Nationalbibliothek02.jpg | Nationalbibliothek01.jpg Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) in Wien ist die zentrale wissenschaftliche Bibliothek von Österreich. Die Bibliothek ist in der Wiener Hofburg untergebracht, das Hauptgebäude ist die Neue Burg am Heldenplatz. Die historischen Sammlungen und die Verwaltung sind vom benachbarten Josefsplatz zugänglich; weitere Abteilungen befinden sich in anderen Teilen der Hofburg.
Als Nationalbibliothek sammelt die Österreichische Nationalbibliothek unter anderem die Pflichtexemplare aller in Österreich verlegten Druckwerke. Darunter sind auch alle von Universitäten approbierten wissenschaftlichen Werke wie Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und Habilitationsschriften. Seit Juli 2000 wurde die Sammlung von Pflichtexemplaren auch auf elektronische Medien ausgeweitet, es werden auch historische Zeitungen gescannt und im Internet online angeboten (Anno (Austrian Newspapers Online)).
Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war sie als Wiener Hofbibliothek eine der umfangreichsten Universalbibliotheken der Welt. Heute liegt der Schwerpunkt der Sammlung im geisteswissenschaftlichen Bereich.
Kaiser Maximilian I. kam durch seine Heirat mit Maria von Burgund in den Besitz bedeutender Bücher aus Burgund und Nordfrankreich, und brachte diese nach Wiener Neustadt. Mit einem damaligen Wert von geschätzt 100.000 Gulden stellten diese Bücher etwa ein Achtel der Mitgift Marias dar. Auch Maximilians zweite Frau, Bianca Maria Sforza brachte als Mitgift unter anderem auch Bücher aus italienischen Werkstätten in die Ehe mit ein. Die Bücher der damalige Hofbibliothek wurden zum Teil in Wiener Neustadt, zum Teil in Wien und zum Teil in Innsbruck aufbewahrt, nach dem Tod Maximilians kamen die Bücher in die Innsbrucker Burg.
Neben den wertvollen Büchern aus dem Staatsschatz entstand in Wien während des 16. Jahrhunderts die Bibliotheca Regia, die wissenschaftliche Werke sammelte und kategorisierte. Neben Büchern enthielt diese Bibliothek auch Globen und Atlanten. Diese Bibliothek wurde im Lauf der Zeit unter anderem auch durch Schenkungen der persönlichen Bibliotheken einzelner Gelehrter vergrößert.
Als erster Bibliothekar der kaiserlichen Bibliothek wurde Hugo Blotius 1575 von Maximilian II. ernannt. Seine wichtigste Aufgabe war die Inventarisierung der auf etwa 9.000 Bücher gewachsenen Bibliothek. In der Folge wurden systematisch neue Werke hinzugefügt und andere Bibliotheken einverleibt. Zum ersten Mal wurde am 26. August 1624 die Ablieferung von Pflichtexemplaren an die Hofbibliothek von Ferdinand II. geregelt. Die Hofbibliothek wuchs auch durch Zukäufe. Besonders die Bibliothek von Philipp Eduard Fugger führte zu einem starken Anwachsen der Bestände der Hofbibliothek. Aus den Beständen Fuggers besitzt die Österreichische Nationalbibliothek etwa 17.000 Blätter eines der ersten periodischen Druckwerke, der Fugger-Zeitungen.
Während der Aufklärung regte sich auch erstmals lautstark Kritik daran, dass die Hofbibliothek hauptsächlich der Repräsentation und nicht so sehr der Wissensvermittlung diente. Gerard van Swieten, Leibarzt Maria Theresias und dessen Sohn Gottfried van Swieten ergänzten die Sammlung um zahlreiche naturwissenschaftliche Werke. Damit wurde die Hofbibliothek auch für die wissenschaftliche Arbeit interessant. Ein besonderer Erfolg war eine Einführung Gottfried van Swietens, der Zettelkatalog. Damit konnte der Bestandsindex der Bibliothek aktuell gehalten werden.
