Der österreichische Staatsvertrag (eigentlich: Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich, gegeben zu Wien am 15. Mai 1955) wurde am 15. Mai 1955 in Wien im Schloss Belvedere zwischen den Alliierten Besatzungsmächten USA, UdSSR, Frankreich und Großbritannien und der österreichischen Regierung unterzeichnet und trat am 27. Juli 1955 offiziell in Kraft.
Der Staatsvertrag trägt die Unterschriften folgender neun Personen:
Der Staatsvertrag besteht aus einer Präambel und neun Teilen:
Österreich kündigte darüber hinaus an, nach Abschluss des Staatsvertrags aus freien Stücken die immerwährende Neutralität zu erklären, die somit zwar nicht im Staatsvertrag, jedoch mit diesem in engem Zusammenhang steht.
In der Zeit des Kalten Krieges wurden das Anschlussverbot und die immerwährende Neutralität dahingehend interpretiert, dass ein Beitritt zur EWG bzw. zur EU nicht erlaubt sei. Später änderte sich dies - und seit 1995 (Beitritt) ist Österreich Mitglied der EU.
Österreich war mit dem Staatsvertrag der einzige Staat, der nach 1945 bis zur samtenen Revolution 1989 auf friedlichem Weg per Vertrag frei von allen Besatzungsmächten wurde.
Auf der Berliner Außenministerkonferenz von 25. Jänner bis 28. Februar 1954 durfte Österreich als gleichberechtigter Partner teilnehmen. Die Sowjets wollten ursprünglich zwar einem Vertrag mit einem neutralen Österreich zustimmen, aber nur unter der Auflage, dass sowjetische Truppen bis zum Abschluss eines eigenen Friendsvertrages mit Deutschland im Land stationiert bleiben würden. Dem stimmten aber die Westmächte und auch Österreich nicht zu und fuhren ergebnislos heim. Erst durch den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO 1954 kam überraschend eine Lösung in Sicht. Aber erst im Februar 1955 konnte wirklich ein Durchbruch in den Verhandlungen vor allem mit dem sowjetischen Außenminister Molotow erzielt werden, so dass der Vertrag in greifbare Nähe kam.
Schon bei der Ankunft in Moskau erweckte die Begrüßung der österreichischen Delegation mit allen militärischen Ehren die Hoffnung auf ein positives Ende der Verhandlungen. Sie wurden Mitte April erfolgreich abgeschlossen. Bereits Julius Raab verkündete am 15. April bei seiner Ankunft aus Moskau am Flugplatz Bad Vöslau: "Österreich wird frei sein". Diese Verhandlungen gelten auch als Geburtsstunde der immerwährenden Neutralität, die damals auch Kritiker innerhalb der österreichischen Verhandler hatte. Die Sowjets verlangten, die Neutralität direkt im Vertrag zu verankern. Die Verhandler der ÖVP wollten auch zustimmen, während die SPÖ-Verhandler stark dagegen auftraten. Diese Verhandlungen waren bemerkenswert, weil die Sowjets eine immerwährende Neutralität als Vorbedingung für eine Unabhängigkeit sahen, die österreichischen Verhandler wiederum die Sowjets davon überzeugen mussten, dass erst nach einer Unabhängigkeit Österreichs eine rechtlich verbindliche Neutralität beschlossen werden könne. Schließlich kam man zu dem bekannten Ablauf: das freie und souveräne Österreich würde das Neutralitätsgesetz beschließen. Die Verhandlungsergebnisse wurden im Moskauer Memorandum festgehalten.
Noch bei den Schlussverhandlungen in Wien reklamierte Außenminister Figl, die Mitschuld Österreichs am Krieg aus der Präambel zu streichen, was ihm bei allen Vertragspartnern gelang.
Es handelt sich um eine von weiten Kreisen der österreichischen Bevölkerung als konstitutiv für die neuere österreichische Geschichte empfundene Äußerung, die dementsprechend häufig im Österreichischen Rundfunk in Wort und Bild wiederholt wird.
Vergleichbar ist sie in ihrem Gewicht in etwa mit der für Deutschland bedeutsamen Äußerung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedys am 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin: "Ich bin ein Berliner!" oder den Anfangsworten der Ansprache des deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der deutschen Botschaft in Prag am 30. September 1989: "Ich bin zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise... (Rest geht im Jubel unter)".
Zur Zeit des Staatsvertrages waren etwa 50.000 sowjetische Soldaten in Österreich stationiert. Von militärischer Seite wurde bis zum Schluss damit gerechnet, dass die Besatzung länger dauern würde. So bauten die Besatzungsmächte auch schon Siedlungen für die bereits nachgekommenen Familien, wie in Salzburg, wo die Amerikaner das Camp Roeder für 10.000 Personen errichteten und teilweise bereits bewohnten. Im September 1955 verließen die letzten sowjetischen Soldaten das Staatsgebiet, die der Westalliierten folgten am 25. Oktober, einen Tag bevor der Nationalrat das Neutralitätsgesetz beschloss.
Lange Jahre nach dem Staatsvertrag wurde jeweils am 15. Mai vielerorts ein Freiheitsfeuer entzündet. Es bestand auch die Frage ob der Nationalfeiertag am 15. Mai oder an dem schon gefeierten Tag der Fahne, dem 26. Oktober gefeiert werden sollte, bis die Wahl 1967 auf den 26. Oktober fiel.
Im Jubiläumsjahr 2005 wurde das authentische Original der Vertragsurkunde, welches im Staatsarchiv des Außenministeriums in Moskau hinterlegt ist, erstmals nach der Unterzeichnung außer Landes gebracht und auf der Schallaburg in Niederösterreich und im Wiener Schloss Belvedere der Öffentlichkeit im Rahmen von Ausstellungen gezeigt.
Politik (Österreich) | Österreichische Geschichte | 1955 | Völkerrechtlicher Vertrag
Austrian State Treaty | Traité d'État autrichien | Oostenrijkse Staatsverdrag | Avstrijska državna pogodba
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Österreichischer Staatsvertrag".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world