe dreier Winkel 66° + 20' + 24". Diese Pluszeichen werden weggelassen. Die Summanden werden dabei so gewählt, dass die Zahlenwerte vor Minute und Sekunde kleiner als 60 sind.- Eine Sekunde geographischer Länge entspricht am Äquator einer Strecke von rund 31 Metern, in Mitteleuropa (auf 50° N geographischer Breite) etwa 20 Metern.
- In der Nautik wird bei der Angabe geographischer Koordinaten heutzutage die Winkeleinheit Sekunde vermieden, so dass aus obigem Beispiel wird: 66° 20' 24" = 66° 20,4'. Noch genauere Positionsangaben, wie sie z. B. in der Satellitennavigation erzielt werden, schlagen sich in weiteren Nachkommastellen nieder.
- Wegen der Erdrotation, 360° in 24 Stunden, kann die geographische Länge auch als Zeit ausgedrückt werden. Der Ortsstundenwinkel wird in der Astronavigation genutzt.
Koordinatenbeispiele
- Koordinaten von München: ca. 48° 9' Nord (Breitengrad), 11° 35' Ost (Längengrad)
- San Francisco: ca. 37° Nord, 122° West
Zeit
Aufgrund der Erdrotation ist die
Ortszeit auf verschiedenen Längengraden unterschiedlich. Der Zeitunterschied zum Nullmeridian beträgt
eine Stunde pro 15° Längenunterschied. Daraus ergeben sich
Zeitzonen.
Vor allem in der Seefahrt werden die Längengrade 3-stellig vor dem Komma geschrieben. Dadurch wird die Unterscheideung zu den Breitengraden deutlicher hervorgehoben. Beispiel: 010,43° E
Historisches
Der griechische
Astronom und Mathematiker
Hipparchos (ca.
190–
120 v. Chr.) teilte die Erde in ost-westlicher Richtung erstmals in 360
Grad.
Das Bezugssystem der Längengrade war lange Zeit uneinheitlich. Je nach Nation bezogen sich Koordinatennetze auf Nullmeridiane in London, Paris, St. Petersburg, Ferro (Hierro, auf den Kanaren, 17° 40'W). Erst auf der Internationalen Meridiankonferenz, Washington 1884, wurde Greenwich bei London weltweit festgelegt, unter anderem, weil britische Seekarten bereits längst weltweit genutzt wurden.
Ermittlung der geographischen Länge
Während die
geographische Breite durch
Messung von
Vertikalwinkeln der
Sonne oder des
Polarsterns relativ einfach bestimmbar ist, gestaltete sich die Bestimmung der aktuellen geographischen Länge mit ähnlicher Genauigkeit über lange Zeit extrem schwierig. Dieses für die See
navigation bedeutsame
Längenproblem wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts gelöst. Dazu sind sehr genau gehende
Uhren notwendig, die auch ohne Strom und bei stärkstem Seegang verlässlich funktionieren, ohne durch Wettereinflüsse wie Frost, Hitze und Luftfeuchtigkeit beeinträchtigt zu werden.
Literatur
- Dava Sobel: Längengrad. Taschenbuch ISBN 3-442-72318-3 (Illustrierte Ausgabe ISBN 3827003644)
Weblinks
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