Die Sammlungspolitik der Hofbibliothek löste sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusehends von den Ansprüchen der Repräsentation und legte ihr Augenmerk auf wissenschaftliche Werke. Die multinationale Verfassung des österreichischen Kaiserreichs brachte es mit sich, dass in der Hofbibliothek nicht nur deutschsprachige Bücher gesammelt wurden, sondern auch Bücher des slawischen und ungarischen Sprachraums. Wesentliche Teile der ungarischen Sammlung wanderten jedoch nach dem Ausgleich mit Ungarn nach Budapest. Während der sogen. Märzrevolution von 1848 waren die Bestände der Hofbibliothek in großer Gefahr, als nach dem Beschuss von Wien die Hofburg, in der die Hofbibliothek untergebracht ist, brannte. Eine bedeutende Ergänzung der Bestände der Hofbibliothek stellt die Papyrussammlung dar, die auf die Erwerbungen des Wiener Antiquitätenhändlers Theodor Graf zurückgeht.
Während der NS-Zeit wurden unter der Leitung des damaligen Generaldirektors Paul Heigl hunderttausende Schriften, die „arisiert“ wurden, hier untergebracht oder die Bibliothek diente für die großteils wertlosen, aber beschlagnahmten Werke als Durchgangslager in deutsche Bibliotheken.
1966 wurden große Teile der Sammlungen vom Gebäude am Josefsplatz in Räumlichkeiten der Neuen Burg am Heldenplatz übersiedelt, wobei dort auch neue Lesesäle eingerichtet wurden. 1992 wurde, auf Grund des gestiegenen Platzbedarfes, der Tiefspeicher unterhalb des Heldenplatzes eröffnet, wo auf vier Ebenen rund 4 Millionen Werke Platz finden. Zugleich wurden auch weitere Bereiche als Lesesäle eingerichtet, so dass Besuchern heute drei Ebenen zur Verfügung stehen (zwei Etagen des Hauptlesesaales und der Zeitschriftenlesesaal). Die Österreichische Nationalbibliothek hielt dem bei ihr erstmals verwendeten Zettelkatalog lange die Treue. Seit 1995 ist der Bestand der Bibliothek elektronisch durchsuchbar, seit 1998 auch online.
Erst ab dem Jahr 2001 wurde damit begonnen die noch vorhanden "arisierten" Werte zu restituieren, wo noch Besitzer oder deren Erben auffindbar waren. Es handelte sich dabei um ca. 25.000 Werke.
Bereits unter Maria Theresia zeigten sich Risse in der Kuppel so dass sie vom Hofarchitekten Nikolaus Pacassi mit einem Eisenring verstärkt wurde. Das Deckenfresko von Gran (an dem die Spur eines Risses heute noch zu sehen ist) wurde von Franz Anton Maulbertsch restauriert. Zur selben Zeit entstanden auch die Flügelbauten, die die Bibliothek mit der Hofburg und der Augustinerkirche verbinden und mit ihr den Josefsplatz bilden.
In der Bibliothek stehen auch Kaiserstatuen von Peter und Paul Strudel (mit einem Karl VI. im Zentrum) und vier Globen von Vincenzo Coronelli.
Siehe auch: Tabula Peutingeriana
Daneben sammelt die Bibliothek alle Werke österreichischer Autoren die im Ausland erscheinen, sowie solche Werke, die Österreicher oder das österreichische Geistes- und Kulturschaffen betreffen. Weitere Publikationen aus dem Ausland werden mit Schwerpunkt auf dem Bereich der Geisteswissenschaften aufgenommen.
Aufgaben und Dienstleistungen der Nationalbibliothek umfassen die Erschließung der Bestände und deren Bereitstellung in Form von Leihe vor Ort, Fernleihe, Recherchediensten sowie Auskunfts-, Informations- und Reproduktionsservices. Der gesetzlich gegebene allgemeine Bildungsauftrag wird auch durch die Zusammenarbeit mit Universitäten, Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen befolgt.
Insgesamt verfügt die Nationalbibliothek über mehr als sieben Millionen Einzelobjekte, wovon rund drei Millionen Druckwerke sind.
Angeschlossen ist der Kartensammlung das weltweit einzige Globenmuseum, in dem über 380 Globen verwahrt werden. Es besteht seit 1956. Bestände gibt es jedoch seit dem 16. Jh.. Der Hauptanteil besteht aus Globen, die schon vor 1850 existierten. Zur Sammlung gehört auch die passende Fachliteratur, aber auch ähnliche Instrumente, wie Armillarsphären.
Zu der Musiksammlung zählen auch viele Handschriften und Nachlässe von Komponisten.
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